Veranstaltungs- und Konzertabsagen Corona-Krise: Fragen und Antworten zu Hilfen für freischaffende Künstler

Besonders die Kulturbranche ist durch die Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus hart getroffen. Museen, Theater und Kinos sind wieder geschlossen. Besonders freischaffende Künstlerinnen und Künstler sind wieder von Honorarausfällen betroffen. Was sie jetzt wissen müssen.

Eine E-Gitarre wird gespielt
Die Veranstaltungsabsagen wegen der Ausbreitung des Coronavirus stürzt viele freiberufliche Künstler in eine existentielle Notsituation. Bildrechte: IMAGO

Anmerkung der Redaktion: Wir aktualisieren diesen Artikel fortlaufend und erweitern ihn mit Fragen und Antworten. Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung der Hilfsmaßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Wie sehen die staatlichen Hilfen für Freischaffende aus?

Seit November 2020 sind Kultureinrichtungen und Gastronomie im sogenannten Lockdown Light bzw. im harten Lockdown geschlossen. Um die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns zu mindern, unterstützt die Bundesregierung nicht nur Unternehmen, Vereine und Einrichtungen mit "Außerordentlicher Wirtschaftshilfe". Von der Novemberhilfe, die auf den Dezember verlängert wurde, sollen auch Soloselbständige aus der Kultur- und Kreativszene profitieren. Soloselbständige können für November und Dezember 2020 bis zu 75 Prozent ihres Umsatzes als direkte Hilfe erhalten. Anstelle des Vergleichsmonats November 2019 können Soloselbständige auch den monatlichen Durchschnittsverdienst 2019 als Bezugsrahmen zugrunde legen. Bis zu einer Summe in Höhe von 5.000 Euro soll der Antrag selbst möglich sein. Bei höheren Summen muss ein Steuerberater die Beantragung vornehmen. Die Anträge können über die IT-Plattform der Überbrückungshilfe gestellt werden. Die Antragsfristen wurden verlängert: die November- und Dezemberhilfe 2020 kann bis zum 30. April 2021 beantragt werden. Weitere Anträge werden vorbereitet.

Das Bundesprogramm "Überbrückungshilfen" für kleine und mittelständische Unternehmen richtet sich auch an Soloselbstständige und freiberuflich Tätige. Der Bund stellt den Ländern dafür insgesamt 25 Milliarden Euro zur Verfügung. Vorraussetzung für die Beantragung ist eine vollständige oder großteilige Einstellung der Geschäftstätigkeit in Folge der Corona-Pandemie. Das Finanzvolumen der Dezemberhilfe wird sich zudem voraussichtlich auf ca. 4,5 Milliarden Euro pro Woche der Förderung belaufen. Die Überbrückungshilfe I wurde für die Monate Juni, Juli und August 2020 gezahlt und kann nun auch für die Monate September bis Dezember 2020 als Überbrückungshilfe II beantragt werden. Antragsfrist ist hier der 31. März 2021. Antragsberechtigt ist, wer einen Umsatzeinbruch von mindestens 50 Prozent in zwei aufeinanderfolgenden Monaten im Zeitraum von April bis August 2020 oder einen Umsatzeinbruch von durchschnittlich 30 Prozent in den Monaten April bis August 2020 im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen haben. Die Überbrückungshilfe wird auch für den Zeitraum Januar 2021 bis Juni 2021 als Überbrückungshilfe III verlängert.

Die Situation von Soloselbständigen wird bei den Dezember-Hilfen berücksichtigt: Da sie meist nur geringe Fixkosten nach dem Kostenkatalog – wie Mieten oder Leasingkosten – nachweisen können und daher von der Überbrückungshilfe bisher wenig profitierten, können sie alternativ zum Einzelnachweis der Fixkosten künftig eine einmalige Betriebskostenpauschale in Höhe von 25 Prozent des Vergleichsumsatzes in Ansatz bringen – die "Neustarthilfe". So erhalten sie einen einmaligen Betrag von bis zu 5.000 Euro als Zuschuss.

