Empfehlungen Mediatheken-Highlights: Arte zeigt Doku über das Künstler-Genie Raffael

Gute Filme und Serien bieten nicht nur Netflix, Amazon und Co. – auch die Mediatheken von ARD, Arte und dem ZDF sind voll von spannenden Inhalten. Wir haben für Sie Tipps für besondere Filme und Serien zusammengestellt, die Sie kostenlos anschauen können. Zum Beispiel: die Miniserie "Oktoberfest 1900", die zehnteilige Doku-Serie "Bautzen", die Wim-Wenders-Werkschau anlässlich seines 75. Geburtstags oder verschiedene Folgen des "Tatorts".

Zwei Personen schauen auf einem Tablet die ARD Mediathek an.
Bietet spannende Inhalte: die ARD Mediathek. Bildrechte: SWR/Dennis Weissmante

Miniserie: "Oktoberfest 1900"

Der erbitterte Kampf zweier Brauerei-Clans um gesellschaftliche und wirtschaftliche Vormachtstellung im München des Jahres 1900 stehen im Mittelpunkt der sechsteiligen, historischen Eventserie "Oktoberfest 1900"
Bildrechte: BR/ARD Degeto/MDR/WDR/Zeitsprung Pictures GmbH/Dusan Martincek

Die Miniserie "Oktoberfest 1900" begibt sich auf eine Wiesn-Zeitreise in einem phantastisch-geheimnisvollen München um die Jahrhundertwende. In sechs Teilen wird vom Kampf zweier Bierdynastien um die Vormachtstellung auf dem größten Volksfest der Welt und den unaufhaltsamen Aufstieg des Kapitalismus erzählt. Es ist auch die Geschichte vom Konflikt der Generationen, der von verletzter Ehre und Intrigen getragen wird.

Zum namhaften Schauspieler-Ensemble gehören unter anderem Mišel Matičević, Martina Gedeck und Francis Fulton-Smith.

Mehr Informationen Die sechs Folgen der Miniserie "Oktoberfest 1900" sind bis zum 31. Dezember 2020in der ARD-Mediathek verfügbar.

Im Fernsehen wird die Serie ab 15. September, 20:15 Uhr, in Doppelfolgen ausgestrahlt.


Doku: "Raffael – Ein sterblicher Gott"

Der Renaissance-Künstler Raffael, mit bürgerlichem Namen Raffaelo Santi, ist ein Mythos, der sicherlich auch vielen Menschen in Dresden und in ganz Mitteldeutschland bekannt sein dürfte. Vermutlich kennt jeder Mensch in der westlichen Hemisphäre und sehr viele jenseits davon die "Sixtinische Madonna".

Anhand dieses in Rom beheimateten Bildes geht die Doku "Raffael – Ein sterblicher Gott" dem Leben dieses Mannes auf dem Grund, der am Karfreitag des Jahres 1520 mit 37 Jahren starb und gerne als göttlicher Maler gesehen wird. Die Filmmacher verfolgen damit auch die Fragen, warum der Künstler immer noch verehrt wird und welche Rolle Nachahmung im damaligen Kunsthandwerk bedeutete. Vor allem in Zeiten von Corona sei das ein wichtiger Film, weil er den Menschen Kunst in die Wohnzimmer bringen könne, die ihnen gerade verwehrt bleiben, meinen die Programmmacher.

Raffaels Gemälde «Sixtinische Madonna»
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr Informationen Die Dokumentation "Raffael – Ein sterblicher Gott" ist bis zum 4. Dezember in der arte-Mediathek verfügbar.

Doku-Serie: "Bautzen"

Blick auf die Bautzener Altstadt mit Alter Wasserkunst und Michaeliskirche
Ein differenzierter Blick auf Bautzen Bildrechte: Teresia Minjoli

Wie tickt Bautzen? Ist die Stadt zu Recht zum Synonym für Angriffe auf Ausländer und rechte Demonstrationen geworden? Diese außergewöhnliche Doku-Serie nimmt sich 300 Minuten Zeit, um die Stadt Bautzen zu beleuchten. Die Filmemacher haben dafür verschiedene Bewohner der Stadt über ein halbes Jahr begleitet. Laut Arte ist die Dokuserie angelehnt an die Netflix-Serie "Flint Town" – also von den Protagonisten her erzählt und gänzlich ohne Kommentar der Filmemacher.

