Dokumentarfilmfestival "Corona Creative" #20 "Mein Freund der Baum": Was wir von Topfpflanzen lernen können

Topfpflanzen sind Experten des Hausarrests. Dass wir gerade in Corona-Zeiten viel von ihnen lernen können, zeigt diese leicht schräge Tag-und-Nacht-Beobachtung von Jeffrey Döring. Sein humorvolles Plädoyer für Entschleunigung in der Quarantäne feiert jetzt Premiere bei "Corona Creative", dem Filmfestival von MDR KULTUR im Netz.

Corona Creative 10 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Corona Creative Fr 24.04.2020 23:50Uhr 10:03 min

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Topfpflanzen! Filmemacher Jeffrey Döring eröffnet völlig neue Perspektiven auf diese stillen Mitbewohner. Sie sind "Experten des Hausarrests". Ihren angestammten Platz verlassen sie nicht – ganz gleich ob draußen eine Pandemie wütet oder nicht: "Während die meisten von uns in den grünen Gesellen nichts weiter als einen pflegebedürftigen Fensterschmuck sehen, sind es doch in Wahrheit lebende Wesen, die sogar miteinander und auch mit uns kommunizieren."

Wer grüne Gesellen hat, ist nicht allein

Alt:  "Mein Freund der Baum"
Von wegen stille Mitbewohner Bildrechte: MDR Corona Creative / Jeffrey Döring 

Das ist ein Glück für den jungen sächsischen Freiberufler, den wir als Protagonisten des Kurzfilms "Mein Freund der Baum" erleben. Wegen COVID-19 brechen ihm nicht nur die Jobs, sondern auch die sozialen Kontakte weg. Er ersetzt sie durch seine grünen Freunde zuhause. Während sich dieser Mann seinen Pflanzen am Tag langsam zärtlich annähert, kommen des Nachts die Gewächse zu Wort. So viel Fürsorge behagt denen gar nicht. Realfilm und Animation mischen sich. Die Kamera verbleibt immer in derselben Position und verfolgt wie einer stiller Beobachter, den Versuch von Mensch und Pflanzen miteinander zu kommunizieren. Für Quarantäne-Zeiten gilt als: Wer eine Topfpflanze hat, ist nicht allein. 

Es geht auch ohne Bananenbrot

Mein Freund der Baum
Im Schnitt Bildrechte: Corona Creative / Jeffrey Döring

Anders als viele Videos in den sozialen Netzwerken, die derzeit auffordern, Bananenbrot zu backen; die mit Yoga-, Sport- oder Kunst-Tutorials einen gewissen Druck zur Aktivität aufbauen, zielt "Mein Freund der Baum" auf die Entschleunigung, die auch mit der Quarantäne einhergehen kann. Dafür sorgt schon die einzige, feste Kameraeinstellung, aus der der Plot im Wohnzimmer gedreht wird. Den Protagonisten zeigt die Kamera meist vom Hals abwärts, so dass Gesicht und Mimik unkenntlich bleiben. Während er für den Betrachter somit anonym wirkt, sind seine Pflanzen als die wahren Helden im Fokus.

Der beste Umgang mit einer Krise kann es sein, auch mal darüber zu lachen – zumindest für elf Minuten.

Jeffrey Döring und Team

Mein Freund der Baum
Sogar Nachtdrehs Bildrechte: Corona Creative / Jeffrey Döring

Jeffrey Döring (*1991) studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der Freien Universität Berlin, woran sich ein Master in Dramaturgie für Theater, Film und Medien an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Kooperation mit der Filmakademie Baden-Württemberg anschloss. Mit seiner Abschlussarbeit "Spielplatz Namibia" recherchierte er zu Überbleibseln des deutschen Kolonialismus in Namibia, was in einem dokumentarischen, immersiven Theaterprojekt in Stuttgart mündete. Seitdem ist er freiberuflich als Regisseur, Dramaturg und Texter für Theater, Opern und Festivals in ganz Deutschland tätig. Mit seiner eigenen Gruppe Goldstaub vereint er Medieninstallation, Sound Design und Theater zu hybriden Aufführungsformaten, wie die Gehörlosen-Oper "Rat Krespel", die Wunderkammer zur Hochsensibilität "Brennender Schnee" oder das Stationen-Musiktheater "Wankelmut der Herzen". Er ist Preisträger des Marie-Zimmermann-Stipendiums für Dramaturgie 2017.

Mein Freund der Baum
Das Team in der Videoschalte Bildrechte: Corona Creative / Jeffrey Döring

Iris Schwarz absolvierte ihr Diplom in Motion Design an der Filmakademie Baden-Württemberg und ist seitdem freiberufliche Art Direktorin in dem Bereich. In ihren Projekten setzt sie sich mit Grenzen der verschiedenen Kunstrichtungen auseinander - ob im reellen oder virtuellen Raum.

Felix Nagl (*1991) ist als Pianist im Bereich der Neuen Musik und als Sounddesigner im Bühnen-und Medien-Kontext aktiv. In beiden Rollen bewegt er sich im Spannungsfeld zwischen digitalen und analogen Klängen. Als Sounddesigner bespielte er u.a. den Münchner Gasteig, das Fuchsbau-Festival Hannover und ist Teil des Theater-Kollektivs Goldstaub. Als Interpret tritt er mit Klangkörpern wie dem Ensembles Pony Says, Ascolta, Plus-Minus und dem SWR Symphonieorchester auf.

Mauricio Sosa Noreña (*1979) studierte Werbekommunikation an der Universidad Pontificia Bolivariana in Kolumbien mit einem Austauschjahr im Bereich Audiovisuelle Kommunikation an der Universidad de Navarra in Pamplona (Spanien). Daran anschließend absolvierte er die Zusatzqualifikation in Kreativer Intervention der Colegiatura Colombiana. Kürzlich schloss er sein Masterstudium in Integriertes Design an der Hochschule Anhalt in Dessau ab. In seiner Masterarbeit "Designing a Jungle" erforschte er, wie neue Formen des Designs und Storytellings auf sinnliche Weise Botanik und Natur erfahrbar machen können. Mauricio arbeitete in Werbe- und Filmproduktionsfirmen und war als Dozent im Bereich Werbung und Design an zwei renommierten Universitäten Kolumbiens tätig.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 24. April 2020 | 23:50 Uhr

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