Veranstaltungs- und Konzertabsagen Corona-Krise: Fragen und Antworten zu Hilfen für freischaffende Künstler

Besonders die Kulturbranche ist durch die Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus hart getroffen. Zwar sind Museen zu großen Teilen wieder geöffnet, Theater haben den Sommerspielbetrieb wieder aufgenommen und sogar manches Kino hat wieder geöffnet. Trotzdem sind besonders freischaffende Künstlerinnen und Künstler noch immer von Honorarausfällen betroffen. Was sie jetzt wissen müssen.

Eine E-Gitarre wird gespielt
Die Veranstaltungsabsagen wegen der Ausbreitung des Coronavirus stürzt viele freiberufliche Künstler in eine existentielle Notsituation. Bildrechte: IMAGO

Anmerkung der Redaktion: Wir aktualisieren diesen Artikel fortlaufend und erweitern ihn mit Fragen und Antworten. Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung der Hilfsmaßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Wie sehen die staatlichen Hilfen für Freischaffende aus?

Vom Konjunkturpaket des Bundes soll die Kultur eine Milliarde Euro für den sogenannten "Neustart Kultur" erhalten. 480 Millionen Euro davon sollen dafür eingesetzt werden, Kulturschaffende aus der Kurzarbeit zu holen und ihr Wirken zu finanzieren. Die Milliarde soll mit Hilfe der vielen Berufsverbände verteilt werden. Das Paket ist zwar vom Kabinett bereits beschlossen, Bundesrat und Bundestag müssen dem Nachtrag zum Bundehaushalt allerdings noch zustimmen. Die Verabschiedung ist für Anfang Juli vorgesehen, der Start der Programme soll unmittelbar darauf erfolgen, heißt es von Seiten des Kulturstaatsministeruims.

Das Bundeskabinett hat am 12. Juni Eckpunkte für ein Bundesprogramm "Überbrückungshilfen" beschlossen. Es richtet sich auch an Soloselbstständige und Freiberufler. Die Überbrückungshilfe soll für die Monate Juni, Juli und August 2020 gezahlt werden und berechnet sich aus der Höhe des Umsatzeinbruchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Bund stellt den Ländern dafür insgesamt 25 Milliarden Euro zur Verfügung. Vorraussetzung für die Beantragung ist eine vollständige oder großteilige Einstellung der Geschäftstätigkeit in Folge der Corona-Pandemie. Das ist dann der Fall, wenn der Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 zusammengenommen um mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 gesunken ist. Das Programm soll Anfang Juli starten, sobald das Gesetz verabschiedet ist.

Zuvor hatte die Bunderegierung Corona-Soforthilfen für Solo-Selbständige und kleine Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Folge von Corona in Höhe von insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro beschlossen. Solo-Selbständige – also Selbständige ohne Beschäftigte, Einzelkünstler etc. – und Kleinstunternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten danach bis 9.000 Euro Einmalzahlung für drei Monate. Bei bis zu zehn Beschäftigten fließen bis 15.000 Euro Einmalzahlung für drei Monate. Die Abwicklung erfolgt elektronisch über die Länder. Die Zuschüsse konnten bis zum 31.05.2020 beantragt werden.

Im Falle von Einkommenseinbußen können Betroffene bei der Künstlersozialkasse und bei den Finanzämtern die Senkung ihrer Beiträge oder Steuervorauszahlungen beantragen; außerdem sind Stundungen möglich.

Achtung: Anders als geplant, kann das Soforthilfeprogramm des Bundes auch mit Hilfen aus einem Landesprogramm kombiniert werden. Wenn dadurch eine Überkompensation erfolgen sollte, ist diese zurückzuzahlen.

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf sonstige staatliche Förderprogramme?

Der Bund vergibt auch in ruhigen Zeiten über verschiedene Wege Geld an freie und selbstständige Kunstschaffende, die in der Regel an bestimmte Projekte und Regularien gebunden sind. Falls diese Produktionen wegen der Corona-Epidemie ausgefallen sind oder verschoben wurden, sollen die Gelder weiterfließen. Der Bund hält die Förderung aufrecht, auch wenn der Zeitraum des Projektes überschritten wurde. Die Gelder können auch für Ausfallhonorare verwendet werden.