Gedreht wurde von Mai bis September 2019, als die Stadt in Vorbereitung der Kommunalwahlen stand – somit steht ein politischer Sonmmer im Fokus. Entstanden ist ein differenziertes Bild, vermittelt durch eine alleinerziehende Mutter, die nach politischer Heimat sucht und geflüchteten Menschen hilft, einen Berufsschullehrer und seinen Sohn, die sich im rechten Bürgerbündnis engagieren, einen Stadtführer, der Touristen die Schönheit seiner Stadt zeigen will oder auch einen Bürgermeister, der zu vermitteln versucht.

Mehr Informationen Die zehn Teile der Doku "Bautzen" sind bis 26. März 2021 in der Arte-Mediathek verfügbar.

Dokumentation "Lee Miller - Supermodel und Kriegsfotografin"

Schwarz-weiß-Aufnahme: Eine Frau (Lee Miller) trägt einen vom US-Militär ausgeliehenen Helm.
Lee Miller als Kriegsfotografin am Ende des Zweiten Weltkriegs. Bildrechte: Lee Miller Archives

Model, Muse, Künstlerin, Kriegsfotografin – Lee Miller hatte viele Leben. Weder privat noch professionell hielt sie sich mit Konventionen auf und ging ihren eigenen Weg. Heute wird sie als eine der bemerkenswertesten weiblichen Ikonen des 20. Jahrhunderts gefeiert.

Die neue Dokumentation erzählt die bewegte und bewegende Lebensgeschichte einer Pionierin und Ikone. Zusammen mit Millers Sohn Antony Penrose, der Modejournalistin Marion Hume, dem Model Karen Elson, der Kriegsfotografin Lynsey Addario und anderen erkundet die Filmemacherin Teresa Griffiths Lee Millers bahnbrechendes Werk, erforscht ihren radikalen Geist und feiert ihren Mut und ihre Bereitschaft, jedes Tabu zu brechen, sowohl als Künstlerin als auch als Frau.

Mehr Informationen Die Doku ist bis zum 27. November 2020 in der Arte-Mediathek verfügbar.


Reihe "Sommernachtsträume": Der Film "Eine pornografische Beziehung"

Ein Mann und eine Frau liegen nebeneinander im Bett
Sergi López und Nathalie Baye im Film "Eine pornografische Beziehung" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit dem Titel lockt der belgische Regisseur Frédéric Fonteyne wissentlich auf eine falsche Fährte und gibt vor, mehr zu zeigen, als er tut. An keiner einzigen Stelle driftet der gefühlvoll inszenierte Film in Voyeurismus ab. Hauptdarstellerin Nathalie Baye erhielt für ihre Rolle bei den Internationalen Filmfestspielen Venedig die Auszeichnung als beste Schauspielerin: Über eine Zeitungsannonce lernt sie einen Mann (Sergi López) kennen und beide treffen sich regelmäßig zum Sex. Doch mit zunehmender Vertrautheit schleichen sich Gefühle in die zu Beginn rein körperliche Affäre ein und mit ihnen die Möglichkeit verletzt zu werden.

Mehr Informationen Das Psychodrama "Eine pornografische Beziehung" ist in der ARD-Mediathek verfügbar.


