Übersicht Corona-Krise: Diese Hilfen gibt es im Literaturbetrieb

Der Literaturbetrieb ist vom zweiten Lockdown erneut getroffen: Buchhandlungen dürfen nur teilweise offen bleiben. Zudem fallen Lesungen aus, die Kunden locken und auch Autoren finanzieren.

Bücher liegen auf einem Stapel vor einem Bücherregal.
Bildrechte: Colourbox.de

Freie Szene ins Leipziger Gewandhaus

Das Gewandhaus zu Leipzig am Abend. Durch die Fenster ist das erleuchtete Bild Sighard Gilles zu sehen. Konzertbesucher stehen auf den Ebenen hinter den Fenstern. (aufgenommen bei einem Konzert des MDR-Sinfonieorchesters mit Kristjan Järvi)
Nach dem Lockdown soll es auch Literatur im Gewandhaus geben Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Von März bis Juli 2021 sollen Akteure der freien Szene ihre Projekte im Leipziger Gewandhaus präsentieren können, dazu zählen auch literarische Angebote. Genutzt werden sowohl der Mendelssohn-Saal (Kapazität bis 290 Besuchende) wie auch der Große Saal (Kapazität bis 999 Besuchende). Diese Aktion unter dem Titel "Leipzig klingt weiter – freie Räume für die Freie Szene" wendet sich an Veranstaltende, sie können sich bis zum 10. Januar 2021 bewerben. Ein Kuratorium trifft Mitte Januar die Entscheidung für die jeweiligen Projekte.

Hundert Autoren präsentieren ihre Arbeit im Internet

Sowohl Künstler wie auch die Infrastruktur werden vom Deutschen Literaturfonds gefördert. Als Teil der Aktion "Hundert Autoren präsentieren ihre Arbeit im Internet" präsentieren bereits geförderte Autorinnen und Autoren ihre Arbeit mit einem selbst gedrehten literarischen Videobeitrag im netz, für dessen Erstellung sie ein Honorar von 500 Euro erhalten können.

Tausende literarische (Wieder-)Begegnungen mit Autorinnen und Autoren

Lesung im Deutschen Literaturinstitut Leipzig 2019
Es wird auch wieder eine Zeit nach Corona mit Lesungen geben Bildrechte: Deutsches Literaturinstitut Leipzig/Gert Mothes

In die Zukunft blickt das Programm "Tausende literarische (Wieder-)Begegnungen mit Autorinnen und Autoren", das ebenfalls vom Deutschen Literaturfonds im Rahmen von "Neustart Literatur" betrieben wird. Wenn in den Literaturhäusern, Lesebühnen und Clubs wieder persönliche Begegnungen möglich sind, werden Autorinnen und Autoren durch einen Zuschuss von max. 1.000 Euro pro Person gefördert, die sich aus 500 Euro für Honorar sowie Reise- und Übernachtungskosten zusammensetzen können. Eine Bewerbung ist bis zum 31. Dezember 2020 möglich, die Anträge stellen dabei die Veranstalter.

200 neue Stücke für ein großes Publikum

Vogtlandtheater Plauen: Ein Theater mit klassizistischer Fassade im Sonnenschein.
Viele Theaterbühnen bleiben aufgrund der Pandemiebeschränkungen geschlossen – die Stücke der Autorinnen ungehört Bildrechte: Theater Plauen-Zwickau/Peter Awtukowitsch

Bereits im März 2020 wurden 100 Autorinnen und Autoren von Theaterstücken gefördert, die durch die Coronamaßnahmen ein viel kleineres Publikum erreichen konnten. Diese Aktion wird nun um weitere 100 Schreibende erweitert zu "200 neue Stücke für ein großes Publikum". Theatertexte werden von der jeweiligen Bühne zur Lektüre auf die theatereigene Website gestellt, eventuell erweitert um ein Video oder Audio. Dadurch sollen sie ein größeres Publikum erreichen. Bewerben können sich Autorinnen und Autoren, deren Theaterstücke in den Spielzeiten 2019/20 beziehungsweise 2020/21 in deutscher Sprache zur Premiere kamen oder kommen. Die Antragsstellung soll in der Zeit vom 18. bis 24. Januar 2021 erfolgen. Als Honorar gibt es 1.000 Euro. Auch diese Aktion ist Bestandteil von "Neustart Kultur" und wird durch den Deutschen Literaturfonds gefördert.

Druck- und Produktionskostenzuschüsse

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels betreibt Infrastrukturförderung im Rahmen des Zukunftsprogramms "Neustart Literatur" des Staatsministeriums für Kultur und Medien. Für neu erscheinende Bücher, Hörbücher und E-Books können Druck- und Produktionskostenzuschüsse in Höhe von bis zu 7.500 Euro, bei besonders nachhaltiger Produktionsweise auch bis zu 10.000 Euro beantragt werden. Zudem soll die Digitalisierung der Vertriebswege gefördert werden, beispielsweise durch Anschaffung geeigneter Hardware oder durch die Einrichtung benutzerfreundlicher Webshops. Bewerben können sich Buchhandlungen mit bis zu 10 Millionen Euro Umsatz im letzten Geschäftsjahr bis zum bis 31. Januar 2021.

Förderung für Übersetzer

Um die Übersetzungskultur zu fördern, stärkt der Deutsche Übersetzerfonds ein Programm "extensiv initiativ", bei dem Übersetzende und Verlage als Partner gemeinsam gefördert werden. Die Übersetzerinnen und Übersetzer erhalten ein Stipendium und der Verlag eine Bezuschussung der Übersetzungskosten. Besonders betrachtet werden dabei Übersetzungen aus weniger repräsentierten Sprachen, von unbekannten oder weniger bekannten Autorinnen und Autoren sowie von literarischen Texten, die über das Marktgängige hinausgehen. Anträge für die nächste Förderrunde aus dem Programm "extensiv initiativ" können zum 31. Januar 2021 eingereicht werden. Der Deutsche Übersetzerfonds setzt zudem bereits bestehende Förderprogramme fort und erweitert diese. Insgesamt gibt es 5 Millionen Euro aus dem Hilfspaket "Neustart Kultur".

