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Corona-Krise: Diese Hilfen gibt es für bildende Künstlerinnen und Künstler

Stand: 09. März 2021, 10:57 Uhr

Die finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise sind für viele Künstlerinnen und Künstler existenzgefährdend. Doch sowohl Bund als auch Länder wollen helfen. Welche Angebote gibt es und wem helfen sie? Eine Übersicht.

Ausstellungen sind aufgebaut worden, ohne dass sie groß zur Geltung kamen oder sie fielen gleich ganz aus. Was investiert wurde, scheint verloren. Residenz-Programme und Symposien fielen und fallen genauso aus wie Workshops in Jugendeinrichtungen oder Hochschulen, bei denen Künstlerinnen und Künstler oft auch als Kunstvermittler Geld verdienen. Geschäfte, die Kunst verkaufen, haben erneut geschlossen. Märkte und Messen wurden abgesagt. All das ist für Kunstschaffende existenzbedrohend, besonders weil viele auch schon vor Corona von der Hand in den Mund gelebt haben. Das durchschnittliche Jahreseinkommen betrug 2019 bei Bildhauerinnen um die 9.300 Euro, bei Malerinnen und Grafikerinnen lag es bei 10.000 Euro und bei Holz- und Metall-Gestalterinnen bei etwa 10.500 Euro, wie Ruth Heftrig vom Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Sachsen-Anhalt errechnete. Rücklagen lassen sich so nicht schaffen.

Welche Soforthilfen gibt es vom Bund?

Soloselbständige können für November und Dezember 2020 bis zu 75 Prozent ihres Umsatzes als direkte Hilfe erhalten. Anstelle des Vergleichsmonats November 2019 können Soloselbständige auch den monatlichen Durchschnittsverdienst 2019 als Bezugsrahmen zugrunde legen. Bis zu einer Summe in Höhe von 5.000 Euro soll der Antrag selbst möglich sein. Bei höheren Summen muss ein Steuerberater die Beantragung vornehmen. Die Anträge können über die IT-Plattform der Überbrückungshilfe gestellt werden. Die Antragsfristen wurden verlängert: die November- und Dezemberhilfe 2020 kann bis zum 30. April 2021 beantragt werden.

Das Bundesprogramm "Überbrückungshilfen" für kleine und mittelständische Unternehmen richtet sich auch an Soloselbstständige und freiberuflich Tätige. Der Bund stellt den Ländern dafür insgesamt 25 Milliarden Euro zur Verfügung. Vorraussetzung für die Beantragung ist eine vollständige oder großteilige Einstellung der Geschäftstätigkeit in Folge der Corona-Pandemie. Das Finanzvolumen der Dezemberhilfe wird sich zudem voraussichtlich auf ca. 4,5 Milliarden Euro pro Woche der Förderung belaufen. Die Überbrückungshilfe I wurde für die Monate Juni bis August 2020 gezahlt und kann nun auch für die Monate September bis Dezember 2020 als Überbrückungshilfe II beantragt werden. Antragsfrist ist hier der 31. März 2021. Antragsberechtigt ist, wer einen Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent in zwei aufeinanderfolgenden Monaten im Zeitraum von April bis August 2020 oder einen Umsatzeinbruch von durchschnittlich 30 Prozent in den Monaten April bis August 2020 im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen haben. Die Überbrückungshilfe wird auch für den Zeitraum Januar 2021 bis Juni 2021 als Überbrückungshilfe III verlängert.

Die Situation von Soloselbständigen wird bei den Dezember-Hilfen berücksichtigt: Da sie meist nur geringe Fixkosten nach dem Kostenkatalog – wie Mieten oder Leasingkosten – nachweisen können und daher von der Überbrückungshilfe bisher wenig profitierten, können sie alternativ zum Einzelnachweis der Fixkosten künftig eine einmalige Betriebskostenpauschale in Höhe von 25 Prozent des Vergleichsumsatzes in Ansatz bringen – die "Neustarthilfe". So erhalten sie einen einmaligen Betrag von bis zu 5.000 Euro als Zuschuss.

Das bereits im Juli 2020 aufgelegte Hilfspaket "Neustart Kultur" für die notleidende Kulturbranche wurde Anfang Februar 2021 um eine weitere Milliarde aufgestockt auf nun insgesamt zwei Milliarden Euro. Bis Ende 2020 sind bereits 900 Millionen Euro und damit fast das ganze erste Budget von 1 Milliarde Euro konkret verplant gewesen. Das um eine Milliarde erweiterte Programm werde damit den Herausforderungen des zweiten Lockdowns angepasst, so Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Das Hilfspaket setzt sich aus Förderungen von etwa 60 verschiedenen Sparten aus Bereichen der Kunst und Kulturbranche wie Kinos, Museen und Theatern, Musik und Literatur zusammen. Spartenübergreifend werden zudem Mittel für pandemiebedingte Investitionen und Digitalisierung zur Verfügung gestellt. Die Antragstellung zur Neuauflage wird noch umgesetzt.