Außerdem hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters angekündigt, mehr Geld für Stipendien bereitzustellen. Statt Kunstschaffende in den Jahren 2020 und 2021 wie ursprünglich vorgesehen mit 8,5 Millionen Euro zu unterstützen, sollen Gelder im Gesamtwert von bis zu 52 Millionen ausgeschüttet werden. Damit will die Bundesregierung freischaffenden Künstler auch in den kommenden Monaten und trotz der schwierigen finanziellen Lage von Kulturhäusern die Möglichkeit für künstlerische Tätigkeiten bieten. Aufgestockt werde der Fonds Darstellende Künste e. V. für freischaffende Einzelkünstler, das Stipendienprogramm Musikfonds e. V für Komponisten, Musiker und Klangkünstler, der Dachverband Tanz e. V für soloselbstständige Choreografen, Tänzer und Produzenten und die Stiftung Kunstfonds für bildende Künstler und kunstvermittelnde Einrichtungen.

Bekommen Kulturschaffende Ausfälle bei Quarantäne bezahlt?

Freischaffende Künstlerinnen und Künstler, die selbst Auftritte oder Veranstaltungen absagen mussten, weil sie sich in Quarantäne befinden, bekommen einen Ausgleich vom Land. Laut Landesdirektion Sachsen fallen auch Freiberufler unter das sogenannte Infektionsschutzgesetz. Eine Erstattung kommt demnach aber nur in Frage, wenn der Freiberufler selbst eine Quarantäneanordnung oder ein Tätigkeits-/Beschäftigungsverbot vom zuständigen Gesundheitsamt erhalten hat. Wie hoch der Betrag ist, der erstattet wird, wird auf der Grundlage der letzten vom Finanzamt vorliegenden Steuererklärung berechnet.

Werden Ausfallhonorare bei abgesagten Veranstaltungen bezahlt?

Kulturinstitutionen können unter bestimmten Bedingungen Honorare für Engagements zahlen, die wegen der Coronakrise abgesagt wurden. Die Regelung des Kulturstaatsministeriums gilt für Kultureinrichtungen und Projekte, die vom Bund gefördert werden. Voraussetzung ist, dass der Auftrag bis zum 15. März 2020 vereinbart wurde. Dabei sind Ausfallhonorare von bis zu 60 Prozent der Gage möglich; die Obergrenze des liegt bei 2.500 Euro.

Auch darüber hinaus "sollten Künstler mit Veranstaltern über Ausfallhonorare verhandeln", sagt Gerald Mertens von der Deutschen Orchestervereinigung: "Dabei zeigen sich gerade private Veranstalter solidarisch."

Wer kann Kurzarbeitergeld erhalten?

Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter können Kurzarbeitergeld beantragen. Hierbei übernimmt die Bundesagentur für Arbeit einen gewissen Prozentsatz des ausgefallenen Nettolohns. Den Arbeitgebenden werden zudem die Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden erstattet.

Antrag auf Kurzarbeit.
Die Regeln für den Bezug von Kurzarbeitergeld wurden deutlich ausgeweitet Bildrechte: imago images/foto2press

Gemäß einer Einigung des Koalitionsausschusses vom 23. April soll das Kurzarbeitergeld erhöht werden. Bislang erhalten kinderlose Beschäftigte 60 Prozent und Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Nun soll das Kurzarbeitergeld für diejenigen, die derzeit um mindestens 50 Prozent weniger arbeiten, ab dem vierten Monat des Bezugs auf 70 Prozent (bzw. 77 Prozent für Haushalte mit Kindern) und ab dem siebten Monat des Bezuges auf 80 Prozent (bzw. 87 Prozent für Haushalte mit Kindern) des pauschalierten Netto-Entgelts erhöht werden, längstens bis 31. Dezember 2020. Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit werden zudem ab dem 1. Mai und bis Ende 2020 bereits bestehende Hinzuverdienstmöglichkeiten erweitert.

Beantragt werden kann das Kurzarbeitergeld, wenn mindestens 10 Prozent der Belegschaft von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen sind. Kurzarbeitergeld gibt es jedoch nicht für geringfügig Beschäftigte.

Welche Regelungen gibt es für Musiklehrkräfte in Musikschulen, die wegen Corona schließen mussten?

Sollte ein Arbeitsvertrag vorliegen, erhalten die Musikerinnen und Musiker Lohnfortzahlung, sagt Gerald Mertens von der Deutschen Orchestervereinigung. Für Honorarlehrkräfte hänge eine Vergütung von den Einzelheiten der Honorarvereinbarung ab. Mertens erklärt: "Diese sehen in der Regel so aus, dass Honorare nur für tatsächlich erbrachte Leistungen gezahlt werden, das heißt, nicht stattfindende Stunden werden auch nicht vergütet."