Reihe "Sommernachtsträume": Das Psychodrama "Swingers - Sex auf Bestellung"

Alex versucht, ihren Mann Timo eifersüchtig zu machen.
Alex (Nienke Brinkhuis) versucht, ihren Mann Timo (Joep Sertons) eifersüchtig zu machen. Bildrechte: MDR/ARD Degeto

Das Ehepaar Diana (Ellen van der Koogh) und Julian (Danny de Kok) führen eigentlich ein sorgenloses Leben, doch im Bett finden die beiden keine so richtige Befriedigung. Um ihr Liebesleben etwas aufregender zu gestalten, schalten sie eine Anzeige auf der Suche nach einem anderen Pärchen für einen Partnertausch. Schließlich verbringen sie mit dem erfahrenen Ehepaar Timo (Joep Sertons) und Alexandra (Nienke Brinkhuis) ein Wochende in der Villa von Dianas Eltern. Doch statt sexuelle Ausschweifungen zu erleben, werden Diana und Julian in einen heftigen Streit hineingezogen. Der preisgekrönte Regisseur Stephan Brenninkmeijer realisierte den Film mit minimalem Budget innerhalb weniger Wochen. Dennoch ist mit "Swingers - Sex auf Bestellung" ein kammerspielartiges Psychodrama entstanden, das auf intelligente Weise die Untiefen des modernen Beziehungslebens auslotet. 

Mehr Informationen Das Psychodrama "Swingers - Sex auf Bestellung" ist in der MDR-Mediathek bis zum 5. September verfügbar.


Zum 75. Geburtstag: Wim-Wenders-Werkschau

Wim Wenders
Wird dieses Jahr 75 Jahre alt: Regisseur Wim Wenders Bildrechte: dpa

Ausnahmeregisseur Wim Wenders feiert am 14. August seinen 75. Geburtstag. Aus diesem Anlass haben der NDR und DasErste.de eine digitale Wim-Wenders-Werkschau zusammengestellt. Vom Roadmovie "Im Laufe der Zeit" (1976)  über den Klassiker "Der Himmel über Berlin" (1987) bis zu den für den Oscar nominierten Dokumentarfilmen "Buena Vista Social Club" (1999) und "Pina" (2011) präsentiert sie ausgewählte Meilensteine des weltbekannten Regisseurs.

Insgesamt sind in der ARD-Mediathek 28 Filme von Wim Wenders zu sehen. Zudem geben mehr als 20 Kurzfilme, Portraits und Interviews mit Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen einen umfassenden, aber auch detailreichen Einblick in Werk und Wirken des Filmemachers.   

Mehr Informationen Die ausgewählten Wim-Wenders-Filme sind bis 14. September 2020 in der Mediathek abrufbar.


Serie: "The Killing" mit Kommissarin Lund

Sofie Grabol als Kommissarin Lund
Sofie Gråbøl als Kommissarin Lund: verbohrt in den Mordfall Bildrechte: imago images/Mary Evans

Eine 19-Jährige wird vermisst, dann wird die Leiche der jungen Frau in einem im Fluss versenkten Auto gefunden, es stellt sich heraus, dass sie vor ihrem Tod vergewaltigt und misshandelt wurde.

Kommissarin Lund beginnt zu ermitteln, dabei hat sie eigentlich ihren letzten Tag bei der Mordkommission in Kopenhagen und will mit ihrem Sohn zu ihrem Lebensgefährten nach Schweden zu ziehen. Doch der Fall wird für sie zur Obsession. Sofie Gråbøl spielt die störrische Kommissarin geradezu manisch. Die Serie, deren 20 Episoden je einen Tag der Mordermittlungen aufrollen, entfaltet ein akribisches Porträt der Polizeiarbeit. Auch beeindruckend, wie die Trauer die Familie des Opfers verändert. Die extrem spannende und psychologisch raffinierte Serie setzte Maßstäbe.

Arte hat die komplette Serie mit allen drei Staffeln in der Mediathek. Achtung: Trotz des englischen Titels, unter dem Arte die Krimiserie ausstrahlt, handelt es sich nicht um das US-Remake der dänischen Krimiserie, sondern um das Original, das 2007 an den Start ging und in Deutschland unter dem Titel "Kommissarin Lund - Das Verbrechen" im Fernsehen lief.

Mehr Informationen Die ersten drei Staffeln der Serie sind bis zum 31. März in der Mediathek verfügbar.


