Empfehlungen Kinos geschlossen: Filme und Serien für zu Hause

Wegen der Corona-Krise bleiben die Kinos geschlossen, aber es gibt Alternativen. In den Mediatheken und Streamingportalen sind Filme wie "Rocketman", "Die Getriebenen" oder "Systemsprenger" und viele mehr zu sehen. Auch Serien wie "Betonrausch" und "Unsere wunderbaren Jahre" sind empfehlenswert. Und dann gibt es auch noch etwas für DVD-Sammler. Eine Übersicht voller Tipps, die von uns fortlaufend aktualisiert wird.

Fernsehen zu Hause
In Corona-Zeiten heißt es: Kino zu Hause statt Kino im Saal. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Queere Netflix-Serie: "Feel Good"

Mae Martin als Mae und Charlotte Ritchie als George
Ziehen bald zusammen: Mae (Mae Martin, links) und George (Charlotte Ritchie). Bildrechte: Courtesy of Netflix

Hauptfigur Mae ist Kanadierin, queer und lebt schon lange in London. Als Stand-up-Comedian kommt sie gerade so über die Runden und schläft auf dem Sofa ihres besten Freundes. Bei einem Auftritt lernt sie George kennen. Für die junge Lehrerin ist es das erste Date mit einer Frau – und der erste Kuss. Weil Mae gerade keine Wohnung hat, zieht sie recht schnell bei George ein. Konflikte sind vorprogrammiert.

Hauptdarstellerin Mae Martin hat die Serie zusammen mit Joe Hampson geschrieben. Wie ihr Rollen-Ich kommt sie aus Kanada, ist Stand-up-Komikerin und queer. In der Serie verarbeitet sie eigene Erfahrungen und Erlebnisse. Deshalb wirkt die Serie nie aufgesetzt, sondern echt, ist humorvoll und eben sehr natürlich.

Film: "Das freiwillige Jahr"

Zwei Jugendliche schauen sich tief in die Augen.
Szene aus "Das freiwillige Jahr" Bildrechte: WDR/ARD/dpa

In diesem gemeinsam inszenierten Film erzählen Henner Winckler und Ulrich Köhler, zwei der wichtigsten Regisseure der "Berliner Schule", von dem Provinzarzt Urs, hervorragend von Sebastian Rudolph gespielt. Er fährt seine Tochter Jette zum Flugplatz, sie soll nach dem Abi zu einem freiwilligen sozialen Jahr nach Costa Rica fliegen. Doch das frisch verliebte Mädchen verweigert sich dem Wunsch des Vaters, fliegt heimlich doch nicht und versteckt sich tagelang. Mit feinem Humor und genauem Gespür für die sehr gegensätzlichen Gefühlslagen der Figuren schildert der Film die sich steigernden Eskalationsstufen des immer rasender werdenden, überforderten Vaters und die zögerliche Emanzipation der Tochter (sehr sensibel: Maj-Britt Klenke), die nicht mehr bereit ist, die unerfüllten Träume anderer zu leben. "Das freiwillige Jahr" schildert klug und sehr treffend die drückende Übermacht von elterlichen Wunschprojektionen auf die Kinder.

"Das freiwillige Jahr" gehört zu den interessantesten, jüngeren deutschen Produktionen und wurde im Kino und bei Preisverleihungen nicht mit genug Aufmerksamkeit bedacht, findet unser Kritiker Knut Elstermann.

Jim-Jarmusch-Retrospektive

Jim Jarmusch, 2013 in Cannes
Jim Jarmusch Bildrechte: IMAGO

Der Abo-Streaming-Dienst MUBI widmet sich im Mai dem Werk des wegweisenden Independent-Filmemachers Jim Jarmusch – im Laufe des Monats sind sieben Filme von ihm zu sehen. Darunter der Schwarz-Weiß-Western "Dead Man", Jarmuschs Debüt "Permanent Vacation" von 1980 oder "Down By Law" mit Roberto Benigni, John Lurie und Tom Waits.

Unter dem Motto "gesetzlose Sonderlinge" zeigt MUBI auch "Stranger Than Paradise" über eine junge Ungarin, die ihren Cousin in New York besucht und die es dann nach Florida treibt. Und nicht zuletzt: "Year Of The Horse", Jarmuschs Film über ein Konzert von Neil Young und dessen Band Crazy Horse. Insgesamt eine Auswahl, der man anmerke, dass sie von echten Filmfreaks getroffen wurde statt von Algorithmen, lobt MDR KULTUR-Filmkritiker Hartwig Tegeler.


Kultfilme von Éric Rohmer: "Claires Knie"

Claires Knie
Irrungen und Wirrungen von Liebe und Lust Bildrechte: imago/United Archives

Von den Irrungen und Wirrungen der Liebe und Lust zu erzählen, mit leichter Hand und doch tief schürfend, diese Kunst beherrschte Éric Rohmer. Beispielsweise zu bestaunen in "Claires Knie": Kurz vor seiner Hochzeit verbringt der 35-jährige Diplomat Jérôme (Jean-Claude Brialy) die Ferien in den französischen Alpen, am See von Annecy. Dort trifft er nicht nur auf seine ehemalige Geliebte, die Schriftstellerin Aurora (Aurora Cornu), sondern macht auch Bekanntschaft mit zwei jugendlichen Halbschwestern. Eine der beiden sieht er auf einer Leiter stehend beim Kirschenpflücken, sein Verlangen entbrennt beim Blick auf "Claires Knie" ...

