Corona-Krise Musik in der Zwangspause: Diese Hilfen gibt es für Betroffene

Die Musiktheaterbranche trifft die Corona-Krise schwer. Mit dem Bundesprogramm Neustart Kultur gibt es Hilfen, die auf konkrete Projekte zielen. Sachsen unterstützt jetzt auch Freie Träger im Bereich der Musik. Die Deutsche Orchester-Stiftung sammelt weiter Spenden.

Ein Straßenmusiker spielt auf einem Klavier.
Musiker und Musikerinnen trifft die Pandemie besonders. Bildrechte: dpa

Initiative Musik fördert Newcomer

Im Rahmen des Bundesprogramms "Neustart Kultur" werden Projekte von Musikern, Musikautoren und deren Partnern, Labels oder Verlagen, im Umfang von zehn Millionen Euro gefördert. Ab sofort können also auch Autoren gemeinsam mit einem Unternehmen der Musikwirtschaft Anträge stellen. Werkkreation, Vorproduktion und Probenzeiten sind förderfähig. Der Förderanteil wurde von ursprünglich 40 auf bis zu 90 Prozent der Gesamtkosten angehoben. Gefördert wird eine breites Genrespektrum: neben Rock, Pop, Jazz und Hip-Hop auch Metal, experimentelle und elektronische Musik. Die Initiative Musik wendet sich insbesondere an Newcomer, die auf dem deutschen sowie dem internationalen Markt Fuß fassen wollen. Die Termine der Förderrunden im Jahr 2021 werden im Dezember 2020 veröffentlicht. Bereitgestellt werden insgesamt zehn Millionen Euro.

Musikfonds unterstützt Projekte

Der Musikfonds hat im Rahmen des Bundesprogramms "Neustart Kultur" zusätzliche Mittel erhalten. Damit sollen auch innovative Projektvorhaben trotz der durch die Corona-Krise erschwerten Bedingungen ermöglicht werden. Die Frist für die nächste Runde für Anträge mit einer Antragssumme höher als 2.000 EUR bis maximal 50.000 EUR endet am 31. Januar 2021. Für zwei weitere Runden enden die Fristen am 31. Mai und am 30. Deptember. Das Volumen beträgt insgesamt 10 Millionen Euro. Das Projektvorhaben darf nicht vor dem 1. April 2021 beginnen, muss aber vor dem 30. November 2021 beendet und abgerechnet sein. Anträge können ausschließlich online eingereicht werden. Was förderwürdig ist und wie die Antragstellung erfolgen muss, erläutert der Musikfonds online und in einem gesonderten Merkblatt.

Hilfen zur Digitalisierung im Musikfachhandel

Ebenfalls im Rahmen von "Neustart Kultur" sollen "alternative, auch digitale Angebote" im stationären Musikfachhandel, Hersteller und Vertriebe von Musikinstrumenten und -equipment unterstützt werden. Dabei geht es vor allem um Aufbau und Erweiterung digitaler Vertriebswege. Die Bewerbungsfrist läuft seit dem 14. Dezember, die Vergabe erfolgt nach dem Windhund-Prinzip. Das Volumen der Förderung beträgt insgesamt 4 Millionen Euro. Umgesetzt wird das Programm vom Deutschen Musikrat in Kooperation mit der Society Of Music Merchants (SOMM).

Bund engagiert sich für Musik- und Theaterverlage

Mit insgesamt fünf Millionen Euro unterstützt Kulturstaatsministerin Monika Grütters die E-Musik- und Sprechtheaterverlage. Deren wichtigste Einnahmequelle seien Live-Aufführungen, die aber coronabedingt weggebrochen seien. Damit sei "das Rückgrat unseres Musiklebens und unserer Theaterkultur" in Gefahr. Zumal sie die Interessen der Urheberinnen und Urheber verträten, wie Grütters erklärt. Außerdem käme ihnen als Förderer der Avantgarde sowie als Bewahrer des kulturellen Erbes käme ihnen eine Schlüsselfunktion zu. Ausgereicht werden insgesamt fünf Millionen Euro, die ebenfalls aus dem Konjunkturpaket "Neustart Kultur" stammen.  

Für entgangene Einnahmen im Jahr 2020 können die Verlage bis maximal 300.000 Euro beantragen, die Förderung erfolgt in Form nicht rückzahlbarer Zuschüsse. Die Hilfe gilt für Verlage, deren Umsatz aus Materialvermietungen bzw. Tantiemenerlösen im Rahmen von Bühnenaufführungen von 01.04. bis 30.11.2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Vorjahrszeitraum zurückging. Die Förderstrecke wird direkt durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien abgewickelt. Seit 15. Dezember 2020 steht das Antragsformular bereit. Die Vergabe erfolgt nach der Reihenfolge des Antragseingangs.

Bundesverband Chor & Orchester plant Förderprogramm

Geplant ist außerdem ein Förderprogramm für den Bereich der Amateurmusik mit einem Volumen von 1,5 Millionen Euro. Gemeinsam mit dem Bundesmusikverband Chor & Orchester (BMCO) wird dafür laut Staatsministerium für Kultur und Merdien derzeit ein Förderkonzept erarbeitet. In der ersten Förderstufe solle es um den Aufbau eines Kompetenznetzwerkes gehen, dann um die Förderung von Modellprojekten. Zum Status heißt es, eine Bewerbung sei möglich.