Das Sächsische Kulturministerium unterstützt freie Musikschulen und freie Musiklehrkräfte außerdem mit rund 6 Millionen Euro, um Einnahmenausfälle auszugleichen. Es kann ein Zuschuss von bis zu 60 Prozent der ausgefallenen Honorare beantragt werden, bis zu 750 Euro je Woche. Darüber hinaus erhalten Musikschulen in freier Trägerschaft Zuschüsse, um ihre Einnahmenausfälle in Folge des Unterrichtsausfalls auszugleichen. Die Hilfen können beim Sächsischen Musikrat beantragt werden. Für Selbständige gibt es zudem auf den Seiten der Deutschen Orchestervereinigung Informationen über Hilfefonds.

Welche Hilfen gibt es in Sachsen?

In Sachsen hat das Kabinett am 9. Juni ein umfassendes Hilfspaket für den Kulturbereich beschlossen. Von den insgesamt 44 Millionen Euro sind 30 Millionen Euro für freie Theater, Festivals und kulturelle Vereine vorgesehen. Neun Millionen Euro sollen in die Fortführung des Stipendienprogramms Denkzeit fließen. Kinos unterstützt der Freistaat mit insgesamt 1,5 Millionen Euro. Eine entsprechende Förderrichtlinie trat am 8. Juli in Kraft. Kinos mit bis zu fünf Beschäftigten pro Betriebsstätte können demnach bis zu 9.000 Euro erhalten, größere Kinos bis zu 15.000 Euro. Die Anträge auf Förderung können bei der Sächsischen Aufbaubank eingereicht werden.

Ein Stipendium von 2.000 Euro können sächsische Künstlerinnen und Künstler der Sparten Darstellende und Bildende Kunst, Musik, Literatur und Film bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen beantragen. Unter dem Titel "Denkzeit" sollen sie damit ermutigt werden, an ihrer künstlerischen Arbeit festzuhalten. Zur möglichen inhaltlichen Ausrichtung erläutert Stiftungsdirektor Dr. Manuel Frey: "Das Stipendium ist offen für unterschiedliche Ansätze und Formate. So können beispielsweise Recherche- und Konzeptarbeiten oder Ideen der künstlerischen Reflexion der Krise ebenso Gegenstand des Stipendiums sein wie das Ausloten digitaler Interaktionstechniken, die Erprobung von Veranstaltungsformaten im virtuellen Raum oder die Restrukturierung von Arbeitsprozessen." Eine kurze Skizzierung des Vorhabens genügt. Die einmalige Zuwendung wird für die Dauer von zwei Monaten gewährt. Eine Antragsstellung ist im Moment nicht möglich, das Projekt soll aber fortgeführt werden und bald wieder zugänglich sein. Zuvor steht eine Entscheidung des Sächsischen Landtags über die erforderlichen Mittel aus.

Zudem hat das Land für Musikschulen und freie Musiklehrkräfte ein Soforthilfeprogramm in Höhe von rund sechs Millionen Euro aufgelegt. Dem Kulturministerium zufolge sollen damit die Einnahmeverluste der freien Musikschulen und Honorarlehrkräfte aufgrund der Corona-Pandemie ausgeglichen werden. Auch würden damit bis zu 60 Prozent der Honorarausfälle von freien oder privaten Anbietern von außerschulischem Musikunterricht ersetzt. Die Lehrkräfte müssten professionell und selbstständig tätig sein und ihr Einkommen überwiegend durch ihre Freiberuflichkeit verdienen. Die Einnahmeausfälle müssten sie nachweisen. Die maximale Unterstützung beträgt den Angaben zufolge 750 Euro pro Woche. Der Betrag muss nicht zurückgezahlt werden. Das Hilfsprogramm soll den Zeitraum Mitte März bis zum Ende des Schuljahres abdecken. Die Hilfen können beim Sächsischen Musikrat beantragt werden.

Welche Hilfen gibt es in Sachsen-Anhalt?

