Bis Anfang Mai geschlossen Wie kleine Kinos in der Coronakrise ums Überleben kämpfen

Wegen Corona geschlossen: Davon sind seit mehr als einem Monat viele Betriebe deutschlandweit betroffen. Mittlerweile dürfen kleinere Geschäfte zwar wieder öffnen, für Kinos gelten diese Lockerungen jedoch nicht. Bis mindestens zum 3. Mai müssen sie geschlossen bleiben, und noch ist unklar, was danach passiert. Wie gehen vor allem die kleinen Kinos mit dieser Situation um? Und wie hält man sich über Wasser, wenn nicht weiß, wann der Spielbetrieb weitergeht?

Luru Kino in Leipzig
Leerer Saal im Leipziger Luru Kino: Wann Kinos in Zeiten von Corona wieder öffnen dürfen, bleibt unklar. Bildrechte: Uwe Walter

Wenn Petra Klemann in diesen Tagen zur Arbeit geht, ist vieles anders. Seit Wochen arbeitet die Betreiberin des Passage Kinos in Leipzig in einem Kino ohne Zuschauer. "Seit dem 19. März ist alles geschlossen", sagt sie. Es kämen keine Besucher mehr, die Einnahmen seien zum größten Teil weggebrochen. "Im Grunde genommen ist alles ziemlich traurig, leer und einsam, wenn man hier in unser Kino kommt."

Um das Kino über Wasser zu halten, hat Klemann für die insgesamt 16 Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragt. Auf gar keinen Fall will sie Kollegen entlassen. Noch gibt es Rücklagen, sagt sie, aber ewig so weitermachen könne sie damit nicht: "Die nächsten zwei, drei Monate halten wir sicher noch durch." Doch im Zweifelsfalle müsste man auf Darlehen zurückgreifen: "Ohne zu wissen, wann man die zurückzahlen kann und wie."

Zeit für Renovierungen im Kinosaal

Auch das Luru Kino in der Leipziger Baumwollspinnerei ist zu. Die Zeit nutzt Betreiber Michael Ludwig für Renovierungsarbeiten. Er versucht, gelassen zu bleiben. Im Moment kämen ihm und seinem Kollegen zugute, dass beide noch nebenbei in anderen Jobs arbeiten. "Außerdem haben wir einen sehr guten Mietvertrag." Dennoch schwebe immer eine gewisse Angst mit, so Ludwig. Dass es nicht mehr genug Filme gebe, wenn die Krise vorbei sei – da ja auch Filmproduktionen derzeit auf Eis lägen. Oder dass das Kino, je nachdem wie lange die Krise dauert, völlig aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinde.

Ähnliche Gedanken hat auch Wolfgang Burkart, Inhaber des Luchskinos in Halle: "Da ist im Moment schon ziemlich viel Angst da." Er geht nicht davon aus, dass Kinos ab Mai wieder öffnen dürfen und rechnet mit geschlossenen Türen bis mindestens zum Sommer.

Passage Kinos Leipzig
Auch das Passage Kino in Leipzig bleibt derzeit geschlossen. Bildrechte: Olaf Parusel/MDR

Kino-Arbeit ohne Kinogänger

Im Puschkino in Halle sieht man die Situation derweil noch relativ entspannt. Das Winterhalbjahr lief laut Betreiber Torsten Raab ziemlich gut, jetzt leben er und sein Team von den Reserven der letzten Saison. Die Motivation trotz Corona-Beschränkungen aufrecht zu erhalten, fällt aber trotzdem schwer. Obwohl auch sein Kino geschlossen ist, fährt Raab jeden Tag dorthin und versucht, seinen Arbeitstag so normal wie möglich zu gestalten.

"Das fühlt sich schon sehr merkwürdig an", gesteht der Betreiber, "wie mit angezogener Handbremse". Auch er nutze die Zeit für Reparaturen. "Und ja, dann schließt man hier ab zu der Zeit, wo eigentlich die ersten Gäste kommen würden – das ist ein bisschen unbefriedigend."