Deutscher Künstlerbund: Digitale Kompetenz & Mentoring

Im Rahmen des Bundesprogramm "Neustart Kultur" gibt es zwei so genannnte Module für Kunstschaffende. Modul A dient der "nachhaltigen Stärkung der digitalen Kompetenz und der Webpräsenz professioneller Bildender KünstlerInnen". Die Fortbildung und Beratung muss zwischen dem 15. März und 30. August 2021 stattfinden. Digital-Gutscheine berechtigen zu einem Zuschuss von bis zu 1.000 Euro.

Das Modul B zielt darauf ab, den Erfahrungsaustausch zwischen erfahrenen KünstlerInnen und dem professionellen künstlerischen Nachwuchs zu befördern. Das Mentoring muss zwischen dem 15. April 2021 bis 31. August 2021 stattfinden. MentorInnen erhalten eine Förderung von bis zu 1.700 Euro für ihre Leistung.

Die Bewerbungsfrist läuft vom 1. bis 31. Januar 2021. Nächste Ausschreibung: 1. bis 28. Februar 2021.

Infos & Anträge: Deutscher Künstlerbund:

Wann bekomme ich Grundsicherung?

Wer zu wenige oder keine eigenen Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts zur Verfügung hat, kann Grundsicherung (ALG II) beantragen. Ansprechpartner ist das zuständige Jobcenter.

Der Zugang wurde vereinfacht, um Selbstständige mit Einnahmeausfällen abzusichern. Wer bis zum 31. März 2021 einen Antrag auf Leistungen stellt, muss nur ein vereinfachtes Verfahren durchlaufen: Statt einer umfangreichen Vermögensprüfung reicht eine Eigenerklärung.

Wichtig für Künstlerinnen und Künstler ist, dass die Selbstständigkeit beibehalten werden kann und nicht aufgegeben werden muss. Es entfällt zudem für die ersten sechs Monate die Vermögensprüfung, wenn erklärt wird, dass kein erhebliches Vermögen vorhanden ist. In den ersten sechs Monaten des Leistungsbezugs werden die Ausgaben für Miete und Heizung für die Wohnung in tatsächlicher Höhe anerkannt.

Wer ein Einkommen hat, das zwar für ihn, aber nicht für seine Familie reicht, bekommt einen Kinderzuschlag als Alternative zur Grundsicherung. Bei Neuanträgen ist nun nur noch das Einkommen des letzten Monats (anstelle des letzten halben Jahres) entscheidend. Bei Einkommensverlusten etwa von selbstständigen Eltern entsteht so schneller ein Anspruch.

Gibt es Hilfe von der VG Bild-Kunst und der Künstlersozialkasse?

Der Versicherungsschutz bei der KSK bleibt erhalten Bildrechte: IMAGO/Jens Schicke

Der Vorstand des Sozialwerks der Bild-Kunst hatte entschieden, mangels substanzieller liquider Mittel vorerst keinen Corona-Sonderfonds aufzulegen. Stattdessen sollten Sozial- und Kulturwerk finanziell und administrativ gestärkt werden, um die erwartbar steigenden Antragszahlen zu bewältigen. Doch die Bild-Kunst konnte eine Sonderausschüttung an über 30.000 Berechtigte über einen Gesamtbetrag von ca. 11 Mio. Euro anweisen. Es handelt sich um einen Zuschlag auf die regulären Ausschüttungen 2008 – 2015.

Im Falle von Einkommenseinbußen können Betroffene bei der Künstlersozialkasse (KSK) und bei den Finanzämtern die Senkung ihrer Beiträge oder Steuervorauszahlungen beantragen; außerdem sind Stundungen möglich. Die KSK hat darüber hinaus zugesichert, dass Kunstschaffende, die unter das nötige Mindesteinkommen fallen, auch weiterhin versichert bleiben.

Stipendienprogramm "Kultur ans Netz" in Sachsen-Anhalt

Das Stipendienprogramm "Kultur ans Netz" soll weiterlaufen. Mit dem Programm fördert Sachsen-Anhalt Projekte von Menschen, die frei- und hauptberuflich in den Sparten Musik, Bildende Kunst, Medienkunst, Darstellende Kunst, Literatur und intermedialen Kunstformen tätig sind. Im ersten Anlauf des Förderprogramms im Frühjahr 2020 war nur ein Teil der zur Verfügung stehenden Gelder von 6 Millionen Euro verteilt worden, da nur wenig Anträge eingegangen sind. Ab dem 1. April können sich Kulturschaffende wieder bewerben. Das Stipendium läuft dann bis zu drei Monate lang, wobei jeden Monat 1.500 Euro ausgezahlt werden. Insgesamt stünden 4,5 Millionen Euro zur Verfügung, sodass sich ungefähr 1000 Projekte bewerben könnten. Die Landesregierung hat dazu noch einmal betont, dass nicht nur digitale Projekte gefördert werden.

Zuwendungsvoraussetzungen sind ein Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt sowie eine Mitgliedschaft in der Künstler- und Sozialkasse (KSK). Alternativ gilt ein Nachweis einer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit in Sachsen-Anhalt durch geeignete Unterlagen. Eingereicht werden muss außerdem ein Kurzkonzept zum Vorhaben.

Anmerkung der Redaktion: Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung der Hilfsmaßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 01. April 2020 | 16:10 Uhr