Mit einem sechs Millionen Euro umfassenden Programm "Kultur ans Netz" will Sachsen-Anhalt den Kulturbereich unterstützen. Gefördert werden laut Kulturministerium Projekte von Freiberuflern, die hauptberuflich in den Sparten Musik, Bildende Kunst, Medienkunst, Darstellende Kunst, Literatur und intermedialen Kunstformen tätig sind. Für die Erarbeitung einer präsentationsreifen künstlerischen Leistung gewährt das Land einen nicht rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro monatlich, für die Dauer von bis zu drei Monaten. Anträge könnten voraussichtlich ab Mitte Juni über das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt gestellt werden. Laut Kulturminister Rainer Robra soll so ein Aufbruchssignal gesetzt und freischaffenden Künstlern und Künstlerinnen, die aufgrund der Corona-Krise ihrer Tätigleit nicht nachgehen konnten, Starthilfe gegeben und ein Freiraum verschafft werden.

Zuwendungsvoraussetzungen sind ein Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt sowie eine Mitgliedschaft in der Künstler- und Sozialkasse (KSK). Alternativ gilt ein Nachweis einer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit in Sachsen-Anhalt durch geeignete Unterlagen. Eingereicht werden muss außerdem ein Kurzkonzept zum Vorhaben. Die geförderten Projekte sollen auch im Landesportal unter www.kultur.sachsen-anhalt.de präsentiert werden.

Künstler und Kulturschaffende aus Sachsen-Anhalt konnten auf Antrag Soforthilfe erhalten. Die Soforthilfen müssen nicht zurückgezahlt werden. Beantragt werden konnten sie beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt. Die Antragsfrist ist bereits verstrichen. Ein neues Programm soll voraussichtlich Anfang Juli 2020 durch die Landesregierung eingerichtet werden. Zuschüsse für Soloselbständige und Kleinstunternehmen mit bis zehn Mitarbeitenden konnten bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt bis 31. Mai beantragt werden.

Zusätzlich hat die Landeshauptstadt Magdeburg ein Soforthilfe-Paket für Kunst und Kultur auf den Weg gebracht. Der Hilfsfonds umfasst der Stadt zufolge insgesamt 150.000 Euro: Solo-Selbstständige können 1.000 Euro, Einrichtungen jeweils 3.000 Euro beantragen. Die Soforthilfe-Anträge gibt es auf der Internetseite der Stadt Magdeburg zum Download. Die Anträge sind bis 30. Juni 2020 zu stellen.

Welche Hilfen gibt es in Thüringen?

In Thüringen hat der Landtag am 5. Juni ein 1,26 Milliarden starkes Corona-Hilfspaket beschlossen. Im Bereich der Kultur sollen damit vor allem Einnahmeausfälle verschiedener Einrichtungen kompensiert werden. So sind für die Klassik Stiftung Weimar etwa 1,5 Millionen Euro, für die Stiftung Thüringer Gärten und Schlösser ebenfalls 1,5 Millionen Euro und für die Stiftung Schloss Friedenstein 500.000 Euro vorgesehen. Die Theater und Orchester im Land erhalten 9 Millionen Euro, die Museen 4,4 Millionen und der Bereich Soziokultur/Freie Theater 5,2 Millionen Euro.

Entgegen früherer Planungen werden nun auch Solo-Selbstständige von dem Paket profitieren: Bei coronabedingtem Einnahmeausfall können für zwei Monate jeweils 1180 Euro an sie ausgezahlt werden. Insgesamt 20 Millionen Euro werden in dem Hilfspaket dafür bereitgestellt. Zuvor waren viele Solo-Selbstständige durch die Raster der Rettungsschirme gefallen.

Mittel für gemeinnützige Träger im Bereich der Kinos, Festivals, Soziokultur und freien Theater, die wegen Corona finanziell in ihrer Existenz bedroht sind, werden als Billigkeitsleistung und nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt. Eine Antragsstellung ist möglich, wenn die fortlaufenden Einnahmen einer Einrichtung nicht ausreichen, um die fortlaufenden Personal- und Sachkosten zu bezahlen. Die Zuschusshöhe ist abhängig von der Finanzierungslücke, die sich aus den Einnahmen abzüglich der laufenden Kosten ergibt.

Anträge können ab dem 10. Juli 2020 bei der Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen (GFAW) gestellt werden, welche die Anträge prüft und bearbeitet. Die Bewilligung der Anträge erfolgt durch die Thüringer Aufbaubank.

Die Erstanträge im Bereich der freien Theater, Festivals und Soziokultur sind bis zum 31. Juli 2020 zu stellen. Mögliche Folgeanträge sind bis zum 15. Oktober dieses Jahres einzureichen, wenn die vom Landtag zur Verfügung gestellten Finanzmittel ausreichen. Der Zuschuss wird ab Antragstellung rückwirkend für den Zeitraum ab 18. März, längstens für die Dauer von vier Monaten, bis zum 17. Juli gewährt. Sollten Liquiditätsengpässe weiter fortbestehen, dann kann im Einzelfall ein weiterer Zuschuss für den Zeitraum ab 18. Juli bis voraussichtlich zum 31. Dezember 2020 gewährt werden.

