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Unkomplizierte finanzielle Unterstützung soll Kreativen jetzt in der Not helfen. Bildrechte: dpa

Übersicht

Corona-Krise: Diese Hilfen gibt es für Kulturschaffende

Stand: 09. Juni 2021, 09:58 Uhr

Die finanziellen Einschnitte durch die Corona-Krise sind für viele Kreative existenzgefährdend. Ob Musikschaffende, Veranstalter oder Autorinnen und Autoren, sie alle leiden unter abgesagten Konzerten, Lesungen oder Messen. Der Bund rechnet mit insgesamt bis zu 28 Milliarden Euro Ausfällen in der Kreativwirtschaft. Doch es gibt auch finanzielle Hilfe – vom Bund, von den Ländern, von Kommunen und Institutionen. Ein Überblick.

Anmerkung der Redaktion: Wir aktualisieren diesen Artikel fortlaufend. Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung der Hilfsmaßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Chancengeber*innen-Programm mit Stipendien für künstlerische Kleinprojekte

Ab sofort werden 250 Stipendien für künstlerische Kleinprojekte in Höhe von jeweils 1.800,00 € ausgeschrieben, um die sich freiberufliche Künstlerinnen und Künstler bewerben können, die ihren Hauptwohnsitz in Thüringen haben. Die Bewerbungsfrist endet am 26. Juni 2021.

Das vom Thüringer Landtag beschlossene „Sonderprogramm Chancengeber*innen" verfolgt das Ziel, nach dem Abklingen der dritten Pandemiewelle kulturelle Bildung und Teilhabe in Sozialeinrichtungen zu verstärken. Hauptberuflich selbstständige Künstlerinnen und Künstler werden in den Einrichtungen als kreative Kräfte tätig. Bewohner*innen und Besucher*innen werden somit direkt zur kulturellen Teilhabe und Partizipation angeregt. Die Künstler*innen erhalten wiederum die Chance, sich mit Angeboten zu bewerben, die Kunst und Kultur im Rahmen von nicht öffentlichen Vorträgen, Lesungen, Theateraufführungen, Performances, Konzerten und anderen kulturellen Angeboten umfassen.

Der Thüringer Literaturrat übernimmt die Projektkoordination für das Chancengeber*innen-Programm in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturrat Thüringen und der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen. Die Entwicklung des Programmes erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Thüringer Staatskanzlei.

Überbrückungshilfe III

Das Bundesprogramm "Überbrückungshilfe" für kleine und mittelständische Unternehmen richtet sich auch an Soloselbstständige und freiberuflich Tätige. Die Überbrückungshilfe wurde für den Zeitraum Januar 2021 bis Juni 2021 als Überbrückungshilfe III verlängert und gilt auch für die zurückliegenden Monate November und Dezember 2020. Antragsberechtigt ist, wer einen Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent in einem Monat im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 zu verzeichnen hatte. Die Höhe der Zuschüsse orientiert sich am Umsatzeinbruch. So wird ein Anteil der soganannten förderfähigen Fixkosten übernommen, dazu zählen insbesondere Mieten, Versicherungen, Abonnements und andere feste Ausgaben. Erstmalig sollen mit der Überbrückungshilfe III auch gezielt kurz befristet beschäftigte Kulturschaffende, die oft nur auf für die Dauer eines Projekts eingestellt werden, finanziell unterstützt werden. Für die vorgangegangene Überbrückungshilfe II können derzeit noch bis 31. März 2021 Anträge eingereicht werden, die Antragsstellung für die Überbrückungshilfe III ist derzeit noch nicht möglich.

Neustarthilfe für Soloselbstständige

Soloselbstständige haben oftmals kaum Fixkosten und können daher nur sehr eingeschränkt von der Überbrückungshilfe profitieren. Sie können im Rahmen der Überbrückungshilfe III statt einer Einzelerstattung von Fixkosten eine sogennante Neustarthilfe als Zuschuss erhalten. Wessen Umsatz im Zeitraum Januar 2021 bis Juni 2021 im Vergleich zu einem sechsmonatigen Referenzumsatz 2019 um 60 Prozent oder mehr zurückgeht, erhält 50 Prozent des Referenzumsatzes als Neustarthilfe. Für die sechs Monate können bis zu 7.500 Euro Neustarthilfe gezahlt werden. Dieser Zuschuss wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet. Bei der Berechnung werden Einkünfte aus unständiger Beschäftigung den Umsätzen aus Soloselbständigkeit gleichgestellt. Die Antragsstellung für die Neustarthilfe im Rahmen der Überbrückungshilfe III ist derzeit noch nicht möglich.