Das bereits im Juli 2020 aufgelegte Hilfspaket "Neustart Kultur" für die notleidende Kulturbranche wurde Anfang Februar 2021 um eine weitere Milliarde aufgestockt auf nun insgesamt zwei Milliarden Euro. Das Hilfspaket setzt sich aus Förderungen von etwa 60 verschiedenen Sparten aus Bereichen der Kunst und Kulturbranche wie Musik und Literatur, Kinos, Museen und Theatern zusammen. Laut Grütters soll der Fokus künftig noch stärker auf der individuellen Künstlerförderung liegen, mehr als 250 Millionen Euro seien zur Ausweitung bereits bestehender und zur Entwicklung neuer Stipendienprogramme vorgesehen.  800 Millionen Euro sollen zudem in den Bereich "Erhalt und Stärkung von Kulturproduktion und –vermittlung" fließen. Den Stand der möglichen Förderungen können Sie hier erfahren.

Der Zugang zur Grundsicherung (ALG II) wurde vereinfacht, um Selbstständige mit Einnahmeausfällen abzusichern. Wer bis zum 31. März 2021 einen Antrag auf Leistungen stellt, muss nur ein vereinfachtes Verfahren durchlaufen: Statt einer umfangreichen Vermögensprüfung reicht eine Eigenerklärung.

Im Falle von Einkommenseinbußen können Betroffene bei der Künstlersozialkasse (KSK) und bei den Finanzämtern die Senkung ihrer Beiträge oder Steuervorauszahlungen beantragen; außerdem sind Stundungen möglich. Die KSK hat darüber hinaus zugesichert, dass Kunstschaffende, die unter das nötige Mindesteinkommen fallen, auch weiterhin versichert bleiben.

Im Frühjahr hatten die Bundesregierung und die Länder verschiedene Soforthilfeprogramm aufgelegt, die im Mai ausgelaufen sind. Ob es eine Neuauflage dieser Unterstützung geben wird, ist noch nicht bekannt.

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf sonstige staatliche Förderprogramme?

Der Bund vergibt auch in ruhigen Zeiten über verschiedene Wege Geld an freie und selbstständige Kunstschaffende, die in der Regel an bestimmte Projekte und Regularien gebunden sind. Falls diese Produktionen wegen der Corona-Epidemie ausgefallen sind oder verschoben wurden, sollen die Gelder weiterfließen. Der Bund hält die Förderung aufrecht, auch wenn der Zeitraum des Projektes überschritten wurde. Die Gelder können auch für Ausfallhonorare verwendet werden.

Außerdem hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters angekündigt, mehr Geld für Stipendien bereitzustellen. Statt Kunstschaffende in den Jahren 2020 und 2021 wie ursprünglich vorgesehen mit 8,5 Millionen Euro zu unterstützen, sollen Gelder im Gesamtwert von bis zu 52 Millionen ausgeschüttet werden. Damit will die Bundesregierung freischaffenden Künstler auch in den kommenden Monaten und trotz der schwierigen finanziellen Lage von Kulturhäusern die Möglichkeit für künstlerische Tätigkeiten bieten. Aufgestockt werde der Fonds Darstellende Künste e. V. für freischaffende Einzelkünstler, das Stipendienprogramm Musikfonds e. V für Komponisten, Musiker und Klangkünstler, der Dachverband Tanz e. V für soloselbstständige Choreografen, Tänzer und Produzenten und die Stiftung Kunstfonds für bildende Künstler und kunstvermittelnde Einrichtungen.

Bekommen Kulturschaffende Ausfälle bei Quarantäne bezahlt?

Freischaffende Künstlerinnen und Künstler, die selbst Auftritte oder Veranstaltungen absagen mussten, weil sie sich in Quarantäne befinden, bekommen einen Ausgleich vom Land. Laut Landesdirektion Sachsen fallen auch Freiberufler unter das sogenannte Infektionsschutzgesetz. Eine Erstattung kommt demnach aber nur in Frage, wenn der Freiberufler selbst eine Quarantäneanordnung oder ein Tätigkeits-/Beschäftigungsverbot vom zuständigen Gesundheitsamt erhalten hat. Wie hoch der Betrag ist, der erstattet wird, wird auf der Grundlage der letzten vom Finanzamt vorliegenden Steuererklärung berechnet.

Werden Ausfallhonorare bei abgesagten Veranstaltungen bezahlt?