Soforthilfe-Zuschuss des Bundes hilft nicht allen

Als Kleinstbetriebe haben sowohl das Puschkino und das Luchskino in Halle, als auch das Luru Kino in Leipzig den Soforthilfe-Zuschuss des Bundes bekommen. Der wird Solo-Selbstständigen und Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern gezahlt – und beträgt je nach Mitarbeiteranzahl und Zahlungsfähigkeit des Betriebes bis zu 9.000 und bis zu 15.000 Euro. Das helfe zumindest mittelfristig, laufende Kosten zu decken, so die Kinobetreiber. Das Passage Kino hat von diesem Zuschuss allerdings nichts, da es mehr als zehn Mitarbeiter hat. Das ärgert Petra Klemann. Denn Zuschüsse würden ihr im Moment mehr helfen als das vom Freistaat Sachsen zusätzlich angebotene Darlehen, sagt sie.

Klemann kritisiert außerdem, dass für sie das Kino im öffentlichen Sprachgebrauch derzeit nicht vorkomme. Im Maßnahmenpaket der Bundesregierung würden Kinos in einem Punkt mit Messen und Freizeitparks genannt, so die Betreiberin. "Und wenn man da die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. April zitieren darf, muss man entsetzt feststellen, dass die Filmkunst für die Politik irgendwo zwischen Biergarten und Bordell gelandet ist."

Die schwierige Zeit mit Gutscheinen überbrücken

Selbst aktiv werden ist hier die Überlebensstrategie. Zwar bieten im Moment einzelne Verleihfirmen und Streaming-Portale auch Arthouse-Filme im Netz an, die Erlöse daraus hätten aber eher symbolischen Wert, erzählen die Betreiber. Auch die Online-Plattform hilfdeinemkino.de, auf der sich Zuschauer Kinowerbung anschauen und so mitmachende Kinos unterstützen können, bringt laut Luchs-Betreiber Burkart nur marginal etwas ein.

Dafür laufen Gutschein-Aktionen umso besser. Damit erwirtschaften Passage, Luru, Pusch- und Luchs-Kino zumindest einen Teil der ausgefallenen Einnahmen. Eine Dauerlösung sei das aber nicht, so Klemann. Man dürfe nicht vergessen, dass die vielen hundert Gäste, die inzwischen einen Gutschein gekauft hätten, wohl nicht noch einen zweiten Gutschein für denselben Platz kaufen würden. "Das ist jetzt alles vorgelagert und hilft. Aber in Summe haben wir auch nicht mehr Einnahmen. Weil man den Platz eben nur einmal verkaufen kann."

Kein Notfallplan für langfristige Schließung

Die Betreiber des Luru Kinos.
Michael Ludwig, Betreiber des Luru Kinos Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was passiert, wenn Kinos auch im Sommer noch nicht öffnen dürfen – darauf haben die Betreiber keine Antwort. Klemann vom Passage Kino und Ludwig vom Luru Kino wünschen sich vor allem eines: Konkrete Ansagen aus der Politik. "Dass man von mir aus sagt: Das wird nichts im Juni, aber ab ersten Juli dürft ihr wieder 50 Leute reinlassen", so Ludwig. Mittlerweile habe die Geduld der Kulturschaffenden nachgelassen und werde immer geringer, ergänzt Klemann. "Eben weil es kaum echte finanzielle Unterstützung gibt. Im Moment hängen wir sowas von in der Luft."

Für Puschkino-Inhaber Raab wäre es trotz Corona möglich, Kinos bald wieder zu öffnen: Wenn Kinosäle nicht voll besetzt werden, und sich alle an Abstands- und Hygieneregeln halten. Vermutlich werde es dann keine vollen Kinosäle geben, so Raab. "Aber unter den Umständen, wenn viele Besucher die Vorsichtsmaßnahmen einhalten würden, wäre das schon mal ein vorstellbarer Start."

Umfrage: Kinogänger wollen zurück ins Kino

Hoffnung verspricht indes eine kürzlich veröffentlichte Umfrage des Kino-Marktforschungsunternehmens S&L Research. Zwischen dem 9. und dem 14. April fragte das Unternehmen online 865 Kinogänger in Deutschland, wie groß das Interesse ist, nach der Krise wieder ins Kino zurückzukehren. Das Ergebnis: 93 Prozent der Befragten planen nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen "wahrscheinlich" bis "sehr wahrscheinlich" Besuche im Kino.

Corona und die Folgen für die Kultur

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. April 2020 | 14:15 Uhr

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