Außerordentliche Wirtschaftshilfen: November- und Dezemberhilfe

Um die wirtschaftlichen Folgen des zweiten Lockdowns zu mindern, unterstützt die Bundesregierung nicht nur Unternehmen, Vereine und Einrichtungen. Auch Soloselbständige aus der Kultur- und Kreativszene sollen von November- und Dezemberhilfen profitieren. Antragsberechtigt ist, wer im November und Dezember von der Schließung von Einrichtungen betroffen war, entweder ganz direkt, wenn das eigene Unternehmen betroffen ist oder indirekt, wenn durch die von der Schließung betroffenen Einrichtungen regelmäßig mindestens 80 Prozent der Umsätze erzielt wurden.

Soloselbständige können für November und Dezember 2020 bis zu 75 Prozent ihres Umsatzes als direkte Hilfe erhalten. Anstelle des Vergleichsmonats November 2019 können Soloselbständige auch den monatlichen Durchschnittsverdienst 2019 als Bezugsrahmen zugrunde legen. Bis zu einer Summe in Höhe von 5.000 Euro soll der Antrag selbst möglich sein. Bei höheren Summen muss ein Steuerberater die Beantragung vornehmen. Die Anträge können über die Website der Überbrückungshilfe gestellt werden. Die Antragsfrist wurde bis zum 30 April 2021 verlängert.

Hilfsprogramm des Bundes "Neustart Kultur" 2021 um 1 Milliarde Euro erweitert

Das bereits im Juli 2020 aufgelegte Hilfspaket "Neustart Kultur" für die notleidende Kulturbranche wurde Anfang Februar 2021 um eine weitere Milliarde aufgestockt auf nun insgesamt zwei Milliarden Euro. Bis Ende 2020 sind bereits 900 Millionen Euro und damit fast das ganze erste Budget von 1 Milliarde Euro konkret verplant gewesen. Das um eine Milliarde erweiterte Programm werde damit den Herausforderungen des zweiten Lockdowns angepasst, so Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Das Hilfspaket setzt sich aus Förderungen von etwa 60 verschiedenen Sparten aus Bereichen der Kunst und Kulturbranche wie Kinos, Museen und Theatern, Musik und Literatur zusammen. Spartenübergreifend werden zudem Mittel für pandemiebedingte Investitionen und Digitalisierung zur Verfügung gestellt. Die Antragstellung zur Neuauflage wird noch umgesetzt.

Arbeitslosengeld II

Auch wenn der Schritt für manche unangenehm empfunden werden könnte, die Grundsicherung durch das Arbeitslosengeld II ist derzeit eine gute Option. Der Chef des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, betonte im Gespräch mit MDR KULTUR: "Das ist nicht mehr die alte Grundsicherung, sondern jetzt könnt ihr da ganz einfach Gelder beantragen. Das bekommt ihr fast bedingungslos, wenn ihr in Not geratet." Zuständig sind die Arbeitsagenturen vor Ort, zumeist können Anträge auch online gestellt werden.

Zimmermann sagte weiter, man müsse lediglich "eine Eidesstattliche Versicherung abgeben, aber mehr nicht. Das heißt, ich muss keine großen Unterlagen abgeben." Auch die Vermögensverhältnisse bräuchten nicht offengelegt und Rücklagen nicht zuerst aufgebraucht werden. Miete- und Mietnebenkosten würden ohne weitere Prüfung übernommen. Die Regelungen gelten bis zum 31. März 2021.