Doku-Reihe: "Böse Bauten"

Gerade stürzen bei den Protesten gegen Rassismus nicht nur in den USA umstrittene Denkmäler der Vergangenheit. Auch in Deutschland kennen wir die Schwierigkeiten mit einem unbequemen Erbe. Die Bauten der Nazis, Ausdruck ihrer totalitären Ideologie, sollten nach dem Krieg möglichst verschwinden, doch einiges blieb und fordert einen kritischen Umgang heraus. Die ZDF-Serie "Böse Bauten" sucht mit archäologischer Genauigkeit nach den architektonischen Spuren, unter anderem in Berlin, Weimar, München und Nürnberg, fragt nach Funktion und den Formen der Nazi-Ästhetik und ihrer Aufarbeitung.

Kathrin Beck und der Redakteur Werner von Bergen wurden für diese hervorragend recherchierte Serie mit dem "Deutschen Preis für Denkmalschutz" ausgezeichnet. Es ist eine eindrucksvolle Reise durch Deutschland auf der Suche nach den fragwürdigen baulichen Hinterlassenschaften, die hier auch visuell sehr genau erfasst werden im städtischen Raum und in den natürlichen Landschaften, in denen sie stehen, meint MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann.

Mehr Informationen Die Teile 2 bis 6 der Dokumentationsreihe "Böse Bauten" sind in der ZDF-Mediathek abrufbar.


Tatort: "Lass den Mond am Himmel stehn"

Batic und Leitmayr gehören zu meinen liebsten Tatort-Ermittlern, nicht nur weil sie während der letzten Jahrzehnte vor unseren Augen in Würde gealtert sind oder weil die Chemie zwischen ihnen spürbar stimmt. Mich berührt vor allem ihre aufrichtige, sich nie nach vorn drängende Menschlichkeit, ihre innere Anteilnahme an den Fällen.

Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit Kollegen (Komparsen) betrachten den Fundort von Emils Fahrrad im Wald, in der Nähe eines Parkplatzes.
Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) betrachten den Fundort von Emils Fahrrad im Wald. Bildrechte: BR/Bavaria Fiction GmbH/Hendrik Heiden

Das ist bei dem neuen Tatort "Lass den Mond am Himmel stehn" besonders bitter und für jeden nachvollziehbar. Ein 13-jähriger Schüler verschwindet und wird später erschlagen aufgefunden, die raren Spuren führen merkwürdigerweise zu einem anonymen Sex-Treffpunkt auf einem Parkplatz.

Zum Ereignis wird dieser feinfühlig inszenierte, herausragende Tatort (Regie: Christopher Schier) durch das eindringliche Spiel von Laura Tonke als trauernde Mutter, ein einziger, stummer Aufschrei der Verzweiflung und der Trauer. Aber auch alle anderen Darsteller wie Hans Löw und Lenn Kudrjawizki machen das Undenkbare und Unaussprechliche intensiv sichtbar, so MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann.

Mehr Informationen Der Tatort "Lass den Mond am Himmel stehen" ist bis zum 7. Dezember in der ARD-Mediathek zu sehen.


Film: "Die schöne Querulantin"

Michel Piccoli, der 70 Jahre im Kino und auf dem Theater spielte, einer der großen europäischen Mimen, ist am 12. Mai 2020 gestorben. Eine seiner großen Rollen spielte der gebürtige Pariser bei Jacques Rivette in "Die schöne Querulantin" von 1991 – eine Meditation über die Kunst.

Der alternde Maler Edouard Frenhofer hat die Lust am Malen und das Interesse an seiner Frau Liz verloren. Ein befreundetes Paar findet bei einem Besuch das unvollendete Porträt, dass der Künstler von seiner Frau anfertigen wollte. So entsteht die Idee, dass Marianne nackt Modell stehen soll. Das Gemälde wird zwar fertig, doch nur der Künstler und sein Modell werden es je sehen. In dieser Verweigerung wird der schöpferische Prozess in all seinen Dimensionen diskutiert. Es geht um das Bild, um das Abbilden, um Wahrheit und das Geheimnisvolle, das sich in all dem verbirgt. Der Film wurde zunächst in einer zweistündigen Schnittversion gezeigt, doch erst für die fast vierstündige Fassung erhielt Jacques Rivette den Grand Prix in Cannes.