Kulturinstitutionen können unter bestimmten Bedingungen Honorare für Engagements zahlen, die wegen der Coronakrise abgesagt wurden. Die Regelung des Kulturstaatsministeriums gilt für Kultureinrichtungen und Projekte, die vom Bund gefördert werden. Voraussetzung ist, dass der Auftrag bis zum 15. März 2020 vereinbart wurde. Dabei sind Ausfallhonorare von bis zu 60 Prozent der Gage möglich; die Obergrenze des liegt bei 2.500 Euro.

Auch darüber hinaus "sollten Künstler mit Veranstaltern über Ausfallhonorare verhandeln", sagt Gerald Mertens von der Deutschen Orchestervereinigung: "Dabei zeigen sich gerade private Veranstalter solidarisch."

Wer kann Kurzarbeitergeld erhalten?

Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter können Kurzarbeitergeld beantragen. Hierbei übernimmt die Bundesagentur für Arbeit einen gewissen Prozentsatz des ausgefallenen Nettolohns. Den Arbeitgebenden werden zudem die Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden erstattet.

Antrag auf Kurzarbeit.
Die Regeln für den Bezug von Kurzarbeitergeld wurden deutlich ausgeweitet Bildrechte: imago images/foto2press

Gemäß einer Einigung des Koalitionsausschusses vom 23. April soll das Kurzarbeitergeld erhöht werden. Bislang erhalten kinderlose Beschäftigte 60 Prozent und Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Nun soll das Kurzarbeitergeld für diejenigen, die derzeit um mindestens 50 Prozent weniger arbeiten, ab dem vierten Monat des Bezugs auf 70 Prozent (bzw. 77 Prozent für Haushalte mit Kindern) und ab dem siebten Monat des Bezuges auf 80 Prozent (bzw. 87 Prozent für Haushalte mit Kindern) des pauschalierten Netto-Entgelts erhöht werden, längstens bis 31. Dezember 2020. Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit werden zudem ab dem 1. Mai und bis Ende 2020 bereits bestehende Hinzuverdienstmöglichkeiten erweitert.

Beantragt werden kann das Kurzarbeitergeld, wenn mindestens 10 Prozent der Belegschaft von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen sind. Kurzarbeitergeld gibt es jedoch nicht für geringfügig Beschäftigte.

Welche Regelungen gibt es für Musiklehrkräfte in Musikschulen, die wegen Corona schließen mussten?

Sollte ein Arbeitsvertrag vorliegen, erhalten die Musikerinnen und Musiker Lohnfortzahlung, sagt Gerald Mertens von der Deutschen Orchestervereinigung. Für Honorarlehrkräfte hänge eine Vergütung von den Einzelheiten der Honorarvereinbarung ab. Mertens erklärt: "Diese sehen in der Regel so aus, dass Honorare nur für tatsächlich erbrachte Leistungen gezahlt werden, das heißt, nicht stattfindende Stunden werden auch nicht vergütet."

Das Sächsische Kulturministerium unterstützt freie Musikschulen und freie Musiklehrkräfte außerdem mit rund 6 Millionen Euro, um Einnahmenausfälle auszugleichen. Es kann ein Zuschuss von bis zu 60 Prozent der ausgefallenen Honorare beantragt werden, bis zu 750 Euro je Woche. Für Selbständige gibt es zudem auf den Seiten der Deutschen Orchestervereinigung Informationen über Hilfefonds.

Welche Hilfen gibt es in Sachsen?

Freie Träger im Bereich Kunst und Kultur können einen Soforthilfe-Zuschuss bis zu 10.000 Euro, in Ausnahmefällen bis 50.000 Euro nach der Richtlinie "Corona-Härtefälle Kultur" erhalten. Er gilt als Unterstützung zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen, die aus unabweisbaren Einnahmeausfällen und/oder durch notwendige zusätzliche Ausgaben (zum Beispiel für Hygienemaßnahmen, digitale Angebote als Veranstaltungsersatz) entstehen.

Die seit März 2020 laufende Unterstützung wurde ins neue Jahr weitergeführt, die Fördermöglichkeiten sind bis Ende 2021 verlängert worden. Anträge der Soforthilfe "Härtefälle Kultur" können bei der Sächsischen Aufbaubank fortlaufend bis zum 20.- November 2021 eingereicht werden. Die Hilfen können auch Träger von kleinen und mittleren kulturellen Spielstätten in den Bereichen Darstellende Künste und Musik erhalten, die im Haupterwerb Einzelunternehmer oder selbständige Angehörige der Freien Berufe sind.

