Übersicht Corona-Krise: Diese Hilfen gibt es für bildende Künstlerinnen und Künstler

Die finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise sind für viele Künstlerinnen und Künstler existenzgefährdend. Doch sowohl Bund als auch Länder wollen helfen. Welche Angebote gibt es und wem helfen sie? Eine Übersicht.

Eine Frau hält eine Geldbörse mit zahlreichen Banknoten und Bankkarten in der Hand
Bildrechte: dpa

Ausstellungen sind aufgebaut worden, ohne dass sie groß zur Geltung kamen oder sie fielen gleich ganz aus. Was investiert wurde, scheint verloren. Residenz-Programme und Symposien fielen und fallen genauso aus wie Workshops in Jugendeinrichtungen oder Hochschulen, bei denen Künstlerinnen und Künstler oft auch als Kunstvermittler Geld verdienen. Geschäfte, die Kunst verkaufen, haben erneut geschlossen. Märkte und Messen wurden abgesagt. All das ist für Kunstschaffende existenzbedrohend, besonders weil viele auch schon vor Corona von der Hand in den Mund gelebt haben. Das durchschnittliche Jahreseinkommen betrug 2019 bei Bildhauerinnen um die 9.300 Euro, bei Malerinnen und Grafikerinnen lag es bei 10.000 Euro und bei Holz- und Metall-Gestalterinnen bei etwa 10.500 Euro, wie Ruth Heftrig vom Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Sachsen-Anhalt errechnete. Rücklagen lassen sich so nicht schaffen.

Welche Soforthilfen gibt es vom Bund?

Der Bund hatte im Frühjahr ein allgemeines Nothilfeprogramm für Kleinstunternehmen und Soloselbständige aufgelegt. Angesichts des neuerlichen Lockdowns werden Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen nun mit einer "außerordentlichen Wirtschaftshilfe", der sogenannten Novemberhilfe unterstützt. Betroffene sollen schnell und unbürokratisch Hilfe in Form von Zuschüssen erhalten. Der Zuschuss beträgt 75 Prozent des jeweiligen durchschnittlichen Umsatzes im November 2019, tageweise anteilig für die Dauer der Corona-bedingten Schließungen.

Soloselbständige können als Vergleichsumsatz alternativ den durchschnittlichen Monatsumsatz im Jahre 2019 zugrunde legen. Bei Antragsberechtigten, die nach dem 31. Oktober 2019 ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen haben, kann als Vergleichsumsatz der Monatsumsatz im Oktober 2020 oder der monatliche Durchschnittsumsatz seit Gründung gewählt werden. Anträge auf Novemberhilfe können bis zum 31.01.2021 gestellt werden.

Mit der Dezemberhilfe werden analog wie bei der Novemberhilfe im Grundsatz erneut Zuschüsse von bis zu 75 Prozent des Umsatzes aus Dezember 2019 anteilig für die Tage der Schließungen im Dezember 2020 gewährt. Die Antragstellung wird aktuell vorbereitet, wie es heißt.

Aufgelegt hat der Bund im Rahmen des Programms "Neustart Kultur" einen Fonds über 2,5 Mio. Euro zum Ankauf von Werken für die Sammlung zeitgenössicher Kunst der Bundesrepublik Deutschland. Der Wert sollte 20.000 Euro pro Kunstwerk nicht überschreiten. Eine Bewerbung ist hier nicht möglich.

Deutscher Künstlerbund: Digitale Kompetenz & Mentoring

Im Rahmen des Bundesprogramm "Neustart Kultur" gibt es zwei so genannnte Module für Kunstschaffende. Modul A dient der "nachhaltigen Stärkung der digitalen Kompetenz und der Webpräsenz professioneller Bildender KünstlerInnen". Die Fortbildung und Beratung muss zwischen dem 15. März und 30. August 2021 stattfinden. Digital-Gutscheine berechtigen zu einem Zuschuss von bis zu 1.000 Euro.

Das Modul B zielt darauf ab, den Erfahrungsaustausch zwischen erfahrenen KünstlerInnen und dem professionellen künstlerischen Nachwuchs zu befördern. Das Mentoring muss zwischen dem 15. April 2021 bis 31. August 2021 stattfinden. MentorInnen erhalten eine Förderung von bis zu 1.700 Euro für ihre Leistung.

Die Bewerbungsfrist läuft vom 01. bis 31. Januar 2021. Nächste Ausschreibung: 1. bis 28. Februar 2021.

Infos & Anträge: Deutscher Künstlerbund:

Welche Hilfen gibt es in Sachsen-Anhalt?