Mehr Informationen Der Film "Die schöne Querulantin" ist bis zum 13. Oktober in der arte-Mediathek abrufbar.

Doku: "Das letzte Finale der DDR - Zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung"

Meisterfeier Dynamo Dresden v.li.: Matthias Sammer, Torsten Gütschow und Ulf Kirsten
Spieler von Dynamo Dresden feiern den letzten Meistertitel der DDR. Bildrechte: imago/Dehlis

Mit dem Fall der Mauer begann eine Zeit des Umbruchs für die Gesellschaft in der DDR, die manchmal fast an Anarchie erinnerte. Die Menschen hofften auf die Zukunft und fürchteten sie gleichzeitig. Auch der Fußball blieb davon nicht ausgenommen. 1990 wurde das letzte Mal um die Meisterschaft in der DDR gekämpft, während der Deutsche Fußball-Verband zu einem Teil des Deutschen Fußballbundes wurde.

Am Ende konnte Rekordmeister Dynamo Dresden den Titel verteidigen. Die Dokumentation "Das letzte Finale der DDR" zeichnet die letzten Wochen des DDR-Fußballs nach, die bereits von Wehmut geprägt sind: Die Zuschauer bleiben weg und die Spieler werden abgeworben. Ein Stimmungsbild mit zahlreichen Zeitzeugen aus Ost und West.

Mehr Informationen Die Doku "Das letzte Finale der DDR" steht in der MDR-Mediathek zur Verfügung.


Doku: "Darkness Forever - Wie Goth unsterblich wurde"

Goth mit Fächer
Szene aus der Doku "Darkness forever" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Schwarze Szene ist in Wahrheit bunt. Der Gothic-Boom zu Beginn der 2000er-Jahre führte zur Öffnung für den Mainstream – und half der Szene so zur Verjüngung. Neue Spielarten von Goth entstanden: Cybergoths, Steampunks, Mittelalterfans, Vampire, Neoromantiker … Immer wieder stellt sich dabei die Frage: Ist Goth noch Subkultur oder schon Maskenball? Künstler wie Bruno Kramm (Das Ich) oder Bands wie Corvus Corax erzählen in dem Film, wie sie den Wandel der Schwarzen Szene erlebt haben.

Mehr Informationen Die Doku "Darkness Forever - Wie Goth unsterblich wurde" ist in der MDR-Mediathek verfügbar.


Serie "Drinnen – Im Internet sind alle gleich"

Lavinia Wilson als Charlotte
Lavinia Wilson als Charlotte Bildrechte: ZDF

Sehr schnell reagierte ZDF-Neo auf die irren Zeiten. In der Serie "Drinnen – Im Internet sind alle gleich", bestehend aus 15 kurzen, aber sehr intensiven Filmen von Lutz Heineking Jr. , erleben wir die Werbefachfrau Charlotte, die wegen der Corona-Pandemie ihren Alltag, Beruf, Familie, Eltern vom Laptop aus managen muss. Die Rolle wird mit hinreißend-komischer Verzweiflung von Lavinia Wilson gespielt, findet MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann. Das heißt, wir sehen Lavinia Wilson auf dem Screen, zugeschaltet werden alle anderen Figuren, ebenfalls wunderbar natürlich, teilweise improvisierend gespielt, zum Beispiel von Victoria Trauttmansdorff als Mutter oder von Barnaby Metschurat, auch im wirklichen Leben der Partner von Lavinia Wilson.

Überhaupt ragt das wirkliche Leben immer wieder in die Folgen hinein, so sehen wir immer einen realen Ausschnitt der Wohnung des Paares. Filmkritiker Elstermann findet: "Sehr witzig spielt die Serie mit dem Gegensatz von unbegrenzten digitalen Kommunikationsformen und persönlichem Eingesperrtsein, von innerer Beschleunigung und äußerem Stillstand und geht noch viel weiter. Im Zurückgeworfensein auf sich selbst stellt sich Charlotte ernsthafte Sinnfragen, auf die sie sonst vielleicht nicht gekommen wäre."