50 Jahre alt und sehr lebendig wirkt dieser Film von Éric Rohmer, findet Kritiker Hartwig Tegeler: "Ein Film über die Liebe und das Begehren und den Diskurs über beide." In "Claires" Knie entspinne sich "ein Reigen zwischen alten und neuen Bekannten und Liebhabern oder noch nicht Geliebten oder schon Geliebten." Am Ende erscheine die Hauptfigur als ein Mann, der weniger von seinen Gefühlen getrieben werde, als davon, über sie reden zu können. "Claires Knie" war der fünfte Teil in Rohmers "Moralischen Erzählungen". Zu diesem ersten Zyklus gehört auch "Meine Nacht bei Maud" mit Jean-Louis Trintignant, Publikumsliebling und erfolgreichster Film, sowie "Die Sammlerin". Alle drei zeigen sie die Kunst des französischen Altmeisters, "seine Figuren nicht zu denunzieren, sondern zu beobachten beim meist vergeblichen Versuch, ihr Glück zu finden". Zu sehen sind diese drei Filme bis in den Herbst in der Arte-Mediathek. Außerdem sind Éric Rohmers "Moralische Erzählungen" gerade bei Studiocanal in einer großen DVD-Edition neu aufgelegt worden.

Eric Rohmers Filme in der Arte-Mediathek


Frühe Hitchcock-Filme

"Das Fenster zum Hof", "Vertigo", "Der unsichtbare Dritte" oder "Psycho" zählen zu den Meilensteinen der Filmgeschichte und als Klassiker von Alfred Hitchcock. Doch auch in seiner "britischen Phase", also bevor er in den vierziger Jahren in Hollywood arbeitete, drehte Hitchcock spannende Thriller, in denen der "Meister des Suspense" sein Handwerk entwickelte.

In der arte-Mediathek sind bis Ende des Monats drei dieser Filme im Stream kostenfrei zu sehen. "Der Mann, der zuviel wusste" (1934) mit Edna Best wurde im Remake von Hitchcock selbst später mit Doris Day zum Klassiker. Außerdem zu sehen: "Sabotage" von 1936 und "Jung und unschuldig" von 1937 – allesamt frühe Schwarz-Weiß-Meisterwerke, die schon viele der Markenzeichen des Meisters des Suspense enthalten – übrigens auch eine Menge absurde Komik und irritierende, verstörende Bilder.

"Der Mann, der zuviel wusste" von 1934 mit Edna Best 4 min
Bildrechte: imago images/Everett Collection

Miniserie: "Hollywood"

Hollywood steht für Ruhm, Glanz und große Träume. Was tatsächlich hinter den Kulissen abläuft, zeigt diese neue, siebenteilige Netflix-Miniserie. In "Hollywood" gibt es den schönen Schein ebenso wie die Abgründe – und natürlich das Happy End. Die Netflix-Miniserie basiert auf dem Buch "Hollywood Babylon" von Kenneth Anger. Aufgrund der Corona-Krise konnte die Serie nicht deutsch synchronisiert werden, deshalb ist sie jetzt im Original mit deutschen Untertiteln zu sehen.


Geschichtsdoku: "Berlin 1945 – Tagebuch einer Großstadt"

Amerikanische Soldaten 1945 in Berlin
Der Film "Berlin 1945" arbeitet mit viel originalem Bildmaterial. Bildrechte: rbb/Gamma Rapho Keystone_Eugène KAMMERMAN

Der Krieg kehrt dahin zurück, von wo er seinen Ausgang genommen hatte, in die Hauptstadt des Nazi-Reiches, nach Berlin. In seiner beeindruckenden, zweiteiligen Dokumentation "Berlin 1945 – Tagebuch einer Großstadt" zeichnet Regisseur Volker Heise die Monate vor und nach der Befreiung der Stadt nach. Er stützt sich dabei nicht auf Zeitzeugen, die aus der Vergangenheit auf das Geschehen blicken, sondern auf Tagebücher und Briefe, also aus Zeugnisse, die unmittelbar und unverstellt in diesen Tagen entstanden. So kommen in einer brillanten Montage des dokumentarischen Materials die Täter, Mitläufer und Opfer zu Wort, die einfachen Leute auf der Straße und die Befehlshaber. Es ist ein vielstimmiges Konzert der Haltungen und Perspektiven, in dem sich das Grauen und die Hoffnungen mischen, in dem die Zeitenwende in der zerstörten Stadt im alltäglichen Erleben und in der Weltpolitik zugleich sichtbar wird.

Mehr zu "Berlin 1945" "Berlin 1945" ist bis zum 2. August 2020 in der Arte-Mediathek zu sehen.


"Rocketman"

Taron Egerton mimt in "Rocketman" den schillernden Elton John. Den Rahmen der Musical-Film-Biografie bildet eine Gruppen-Therapiesitzung, zu der Elton John in exzentrischem Federkostüm erscheint, aus dem er sich buchstäblich herausschält, um Schritt für Schritt den Blick auf den Menschen freizugeben.