Kurzarbeitergeld

Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter können Kurzarbeitergeld beantragen. Hierbei übernimmt die Bundesagentur für Arbeit einen gewissen Prozentsatz des ausgefallenen Nettolohns. Den Arbeitgebenden werden zudem die Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden erstattet.

Kinderlose Beschäftigte erhalten 60 Prozent und Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Wessen Arbeitsentgelt um mindestens die Hälfte reduziert ist, erhält ab dem vierten Monat des Bezugs von Kurzarbeitergeld 70 Prozent (bzw. 77 Prozent für Haushalte mit Kindern) und ab dem siebten Monat des Bezuges 80 Prozent (bzw. 87 Prozent für Haushalte mit Kindern) des pauschalierten Netto-Entgelts, längstens bis 31. Dezember 2021. Die Berücksichtigung der Bezugsmonate von Kurzarbeitergeld beginnt ab 1. März 2020. Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit werden zudem ab dem 1. Mai und bis Ende 2020 bereits bestehende Hinzuverdienstmöglichkeiten erweitert.

Beantragt werden kann das Kurzarbeitergeld, wenn mindestens 10 Prozent der Belegschaft von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen sind. Kurzarbeitergeld gibt es jedoch nicht für geringfügig Beschäftigte.

Entschädigung bei Verdienstausfall wegen Kinderbetreuung oder Quarantäne

Wer pandemiebedingt Einkommenseinbußen hat durch Quarantäne oder Schließung von Schulen und Kitas, hat nach § 56 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) Anspruch auf Entschädigungsleistungen.

Wer auf Grund des Coronavirus offiziell unter Quarantäne gestellt wird und dadurch einen Verdienstausfall erleidet, kann eine Entschädigung beantragen. Auch Selbstständige und freiberuflich Tätige bekommen den Verdienstausfall ersetzt.

Wer durch Schließung von Kindergärten und Schulen nicht arbeiten kann oder konnte, soll durch eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes entschädigt werden. Das gilt für Kinder bis 12 Jahre. In Anlehnung an das Kurzarbeitergeld zahlt der Staat bis zu 20 Wochen (jeweils zehn Wochen für Mütter und zehn Wochen für Väter – beziehungsweise 20 Wochen für Alleinerziehende) 67 Prozent des Nettoeinkommens, bis zu 2.016 Euro pro Monat, sofern keine andere Betreuung der Kinder möglich ist. Außerdem können Eltern bei geschlossenen Kitas und Schulen bis zu 20 Kinderkranktage pro Elternteil pro Kind beanspruchen, für Alleinerziehende sind es 40 Tage pro Kind. Insgesamt können so zwar ca. 6 Monate Kinderbetreuung über beide Regelungen abgedeckt werden, allerdings für die meisten Eltern lediglich mit einer Zahlung von zwei Drittel des sonstigen Nettoeinkommens.

Wo der Antrag auf Entschädigung genau gestellt wird, ist bei jedem Bundeland unterschiedlich: Für Sachsen ist die Landesdirektion Sachsen zuständig. Menschen aus Sachsen-Anhalt können ihre Anträge zur Entschädigung bei Verdienstausfall einfach hier online stellen. In Thüringen ist das Landesverwaltungsamt zuständig.

Weitere Hilfsprogramme

Der ensemble-netzwerk e.V. sammelt Spenden, die einzelnen Künstlerinnen und Künstlern ausgezahlt werden (je 500 Euro). Die privat initiierte Elinor-Kunstnothilfe vermittelt auf Antrag 1.000 Euro Soforthilfe, die ebenfalls aus Spenden stammen.

Hilfsangebote in Sachsen

In Sachsen können freie Träger im Bereich Kunst und Kultur einen Soforthilfe-Zuschuss bis 10.000 Euro, in Ausnahmefällen bis 50.000 Euro erhalten. Er gilt als Unterstützung zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen, die zwischen 15. März 2020 und 31. Dezember 2020 entstanden sind. Soloselbstständige und freiberuflich Tätige waren hierbei bisher allerdings nicht antragsberechtigt. Nun soll das Programm auch für Einzelpersonen zugänglich sein, die Clubs und andere Spielstätten betreiben. Die Anträge der Soforthilfe "Härtefälle Kultur" können bei der Sächsischen Aufbaubank bis Ende 2021 eingereicht werden.