Für Kinos wird für den Zeitraum von Juni bis August 2020 ein Zuschuss in Höhe der für diesen Zeitraum angegeben Finanzierungslücke gewährt. Der Zuschuss ist auf maximal 10.000 Euro je Monat und Betriebsstätte in Thüringen begrenzt.

Zum 1. Juni 2020 ist ein neues Stipendien-Programm unter dem Titel "Resilienzen" für thüringische Künstlerinnen und Künstler gestartet. Das Programm der Kulturstiftung des Freistaates Thüringen schreibt Stipendien in Höhe von je 3.000 Euro für Kunstschaffende aus, für die die Pandemie-Maßnahmen existenzbedrohende ökonomische Folgen haben. In ihrer künstlerischen Arbeit sollen sie sich mit der gegenwärtigen Verfasstheit der Gesellschaft auseinandersetzen.

Welche anderen finanziellen Hilfen gibt es?

Inhaber eines Wahrnehmungsvertrags aus der freien Szene können auf einen Ausgleich hoffen: Ihnen bietet die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH (GVL) eine einmalige Soforthilfe in Höhe von 250 Euro an, wenn sie durch virusbedingte Veranstaltungsabsagen Honorarausfälle erlitten haben. Zur Beantragung müssen sich Betroffene direkt an die GVL wenden.

Die Gema hat einen "Schutzschirm Live" eingerichtet, eine pauschale Nothilfe, mit der Musikurheber eine Vorauszahlung auf ihre künftigen Ausschüttungen in den Live- und Wiedergabesparten beantragen können. Diese finanzielle Unterstützung richtet sich vorrangig an Komponisten und Textdichter der GEMA, die zugleich als Performer auftreten und aufgrund von flächendeckenden Veranstaltungsabsagen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Anträge können ab dem 30. März 2020 über das Online-Portal der Gema gestellt werden. Darüber hinaus hat die Gema aus den Mitteln für soziale und kulturelle Förderung einen "Corona-Hilfsfonds" gebildet, aus dem existenziell gefährdete Mitglieder eine einmalige persönliche Übergangshilfe von bis zu 5.000 Euro beantragen können.

Zur Unterstützung freiberuflicher Museumswissenschaftler hat die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung kurzfristig ein Förderprogramm aufgelegt. Mit der Förderung sollen die Betroffenen an den Museen gehalten und in Notlagen unterstützt werden. Je nach Projekt will die Stiftung zwischen 2.000 und 25.000 Euro "für begrenzte Restaurierungsprojekte und die wissenschaftliche Arbeit an Ausstellungskatalogen, Bestandskatalogen oder Werkverzeichnissen" beisteuern.

Fördergelder in Höhe von 2,4 Millionen Euro stellt die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung angesichts der Corona-Pandemie in diesem Jahr für Musiker, Ensembles, Institutionen und Studierende zusätzlich bereit. Gefördert werden sollen damit z.B. international innovative Projekte der zeitgenössischen Musik und in finanzielle Not geratene Musikstudierende in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Vergabe erfolgt in Zusammenarbeit mit den Musikhochschulen, bei denen vom 25. Mai bis 21. Juni 2020 Anträge für Projekte gestellt werden können.

Gibt es besondere finanzielle Hilfen für freischaffende Berufsmusiker?

Die Deutsche Orchester-Stiftung hat eine bundesweite Spendenkampagne gestartet, um freischaffende Berufsmusiker in der Coronakrise zu unterstützen. Weil alle Auftritte und Unterrichtsstunden abgesagt worden seien, stünden viele von ihnen vor dem sozialen Aus, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, Gerald Mertens. Die Spenden sollen dabei helfen, die ersten kritischen Tage und Wochen zu überbrücken, bis die staatlichen Hilfen organisiert seien.

In diesen eigens eingerichteten Nothilfefonds kann jeder einzahlen. Die Stiftung will sich um eine zeitnahe Verteilung der Gelder kümmern. Zudem bieten die Deutsche Orchestervereinigung und die GVL Nothilfefonds an. Informationen sind auf den jeweiligen Webseiten zu finden.