Anders als der Film "Bohemian Rhapsody", ebenfalls von Regisseur Dexter Fletcher, ist "Rocketman" überhaupt nicht zimperlich, wenn es um schwulen Sex und um das schwierige Coming-out des Superstars geht, findet unser Filmkritiker Knut Elstermann: "Hauptdarsteller Taron Egerton macht seine Sache glänzend, er singt die Songs selbst und gibt ihnen eine eigene, persönliche Note".

Mehr über "Rocketman" Das Biopic "Rocketman" ist bei Amazon Prime zu sehen.


"Heimat ist ein Raum aus Zeit"

Nach seinem großen Erfolg bei der Berlinale 2019 ist "Heimat ist ein Raum aus Zeit" auch für den deutschen Filmpreis nominiert. In diesem filmischen Essay erkundet Regisseur Thomas Heise ein Jahrhundert der eigenen Familiengeschichte, die er aus Dokumenten, Tagebucheinträgen, Schulaufsätzen, Briefen zusammensetzt. Der Weg führt von Wien und den Verfolgungen der jüdischen Familie bis in die DDR, wo Heises Vater ein bekannter Philosoph war. Von ihm ist ein ausführliches Gespräch mit Heiner Müller im Film zu Brechts Galilei zu hören.

Ein kaputte Straße
Bild der abgesackten Ostseeautobahn in Heises "Heimat ist ein Raum aus Zeit" Bildrechte: gmfilms

Heises Bilder illustrieren die von ihm selbst gelesenen Texte nicht, sie kommentieren, brechen auf, konterkarieren mit sparsamen, aber wirkungsvollen filmischen Mitteln. Der fast vierstündige Film konfrontiert den mitdenkenden Zuschauer mit den Hoffnungen, Illusionen, den intellektuellen und politischen Kämpfen und den Tragödien von drei Generationen. MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann urteilt: eine ungemein faszinierende Verbindungen von privatem Erleben und Epochenerfahrung.

Mehr zu "Heimat ist ein Raum aus Zeit" Der Dokumantarfilm erscheint am 30. April als DVD. Online ist er beim Verleiher selbst zu sehen in der GMfilms OnlineLounge.


"Deutscher"

In Corona-Zeiten geraten Rechtspopulisten deutlich ins Hintertreffen, doch das könnte sich ändern, wenn die "Krise nach der Krise" kommt. Darum hat die Mini-Serie "Deutscher" auf ZDFNeo eine große Aktualität, meint MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann. Die vierteilige Serie (Regie: Sophie Linnenbaum und Simon Ostermann) spielt durch, was geschähe, wenn die Rechtspopulisten durch Wahlen die absolute Mehrheit erringen und das Land regieren würden.

Szenenbild aus der Miniserie "Deutscher"
"Deutscher": Über die Spaltung der Gesellschaft Bildrechte: ZDF/Martin Rottenkolber

Zwei benachbarte Familien, die Schneiders und die Pielckes, reagieren auf den Machtwechsel und die ersten Maßnahmen der neuen Regierung sehr unterschiedlich. Während Familie Pielcke (Milena Dreißig und Thorsten Merten) voller Freude und Optimismus in die rechte Zukunft schaut, ist Familie Schneider (Meike Droste und Felix Knopp) gelähmt und ratlos. Die Nachbarjungen allerdings bleiben weiter befreundet, was die Konflikte verschärft und zugleich Wege zur Überwindung eröffnet. Die viel beklagte Spaltung unserer Gesellschaft wird hier, sehr gut gespielt und erfrischend und unterhaltsam inszeniert, findet hier ein starkes Sinnbild: Der Gartenzaun wird in diesen Zeiten zur gefährlichen Grenzmauer.

Szenenbild aus der Miniserie "Deutscher" 10 min
Bildrechte: ZDF/Martin Rottenkolber

Was wäre, wenn bei der letzten Bundestagswahl eine rechtspopulistische Partei gewonnen hätte und nun regieren würde? In der Serie "Deutscher" gehen zwei benachbarte Familien damit sehr verschieden um.

MDR KULTUR - Das Radio Di 28.04.2020 14:45Uhr 09:35 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Szenenbild aus der Miniserie "Deutscher" 10 min
Bildrechte: ZDF/Martin Rottenkolber

Was wäre, wenn bei der letzten Bundestagswahl eine rechtspopulistische Partei gewonnen hätte und nun regieren würde? In der Serie "Deutscher" gehen zwei benachbarte Familien damit sehr verschieden um.

MDR KULTUR - Das Radio Di 28.04.2020 14:45Uhr 09:35 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Mehr zu "Deutscher" Die Miniserie ist bis zum 19. Juni in der ZDF-Mediathek abrufbar. Im TV werden Teil 1 und 2 am Dienstag, 28.4.,Teil 3 und 4 am Mittwoch, 29.4. jeweils um 20.15 Uhr auf ZDF Neo ausgestrahlt.


