Veranstaltungs- und Konzertabsagen Corona-Krise: Fragen und Antworten zu Hilfen für freischaffende Künstler

Der Kampf gegen das Coronavirus hinterlässt überall seine Spuren – besonders auch in der Kulturbranche. Waren es zunächst größere Veranstaltungen, die nicht mehr stattfinden durften, ist der Kulturbetrieb mittlerweile gänzlich zum Erliegen gekommen. Besonders betroffen davon: freischaffende Künstlerinnen und Künstler. Bei ihnen führen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu existenzbedrohenden Honorarausfällen. Was freischaffende Künstler jetzt wissen müssen.

Eine E-Gitarre wird gespielt
Die Veranstaltungsabsagen wegen der Ausbreitung des Coronavirus stürzt viele freiberufliche Künstler in eine existentielle Notsituation. Bildrechte: IMAGO

Anmerkung der Redaktion: Wir aktualisieren diesen Artikel fortlaufend und erweitern ihn mit Fragen und Antworten. Bitte beachten Sie, dass die Aufzählung der Hilfsmaßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

An wen richtet sich das neue Hilfsprogramm "Kultur ans Netz" in Sachsen-Anhalt?

Mit einem sechs Millionen Euro umfassenden Programm "Kultur ans Netz" will Sachsen-Anhalt den Kulturbereich unterstützen. Gefördert werden laut Kulturministerium Projekte von Freiberuflern, die hauptberuflich in den Sparten Musik, Bildende Kunst, Medienkunst, Darstellende Kunst, Literatur und intermedialen Kunstformen tätig sind. Für die Erarbeitung einer präsentationsreifen künstlerischen Leistung gewährt das Land einen nicht rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro monatlich, für die Dauer von bis zu drei Monaten. Anträge könnten voraussichtlich ab Mitte Juni über das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt gestellt werden. Laut Kulturminister Rainer Robra soll so ein Aufbruchssignal gesetzt und freischaffenden Künstlern und Künstlerinnen, die aufgrund der Corona-Krise ihrer Tätigleit nicht nachgehen konnten, Starthilfe gegeben und ein Freiraum verschafft werden.

Zuwendungsvoraussetzungen sind ein Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt sowie eine Mitgliedschaft in der Künstler- und Sozialkasse (KSK). Alternativ gilt ein Nachweis einer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit in Sachsen-Anhalt durch geeignete Unterlagen. Eingereicht werden muss außerdem ein Kurzkonzept zum Vorhaben. Die geförderten Projekte sollen auch im Landesportal unter www.kultur.sachsen-anhalt.de präsentiert werden.

Bekommt ein Künstler Ausfälle bei Quarantäne bezahlt?

Freischaffende Künstlerinnen und Künstler, die selbst Auftritte oder Veranstaltungen absagen mussten, weil sie sich in Quarantäne befinden, bekommen einen Ausgleich vom Land. Laut Landesdirektion Sachsen fallen auch Freiberufler unter das sogenannte Infektionsschutzgesetz. Eine Erstattung kommt demnach aber nur in Frage, wenn der Freiberufler selbst eine Quarantäneanordnung oder ein Tätigkeits-/Beschäftigungsverbot vom zuständigen Gesundheitsamt erhalten hat. Wie hoch der Betrag ist, der erstattet wird, wird auf der Grundlage der letzten vom Finanzamt vorliegenden Steuererklärung berechnet.

Bekommen freischaffende Künstler abgesagte Veranstaltungen bezahlt?

Abgesagte Veranstaltungen fallen der Landesdirektion Sachsen zufolge nicht unter das sogenannte Infektionsschutzgesetz und sind somit nicht erstattungsfähig. Sind Besucher bei kleineren Aufführungen, die noch durchgeführt werden konnten, einfach weggeblieben, gibt es auch keinen Ausgleich. "Trotzdem sollten Künstler mit Veranstaltern über Ausfallhonorare verhandeln", sagt Gerald Mertens von der Deutschen Orchestervereinigung: "Dabei zeigen sich gerade private Veranstalter solidarisch."

Welche Regelungen gibt es für nebenberufliche Musiker in Musikschulen, die wegen Corona schließen mussten?

Sollte ein Arbeitsvertrag vorliegen, erhalten die Musikerinnen und Musiker Lohnfortzahlung, sagt Gerald Mertens von der Deutschen Orchestervereinigung. Für Honorarlehrkräfte hänge eine Vergütung von den Einzelheiten der Honorarvereinbarung ab. Mertens erklärt: "Diese sehen in der Regel so aus, dass Honorare nur für tatsächlich erbrachte Leistungen gezahlt werden, das heißt, nicht stattfindende Stunden werden auch nicht vergütet."