Ein Kleinprojektefonds wurde bereits 2019, also vor Corona, ins Leben gerufen. Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen will damit Kunst- und Kulturprojekte in den ländlichen Regionen Sachsens unterstützen. Gerade kleinere Projekte sollen so eine unkomplizierte und kurzfristige Fördermöglichkeit in Summen von 500 bis 5.000 Euro erhalten. Ein Eigenanteil ist erwünscht, es gibt jedoch auch Unterstützungen bis zu 100 Prozent der Gesamtausgaben. Anträge können ab dem 1. Februar für Vorhaben im Jahr 2021 gestellt werden.

Eine lokale Förderung gibt es für Kreative in Leipzig im Rahmen des Projektes "Corona-Krise kreativ meistern". Bei dem Mittelstandsförderprogramm der Leipziger Wirtschaftsförderung können kleinste, kleine und mittlere Unternehmen mit Sitz oder Betriebsstätte in Leipzig Unterstützung erhalten. Ziel der konkreten Projekte soll eine Anpassung bzw. Entwicklung neuer, krisenresistenter Geschäftsmodelle sein. Die möglichen Höchstfördersummen betragen 1.000 Euro bei Solo-Selbstständigen und 10.000 Euro bei Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten. Die Fördersätze liegen zwischen 50 und 80 Prozent der beantragten Projektkosten.

Welche Hilfen gibt es in Sachsen-Anhalt?

Sachsen-Anhalt hat das Programm "Kultur ans Netz" neu aufgelegt. Mit dem Programm fördert das Land Projekte von Menschen, die frei- und hauptberuflich in den Sparten Musik, Bildende Kunst, Medienkunst, Darstellende Kunst, Literatur und intermedialen Kunstformen tätig sind. Ab dem 7. April können sich Kulturschaffende wieder bewerben und Anträge bis 5. Juni 2021 per Onlineverfahren bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt stellen.

Das Stipendium läuft dann bis zu drei Monate lang, wobei jeden Monat 1.500 Euro ausgezahlt werden. Insgesamt stünden 4,5 Millionen Euro zur Verfügung, sodass sich ungefähr 1000 Projekte bewerben könnten. Die Landesregierung hat dazu noch einmal betont, dass nicht nur digitale Projekte gefördert werden.

Zuwendungsvoraussetzungen sind u. a. ein Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt sowie der Nachweis einer freischaffenden hauptberuflichen künstlerischen Tätigkeit durch die Mitgliedschaft in der Künstler- und Sozialkasse (KSK) oder die Vorlage einer künstlerischen Vita. Darüber hinaus ist ein Kurzkonzept, aus dem das künstlerische Vorhaben hervorgeht, einzureichen. Eine Auswahl der künstlerischen Arbeit, die im Rahmen des Stipendienprogramms entsteht, wird nach Abschluss des Programms auf der Website der Landesregierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Welche Hilfen gibt es in Thüringen?

Der Freistaat Thüringen möchte mit Sonderstipendien die Kreativen der Kulturszene in der Corona-Krise unterstützen. für die die Pandemie-Maßnahmen existenzbedrohende ökonomische Folgen haben. Sie sollen zukunftsweisende Konzepte und Formate entwickeln, dafür sind 250 Einzelstipendien in Höhe von je 4.000 Euro ausgelobt. Förderfähige Vorhaben sind beispielsweise Formatentwicklung für zukünftige künstlerische Arbeit, Online-Konzerte, Kompositionen, Online-Mitmachprojekte, Recherchearbeiten für künftige Projekte, Schreiben von Manuskripten und Konzepten, oder interaktive Projekte. Die Antragsteller müssen ihren Hauptwohnsitz in Thüringen haben. Stipendien können seit dem 15. Januar 2021 online bei der Kulturstiftung beantragt werden.

Welche anderen finanziellen Hilfen gibt es?