Das Stipendium "Denkzeit" konnten sächsische Künstlerinnen und Künstler bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen beantragen. Antragsfrist war der 30. November 2020. Aktuell werden keine Anträge mehr entgegengenommen.

In der Reihe "Kultur Digital" der Kampagne von "So geht Sächsisch." hatten Kulturschaffende die Möglichkeit, Honorare für Online-Auftritte zu beantragen. Eingereicht werden konnten digitale Projekte, die die kulturelle Vielfalt im Internet steigern und einen Bezug zu Sachsen haben.

Von der Kulturstiftung Sachsen finanzierte Projekte können bis April 2021 verschoben werden, ohne dass Fördermittel zurückgezahlt werden müssen. Sollten Veranstaltungen nicht nachgeholt werden können, ist auf Antrag auch eine Änderung des Förderzwecks möglich. Stiftungsdirektor Manuel Frey erklärt außerdem: "Sollte weder eine Verschiebung noch eine Änderung des Förderzwecks möglich sein, können alle nachweislich entstandenen Vorbereitungskosten und Verpflichtungen für das abgesagte Vorhaben als zuwendungsfähige Ausgaben anerkannt werden, das betrifft unter anderem auch Stornierungskosten."

Hilfsangebote in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt hat das Programm "Kultur ans Netz" neu aufgelegt. Mit dem Programm fördert das Land Projekte von Menschen, die frei- und hauptberuflich in den Sparten Musik, Bildende Kunst, Medienkunst, Darstellende Kunst, Literatur und intermedialen Kunstformen tätig sind. Ab dem 7. April können sich Kulturschaffende wieder bewerben und Anträge bis 5. Juni 2021 per Onlineverfahren bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt stellen.

Das Stipendium läuft dann bis zu drei Monate lang, wobei jeden Monat 1.500 Euro ausgezahlt werden. Insgesamt stünden 4,5 Millionen Euro zur Verfügung, sodass sich ungefähr 1000 Projekte bewerben könnten. Die Landesregierung hat dazu noch einmal betont, dass nicht nur digitale Projekte gefördert werden.

Zuwendungsvoraussetzungen sind u. a. ein Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt sowie der Nachweis einer freischaffenden hauptberuflichen künstlerischen Tätigkeit durch die Mitgliedschaft in der Künstler- und Sozialkasse (KSK) oder die Vorlage einer künstlerischen Vita. Darüber hinaus ist ein Kurzkonzept, aus dem das künstlerische Vorhaben hervorgeht, einzureichen. Eine Auswahl der künstlerischen Arbeit, die im Rahmen des Stipendienprogramms entsteht, wird nach Abschluss des Programms auf der Website der Landesregierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Hilfsangebote in Thüringen

Die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen hat ein Sonderstipiendienprogramm für die Bereiche Bildende und Darstellende Kunst, Musik, Film/Video sowie Literatur gestartet. Gefördert werden allgemeine Arbeitsvorhaben mit einem Betrag von 4.000 Euro. Die Stipendien können hier bis zum 25. Februar 2021 beantragt werden.

Das Stipendien-Programm "Resilienzen" für thüringische Künstlerinnen und Künstler der Kulturstiftung des Freistaates Thüringen hat Förderungen in Höhe von je 3.000 Euro für Kunstschaffende ausgeschrieben, für die die Pandemie-Maßnahmen existenzbedrohende ökonomische Folgen haben. In ihrer künstlerischen Arbeit sollen sie sich mit der gegenwärtigen Verfasstheit der Gesellschaft auseinandersetzen. Die Antragsfrist ist am 1. Juli 2020 bereits verstrichen.

Die Thüringer Aufbaubank unterstützt mit Thüringen-Invest kleine und mittlere Unternehmen bei Investitionen mit Zuschüssen von bis zu 30 Prozent. Die Förderung ist mit einem Förderdarlehen bis 200.000 Euro kombinierbar.

Anmerkung der Redaktion: Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung der Hilfsmaßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 31. März 2020 | 07:10 Uhr