Wo können Honorarlehrkräfte eine Entschädigung für das wegfallende Honorar beantragen?

Nach Angaben der Deutschen Orchestervereinigung sieht lediglich das Infektionsschutzgesetz (IfSG) Entschädigungen vor. Gerald Mertens, Geschäftsführer der Orchestervereinigung erklärt: "Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Betroffenen per Anordnung in Quarantäne gesetzt werden. Sollte dies der Fall sein, melden Sie sich bei Ihrer Kommune unter Verweis auf Paragraph 56 IfSG und erfragen die zuständige Stelle." Dabei sei es unerheblich, ob Lehrkräfte angestellt oder freischaffend tätig sind, so Mertens weiter. Für Selbständige gibt es zudem auf den Seiten der Deutschen Orchestervereinigung Informationen über Hilfefonds.

Wie sehen die staatlichen Hilfen für freischaffende Künstler aus?

Die Bundesregierung hat Corona-Soforthilfen für Solo-Selbständige und kleine Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Folge von Corona in Höhe von insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro beschlossen. Mit den wirtschaftlichen Notfhilfeprogrammen habe die Politik schnell reagiert und versucht, "die entstehenden Schäden auch im Kulturbereich zu minimieren", sagt Nikolaus Neuser, Vorsitzender der Jazz-Union Berlin. Dadurch wird die Bundesregierung finanzielle Soforthilfe in Form von Zuschüssen zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Antragsteller und zur Überbrückung von akuten Liquiditätsengpässen leisten. Mit den Mitteln können laufende Betriebskosten wie Mieten, Kredite für Betriebsräume, Leasingraten und ähnliches bezahlt werden.

Solo-Selbständige – also Selbständige ohne Beschäftigte, Einzelkünstler etc. – und Kleinstunternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten danach bis 9.000 Euro Einmalzahlung für drei Monate. Bei bis zu zehn Beschäftigten fließen bis 15.000 Euro Einmalzahlung für drei Monate. Die Abwicklung erfolgt elektronisch über die Länder. Die Zuschüsse können ab sofort bis zum 31.05.2020 beantragt werden – in Sachsen bei der Sächsischen Aufbaubank, in Sachsen-Anhalt bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt und in Thüringen bei der Thüringer Aufbaubank.

Im Falle von Einkommenseinbußen können Betroffene bei der Künstlersozialkasse und bei den Finanzämtern die Senkung ihrer Beiträge oder Steuervorauszahlungen beantragen; außerdem sind Stundungen möglich.

Achtung: Anders als geplant, kann das Soforthilfeprogramm des Bundes auch mit Hilfen aus einem Landesprogramm kombiniert werden. Wenn dadurch eine Überkompensation erfolgen sollte, ist diese zurückzuzahlen.

Wer kann Kurzarbeitergeld erhalten?

Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter können Kurzarbeitergeld beantragen. Hierbei übernimmt die Bundesagentur für Arbeit einen gewissen Prozentsatz des ausgefallenen Nettolohns. Den Arbeitgebenden werden zudem die Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden erstattet.

Antrag auf Kurzarbeit.
Die Regeln für den Bezug von Kurzarbeitergeld wurden deutlich ausgeweitet Bildrechte: imago images/foto2press

Gemäß einer Einigung des Koalitionsausschusses vom 23. April soll das Kurzarbeitergeld erhöht werden. Bislang erhalten kinderlose Beschäftigte 60 Prozent und Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Nun soll das Kurzarbeitergeld für diejenigen, die derzeit um mindestens 50 Prozent weniger arbeiten, ab dem vierten Monat des Bezugs auf 70 Prozent (bzw. 77 Prozent für Haushalte mit Kindern) und ab dem siebten Monat des Bezuges auf 80 Prozent (bzw. 87 Prozent für Haushalte mit Kindern) des pauschalierten Netto-Entgelts erhöht werden, längstens bis 31. Dezember 2020. Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit werden zudem ab dem 1. Mai und bis Ende 2020 bereits bestehende Hinzuverdienstmöglichkeiten erweitert.

Beantragt werden kann das Kurzarbeitergeld, wenn mindestens 10 Prozent der Belegschaft von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen sind. Kurzarbeitergeld gibt es jedoch nicht für geringfügig Beschäftigte.

Welche Hilfen gibt es in Sachsen?