Inhaber eines Wahrnehmungsvertrags aus der freien Szene können auf einen Ausgleich hoffen: Ihnen bietet die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH (GVL) eine einmalige Soforthilfe in Höhe von 250 Euro an, wenn sie durch virusbedingte Veranstaltungsabsagen Honorarausfälle erlitten haben. Anträge konnten bis zum 30. April eingereicht werden.

Die Gema hat einen "Schutzschirm Live" eingerichtet, eine pauschale Nothilfe, mit der Musikurheber eine Vorauszahlung auf ihre künftigen Ausschüttungen in den Live- und Wiedergabesparten beantragen können. Diese finanzielle Unterstützung richtet sich vorrangig an Komponisten und Textdichter der GEMA, die zugleich als Performer auftreten und aufgrund von flächendeckenden Veranstaltungsabsagen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Anträge können ab dem 30. März 2020 über das Online-Portal der Gema gestellt werden. Sie werden derzeit nach und nach abgearbeitet. Darüber hinaus hat die Gema aus den Mitteln für soziale und kulturelle Förderung einen "Corona-Hilfsfonds" gebildet, aus dem existenziell gefährdete Mitglieder eine einmalige persönliche Übergangshilfe von bis zu 5.000 Euro beantragen können.

Zur Unterstützung freiberuflicher Museumswissenschaftler hat die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung kurzfristig ein Förderprogramm aufgelegt. Mit der Förderung sollen die Betroffenen an den Museen gehalten und in Notlagen unterstützt werden. Je nach Projekt will die Stiftung zwischen 2.000 und 25.000 Euro "für begrenzte Restaurierungsprojekte und die wissenschaftliche Arbeit an Ausstellungskatalogen, Bestandskatalogen oder Werkverzeichnissen" beisteuern.

Fördergelder in Höhe von 2,4 Millionen Euro stellt die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung angesichts der Corona-Pandemie in diesem Jahr für Musiker, Ensembles, Institutionen und Studierende zusätzlich bereit. Gefördert werden sollen damit z.B. international innovative Projekte der zeitgenössischen Musik und in finanzielle Not geratene Musikstudierende in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Vergabe erfolgt in Zusammenarbeit mit den Musikhochschulen, bei denen vom 25. Mai bis 21. Juni 2020 Anträge für Projekte gestellt werden konnten.

Gibt es besondere finanzielle Hilfen für freischaffende Berufsmusiker?

Die Deutsche Orchester-Stiftung hat eine bundesweite Spendenkampagne gestartet, um freischaffende Berufsmusiker in der Coronakrise zu unterstützen. Weil alle Auftritte und Unterrichtsstunden abgesagt worden seien, stünden viele von ihnen vor dem sozialen Aus, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, Gerald Mertens. Die Spenden sollen dabei helfen, die ersten kritischen Tage und Wochen zu überbrücken, bis die staatlichen Hilfen organisiert seien.

In diesen eigens eingerichteten Nothilfefonds kann jeder einzahlen. Die Stiftung will sich um eine zeitnahe Verteilung der Gelder kümmern. Zudem bieten die Deutsche Orchestervereinigung und die GVL Nothilfefonds an. Informationen sind auf den jeweiligen Webseiten zu finden.

Spendenkonto

Deutsche Orchester-Stiftung
Kennwort: Nothilfefonds
IBAN: DE35 1004 0000 0114 1514 05
BIC: COBADEFFXXX

Laut Mertens müssen Musiker einen zweiseitigen Antrag ausfüllen, um Hilfe aus diesem Spendentopf zu beantragen. In diesem müsse der Musiker darstellen, welche Honorare und Veranstaltungen ihm entgangen sind. Außerdem müsse der Bescheid der Künstlersozialkasse beigefügt werden, um zu belegen, dass man ein freiberuflicher, professioneller Künstler ist. Den Antrag finden Musiker auf der Internetseite der Orchester-Stiftung.

