#miteinanderstark Solidarität in Corona-Zeiten: Wie Sie Kreative jetzt unterstützen können

Im Kampf gegen das Coronavirus ist der Kulturbetrieb zum Stillstand gekommen. Wegen der zahlreichen Veranstaltungsabsagen fürchtet die Kulturbranche existenzbedrohende Folgen für Künstler und kleinere Einrichtungen. Solidaritäts- und Spendenaufrufe für freie Musizierende, Künstlerinnen und Künstler werden laut. Einige Kreative ergreifen Initiative und wenden sich mit Petitionen an Regierung und Öffentlichkeit. Wie jeder Einzelne von uns helfen kann.

Der Saal im Kulturhaus in Gotha: Blick über leere Stuhlreihen zur Bühne, auf dem geschlossenen Vorhang ist der Kreis eines Scheinwerfers zu sehen.
Ob Theater, Konzerthäuser oder Kinos: Der Kulturbetrieb in Deutschland ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus zum Erliegen gekommen. Die Sitzreihen bleiben leer. Bildrechte: Bernd Seydel

Leipziger KulturSendung liefert Privatauftritte

In Leipzig haben sich lokale Künstler eine kreative Aktion ausgedacht: Kultur wird vor die Haustür geliefert. Natürlich werden dabei die Corona-Sicherheitsvorschriften eingehalten. Die exklusiven Live-Acts erfreuen die Besteller von kultursendung.de im Hinterhof, vor dem Balkon oder dem Kleingarten. Der Kulturbesteller sucht sich eine Rubrik aus wie Klassisch, Jazz, Lesung oder Kinderüberraschung und dann kommt ein Überraschungs-Act, entweder als Solokünstler oder Duo. Das Ganze kann täglich zwischen 15 und 20 Uhr jeweils zur vollen Stunde kostenpflichtig bestellt werden.


Nothilfe-Fonds "Sängerhilfe"

Die Zeitschrift "Oper" und die Manfred-Strohscheer-Stiftung haben den Nothilfe-Fonds "Sängerhilfe" gegründet. Nach Angaben der Initiatoren können Sängerinnen und Sänger sowie Beschäftigte des Musiktheaters dort Hilfe von bis zu 2.000 Euro beantragen, wenn sie durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Bedrängnis geraten sind. Zugleich wurde zu Spenden für den Fonds aufgerufen.

Spendenkonto

Manfred Strohscheer Stiftung
Kennwort/Spendenzweck: Sängerhilfe
IBAN: DE56 1005 0000 0190 4821 17
BIC: BELADEBEXXX


Hilfen für Schriftsteller und Buchbranche

Der Verband Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller schlägt vor, dass private Social-Media-Nutzer sich als Influencer betätigen. Die sozialen Netzwerke könnten dafür genutzt werden, um auf die Arbeit von Künstlern aufmerksam zu machen und ihnen so trotz ausgefallener Veranstaltungen weiterhin Öffentlichkeit zu geben.

Nina George, Präsidentin des European Writers' Council, schlägt vor, dass Literaturfreunde Bücher jetzt gezielt kaufen sollten, anstatt sie zu leihen. Das helfe den Schriftstellern. Eine weitere Idee: Kunden könnten in Buchhandlungen verstärkt Gutscheine kaufen. Dafür wirbt die bundesweite Kampagne "Freundschaft fürs Lesen" der Berliner Buchmarketing-Agentur "Literaturtest". Das solle "den Buchhandlungen jetzt helfen, auch in der Zukunft ihre Funktion als vitale Orte des Lesens erfüllen zu können", so die Agentur. Denn für einige Buchhandlungen und Verlage gehe es wegen der Schließungen um die Existenz.


Tickets für Veranstaltungen behalten

Wegen der Corona-Krise mussten Konzerte, Lesungen oder Auftritte abgesagt werden. Viele Kulturveranstalter und freischaffende Künstlerinnen und Künstler erleiden deshalb große finanzielle Einbußen und sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Die Initiatoren von #AktionTicketBehalten fürchten das Aus noch vieler folgender Veranstaltungen bis in den frühen Sommer hinein. Wer Künstlerinnen und Künstlern helfen will, kann das tun, indem er sein bereits gekauftes Ticket nicht zurückgibt und den Preis des Tickets auf diese Weise symbolisch spendet.


Bei Absagen Gutscheine ausstellen lassen

Wenn vereinbarte künstlerische Dienstleistungen jetzt abgesagt werden müssen, könnten die Auftraggeber sich Gutscheine ausstellen lassen, statt den Auftrag zu stornieren. So schlägt die Dresdner Illustratorin Liane Hoder von der Agentur Himbeerspecht vor: "Wer jetzt für meine Dienstleistung bezahlt, kann sie dann zum Beispiel in einem halben Jahr in Anspruch nehmen."


Spenden

Die Deutsche Orchester-Stiftung hat zu Spenden für frei arbeitende Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker in Deutschland aufgerufen. Der Geschäftsführer der Deutschen Orchester-Vereinigung, Gerald Mertens, bezeichnete die derzeitige Lage der Freiberuflichen als dramatisch. Er sagte MDR KULTUR, die betroffenen Musiker könnten weder auftreten noch unterrichten. "Der durchschnittliche freischaffende Musiker verdient 12.000 bis 13.000 Euro im Jahr, also ungefähr 1.000 Euro im Monat. Das reicht nicht, um Rücklagen zu bilden. Insofern ist dieser Berufsstand im Moment in einer absolut prekären Notsituation." Spenden kann jeder. Die Orchester-Stiftung will sich zeitnah um eine Verteilung der zusammenkommenden Gelder an Betroffene kümmern, die die finanzielle Hilfe bei der Stiftung beantragen können.