Soforthilfe-Zuschuss "Härtefalle Kultur" für freie Träger in Sachsen

Kunst- und Kultureinrichtungen in freier Trägerschaft, die von der Corona-Krise betroffen sind, können Hilfen von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) bekommen. Anträge können jetzt auch Träger von kleinen und mittleren kulturellen Spielstätten in den Bereichen Darstellende Künste und Musik stellen. Voraussetzung ist, dass der Betrieb einer kulturellen Spielstätte ihr hauptsächlicher Unternehmenszweck ist, die Spielstätte mindestens 24 kulturelle Veranstaltungen pro Jahr vorweisen kann, die Veranstaltungen allgemein öffentlich zugänglich sind und die Spielstätte maximal 2.000 Besucherplätze besitzt. 

Geförderte erhalten einen Zuschuss bis zu 10.000 Euro, bei höherem Liquiditätsbedarf bis zu 50.000 Euro. Anträge können fortlaufend eingereicht werden.

Förderungen stellte der Freistaat auch im Rahmen der Projekte "Denkzeit" und der Kampagne "So geht sächsisch". So wurde der Kanal Kultur digital eingerichtet. Die Ergebnisse sind inzwischen online zu sehen.

MusikerNothilfe: Deutsche Orchester-Stiftung sammelt weiter

Die Deutsche Orchester-Stiftung hatte im Frühjahr unter dem Hashtag #MusikerNothilfe zu Spenden aufgerufen. Nach etwas mehr als zwei Wochen betrug der Spendenstand 904.000 Euro. Mitte September sind es nun schon 3.275.00 Euro. Dank der großen Resonanz könnte jedem Antragsteller nun eine einheitliche Unterstützung von 600 Euro zukommen, heißt es. Schirmherren der Aktion sind Kulturstaatsministerin Monika Grütters und der Dirigent Kiril Petrenko.

Um Spenden für den Nothilfefonds der Deutschen Orchester-Stiftung wird indessen auch mit den 1:1-Konzerten geworben. Nicht nur Spenden werden als Hilfsmöglichkeit gesehen. Der Deutsche Musikrat plädierte zu Beginn der Pandemie für ein auf sechs Monate befristetes Grundeinkommen in Höhe von 1.000 Euro für Betroffene. Auch der Sächsische Musikrat hatte eine Spendenaktion ins Leben gerufen, 300 Euro wurden ausgereicht. Schließlich wurden im Advent freiberufliche Musiker und Musikerinnen aufgerufen, ein kurzes adventliches Programm anzubieten, das für eine Aufführung im Freien geeignet ist. Aufgrund von Spenden sollte den Beteiligten ein kleines Honorar gezahlt werden.

Notfallhilfe der GVL

Eine einmalige Hilfe von 250 Euro vergibt die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsrechten (GVL) an ihre Wahrnehmungsberechtigten, die ausschließlich freiberuflich oder kurzfristig beschäftigt tätig sind und durch die Corona-Krise Veranstaltungs- oder Produktionsabsagen und damit Honorarausfälle hinnehmen mussten. Die Antragsteller müssen an mindestens einer GVL-Verteilung teilgenommen haben und den Verdienstausfall nachweisen. Sollten beispielsweise Synchronsprecher den Verdienstausfall durch entgangene Produktionen nicht direkt nachweisen können, können sie ihre konkrete Situation auch schriftlich schildern und die Richtigkeit per Unterschrift bestätigen. Die Antragstellung war nur bis zum 30.04.2020 möglich.

Corona-Nothilfeprogramm der GEMA

Der "Schutzschirm LIVE" ist eine pauschale Nothilfe der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) für Komponisten und Textdichter, die vorrangig als Performer auftreten. Musikurheber, die von der Corona-Krise betroffen sind, können eine Vorauszahlung auf ihre künftigen Ausschüttungen in den Live- und Wiedergabesparten beantragen. Die Antragstellung erfolgt über das GEMA-Onlineportal für Mitglieder. Aktuelle werden die Anträge abgearbeitet.

Zudem hat die GEMA aus den Mitteln für soziale und kulturelle Förderung einen Corona-Hilfsfonds eingerichtet. Existenziell gefährdete GEMA-Mitglieder können eine einmalige persönliche Übergangshilfe beantragen, die bis zu 5.000 Euro betragen kann.

Bund vergibt Klassik-Stipendien

Der Bund fördert freischaffende Musikerinnen und Musiker mit Klassik-Stipendien. Am 29. Dezember 2020 startet das Programm, welches sich an Interpretinnen und Interpreten von der Alten Musik bis zur frühen Moderne richtet. Vorgesehen sind insgesamt 1.500 Stipendien in Höhe von jeweils 6.000 Euro. Der Deutsche Musikrat setzt das Programm im Rahmen von NEUSTART KULTUR um. Das Bewerbungsformular ist auf der Internetseite des Deutschen Musikrats zu finden.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 19. November 2020 | 22:05 Uhr

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