In Sachsen Anhalt konnten bildende Künstlerinnen und Künstler, also Soloselbständige, im Frühjahr eine Soforthilfe von bis zu 9.000 Euro beantragen, um laufende Kosten zu decken. Das eigne sich zwar dazu, Insolvenzen zu verschieben, aber neue Einnahmen werden darüber natürlich nicht generiert, wie Ruth Heftig vom BKK mahnte. Diese Hilfe ist ausgelaufen ebenso wie das sechs Millionen Euro umfassende Stipendienprogramm "Kultur ans Netz", das nicht rückzahlbare Zuschüsse in Höhe von 1.000 Euro monatlich, für die Dauer von bis zu drei Monaten vorsah. Die geförderten Projekte sollten Ende des Jahres im Landesportal unter www.kultur.sachsen-anhalt.de präsentiert werden.

Welche Hilfen gibt es in Sachsen?

Der Freistaat Sachsen gewährte zinsfreie Darlehen, die drei Jahre lang nicht zurückgezahlt werden müssen. Ausgelaufen sind inzwischen das Stipendienprogramm unter dem Titel "DenkZeit" oder Fördermöglichkeiten über die Kampagne "So geht Sächsisch. Präsentiert werden inzwischen die Ergebnisse. Einzelne Städte gewährten zudem Sonderhilfen, so wurde in Leipzig die Gewerbesteuer ausgesetzt, Dresdner Kreative konnten einen Pauschalzuschuss von 1.000 Euro erhalten. Einen aktualisierten Überblick gibt es auf der Webseite kreatives-sachsen.de, auch was Verwertungsgesellschaften wie die VG Bild-Kunst angeht.

Das Programm Sofortzuschuss Härtefälle Kultur gilt inzwischen zwar auch für den Bereich Bildende Kunst, richtet sich aber nicht an Einzelpersonen, sondern an freie Träger.

Welche Hilfen gibt es in Thüringen?

Die Soforthilfe des Landes ergänzte die Bundesgelder. Solo-Selbstständige und Unternehmen mit bis zu 5 Mitarbeitern konnten 9.000 Euro (vor dem Bundesprogramm 5.000 Euro) erhalten.

Wann bekomme ich Grundsicherung?

Wer zu wenige oder keine eigenen Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts zur Verfügung hat, kann Grundsicherung beantragen. Ansprechpartner ist das zuständige Jobcenter.

Für Neuanträge auf Grundsicherung (ALG II) ab dem 1. März bis einschließlich zum 30. Juni 2020 gelten Erleichterungen. Wichtig für Künstlerinnen und Künstler ist, dass die Selbstständigkeit  beibehalten werden kann und nicht aufgegeben werden muss. Es entfällt zudem für die ersten 6 Monate die Vermögensprüfung, wenn erklärt wird, dass kein erhebliches Vermögen vorhanden ist. In den ersten 6 Monaten des Leistungsbezugs werden die Ausgaben für Miete und Heizung für die Wohnung in tatsächlicher Höhe anerkannt.

Wer ein Einkommen hat, das zwar für ihn, aber nicht für seine Familie reicht, bekommt einen Kinderzuschlag als Alternative zur Grundsicherung erhält.  Bei Neuanträgen ist nun nur noch das Einkommen des letzten Monats (anstelle des letzten halben Jahres) entscheidend. Bei Einkommensverlusten etwa von selbstständigen Eltern entsteht so schneller ein Anspruch.

Gibt es Hilfe von der VG Bild-Kunst und der Künstlersozialkasse?

Münzen um den Schriftzug Künstlersozialkasse
Der Versicherungsschutz bei der KSK bleibt erhalten Bildrechte: IMAGO/Jens Schicke

Der Vorstand des Sozialwerks der Bild-Kunst hatte entschieden, mangels substanzieller liquider Mittel vorerst keinen Corona-Sonderfonds aufzulegen. Stattdessen sollten Sozial- und Kulturwerk finanziell und administrativ gestärkt werden, um die erwartbar steigenden Antragszahlen zu bewältigen. Doch die Bild-Kunst konnte eine Sonderausschüttung an über 30.000 Berechtigte über einen Gesamtbetrag von ca. 11 Mio. Euro anweisen. Es handelt sich um einen Zuschlag auf die regulären Ausschüttungen 2008 – 2015.

Die Künstlersozialkasse sichert den Versicherungsschutz auch bei Zahlungsschwierigkeiten: Bei akuten Zahlungsschwierigkeiten werden Beiträge gestundet. Der Versicherungsschutz bleibt auch erhalten, wenn nach eigener Einschätzung das Mindesteinkommen nicht erreicht wird. Meldungen zu Einkommensänderungen können eingereicht werden.

Anmerkung der Redaktion: Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung der Hilfsmaßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Kreative und die Corona-Krise

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. April 2020 | 16:10 Uhr

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