"Betonrausch"

Filmszene aus "Betonrausch"
Szene aus der Serie "Betonrausch" Bildrechte: Nik Konietzny

Die Hochstapler-Satire "Betonrausch" ist (nach "Dark") die zweite deutsche Netflix-Eigenproduktion. David Kross spielt Victor, einen Provinzjungen mit Vaterkomplex, und Frederick Lau den Trickbetrüger Gary. Beide träumen gemeinsam groß und bauen sich auf illegalen Wegen ein Immobilienimperium auf. Sie spekulieren, betrügen Anleger und machen mit der Bankangestellten und Ehefrau von Victor, Nicole (Janina Uhse) gemeinsame Sache. Bis eines Tages die Polizei die Luxusvilla von Victor stürmt und ihn wegen Steuerhinterziehung und Betruges verhaftet. Unsere Filmkritikerin Anna Wollner ist vor allem von Hauptdarsteller David Kross beeindruckt: "Als Unschuld vom Lande steht ihm die Naivität eigentlich ins Gesicht geschrieben. Und dennoch hat er es auf seine spitzbübisch-schelmische Art faustdick hinter den Ohren." Kross spiele den Hochstapler charmant und stilsicher.

Mehr über "Betonrausch" Der Film ist bei Netflix zu sehen.


Tatort: "Die Guten und die Bösen"

Dieser aus Sicht unseres Filmkritikers Knut Elstermann außergewöhnliche Tatort des Hessischen Rundfunks von Petra K. Wagner (Buch: David Ungureit) stellt das Ermittlerpaar Anna Janneke und Paul Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch) vor eine Aufgabe, deren Lösung scheinbar leicht, deren moralische Dimension aber unermesslich ist. Der Täter nämlich gesteht ohne zu zögern. Er ist ein Polizeihauptmeister (mit tragischer Größe von Peter Lohmeyer gespielt), der den Vergewaltiger seiner Frau gefoltert und getötet haben will.

Die Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch).
Die Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch). Bildrechte: HR/Degeto

Wer ist Täter? Wer ist Opfer? Wie lässt sich Gerechtigkeit nach einer furchtbaren Tat erlangen? Alle angeblichen Gewissheiten lösen sich bald auf, wofür die chaotischen Renovierungsarbeiten im Kommissariat ein schönes Sinnbild sind, niemand findet hier irgendetwas. Bei den ungelösten Fällen sitzt die pensionierte Kommissarin Elsa Bronski, die vielleicht ein geheimes Wissen hütet.

"Die große Hannelore Elsner gibt diesem klugen Tatort in ihrer letzten Rolle eine stille Weisheit, ein zartes, zerbrechliches Orakel im Keller", so Filmkritiker Elstermann. Sie starb kurz nach den Dreharbeiten.

Mehr zum Tatort "Die Guten und die Bösen" Der Film ist bis zum 19. Oktober 2020 in der ARD-Mediathek zu sehen.


"Stromberg"

Der Schauspieler Christoph Maria Herbst als Versicherungsangestellter Bernd Stromberg in einer Szene der fünften Staffel der ProSieben-Serie «Stromberg»
Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg Bildrechte: dpa

Die Comedy-Serie "Stromberg" (2004-2012) mit Christoph Maria Herbst in der Rolle des gemeinen, sarkastischen und egoistischen Chefs einer Versicherungsabteilung gehört zu den beliebtesten deutschen Serien. Strombergs markige Sprüche sind legendär, auch wenn man sich einen Chef wie ihn niemals wünschen würde. "Stromberg" war die erste große Serie von Regisseur Arne Feldhusen, der auch für "How To Sell Drugs Online (Fast)" und "Deutschland 86" bekannt ist. Mindestens genauso unterhaltsam wie Christoph Maria Herbst sind auch Bjarne Mädel (als naiver und besserwisserischer Ernie), Oliver Wnuk (als der nicht sehr helle Fußball-Fan Ulf) und Diana Staehly (als sorgfältig arbeitende und Streit schlichtende Tanja) in den Nebenrollen.

Mehr zu "Stromberg" "Stromberg" ist auf DVD/Blu-ray erschienen und außerdem bei Netflix, Amazon Prime und My Spass abrufbar.


"Systemsprenger"

Wer den großartigen Film, der im Kino ein schöner Überraschungserfolg war, noch nicht gesehen hat, kann das jetzt auf verschiedenen Wegen nachholen. Regisseurin Nora Fingscheidt erzählt von Benni, einem neunjährigen Mädchen, das einen langen Weg durch Gastfamilien und erfolglose Untersuchungen und Therapien hinter sich hat. Mit seiner unbändigen, unbeherrschbaren Wut, seinen heftigen, zerstörerischen Anfällen ist es eine Gefahr für andere und für sich selbst. Das Mädchen fällt durch alle Raster der sozialen Fürsorge.

Filmstill, ein Kind in roter Jacke schreit.
Helena Zengel als Benni in "Systemsprenger" Bildrechte: kineo Film, Wydemann Bros., Yunus Roy Imer

Aus Sicht unseres Filmkritikers Knut Elstermann spielt Helena Zengel dieses Mädchen nicht nur als tickende Zeitbombe, die jederzeit explodieren kann, sondern als hilfsbedürftiges, zerbrechliches Wesen, das jede Unterstützung verdient. "Systemsprenger" vermeidet dabei oberflächliche Anklagen gegen die sozialen Mechanismen: Gabriela Maria Schmeide und Albrecht Schuch spielen überforderte, aber sehr engagierte Sozialarbeiter, die sich für das Kind aufopfern und doch an ihre Grenzen stoßen. "Der Film ist auch eine Würdigung solcher engagierter Menschen", so Elstermann.