In Sachsen hat das Wirtschaftsministerium bereits ein eigenes Hilfsprogramm aufgelegt. Es richtet sich speziell an Kleinstunternehmer und Selbstständige - darunter Künstler, Fotografen und Ladenbesitzer. Aus diesem Fonds werden Zuschüsse als Darlehen bis zu 50.000 Euro, in Ausnahmefällen auch bis zu 100.000 Euro gezahlt. "Zinsfrei, drei Jahre lang tilgungsfrei, mit einer Laufzeit von acht Jahren", so Wirtschaftsminister Dulig. Das Sofortprogramm ist am 23. März in Kraft getreten, die Darlehen sollen innerhalb von 48 Stunden bewilligt werden.

Ein Stipendium von 2.000 Euro können sächsische Künstlerinnen und Künstler der Sparten Darstellende und Bildende Kunst, Musik, Literatur und Film bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen beantragen. Unter dem Titel "DenkZeit" sollen sie damit ermutigt werden, an ihrer künstlerischen Arbeit festzuhalten. Zur möglichen inhaltlichen Ausrichtung erläutert Stiftungsdirektor Dr. Manuel Frey: "Das Stipendium ist offen für unterschiedliche Ansätze und Formate. So können beispielsweise Recherche- und Konzeptarbeiten oder Ideen der künstlerischen Reflexion der Krise ebenso Gegenstand des Stipendiums sein wie das Ausloten digitaler Interaktionstechniken, die Erprobung von Veranstaltungsformaten im virtuellen Raum oder die Restrukturierung von Arbeitsprozessen." Eine kurze Skizzierung des Vorhabens genügt. Die einmalige Zuwendung wird für die Dauer von zwei Monaten gewährt. Zwei Millionen Euro hat der Sächsische Landtag für das Programm bewilligt. Beantragt können die Stipendien ausschließlich über ein Online-Formular auf der Webseite der Kulturstiftung. Weitere Fördermöglichkeiten bestehen dort auch über die Kampagne "So geht sächsisch."

Zudem hat das Land für Musikschulen und freie Musiklehrkräfte ein Soforthilfeprogramm in Höhe von rund sechs Millionen Euro aufgelegt. Dem Kulturministerium zufolge sollen damit die Einnahmeverluste der freien Musikschulen und Honorarlehrkräfte aufgrund der Corona-Pandemie ausgeglichen werden. Auch würden damit bis zu 60 Prozent der Honorarausfälle von freien oder privaten Anbietern von außerschulischem Musikunterricht ersetzt. Die Lehrkräfte müssten professionell und selbstständig tätig sein und ihr Einkommen überwiegend durch ihre Freiberuflichkeit verdienen. Die Einnahmeausfälle müssten sie nachweisen. Die maximale Unterstützung beträgt den Angaben zufolge 750 Euro pro Woche. Der Betrag muss nicht zurückgezahlt werden. Das Hilfsprogramm soll den Zeitraum Mitte März bis zum Ende des Schuljahres abdecken. Die Hilfen können beim Sächsischen Musikrat beantragt werden.

Welche Hilfen gibt es in Thüringen?

Der Freistaat Thüringen hat mittlerweile sein eigenes Landesprogramm an die Bedingungen der Bundesförderung angepasst. Konkret bedeutet dies leider eine Verschlechterung für viele Kulturschaffende: Während im Landesprogramm noch Soforthilfen für Honorarausfälle beantragt werden konnten, müssen nun erst Verluste durch laufende Kosten entstehen, um anspruchsberechtigt zu sein. Viele Kleinst-Selbstständige ohne eigene Räumlichkeiten dürften hier also herausfallen. Das Antragsformular für die Soforthilfe kann über die Website der Thüringer Aufbaubank abgerufen werden.

Welche Hilfen gibt es in Sachsen-Anhalt?

Auch Sachsen-Anhalt will seinen Künstlern mit einem Soforthilfeprogramm durch die Corona-Krise helfen. Kulturminister Rainer Robra sagte, die Landesregierung biete "unbürokratisch und unkompliziert eine erste Soforthilfe an". Musiker, Schauspieler, bildende Künstler und Schriftsteller können demnach eine Soforthilfe von 400 Euro pro Person und Monat beantragen, zunächst für zwei Monate. Außerdem stellte das Ministerium flexible Hilfen für geförderte Projekte in Aussicht, die wegen der Pandemie abgesagt wurden oder werden. Betroffene sollen sich frühzeitig beim Landesverwaltungsamt melden.

Zusätzlich hat die Landeshauptstadt Magdeburg ein Soforthilfe-Paket für Kunst und Kultur auf den Weg gebracht. Der Hilfsfonds umfasst der Stadt zufolge insgesamt 150.000 Euro: Solo-Selbstständige können 1.000 Euro, Einrichtungen jeweils 3.000 Euro beantragen. Die Soforthilfe-Anträge gibt es auf der Internetseite der Stadt Magdeburg zum Download. Die Anträge sind bis 30. Juni 2020 zu stellen.