Mehr Informationen Die Serie "Drinnen – Im Internet sind alle gleich" ist bis zum 20. Oktober 2020 in der ZDF-Mediathek abrufbar.


Die Serie "Warten auf'n Bus"

Eine Bushaltestelle tief in Brandenburg. Zwei Männer warten auf‘n Bus und reden über ihr Leben. Offen, ehrlich. Die Themen sind vielfältig, die Dialoge direkt aus der brandenburgischen Seele
Die Serie "Warten auf'n Bus" Bildrechte: rbb/Frédéric Batier

Irgendwo in Brandenburg sitzen zwei Männer an einer Bushaltestelle und warten: Der Endvierziger Hannes (Ronald Zehrfeld) und sein etwa gleichaltriger Freund Ralle (Felix Kramer). Beide sind Invaliden und können nicht mehr arbeiten. Während sie an der Haltestelle sitzen, reden sie über ihr Leben, ihre Erinnerungen, ihre Probleme, Gott und die Welt. Manchmal gesellt sich Busfahrerin Kathrin (Jördis Triebel) zu ihnen, ihre einzige Schnittstelle zur großen weiten Welt, oder andere Menschen, die dort ein- und aussteigen.

Mehr Informationen Die Serie "Warten auf'n Bus" ist in der RBB-Mediathek abrufbar.


Kultfilme von Éric Rohmer: "Claires Knie"

Claires Knie
Irrungen und Wirrungen von Liebe und Kust in "Claires Knie" Bildrechte: imago/United Archives

Von den Irrungen und Wirrungen der Liebe und Lust zu erzählen, mit leichter Hand und doch tief schürfend, diese Kunst beherrschte Éric Rohmer. Beispielsweise zu bestaunen in "Claires Knie": Kurz vor seiner Hochzeit verbringt der 35-jährige Diplomat Jérôme (Jean-Claude Brialy) die Ferien in den französischen Alpen, am See von Annecy. Dort trifft er nicht nur auf seine ehemalige Geliebte, die Schriftstellerin Aurora (Aurora Cornu), sondern macht auch Bekanntschaft mit zwei jugendlichen Halbschwestern. Eine der beiden sieht er auf einer Leiter stehend beim Kirschenpflücken, sein Verlangen entbrennt beim Blick auf "Claires Knie" ...

50 Jahre alt und sehr lebendig wirkt dieser Film von Éric Rohmer, findet Kritiker Hartwig Tegeler: "Ein Film über die Liebe und das Begehren und den Diskurs über beide." In "Claires" Knie entspinne sich "ein Reigen zwischen alten und neuen Bekannten und Liebhabern oder noch nicht Geliebten oder schon Geliebten." Am Ende erscheine die Hauptfigur als ein Mann, der weniger von seinen Gefühlen getrieben werde, als davon, über sie reden zu können. "Claires Knie" war der fünfte Teil in Rohmers "Moralischen Erzählungen". Zu diesem ersten Zyklus gehört auch "Meine Nacht bei Maud" mit Jean-Louis Trintignant, Publikumsliebling und erfolgreichster Film, sowie "Die Sammlerin". Alle drei zeigen sie die Kunst des französischen Altmeisters, "seine Figuren nicht zu denunzieren, sondern zu beobachten beim meist vergeblichen Versuch, ihr Glück zu finden". Zu sehen sind diese drei Filme bis in den Herbst in der Arte-Mediathek.

Eric Rohmers Filme in der Arte-Mediathek "Claires Knie", "Meine Nacht bei Maud, bis 12.10.2020; "Die Sammlerin" bis 16.10.2020 in der Arte-Mediathek!


unicato Kurzfilm-Magazin

unicato bleibt Zuhause - die Filmszene in Quarantäne

Auch unicato hält sich an die Vorschriften zur Eindämmung von COVID-19 und bleibt Zuhause. Zu sehen sind deshalb Kurzfilme, die sich mit den verschiedenen Facetten der aktuellen Ausgeh- und Kontaktbeschränkungen der Bevölkerung auseinandersetzen und oft auch innerhalb der eigenen vier Wände spielen. Doch in einer beängstigenden Zeit und situationsbedingter Isolation nimmt der Eskapismus durch Kunst einen neuen Stellenwert ein. Wird die Gesellschaft nach Corona anders auf ihre Künstler blicken?