Nora Fingscheidt verwende dabei sowohl experimentelle als auch dokumentarische, sehr direkt wirkende Mittel, um die Zuschauerinnen und Zuschauer in Bennis Welt mitzunehmen und Verständnis für diese kindliche Naturgewalt zu erzeugen.

Mehr zu "Systemsprenger" Der Film ist auf DVD erhältlich und auf verschiedenen Streaming-Plattformen zu sehen, darunter Amazon Prime und Netflix.


"Das Mädchen Wadjda"

Waad Mohammed als Wadjda in einer Szene des Kinofilms "Das Mädchen Wadjda" (undatierte Filmszene). Das Drama kommt am 05.09.2013 in die deutschen Kinos.
Waad Mohammed in "Das Mädchen Wadjda" Bildrechte: dpa

Die zehnjährige Wadjda (Waad Mohammed) träumt von einem eigenen Fahrrad. Doch in Saudi-Arabien gilt das Fahrradfahren für Frauen als unschicklich, und so hofft sie vergebens auf die Unterstützung ihrer Mutter. Doch Wadjda gibt ihren Traum nicht so leicht auf. – Ein berührender Film (2012) der ersten saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour.

Mehr zu "Das Mädchen Wadjda" Der Film läuft bis zum 29. Juni 2020 in der Arte-Mediathek.


"Haus des Geldes"

Filmszene
Die Gangsterin Tokio führt mit ihrem wunderbar ironischen Off-Kommentar durch die Geschehnisse in "Haus des Geldes". Bildrechte: Netflix/Tamara Arranz Ramos

Gerade ist die vierte Staffel der durchgeknallten und hochspannenden Bankräuberstory "Haus des Geldes" gestartet. Die spanische Serie erzählt vom idealistischen und intelligenten "Professor" und seiner Crew aus Kriminellen um "Tokio", "Rio" und "Nairobi", die zuerst die spanische Banknotendruckerei und in der aktuellen Staffel die Nationalbank Spaniens überfallen. Nicht nur durch das Lied "Bella Ciao" ist die Serie zum Kult geworden.

Die Charaktere wachsen einem einfach ans Herz. Sie sind keine hartgesottene Gangster, sondern Individualisten, die mit dem Gesetz auf Kriegsfuß stehen. Der Professor entpuppt sich im Laufe der Serie zum Idealisten und Kämpfer und ruft zum Widerstand gegen die Staatsgewalt auf. "Haus des Geldes" bietet damit neben wirklich fesselnder Unterhaltung auch Kapitalismuskritik gepaart mit einem gesunden Schuss Anarchismus. Zusammen mit jeder Menge Emotionen und wunderbarem Pathos ist "Haus des Geldes" damit für viele die beste Serie derzeit.

Mehr zu "Haus des Geldes" Von der spanischen Serie "Haus des Geldes" (im Original "La Casa de Papel") sind bisher vier Staffeln erschienen.

Die sind über den Streaming-Dienst Netflix verfügbar.


"Die Getriebenen"

Regisseur Stephan Wagner hat mit "Die Getriebenen" das Sachbuch des Journalisten und "Politik-Insiders" Robin Alexander verfilmt. Darin geht es um den komplizierten Prozess der Entscheidungsfindung und wie Politiker heutzutage mit Informationen versorgt werden.

Szene aus dem Doku-Drama "Die Getriebenen".
Der Film ist eine Mischung aus Fiktion und Doku. Bildrechte: rbb/carte blanche/Volker Roloff

Die Politikerinnen und Politiker werden hier glänzend von großen Schauspielern wie Imogen Kogge als Angela Merkel oder Josef Bierbichler als Horst Seehofer verkörpert, wie Filmkritiker Knut Elstermann findet. Sie sehen den echten Personen nicht nur ähnlich, sondern machen mit ihrem Schauspiel auch die inneren Konflikte sichtbar und zeigen, wie zwischen unterschiedlichen Interessenlagen abgewogen werden muss.

Unser Filmkritiker Knut Elstermann findet: "Die Getriebenen" bietet faszinierende Übergänge vom Dokumentarischen zum Fiktiven, bei der scheinbar jeder eine Meinung hat, jeder eine gewisse Faktenkenntnis. Ein spannender Blick ins Innere der Politik, bei der es um Entscheidungen in Krisenzeiten geht, die uns alle betreffen – und somit hochaktuell ist.

Mehr zu "Die Getriebenen" Der Film ist bis zum 15. Juli in der ARD-Mediathek abrufbar.


"Kopfplatzen"

Eigentlich sollte der Film im Kino laufen, ist nun aber im Netz zu besichtigen. Darin geht es um das Tabuthema Pädophilie mit Max Riemelt als Markus in einer seiner besten Rollen, findet Filmkritiker Knut Elstermann, mit seiner sympathischen Ausstrahlung und seiner Attraktivität zeigt er uns ein ganz anderes Täterbild, als man es sich vielleicht sonst vorstellt. Trotzdem ist immer klar: Das ist ein zumindest ein potentieller Täter, es kann jeden Augenblick Schreckliches geschehen.

Als sich seine Nachbarin, eine alleinerziehende Mutter, in Markus verliebt, sucht er die Nähe ihres kleinen Sohnes. Es spielen sich ungeheuer starke Szenen ab, bei denen einem mit dem Wissen um Markus' Pädophilie der Atem stockt, urteilt unser Filmkritiker Elstermann. Markus leidet selbst, wenn er vergeblich versucht Hilfe zu finden, auch das zeigt der Film.