Welche anderen finanziellen Hilfen gibt es?

Inhaber eines Wahrnehmungsvertrags aus der freien Szene können auf einen Ausgleich hoffen: Ihnen bietet die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH (GVL) eine einmalige Soforthilfe in Höhe von 250 Euro an, wenn sie durch virusbedingte Veranstaltungsabsagen Honorarausfälle erlitten haben. Zur Beantragung müssen sich Betroffene direkt an die GVL wenden.

Die Gema hat einen "Schutzschirm Live" eingerichtet, eine pauschale Nothilfe, mit der Musikurheber eine Vorauszahlung auf ihre künftigen Ausschüttungen in den Live- und Wiedergabesparten beantragen können. Diese finanzielle Unterstützung richtet sich vorrangig an Komponisten und Textdichter der GEMA, die zugleich als Performer auftreten und aufgrund von flächendeckenden Veranstaltungsabsagen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Anträge können ab dem 30. März 2020 über das Online-Portal der Gema gestellt werden. Darüber hinaus hat die Gema aus den Mitteln für soziale und kulturelle Förderung einen "Corona-Hilfsfonds" gebildet, aus dem existenziell gefährdete Mitglieder eine einmalige persönliche Übergangshilfe von bis zu 5.000 Euro beantragen können.

Zur Unterstützung freiberuflicher Museumswissenschaftler hat die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung kurzfristig ein Förderprogramm aufgelegt. Mit der Förderung sollen die Betroffenen an den Museen gehalten und in Notlagen unterstützt werden. Je nach Projekt will die Stiftung zwischen 2.000 und 25.000 Euro "für begrenzte Restaurierungsprojekte und die wissenschaftliche Arbeit an Ausstellungskatalogen, Bestandskatalogen oder Werkverzeichnissen" beisteuern.

Fördergelder in Höhe von 2,4 Millionen Euro stellt die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung angesichts der Corona-Pandemie in diesem Jahr für Musiker, Ensembles, Institutionen und Studierende zusätzlich bereit. Gefördert werden sollen damit z.B. international innovative Projekte der zeitgenössischen Musik und in finanzielle Not geratene Musikstudierende in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Vergabe erfolgt in Zusammenarbeit mit den Musikhochschulen, bei denen vom 25. Mai bis 21. Juni 2020 Anträge für Projekte gestellt werden können.

Gibt es besondere finanzielle Hilfen für freischaffende Berufsmusiker?

Die Deutsche Orchester-Stiftung hat eine bundesweite Spendenkampagne gestartet, um freischaffende Berufsmusiker in der Coronakrise zu unterstützen. Weil alle Auftritte und Unterrichtsstunden abgesagt worden seien, stünden viele von ihnen vor dem sozialen Aus, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, Gerald Mertens. Die Spenden sollen dabei helfen, die ersten kritischen Tage und Wochen zu überbrücken, bis die staatlichen Hilfen organisiert seien.

In diesen eigens eingerichteten Nothilfefonds kann jeder einzahlen. Die Stiftung will sich um eine zeitnahe Verteilung der Gelder kümmern. Zudem bieten die Deutsche Orchestervereinigung und die GVL Nothilfefonds an. Informationen sind auf den jeweiligen Webseiten zu finden.

Spendenkonto

Deutsche Orchester-Stiftung
Kennwort: Nothilfefonds
IBAN: DE35 1004 0000 0114 1514 05
BIC: COBADEFFXXX

Laut Mertens müssen Musiker einen zweiseitigen Antrag ausfüllen, um Hilfe aus diesem Spendentopf zu beantragen. In diesem müsse der Musiker darstellen, welche Honorare und Veranstaltungen ihm entgangen sind. Außerdem müsse der Bescheid der Künstlersozialkasse beigefügt werden, um zu belegen, dass man ein freiberuflicher, professioneller Künstler ist. Den Antrag finden Musiker auf der Internetseite der Orchester-Stiftung.

Gerlad Mertens, Geschäftsführer der Deuschen Orchestervereinigung – Lachender Mann an Betonsäule in Büro 7 min
Bildrechte: Maren Strehlau

Die Deutsche Orchester-Stiftung ruft angesichts der Corona-Krise zu Spenden auf. Damit soll den frei arbeitenden Berufsmusikern in Deutschland unter die Arme gegriffen werden.

