#MiteinanderStark So arbeitet MDR KULTUR während der Corona-Krise

Durch die Ausbreitung des Coronavirus ist das Arbeiten im Homeoffice plötzlich für viele zum Alltag geworden. Das stellt manche Bereiche – nicht zuletzt größere Unternehmen – aber auch vor enorme Herausforderungen. MDR KULTUR hat im März aufgrund der Corona-Krise schnell auf dezentrales Arbeiten umgestellt – für einige Abteilungen ist das gar nicht so einfach. Ein Einblick in den neuen Redaktionsalltag.

Eine Frau arbeitet während der Corona-Einschränkungen im Homeoffice
Arbeiten zu Corona-Zeiten: Willkommen im Homeoffice Bildrechte: imago / imago images / Hans Lucas

Die Redaktion für das Tagesprogramm im Radio und die Online-Redaktion mussten sich im Kampf gegen Corona erheblich in ihrer Arbeitsweise umstellen. In der Radioredaktion gilt das Credo, dass alle vom Homeoffice aus arbeiten, die nicht zwingend vor Ort sein müssen. Allerdings finden Moderationen oder Nachrichten nach wie vor im Studio in Halle statt.

Auch hier gibt es besondere Schutzmaßnahmen. Zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird der gebotene Mindestabstand eingehalten; in Büros, in denen normalerweise mehrere Kolleginnen und Kollegen sitzen, darf immer nur einer arbeiten. Seit zwei Wochen kommen auch keine Gäste mehr ins Studio. Alle Interviews werden per Telefon geführt.

Telefonschalten, Mails, Chat-Gruppen

Selfie einer junge Frau alleine in einem Büro vor leeren Schreibtischen.
Chefin vom Dienst Eileen Buck hält die Stellung im sonst leeren Großraumbüro. Bildrechte: MDR/Eileen Buck

In der Online-Redaktion wurde bereits am 13. März beschlossen, dass alle, die nicht zwingend vor Ort sein müssen, im Homeoffice arbeiten. Seitdem ist ausschließlich die Chefin vom Dienst, Eileen Buck, noch im Großraumbüro anzutreffen und koordiniert aus dem leeren, großen Büro die Mitarbeiter daheim. Dafür wurden neben Telefonschalten und Mails auch kurzfristige pragmatische Lösungen gefunden, so gibt es eine Chat-Gruppe, in der alle Mitarbeiter wichtige Dinge miteinander austauschen.

Wenn die Fernseh-Autorin aus dem Risikogebiet kommt

Auch die Arbeitsweisen der Fernsehredaktion wurde durch die Corona-Krise massiv verändert – nicht nur bei Interviews, die derzeit per Videotelefonie von zu Hause geführt werden. So durfte beispielsweise die Autorin eines Fernsehbeitrags, die aus einem Risikogebiet kommt, nicht mehr zum Dreh und Schnitt nach Leipzig anreisen. Also muss der Kameramann ran und die Bilder vor Ort ohne Autorin drehen, während diese ihre Anweisungen per Telefon durchgibt. Das Dreh- und Archivmaterial wird anschließend per Leitung zur Autorin nach Bayern transferiert, wo sie den Beitrag schneidet und wieder in die MDR-Zentrale nach Leipzig zurückschickt. Die Abnahme des Beitrags findet schließlich per Online-Transfer im Netz statt.

Radio-Produktion zu Corona-Zeiten

In der Feature-Redaktion hieß es zunächst: Corona cancelt Produktionen – zu riskant über mehr als drei Tage zusammen mit mindestens vier Personen im Studio zu sitzen. Doch Aufgeben wollten die Kolleginnen und Kollegen auch nicht, und der Sprecher war bereits gebucht. Auch hier hilft das Internet. Der Sprecher sitzt also zu Hause in seinem Home-Studio und hat das Manuskript, die Regie sitzt in einer anderen Stadt. Der Regisseur führt den Sprecher, als ob sie im Hörfunkstudio nur über eine Scheibe getrennt wären, dabei sind sie 300 Kilometer voneinander entfernt.

Es ist beinah wie sonst im Studio – wären da nicht die kleinen Unterbrechungen: wie der Nachbar, der plötzlich im Garten seinen Häcksler anschmeißt oder die Kinder des Kollegen, die fast vom Glauben abfallen, weil der Fernseher als Großbildschirm für das Homeoffice "entfremdet" wurde. Und: dass die Aufnahmen nachts per E-Mail eintrudeln. Die heimischen Systeme funktionieren beim weiteren Bearbeiten zum Glück ohne Ausfall. Am Ende ist das Projekt fertig und auf mehreren Datenträgern gesichert, damit ihm auf dem Weg zum Tontechniker in Halle wirklich kein Virus etwas anhaben kann.

Virtuelle Studiosessions

Jan Kubon, Musikredakteur bei MDR KULTUR
Musikredakteur Jan Kubon Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Wenn Gäste tabu sind, können Künstler natürlich auch nicht für die Studiosessions zu MDR KULTUR kommen. Doch gerade in Zeiten der sozialen Distanz ist es der Musikredaktion noch wichtiger, die agile und reichhaltige Musiklandschaft in Mitteldeutschland abzubilden und mit der Produktion von Studiosessions zu unterstützen.

Musikredakteur Jan Kubon ist im Homeoffice – die Künstler zu Hause – zueinander können sie nicht kommen. Die physische Distanz galt es irgendwie zu überwinden. Kurzerhand verknotete Jan Kubon seine analogen Systeme im Homeoffice-Studio mit digitalen Übertragungsmöglichkeiten und Video-Messanger-Diensten.

Die Aufgabe: ein Studiosession-Marathon am 28. März unter dem Motto #miteinanderstark – mit Musikern aus Mitteldeutschland, virtuell abgeholt in ihren Homestudios, Proberäumen oder zu Ministudios umgebauten Schlafzimmern. Ein bisschen Skype hier, ein bisschen Aufnahmetechnik an beiden Enden der Leitung, eine klassische Telefonverbindung und fertig war das virtuelle Studio. Vier Sessions innerhalb einer Woche aufnehmen, schneiden, nachbearbeiten – senden. Alles ein bisschen Wahnsinn, aber Wahnsinn mit System. Em Ende bleibt die Erkenntnis: Bis wir wieder die Musiker in die Studios einladen können, ist das ein Weg, der gangbar ist und der außerdem, bei allem Stress und aller Improvisation, auch Spaß macht.

Für den 11. April steht nun der nächste Studiosession-Nachmittag im Großformat an. Diesmal mit vier hochkarätige Musikern von vier Kontinenten. Die virtuellen Studios sind gebucht, die Künstler bereit. Auf geht’s.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. März 2020 | 16:00 Uhr

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