Zum ersten Mal wurde die Sendung - coronabedingt - komplett digital produziert: Um Fragen zu beantworten, trifft unicato-Moderator Markus Kavka seine Gäste deshalb via Video-Chat: Jenni Zylka, Popkultur-Journalistin, Berlinale-Vorsichterin und Grimme-Preis-Jurorin aus Berlin, Schauspieler, Musiker und Filmemacher Robert Gwisdek alias Käptn Peng, den Gründer der Werkleitz Gesellschaft Peter Zorn und Regiestudent Jannis Alexander Kiefer von der Filmuniversität Babelsberg.

Serie "Deutscher"

Was wäre, wenn bei der letzten Bundestagswahl eine rechtspopulistische Partei die absoluten Mehrheit gewonnen hätte und nun regieren würde? Die vierteilige Serie "Deutscher" spielt dieses Szenario nicht anhand von politischen Debatten im Bundestag und neuen Gesetzvorschlägen durch, sondern an dem privaten Leben zweier benachbarter Familien, von denen die eine sich begeistert über den Sieg der Partei zeigte und die andere entsetzt.

Szenenbild aus der Miniserie "Deutscher"
Mini-Serie "Deutscher" Bildrechte: ZDF/Martin Rottenkolber

"Deutscher" zeigt am Bespiel der Familien Schneider und Pieckels, wie die Spaltung des Landes sich auch im Privatleben der Menschen auswirkt, auf Freundeskreise, das Arbeitsumfeld und Liebesbeziehungen. Trotz einiger Klischees und einem übertrieben krimi-reifen Final glaubwürdig gespielt besonders von den Mütter-Darstellerinnen Meike Droste ("Mord mit Aussicht") und Milena Dreißig ("Stromberg").

Mehr zu "Deutscher" Die Serie ist bis zum 18. Dezember 2020 in der ZDF-Mediathek abrufbar.


Tatort: "Die Guten und die Bösen"

Dieser aus Sicht unseres Kritikers Knut Elstermann außergewöhnliche Tatort des Hessischen Rundfunks von Petra K. Wagner (Buch: David Ungureit) stellt das Ermittlerpaar Anna Janneke und Paul Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch) vor eine Aufgabe, deren Lösung scheinbar leicht, deren moralische Dimension aber unermesslich ist. Der Täter nämlich gesteht ohne zu zögern. Er ist ein Polizeihauptmeister (mit tragischer Größe von Peter Lohmeyer gespielt), der den Vergewaltiger seiner Frau gefoltert und getötet haben will.

Die Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch).
Bildrechte: HR/Degeto

Wer ist Täter? Wer ist Opfer? Wie lässt sich Gerechtigkeit nach einer furchtbaren Tat erlangen? Alle angeblichen Gewissheiten lösen sich bald auf, wofür die chaotischen Renovierungsarbeiten im Kommissariat ein schönes Sinnbild sind, niemand findet hier irgendetwas. Bei den ungelösten Fällen sitzt die pensionierte Kommissarin Elsa Bronski, die vielleicht ein geheimes Wissen hütet.

"Die große Hannelore Elsner gibt diesem klugen Tatort in ihrer letzten Rolle eine stille Weisheit, ein zartes, zerbrechliches Orakel im Keller", so Filmkritiker Elstermann. Sie starb kurz nach den Dreharbeiten.

Mehr zum Tatort "Die Guten und die Bösen" Der Film ist bis zum 19. Oktober 2020 in der ARD-Mediathek zu sehen.


"Der Überläufer"

Der ARD-Zweiteiler entstand nach dem Roman von Siegfried Lenz aus dem Jahr 1951, der aber damals gar nicht veröffentlicht wurde, weil die Zeit noch nicht reif war im Nachkriegs-Westdeutschland. Er kam erst posthum 2016 heraus und war eine literarische Sensation.