Zudem unterstützt die Initiative Musik Künstler in Not mit einem selbst organisierten Hilfsprogramm: Durch Spenden sind insgesamt 419.000 Euro zusammengekommen, mit denen nun auch soloselbstständige Tourmusiker und -musikerinnen finanziert werden sollen. Das Antragsverfahren hat am 28. Januar 2021 begonnen. Einen Zuschuss von 1.000 Euro können professionelle Musikerinnen und Musiker beantragen, die in Deutschland leben und in einer Notlage sind. Sie müssen mindestens fünf ausgefallene, öffentliche Auftritte zwischen September 2020 bis Ende Februar 2021 nachweisen können. Bei Bands gibt es 1.000 Euro pro Mitglied, maximal aber 3.000 Euro. Auch Crew-Mitglieder können einen Zuschuss bekommen. Über die Anträge entscheidet ein extra eingerichtetes Gremium. Laut der Initiative Musik sind darin viele Facetten der Musikkultur vertreten. Für das Hilfsprogramm haben den Angaben zufolge seit April vergangenen Jahres bisher mehr als 3.200 Privatpersonen und Unternehmen gespendet, insgesamt bislang 848.000 Euro. In den ersten beiden Ausschüttungs-Runden konnten bereits 377 Musiker, Musikerinnen und Bands unterstützt werden.

Spendenkonto

Initiative Musik gemeinnützige Projektgesellschaft mbH
Verwendungszweck: Hilfsprogramm
IBAN: DE85 2008 0000 0383 9539 12
BIC: DRESDEFF200

Der Bund fördert freischaffende Musikerinnen und Musiker mit Klassik-Stipendien. Am 29. Dezember 2020 startet das Programm, welches sich an Interpretinnen und Interpreten von der Alten Musik bis zur frühen Moderne richtet. Vorgesehen sind insgesamt 1.500 Stipendien in Höhe von jeweils 6.000 Euro. Der Deutsche Musikrat setzt das Programm im Rahmen von NEUSTART KULTUR um. Das Bewerbungsformular ist auf der Internetseite des Deutschen Musikrats zu finden.

Was können selbstständige Künstler sonst noch tun?

Der Rat der Handelskammern ist eindeutig: Selbstständige sollten sich nicht gleich arbeitslos melden. Laut IHK Gera können sie stattdessen Ergänzungsleistungen beim zuständigen Jobcenter beantragen, um zumindest den Lebensunterhalt abzusichern. Solche Mittel sollen laut den Arbeitsagenturen großzügig, unbürokratisch und schnell bewilligt werden. Der IHK zufolge versuchen derzeit offenbar viele Selbstständige, sich arbeitslos zu melden und ihr Gewerbe abzumelden. Hier sei es derzeit besser, erstmal abzuwarten, welche Hilfen die Bundesregierung dazu noch beschließt, so der Handelsverband Sachsen.

Darüber hinaus empfiehlt die Gewerkschaft ver.di selbstständigen und freien Kulturschaffenden, ihre Ausfälle genau zu dokumentieren. Künstler sollten etwa abgesagte Veranstaltungen, Aufträge oder Stipendien mit Datum, Zeit- und Gehaltsangaben sowie Veranstalter dokumentieren und ihren Anteil am Jahresgesamtumsatz schätzen. Sollte es eine Notfallförderung geben, kann die Dokumentation eingereicht werden.

Auch die Stundung oder das Herabsetzen von laufenden Vorauszahlungen zur Einkommenssteuer und Körperschaftssteuer kann Linderung verschaffen. Dies kann vom zuständigen Finanzamt auf Antrag genehmigt werden. Empfohlen wird, direkt beim Finanzamt anzurufen.

Was passiert, wenn man als freier Künstler keine Einnahmen mehr erzielen kann?

Wer keine Einnahmen erzielen kann, weil zum Beispiel Konzerte, Ausstellungen und ähnliches abgesagt werden, hat die Möglichkeit, Leistungen nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (ALG II) zu beantragen. Ansprechpartner ist das jeweils zuständige Jobcenter oder, für die Bewilligung von Arbeitslosengeld I, die Agentur für Arbeit.

Ab dem 1. April werden die Zugangsbeschränkungen für Hartz IV gelockert: Die Vermögensprüfung und die Überprüfung der Wohnungsgröße sollen dann für einen Zeitraum von sechs Monaten wegfallen. Konkret heißt dies, dass man in der eigenen Wohnung bleiben kann, auch wenn diese eigentlich zu groß für den Bezug von ALG II ist. Die Prüfung der Bedarfsgemeinschaft bleibt allerdings bestehen. Die Leistungen sollen schnell und unbürokratisch bewilligt werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. März 2020 | 13:10 Uhr

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