Mehr zu "Kopfplatzen" Der Film kann über die Edition Salzgeber auf Vimeo kostenpflichtig gestreamt werden.


"Es gilt das gesprochene Wort"

Am 24. April wird – in welcher Form auch immer – der Deutsche Filmpreis verliehen, moderiert vom fabelhaften Edin Hasanovic. Einer der besten deutschen Filme, aus der Sicht unseres Filmkritikers Knut Elstermann, wurde fünfmal nominiert: "Es gilt das gesprochene Wort", nur wenige werden dieses Meisterwerk kennen, doch das kann man ändern und es lohnt sich wirklich.

Eine Frau und ein Mann
Baran (Oğulcan Arman Uslu) und Marion (Anne Ratte-Polle) Bildrechte: X-Verleih

Am Anfang des Films steht eine merkwürdig hölzerne Hochzeit auf einem deutschen Standesamt, besiegelt von einem ungeschickten Kuss, ganz offensichtlich lieben sich die Brautleute nicht: der Kurde Baran (Oğulcan Arman Uslu) und die deutsche Pilotin Marion (Anne Ratte-Polle, nominiert als beste Darstellerin). Sie hat ihn im Türkei-Urlaub kennengelernt, einen Flüchtling, der für Geld mit Frauen schläft. In ihrer tiefen Lebenskrise, an Krebs erkrankt, holt sie den viel jüngeren Mann nach Deutschland, hilft ihm auf eine kühle und überlegte Weise, um ihn dann doch auch überraschend zu lieben.

MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann findet, Regisseur İlker Çatak (ebenfalls nominiert für den Deutschen Filmpreis), hat einen Film gedreht, der in seiner Sinnlichkeit, seiner entspannten, reduzierten Erzählweise, seinen intensiven Bildern und dem Mut, nicht alles auszusprechen, vor allem eine schöne Liebesgeschichte ist und erst dann ein einfühlsames Flüchtlingsschicksal, auch dank seiner überragenden Darsteller und kluger, treffender Dialoge.

Mehr zu "Es gilt das gesprochene Wort" Der Film ist auf DVD erschienen und auf verschiedenen Plattformen wie Chili, Amazon, iTunes oder Google Play zu sehen.


"Der Überläufer"

Der ARD-Zweiteiler entstand nach dem Roman von Siegfried Lenz aus dem Jahr 1951, der aber damals gar nicht veröffentlicht wurde, weil die Zeit noch nicht reif war im Nachkriegs-Westdeutschland. Er kam erst posthum 2016 heraus und war eine literarische Sensation.

Jannis Niewoehner als Walter Proska und Malgorzata Mikolajczak als Wanda
Jannis Niewoehner als Walter Proska und Malgorzata Mikolajczak als Wanda Bildrechte: NDR/Dreamtool Entertainment

Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, Walter Proska, an der Ostfront im letzten Kriegssommer. Er verliebt sich an einem verlorenen Außenposten in eine polnische Partisanin und begreift mehr und mehr die Sinnlosigkeit des Krieges. Jannis Niewöhner spielt hier eine seiner besten Rollen, einen Suchenden und Tastenden, einen Gefangenen seiner brutalen Lebensumstände, urteilt Filmkritiker Knut Elstermann. Er freundet sich mit Wolfgang an, einem ehemaligen Studenten, der fliehen will und ihn schließlich mitreißt zum Überlaufen zu den Russen. Sebastian Urzendowsky spielt hervorragend einen Mann, der nur scheinbar sicher und entschlossen ist, der alle Zweifel und Widersprüche ersticken will.

Auch wenn Walter die Fronten wechselt, er bleibt ein Mann zwischen den Fronten, selbst nach dem Krieg in der DDR, wo er zunächst dem neuen System dient. Die Schilderung der antifaschistischen Aufarbeitung in der DDR erscheint im Film allerdings politisch sehr verkürzt und einseitig, findet unser Filmkritiker Knut Elstermann. Doch insgesamt gelingt Regisseur Florian Gallenberger sehr einfühlsam und bewegend, die Ambivalenzen der Figur sichtbar zu machen, dieses Generations-Gefühl, nie in der richtigen Haut zu stecken, nie das richtige Leben führen zu dürfen.

Mehr zu "Der Überläufer" Als 4-teilige Miniserie in der ARD-Mediathek bis zum 8. Juli 2020 verfügbar


Tatort "Die Zeit ist gekommen"

Anna (Katia Fellin) und Louis Bürger (Max Riemelt) sehen zuversichtlich in die Zukunft.
Anna (Katia Fellin) und Louis Bürger (Max Riemelt) Bildrechte: MDR/W&B Television/Michael Kotschi

Es geht in diesem MDR-Tatort aus Dresden um einen spannenden Fall: Ein junges Paar will nach vielen Wirrungen endlich neu anfangen, beeindruckend gespielt von Max Riemelt und Katia Fellin. Sie wollen eine feste Arbeit, ein geregeltes Leben, ein Zuhause für den kleinen Sohn, der ist noch im Heim. Doch da wird vor ihrem Haus der Nachbar, ein Polizist, tot aufgefunden, sie werden wegen der Vorstrafe des Mannes verdächtigt. Beim Versuch zu fliehen, werden die beiden zu Geiselnehmern. Für die beiden Kommissarinnen entsteht eine doppelt schlimme Lage, sie müssen ermitteln und zugleich die akute, gefährliche Situation lösen.