MDR KULTUR - Das Radio Di 17.03.2020 13:10Uhr 06:51 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Was ist der Nothilfe-Fonds "Sängerhilfe"?

Die Zeitschrift "Oper" und die Manfred-Strohscheer-Stiftung haben den Nothilfe-Fonds "Sängerhilfe" gegründet. Nach Angaben der Initiatoren können Sängerinnen und Sänger sowie Beschäftigte des Musiktheaters dort Hilfe von bis zu 2.000 Euro beantragen, wenn sie durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Bedrängnis geraten sind. Zugleich wurde zu Spenden für den Fonds aufgerufen.

Spendenkonto

Manfred Strohscheer Stiftung
Kennwort/Spendenzweck: Sängerhilfe
IBAN: DE56 1005 0000 0190 4821 17
BIC: BELADEBEXXX

Was können selbstständige Künstler sonst noch tun?

Der Rat der Handelskammern ist eindeutig: Selbstständige sollten sich nicht gleich arbeitslos melden. Laut IHK Gera können sie stattdessen Ergänzungsleistungen beim zuständigen Jobcenter beantragen, um zumindest den Lebensunterhalt abzusichern. Solche Mittel sollen laut den Arbeitsagenturen großzügig, unbürokratisch und schnell bewilligt werden. Der IHK zufolge versuchen derzeit offenbar viele Selbstständige, sich arbeitslos zu melden und ihr Gewerbe abzumelden. Hier sei es derzeit besser, erstmal abzuwarten, welche Hilfen die Bundesregierung dazu noch beschließt, so der Handelsverband Sachsen.

Darüber hinaus empfiehlt die Gewerkschaft ver.di selbstständigen und freien Kulturschaffenden, ihre Ausfälle genau zu dokumentieren. Künstler sollten etwa abgesagte Veranstaltungen, Aufträge oder Stipendien mit Datum, Zeit- und Gehaltsangaben sowie Veranstalter dokumentieren und ihren Anteil am Jahresgesamtumsatz schätzen. Sollte es eine Notfallförderung geben, kann die Dokumentation eingereicht werden.

Auch die Stundung oder das Herabsetzen von laufenden Vorauszahlungen zur Einkommenssteuer und Körperschaftssteuer kann Linderung verschaffen. Dies kann vom zuständigen Finanzamt auf Antrag genehmigt werden. Empfohlen wird, direkt beim Finanzamt anzurufen.

Was passiert, wenn man als freier Künstler keine Einnahmen mehr erzielen kann?

Wer keine Einnahmen erzielen kann, weil zum Beispiel Konzerte, Ausstellungen und ähnliches abgesagt werden, hat die Möglichkeit, Leistungen nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (ALG II) zu beantragen. Ansprechpartner ist das jeweils zuständige Jobcenter oder, für die Bewilligung von Arbeitslosengeld I, die Agentur für Arbeit.

Ab dem 1. April werden die Zugangsbeschränkungen für Hartz IV gelockert: Die Vermögensprüfung und die Überprüfung der Wohnungsgröße sollen dann für einen Zeitraum von sechs Monaten wegfallen. Konkret heißt dies, dass man in der eigenen Wohnung bleiben kann, auch wenn diese eigentlich zu groß für den Bezug von ALG II ist. Die Prüfung der Bedarfsgemeinschaft bleibt allerdings bestehen. Die Leistungen sollen schnell und unbürokratisch bewilligt werden.

Welche Maßnahmen bietet das Künstlersozialversicherungsgesetz in Notlagen?

Gerald Mertens von der Deutschen Orchestervereinigung erklärt: "Lässt sich die Schätzung des gemeldeten voraussichtlichen Jahresarbeitseinkommens im laufenden Jahr nicht verwirklichen, weil zum Beispiel Aufträge storniert werden, besteht jederzeit die Möglichkeit, der Künstlersozialkasse (KSK) die geänderte Einkommenserwartung zu melden. Die Beiträge werden auf Antrag den geänderten Verhältnissen angepasst. Die Änderung wirkt sich für die Zukunft aus und kann nach der gesetzlichen Regelung zwar wiederholt, aber nicht rückwirkend korrigiert werden. Eine Änderung der Schätzung des voraussichtlichen Jahresarbeitseinkommens sollte deswegen sorgfältig und behutsam erfolgen, je nachdem wie sich die Situation im laufenden Kalenderjahr absehbar entwickelt. Bestehen akute Zahlungsschwierigkeiten, können individuelle Zahlungserleichterungen gewährt werden. Dazu wird die KSK auf ihrer Webseite bald weitere Informationen geben."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. März 2020 | 13:10 Uhr

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