Wie steht es um Buchhändler in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

Die Situation für Buchhandlungen ist verhältnismäßig entspannt: Wie viele andere Läden dürfen sie (vorerst) geöffnet bleiben. Händlerinnen und Händler sind damit nur indirekt vom Lockdown betroffen. Da Restaurants und Bars geschlossen sind, könnte auch die Laufkundschaft geringer werden.

Wie helfen Gutscheine?

Auch wer gerade kein gutes Buch findet: Kunden können in den Buchhandlungen (auch online) verstärkt Gutscheine kaufen. Dafür wirbt die bundesweite Kampagne "Freundschaft fürs Lesen" der Berliner Buchmarketing-Agentur "Literaturtest". Das solle "den Buchhandlungen jetzt helfen, auch in der Zukunft ihre Funktion als vitale Orte des Lesens erfüllen zu können", so die Agentur. Denn für einige Buchhandlungen und Verlage gehe es wegen der Schließungen um die Existenz.

Wie gestaltet sich das Kurzarbeitergeld?

Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter können Kurzarbeitergeld beantragen. Hierbei übernimmt die Bundesagentur für Arbeit einen gewissen Prozentsatz des ausgefallenen Nettolohns. Den Arbeitgebenden werden zudem die Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden erstattet.

Antrag auf Kurzarbeit.
Kurzarbeitergeld wird für bis zu 12 Monate gezahlt. Bildrechte: imago images/foto2press

Gemäß einer Einigung des Koalitionsausschusses vom 23. April soll das Kurzarbeitergeld erhöht werden. Bislang erhalten kinderlose Beschäftigte 60 Prozent und Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Nun soll das Kurzarbeitergeld für diejenigen, die derzeit um mindestens 50 Prozent weniger arbeiten, ab dem vierten Monat des Bezugs auf 70 Prozent (bzw. 77 Prozent für Haushalte mit Kindern) und ab dem siebten Monat des Bezuges auf 80 Prozent (bzw. 87 Prozent für Haushalte mit Kindern) des pauschalierten Netto-Entgelts erhöht werden, längstens bis 31. Dezember 2020. Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit werden zudem ab dem 1. Mai und bis Ende 2020 bereits bestehende Hinzuverdienstmöglichkeiten erweitert.

Beantragt werden kann das Kurzarbeitergeld, wenn mindestens 10 Prozent der Belegschaft von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen sind. Kurzarbeitergeld gibt es jedoch nicht für geringfügig Beschäftigte.

Wann bekomme ich Grundsicherung?

Wer zu wenige oder keine eigenen Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts zur Verfügung hat, kann Grundsicherung beantragen. Ansprechpartner ist das zuständige Jobcenter.

Eingangsbereich einer Agentur für Arbeit
Für die Grundsicherung sind die Jobcenter zuständig. Bildrechte: dpa

Die Erleichterungen ür Neuanträge auf Grundsicherung (ALG II) wurden bis zum 31. Dezember verlängert. Wichtig für Künstlerinnen und Künstler ist, dass die Selbstständigkeit beibehalten werden kann und nicht aufgegeben werden muss. Es entfällt zudem für die ersten 6 Monate die Vermögensprüfung, wenn erklärt wird, dass kein erhebliches Vermögen vorhanden ist. In den ersten 6 Monaten des Leistungsbezugs werden die Ausgaben für Miete und Heizung für die Wohnung in tatsächlicher Höhe anerkannt.

Wer ein Einkommen hat, das zwar für ihn, aber nicht für seine Familie reicht, bekommt einen Kinderzuschlag als Alternative zur Grundsicherung erhält. Bei Neuanträgen ist nun nur noch das Einkommen des letzten Monats (anstelle des letzten halben Jahres) entscheidend. Bei Einkommensverlusten etwa von selbstständigen Eltern entsteht so schneller ein Anspruch.

Was ist bei der Künstlersozialkasse zu beachten?

Autorinnen und Autoren, die Einkommenseinbußen aufgrund von abgesagten Veranstaltungen haben, sollten dies der Künstlersozialkasse melden. Dadurch können die monatlichen Beitragszahlungen sinken. Außerdem sind Stundungen möglich. Die KSK hat darüber hinaus zugesichert, dass Kunstschaffende, die unter das nötige Mindesteinkommen fallen, auch weiterhin versichert bleiben.

Wo kann ich mich noch informieren?

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bietet auf seiner Seite einen Beratungs-Servive für den Umgang mit dem Coronavirus an. Dazu gibt es auch eine Checkliste, worauf betroffene Händler achten sollten. Außerdem bietet der Börsenverein Webinare an, bei denen konkret gestellte Fragen beantwortet werden.

Britta Jürgs, Leiterin des AvivA-Verlags und Vorsitzende der Kurt Wolff Stiftung, verweist für Autorinnen und Autoren auch auf ver.di, welche auf ihrer Seite über Hilfen für Autorinnen und Autoren informiert. Dabei gibt die Gewerkschaft auch Hilfestellungen, um einen Teil der Tätigkeit in die digitale Welt zu verlegen, z.B. durch einen eigenen YouTube-Channel.

Anmerkung der Redaktion: Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung der Hilfsmaßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Hilfe in der Corona-Krise

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. April 2020 | 16:10 Uhr

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