Filmkritiker Knut Elstermann findet: Der hervorragende Regisseur, Stephan Lacant (von ihm stammt die erfolgreiche schwule Liebesgeschichte "Freier Fall", auch mit Max Riemelt) gibt diesen beiden Ermittlerinnen viel Raum für ihre feinsinnige Charakterzeichnung: Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel in ihrem 3. Fall). Im Jahr 2018 übernahm Cornelia Gröschel die Rolle einer Ermittlerin im Dresdner Tatort und kehrte damit in ihre Heimatstadt zurück. Beide Frauen agieren sehr menschlich, sehr normal, sehr gegenwärtig, auch in diesem, sehr differenzierten und klug erzählten Fall, bei dem sie eine gewisse Sympathie, ein Verständnis für die verzweifelten Täter, die eben auch Opfer sind, empfinden, urteilt Filmkritiker Knut Elstermann.

Mehr zu "Die Zeit ist gekommen" In der ARD-Mediathek bis zum 5. Oktober 2020 verfügbar.


"Isadoras Kinder"

Beim Portal Kino On Demand kann man neben vielen anderen Filmen auch "Isadoras Kinder" sehen, der in Locarno den Leoparden für die beste Regie gewann. Darin zeigt Regisseur Damien Manivel wie Isadora Duncans Tanzsolo "Mother" von drei Darstellerinnen neu interpretiert wird: einem Mädchen mit Downsyndrom, einer jungen angehenden Tänzerin und einer älteren Frau. Duncan gilt als Pionierin des Ausdrucktanzes und ihr Stück "Mother" ist eine Art Trauerbewältigung, in der eine Mutter ihr totes Kind im Arm wiegt, denn Duncan hat ihre beiden kleinen Kinder bei einem Autounfall verloren. Der Film geht von dem Trauma aus und gibt den Staffeltab der Lebenserfahrung an drei Generationen weiter.

Auf Kino On Demand findet wegen der geschlossenen Kino die Deutschlandpremiere statt. Für den Preis einer Kinokarte kann man einen zweitägigen Zugang kaufen. Der Erlös geht komplett an die beteiligten Kinos. Man kann sich aussuchen, welches Kino man unterstützen will.

Mehr zu "Isadoras Kinder" Der Film von Damien Manivel ist bei Kino On Demand kostenpflichtig abrufbar.


"12 heißt: Ich liebe Dich"

Wegen verbotener Westkontakte wird Bettina 1985 verhaftet und zur Vernehmung dem jungen Stasi-Offizier Jan vorgeführt. Acht Monate lang sehen sie sich in den Verhören nahezu täglich, und es geschieht in dieser Zeit das Unfassbare: Sie verlieben sich ineinander. Mit wenigen Worten und Gesten verständigen sie sich. Während der Vernehmungen schreibt Bettina in einen Block immer wieder die Zahlen 11 und 12 - "Du bist schön" hat 11 Buchstaben, 12 heißt: "Ich liebe dich".

Der Film mit Claudia Michelsen und Devid Striesow basiert angeblich auf einer wahren Geschichte und ist auch deswegen sehenswert, weil es auf beklemmende Weise das Machtspiel zwischen Stasi-Offizier und inhaftierter Frau zeigt. Grandios inszeniert.

Mehr zu "12 heißt: Ich liebe Dich" Der Film von Connie Walther ist bis 19. Juni 2020 abrufbar.

Bettina (Claudia Michelsen) steht mit Mitarbeitern der Stasi iin einem Raum. 88 min
Bettina (Claudia Michelsen) wird von Mitarbeitern der Stasi ins Gefängnis gebracht. Bildrechte: MDR/UFA/Steffen Junghans

"Unsere wunderbaren Jahre"

Von links nach rechts stehen die Schauspieler Franz Hartwig, Elisa Schlott, David Schütter, Katja Riemann, Vanessa Loibl, Anna Maria Mühe, Ludwig Trepte, Hans-Jochen Wagner und Thomas Sarbacher bei Dreharbeiten für den dreiteiligen ARD-Fernsehfilm "Unsere wunderbaren Jahre" im Schloss Burg Solingen.
Das Cast von "Unsere wunderbaren Jahre" von links nach rechts: Franz Hartwig, Elisa Schlott, David Schütter, Katja Riemann, Vanessa Loibl, Anna Maria Mühe, Ludwig Trepte, Hans-Jochen Wagner und Thomas Sarbacher. Bildrechte: dpa

Die Miniserie "Unsere wunderbaren Jahre" handelt von starken Frauen in der Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders. Zur prominenten Besetzung gehören etwa Elisa Schlott, Anna Maria Mühe und Katja Riemann. Im Juni 1948 in der Kleinstadt Altena im Sauerland wollen die Menschen die D-Mark und den Wiederaufbau. Die Folgen des Krieges sind noch allgegenwärtig: Ein Totgeglaubter kommt aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurück und Fabrikant Wolf möchte sein Metallwerk wieder aufbauen. Dabei setzt er vor allem auf seine Lieblingstochter Ulla – die jedoch ganz andere Träume hat.

