Initiative zur Corona-Krise Kurzfilmfestival im Netz: "My Darling Quarantine"

Immer mehr Kulturschaffende nutzen derzeit das Internet, um der Corona-Zwangspause etwas entgegenzusetzen. So auch das neu geschaffene Kurzfilmfestival "My Darling Quarantine". Jede Woche können Besucher hier Filme sehen und einen davon sogar zum Sieger küren. Auch Geld wird dabei gesammelt und kommt einem guten Zweck zugute.

Ein Frau liegt lächelnd mit ihrem Laptop auf einer Couch.
Das Filmfestival "My Darling Quarantine" bietet anspruchsvollen Kurzfilmgenuss für zu Hause Bildrechte: IMAGO

Einer der Filme, der beim Online-Filmfestival "My Darling Quarantine" gezeigt wird, ist "Patision Avenue" von Thanasis Neofotistos.

Anne Gaschütz
Anne Gaschütz vom Filmfest Dresden unterstützt das Festival Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In dem 13 Minuten langen Kurzfilm folgt man einer jungen telefonierenden Frau auf Athens zentraler Magistrale. Der erste Anruf verspricht der Schauspielerin eine Traumrolle, beim zweien erfährt sie, dass ihr Sohn allein zu Hause ist. So wird der Weg zum Casting für sie zur Tortur.

2019 lief diese mehrfach ausgezeichnete Produktion beim Filmfest Dresden. Grund genug für dessen stellvertretende Festivalleiterin Anne Gaschütz, "Patision Avenue" für das Onlinefestival "My Darling Quarantine" vorzuschlagen.

Publikum wählt Gewinnerfilm

Victor Mature und Linda Darnell
Der Western "My Darling Clementine" inspirierte zum Titel des Kurzfilmfestivals Bildrechte: imago images/Everett Collection

Die Idee für ein Online-Kurzfilmfestival hatte Enrico Vannucci, Kurzfilmberater der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Er lebt bei Bologna und befindet sich seit Wochen in Quarantäne. Den Titel entlehnte er dem Western "My Darling Clementine" aus dem Jahr 1946.

Jede Woche werden seit dem 16. März auf der Webseite Talkingshorts.com sieben internationale Kurzfilme zur Abstimmung gestellt, aus denen das Onlinepublikum von Montag bis Sonntag seinen Liebling wählen kann, darunter Animationen, Spiel- oder auch Dokumentarfilme.

Listenweise sind Empfehlungen dafür von Festivalmachern überall aus der Welt eingegangen, so dass das fünfköpfige Kuratoren-Team, zu dem Gaschütz gehört, bis mindestens Jahresende Wettbewerbe zusammenstellen könnte.

Filmemacher unterstützen Aktion

Die Macher sind dabei auf die Unterstützung der Filmemacher angewiesen, die ihre Produktionen frei verfügbar ins Netz stellen. Bei älteren Filmen ist dies, laut Gaschütz, nicht so tragisch, denn die haben ihren Festivallauf schon gehabt. Neuere Produktionen sollen hingegen noch auf Festivals laufen.

So auch die 2019er-Produktion "Postcards From the End of the World" von Konstantinos Antonopoulos, der Wettbewerbssieger der ersten Festivalwoche. Gewonnen hat der Film vielleicht auch, weil die Handlung an aktuelle Zustände erinnert: er spielt auf dem Höhepunkt der Griechenlandkrise, als eine große Unsicherheit in der Bevölkerung herrschte, als niemand wusste, ob das Land in der Eurozone verbleibt und die Leute panisch begannen, die Geschäfte leer zu kaufen.

Das Online-Festival "My Darling Quarantine" zeigt nicht nur die Filme, es wird dabei auch Geld gesammelt, das jeweils zu 50 Prozent an "Ärzte ohne Grenzen" und an in ihrer Existenz bedrohte Kulturschaffende bzw. -einrichtungen gespendet werden soll.

Kultur und die Corona-Krise

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. März 2020 | 16:40 Uhr

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