Bundestags-Petition Corona: Kreative in Existenznot – Leipziger Sänger startet Petition

Für freischaffende Künstler ist die Stilllegung des öffentlichen Bereiches aufgrund der Corona-Gefährdung besonders hart. Wichtige Einnahmen brechen weg, was für manche existenzbedrohend ist. Auch ohne Corona befinden sich bereits viele Kunstschaffende am Existenzminimum. Der freischaffende Sänger David Erler kennt die Problematik hautnah und hat deshalb eine Petition gestartet, die an den Bundestag und das Finanzministerium gerichtet ist: "Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns".

David Erler
David Erler ist Countertenor und stammt ursprünglich aus dem sächsischen Vogtland Bildrechte: Björn Kowalewsky
David Erler 6 min
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Für Künstler ist die Stilllegung des öffentlichen Bereiches aufgrund von Corona besonders hart. Einnahmen brechen weg. Der freischaffender Sänger David Erler hat nun eine Petition gestartet – die enormen Zuspruch findet.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 16.03.2020 16:10Uhr 06:26 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Für Künstler ist die Stilllegung des öffentlichen Bereiches aufgrund von Corona besonders hart. Einnahmen brechen weg. Der freischaffender Sänger David Erler hat nun eine Petition gestartet – die enormen Zuspruch findet.

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MDR KULTUR: Ihre Online-Petition "Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns" steht seit einer Woche im Netz und hat schon über 190.000 Unterzeichner. Überrascht Sie die Zahl?

David Erler: Ja, ich bin selbst geplättet davon, wieviel Zuspruch das hat. Auf der anderen Seite zeigt es mir natürlich, wie groß die Szene ist und wie viele Freiberufler da draußen sind.

In welcher Situation waren Sie, als Sie gedacht haben, jetzt muss etwas passieren?

Es war der Mittwoch und ich war im Prinzip am Packen für ein Projekt. Für ein Passionskonzert. Und an dem Tag fing es an mit den Absagen. Ich hab da schon ein oder zwei Anrufe und Mails bekommen gehabt und wusste von Kollegen, dass ihnen auch viele Sachen jetzt plötzlich wegbrechen oder auf der Kippe stehen. Und dann hab ich mich noch eben, vor dem Abfahren, an den Rechner gesetzt und so eine Petition geschrieben.

David Erler
Countertenor David Erler Bildrechte: Björn Kowalewsky

Warum ist die Passionszeit inklusive Oster-Feiertage so wichtig für Musikerinnen und Musiker?

Da finden einfach unglaublich viele Konzerte statt! Die Passionsmusiken – man muss nur an die großen Passionen von Bach denken, die Johannes- & Matthäus-Passion – werden rauf und runter gespielt. Viele von uns sind da beschäftigt. Und viele von uns müssen einfach in dieser Zeit tatsächlich die schwächeren Monate rundherum mit ausgleichen und teilweise bis zu einem Drittel ihres Jahreseinkommens erwirtschaften. Und das fällt jetzt alles vollständig weg.

Sie formulieren in ihrer Petition ziemlich dramatisch, dass eine Gesellschaft zwar für eine Zeit lang auf kulturelles Leben verzichten kann, aber wenn sie zu lange darauf verzichtet, dann gibt es am Ende gar keine Künstler mehr, die die Kultur leisten. Sehen Sie diesen schlimmsten Fall kommen?

Das steht zu befürchten, denn keiner weiß ja, wie lange dieser Shutdown eigentlich Bestand haben soll. Und es ist, wie ich gerade sagte so, dass wir jetzt eigentlich für die schwächeren Zeiten vorher und hinterher für uns Sorgen müssten. Dass das nicht stattfinden kann, heißt auch, dass viele von uns Rücklagen – so sie denn überhaupt vorhanden sind und nicht gerade eben in dieser Zeit erst angelegt werden – aufbrauchen müssen. Und dann ist es relativ schnell vorbei mit der Liquidität.

Sie fordern unbürokratische Hilfe. Was trauen Sie der Bundesregierung mit Blick auf die Kreativen zu? Das sind ja relativ wenige, und die haben nicht so eine Riesenlobby.

Das ist genau das Problem! Allerdings sehe ich da auch die Chance, in dieser Petition. Darin, dass sich da so viele in so kurzer Zeit zusammengeschlossen haben. Und mir wurde auch schon von Politikern versichert, dass sie das Problem auf dem Schirm haben. Das sind natürlich erstmal Worte und von Worten können wir uns alle erstmal keine Miete und kein Essen kaufen. Wir müssen natürlich hoffen, dass dann auch Taten folgen. Und ja, da hab ich noch Hoffnung.

Das Gespräch führte Thomas Bille für MDR KULTUR.

Forderung: Grundeinkommen für Künstler Der Deutsche Musikrat wählt einen anderen Ansatz, um Künstlerinnen und Künstlern in Not zu helfen. Er fordert ein auf sechs Monate befristetes Grundeinkommen von 1.000 Euro, das den Kreativen in der durch das Coronavirus hervorgerufenen Notsituation helfen soll. Generalsekretär Christian Höppner betont, dass bei den niedrigen Einkommen von freiberuflichen Musikern "kein Spielraum für Rücklagen gegeben" sei. Auch David Erler unterstützt die Forderung eines befristeten bedingungslosen Grundeinkommens.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. März 2020 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2020, 04:00 Uhr

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