Jannis Niewoehner als Walter Proska und Malgorzata Mikolajczak als Wanda
Jannis Niewoehner als Walter Proska und Malgorzata Mikolajczak als Wanda. Bildrechte: NDR/Dreamtool Entertainment

Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, Walter Proska, an der Ostfront im letzten Kriegssommer. Er verliebt sich an einem verlorenen Außenposten in eine polnische Partisanin und begreift mehr und mehr die Sinnlosigkeit des Krieges. Jannis Niewöhner spielt hier eine seiner besten Rollen, einen Suchenden und Tastenden, einen Gefangenen seiner brutalen Lebensumstände. Er freundet sich mit Wolfgang an, einem ehemaligen Studenten, der fliehen will und ihn schließlich mitreißt zum Überlaufen zu den Russen. Sebastian Urzendowsky spielt hervorragend einen Mann, der nur scheinbar sicher und entschlossen ist, der alle Zweifel und Widersprüche ersticken will.

Auch wenn Walter die Fronten wechselt, er bleibt ein Mann zwischen den Fronten, selbst nach dem Krieg in der DDR, wo er zunächst dem neuen System dient. Die Schilderung der antifaschistischen Aufarbeitung in der DDR erscheint im Film allerdings politisch sehr verkürzt und einseitig, findet Filmkritiker Knut Elstermann. Doch insgesamt gelingt Regisseur Florian Gallenberger sehr einfühlsam und bewegend, die Ambivalenzen der Figur sichtbar zu machen, dieses Generations-Gefühl, nie in der richtigen Haut zu stecken, nie das richtige Leben führen zu dürfen.

Mehr zu "Der Überläufer" Erster Teil am 8. April, zweiter Teil am 10. April, 20:15 Uhr im Ersten und als 4-teilige Miniserie in der ARD-Mediathek bis zum 25. Oktober 2020 verfügbar.


Tatort "Die Zeit ist gekommen"

Anna (Katia Fellin) und Louis Bürger (Max Riemelt) sehen zuversichtlich in die Zukunft.
Anna (Katia Fellin) und Louis Bürger (Max Riemelt) sehen zuversichtlich in die Zukunft. Bildrechte: MDR/W&B Television/Michael Kotschi

Es geht in diesem MDR-Tatort aus Dresden um einen spannenden Fall: Ein junges Paar will nach vielen Wirrungen endlich neu anfangen, beeindruckend gespielt von Max Riemelt und Katia Fellin. Sie wollen eine feste Arbeit, ein geregeltes Leben, ein Zuhause für den kleinen Sohn, der ist noch im Heim. Doch da wird vor ihrem Haus der Nachbar, ein Polizist, tot aufgefunden, sie werden wegen der Vorstrafe des Mannes verdächtigt. Beim Versuch zu fliehen, werden die beiden zu Geiselnehmern. Für die beiden Kommissarinnen entsteht eine doppelt schlimme Lage, sie müssen ermitteln und zugleich die akute, gefährliche Situation lösen.

Filmkritiker Knut Elstermann findet: Der hervorragende Regisseur, Stephan Lacant (von ihm stammt die erfolgreiche schwule Liebesgeschichte "Freier Fall", auch mit Max Riemelt) gibt diesen beiden Ermittlerinnen viel Raum für ihre feinsinnige Charakterzeichnung: Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel in ihrem 3. Fall). Im Jahr 2018 übernahm Cornelia Gröschel die Rolle einer Ermittlerin im Dresdner Tatort und kehrte damit in ihre Heimatstadt zurück. Beide Frauen agieren sehr menschlich, sehr normal, sehr gegenwärtig, auch in diesem, sehr differenzierten und klug erzählten Fall, bei dem sie eine gewisse Sympathie, ein Verständnis für die verzweifelten Täter, die eben auch Opfer sind, empfinden, urteilt Filmkritiker Knut Elstermann.

Mehr zu "Die Zeit ist gekommen" In der ARD-Mediathek bis zum 5. Oktober 2020 verfügbar.

(Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wird fortlaufend mit neuen Empfehlungen aktualisiert.)

Film und Kino in der Corona-Krise

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. April 2020 | 08:10 Uhr

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