Mehr zu "Unsere wunderbaren Jahre" In der ARD Mediathek ist die sechsteilige Serie bis zum 23. Juni 2020 verfügbar.


"Klassentreffen"

Guido Renner, Jan Georg Schuette, Jeanette Hain und Annette Frier mit Cast und Crew bei der Premiere der ONE TV-Serie Klassentreffen, 2019
Cast und Crew von "Klassentreffen" bei der Serienpremiere im Jahr 2019. Bildrechte: imago images / Future Image

17 ehemalige Mitschüler und Mitschülerinnen kommen 25 Jahre nach Schulabschluss wieder zu einem Klassentreffen zusammen. Regisseur Jan Georg Schütte ist ein interessanter, amüsanter und aufregender Film gelungen. Und das liegt vor allem an den Schauspielerinnen und Schauspielern, die hier frei improvisieren durften: ohne Drehbuch, nur mit Rollenprofil. Das ist mal herzzerreißend, mal zum Totlachen, mal zum Fremdschämen. Denn die Charaktere sind so angelegt, wie man sie aus jeder Klasse kennt.

Mehr zu "Klassentreffen" Die sechsteilige Serie ist bis zum 7. Juni 2020 in der ARD Mediathek abrufbar.


DVD-Tipp: Roy-Andersson-Box

In einer Filmszene aus «Über die Unendlichkeit» scheint ein umschlungenes Paar durch die Luft zu fliegen.
Der Start von "Über die Unendlichkeit" wurde verschoben, aber es bleibt noch die Roy-Andersson-Box. Bildrechte: imago images/Prod.DB

Der schwedische Regisseur Roy Andersson gehört zu den eigenwilligsten Filmemachern Europas. Der Start seines neuen Films "Über die Unendlichkeit" wurde verschoben, aber seine legendäre Trilogie über das Wesen des Lebens gibt es in einer schönen DVD-Box, urteilt Filmkritiker Knut Elstermann.

Die Box besteht aus "Songs from the Second Floor" (2000, begründete Anderssons Ruhm), "Das jüngste Gewitter" (2007) und seinem wohl bekanntesten Film mit dem langen Titel "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach", für den er 2014 den Goldenen Löwen erhielt. Der Regisseur bedient sich für seine Tableaus im Arsenal der Kunstgeschichte bei Matisse, Chagall, Goya und bei deutschen Künstlern der 20er-Jahre wie Otto Dix.

Mehr zur Roy-Andersson-Box Enthaltene Filme:
"Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach"
"Das jüngste Gewitter"
"Songs from the Second Floor"


Netflix-Serie "Freud"

Szenenbild aus der Serie "Freud"
Bei der Umsetzung von "Freud" nahm sich Regisseur Marvin Kren viele Freiheiten. Bildrechte: Netflix/Jan Hromadko

Die achtteilige Netflix-Serie "Freud" nimmt den Zuschauer mit ins historische Wien gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der junge Sigmund Freud wird darin als Getriebener dargestellt: Er forscht, kokst, nimmt an Seancen teil und experimentiert mit Hypnose.

"Freud" ist kein biografisch verbürgtes Biopic des berühmten Psychologen. Stattdessen bedient sich Regisseur Marvin Kren ("4 Blocks") an Horrofilm-Elementen und entspinnt um seine drei Hauptfiguren einen Mix aus Kriminalgeschichte, Mysterythriller und Sittenbild einer Stadt. Die Geschichte um Freud (Robert Finster), Medium Fleur Salome (Ella Rumpf) sowie Polizist und Kriegsveteran Alfred Kiss (Georg Friedrich) nimmt dabei langsam an Fahrt auf und wird dann zur wilden Achterbahnfahrt.

Amazon-Serie "Dispatches from Elsewhere"

Dispatches from Elsewhere
"Dispatches from Elsewhere" Bildrechte: 2020 AMC Networks Inc

Jason Segel spielte in der erfolgreichen Sitcom "How I Met Your Mother" den Marshall. Jetzt gibt es Serie aus seiner Feder bei Amazon zu sehen: "Dispatches from Elsewhere". Der Chef eines dubiosen Instituts lockt vier Menschen mit der Versprechung, es gäbe eine erfülltere Wirklichkeit zu entdecken, eine bewusstseinserweiternde Schnitzeljagd beginnt.

Segel selbst spielt Peter, einen introvertierten Datenanalysten mit langweiligem Leben und unaufgeregtem Job. Ein Anruf der Elsewhere Society verändert alles. Peter glaubt schnell, Teil einer großen Mission zu sein. Mit drei anderen – Janice, Fredwynn und Simone – soll er ein verschwundenes Mädchen finden. Ob das alles ein Spiel oder Realität ist, verschwimmt. Das Urteil unserer Serienkritikerin: "Die Serie ist phantastisch. Verspielt und verträumt. Keine Serie zum Nebenbei-Gucken. Entweder man taucht voll und ganz in sie hinein. Oder man verpasst Großes."

Mehr zu "Dispatches from Elsewhere" Die zehn Folgen der ersten Staffel sind bei Amazon Prime zu sehen.

Kultur in der Corona-Krise

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. März 2020 | 08:10 Uhr

Abonnieren