Protest und Gegenprotest Was die Kulturszene den Corona-Protesten entgegensetzt

Besucher vor der Vogtlandhalle Greiz in der Dämmerung.
Bei der Aktion "Greiz dreht auf" erklangen während der Corona-Proteste Friedenslieder vom Dach der Vogtlandhalle – hier eine ältere Aufnahme der Halle. Bildrechte: Vogtlandhalle Greiz

An vielen Orten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen protestieren seit Wochen wiederholt Menschen gegen die Corona-Politik. Immer wieder kommt es dabei auch zu Gewalt, einige der Kundgebungen werden von Rechtsextremen organisiert oder unterwandert. Doch die Proteste stoßen zunehmend auf Gegenmaßnahmen. So haben Organisationen, Vereine und Verbände etwa in Bautzen oder Freiberg Petitionen gestartet, um ein Zeichen für Solidarität und gegen die teils aggressiven Proteste zu setzen.

Daran beteiligen sich auch mehr und mehr Kultureinrichtungen. Bei der Initiative "Greiz dreht auf" etwa ließ am vergangenen Samstag ein Bündnis aus mehr als 50 Institutionen, Vereinen, Firmen und Verbänden aus der ostthüringischen Stadt Friedenslieder vom Dach der Vogtlandhalle erklingen. Mitinitiatorin Tina Weidhaas vom Theater- und Kulturförderverein der Vogtlandhalle sagte MDR KULTUR, die Aktion habe für ein friedliches und respektvolles Miteinander in der Stadt werben sollen.

Eine Theatergruppe saß wegen der Proteste in der Greizer Vogtlandhalle fest

Die Idee zur Aktion sei bei Corona-Protesten in Greiz eine Woche zuvor aufgekommen. Weidhaas zufolge kamen damals die Mitglieder der Kinder- und Jugendtheatergruppe "Kleinauf-Theater" nicht mehr ungehindert von einer Probe nach Hause: "Wir waren wirklich eingekesselt von Vermummten, die um die Vogtlandhalle gelaufen sind, die Böller gezündet haben. Das war ein ganz furchtbarer Moment für uns. Eltern haben uns angerufen, konnten ihre Kinder nicht abholen." Die letzte Teilnehmerin sei um 22 Uhr zu Hause gewesen, drei Stunden nach Ende der Probe. Weidhaas erklärte, gegen derartige Proteste habe man mit "Greiz dreht auf" etwas unternehmen wollen.

Auch in Zittau haben sich unter dem Motto "Zittau gemeinsam" mehrere Organisationen zu einer Aktion gegen die montäglichen "Corona-Spaziergänge" zusammengeschlossen. So wurde am Montagabend während des Protest-"Spaziergangs" weihnachtliche Beleuchtung in der Stadt ausgeschaltet. Der Leiter der Kreismusikschule Dreiländereck, Sven Rössel, sagte MDR KULTUR, Ziel sei es gewesen, "diesen demokratiefeindlichen Rufern dort keine beleuchtete Kulisse zu bieten."

"Licht aus" in Zittau

Rössel erklärte, er habe zwar "gar nichts so sehr gegen die Spaziergänge". Das Problem seien die Treffen im Anschluss. Die "Spaziergänge" endeten meist direkt vor dem Musikschulgebäude. Wenn dort dann vor einem Herrnhuter Stern Parolen wie "Widerstand" gebrüllt würden, sei sein Verständnis vorbei. "Es ist schwer vermittelbar, wenn ein Schüler im Schulhaus die Regeln befolgen muss und ich darauf achten muss, damit sich keiner ansteckt. Und dann tritt man vor die Tür und trifft auf Leute, die das nicht interessiert", so Rössel.

Die Teilnehmer der Corona-Proteste seien zwar hautpsächlich Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, so Rössel – "Menschen, die sich auch Luft machen wollen und müssen". Er vermisse allerdings "schmerzlich" einen Lösungsansatz der Protestler. Zudem gebe es seit einigen Wochen "eine Unterwanderung, die ganz brandgefährlich ist und die, glaube ich, auch diese Mitte gar nicht will".

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Dezember 2021 | 12:15 Uhr