Spendenkonto

Deutsche Orchester-Stiftung
Kennwort: Nothilfefonds
IBAN: DE35 1004 0000 0114 1514 05
BIC: COBADEFFXXX

Laut Mertens müssen Musiker einen zweiseitigen Antrag ausfüllen, um Hilfe aus diesem Spendentopf zu beantragen. In diesem müsse der Musiker darstellen, welche Honorare und Veranstaltungen ihm entgangen sind. Außerdem müsse der Bescheid der Künstlersozialkasse beigefügt werden, um zu belegen, dass man ein freiberuflicher, professioneller Künstler ist. Den Antrag finden Musiker auf der Internetseite der Orchester-Stiftung.

Was können selbstständige Künstler sonst noch tun?

Der Rat der Handelskammern ist eindeutig: Selbstständige sollten sich nicht gleich arbeitslos melden. Laut IHK Gera können sie stattdessen Ergänzungsleistungen beim zuständigen Jobcenter beantragen, um zumindest den Lebensunterhalt abzusichern. Solche Mittel sollen laut den Arbeitsagenturen großzügig, unbürokratisch und schnell bewilligt werden. Der IHK zufolge versuchen derzeit offenbar viele Selbstständige, sich arbeitslos zu melden und ihr Gewerbe abzumelden. Hier sei es derzeit besser, erstmal abzuwarten, welche Hilfen die Bundesregierung dazu noch beschließt, so der Handelsverband Sachsen.

Darüber hinaus empfiehlt die Gewerkschaft ver.di selbstständigen und freien Kulturschaffenden, ihre Ausfälle genau zu dokumentieren. Künstler sollten etwa abgesagte Veranstaltungen, Aufträge oder Stipendien mit Datum, Zeit- und Gehaltsangaben sowie Veranstalter dokumentieren und ihren Anteil am Jahresgesamtumsatz schätzen. Sollte es eine Notfallförderung geben, kann die Dokumentation eingereicht werden.

Auch die Stundung oder das Herabsetzen von laufenden Vorauszahlungen zur Einkommenssteuer und Körperschaftssteuer kann Linderung verschaffen. Dies kann vom zuständigen Finanzamt auf Antrag genehmigt werden. Empfohlen wird, direkt beim Finanzamt anzurufen.

Was passiert, wenn man als freier Künstler keine Einnahmen mehr erzielen kann?

Wer keine Einnahmen erzielen kann, weil zum Beispiel Konzerte, Ausstellungen und ähnliches abgesagt werden, hat die Möglichkeit, Leistungen nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (ALG II) zu beantragen. Ansprechpartner ist das jeweils zuständige Jobcenter oder, für die Bewilligung von Arbeitslosengeld I, die Agentur für Arbeit.

Ab dem 1. April werden die Zugangsbeschränkungen für Hartz IV gelockert: Die Vermögensprüfung und die Überprüfung der Wohnungsgröße sollen dann für einen Zeitraum von sechs Monaten wegfallen. Konkret heißt dies, dass man in der eigenen Wohnung bleiben kann, auch wenn diese eigentlich zu groß für den Bezug von ALG II ist. Die Prüfung der Bedarfsgemeinschaft bleibt allerdings bestehen. Die Leistungen sollen schnell und unbürokratisch bewilligt werden.

Welche Maßnahmen bietet das Künstlersozialversicherungsgesetz in Notlagen?

Gerald Mertens von der Deutschen Orchestervereinigung erklärt: "Lässt sich die Schätzung des gemeldeten voraussichtlichen Jahresarbeitseinkommens im laufenden Jahr nicht verwirklichen, weil zum Beispiel Aufträge storniert werden, besteht jederzeit die Möglichkeit, der Künstlersozialkasse (KSK) die geänderte Einkommenserwartung zu melden. Die Beiträge werden auf Antrag den geänderten Verhältnissen angepasst. Die Änderung wirkt sich für die Zukunft aus und kann nach der gesetzlichen Regelung zwar wiederholt, aber nicht rückwirkend korrigiert werden. Eine Änderung der Schätzung des voraussichtlichen Jahresarbeitseinkommens sollte deswegen sorgfältig und behutsam erfolgen, je nachdem wie sich die Situation im laufenden Kalenderjahr absehbar entwickelt. Bestehen akute Zahlungsschwierigkeiten, können individuelle Zahlungserleichterungen gewährt werden. Dazu wird die KSK auf ihrer Webseite bald weitere Informationen geben."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. März 2020 | 13:10 Uhr

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