Spendenkonto

Deutsche Orchester-Stiftung
Kennwort: Nothilfefonds
IBAN: DE35 1004 0000 0114 1514 05
BIC: COBADEFFXXX


Petitionen unterschreiben

Für eine finanzielle Soforthilfe für Freiberufler und Künstler setzt sich die Online-Petition "Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns" ein. Gestartet hat sie der Leipziger Sänger David Erler. Hunderttaussende haben die Forderungen an Bundesfinanzminister Olaf Scholz bereits unterschrieben. Erler fordert mit der Petition u.a. Hilfefonds zum schnellen Ausgleich der wegfallenden Einnahmen sowie ein temporäres bedingungsloses Grundeinkommen. Auch der Deutsche Musikrat hat ein auf sechs Monate befristetes Grundeinkommen von 1.000 Euro gefordert.

David Erler 6 min
Bildrechte: Björn Kowalewsky

Ein Grundeinkommen zwischen 800 und 1.200 für sechs Monate fordert auch die Petition der selbstständigen Modedesignerin Tonia Merz auf change.org. Tonia Merz hat aber auch einen klaren Appell an die Gesellschaft, wie jeder Einzelne ein bisschen helfen kann: "Fragt, ob ihr irgendwas tun könnt. Kauft Gutscheine. Macht irgendwas, aber überlegt ganz genau, wer euer Leben bereichert und wen ihr sehr vermissen würdet, wenn es sie nach dieser Krise nicht mehr gibt."

Eine bessere Möglichkeit, das Konzept Grundeinkommen zu testen, gibt es nicht – in der Krise liegt die größte Chance.

Tonia Merz, selbstständige Modedesignerin

Lokale Kinos unterstützen

Ebenso von der Corona-Krise existentiell betroffen sind Independent-Kinos. Um ihnen zu helfen, hat die Hamburger Werbeagentur Weischer die Website hilfdeinemkino.de erstellt. Dort wählen Kino-Fans auf einer Deutschlandkarte ihr Lieblingskino aus. Anschließend werden Werbe-Spots gezeigt, die normalerweise im Vorprogramm laufen. Die Initiatoren versprechen, dass die Werbeeinnahmen direkt das ausgewählte Kino unterstützen.


Kinofilme zu Hause schauen – zu Kinopreisen

Der Grandfilm-Verleih hat bei der Video-on-Demand-Plattform Vimeo die Kampagne #supportyourlocalcinema gestartet. Die dort veröffentlichten Filme des Verleihs kann man sich kostenpflichtig zu Hause ansehen. Die Einnahmen teilt der Verleih dann mit den Kinos, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet und die unter der Kinoschließung leiden. Von den mitteldeutschen Kinos sind das u.a. das Zazie Kino in Halle und die Programmkinos Luru, Cinémathèque und Cineding in Leipzig.


Lokale Club-Szene stärken

Eine Reihe Leipziger Musikclubs hat sich zusammengetan, um so genannte Club-Solitickets zu verkaufen. Sie werden über den Tickethändler TixforGigs angeboten und ähneln einer Spende – eine konkrete Gegenleistung bekommen die Käufer zunächst nicht. Die Einnahmen sollen unter den beteiligten Einrichtungen aufgeteilt werden und denjenigen zugute kommen, die sie "am meisten brauchen und nicht denen, die medial am stärksten auftreten", so die Initiatoren. Zu den beteiligten Clubs zählen die Moritzbastei, Werk 2, UT Connewitz, Distillery und Conne Island.


Lokale Musiker im Stream hören

Wir von MDR KULTUR haben eine Spotify-Liste mit zahlreichen Musikmachenden aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammengestellt. Jeder ist mit je einem Stück darin vertreten. Der Betrag, den Spotify pro Song an die Interpretinnen und Interpreten zahlt, ist allerdings unverschämt gering, daher kommt es auf die Masse an. Lassen Sie die Playlist täglich laufen, empfehlen Sie sie weiter und wenn Ihnen ein Lied besonders gefällt, kaufen Sie sich die Platte der Künstlerin oder des Künstlers – am besten übrigens im Onlineshop des Plattenladens um die Ecke anstatt eines großen Konzerns.

Im ersten Teil der Liste finden sich neben bekannten Bands wie Kraftklub oder Silbermond auch unbekanntere Musikerinnen und Musiker, etwa Das Paradies, Voxid oder die Banda Internationale. Im zweiten Teil hören Sie klassische Stücke von Orchestern und Kapellen, u.a. aus Weimar, Halle und Jena.


Filme beim Online-Filmfestival schauen

Jede Woche werden seit dem 16. März beim Online-Filmfestival "My Darling Quarantine" auf der Webseite Talkingshorts.com sieben internationale Kurzfilme zur Abstimmung gestellt, aus denen das Onlinepublikum von Montag bis Sonntag seinen Liebling wählen kann, darunter Animationen, Spiel- oder auch Dokumentarfilme. Und: Das Filmfestival sammelt dabei auch Geld, das jeweils zu 50 Prozent an "Ärzte ohne Grenzen" und an in ihrer Existenz bedrohte Kulturschaffende bzw. -einrichtungen gespendet werden soll.


Lokale Kreative unterstützen – und spenden

Mit dem Format "Hof on Air" bietet der Moritzhof Magdeburg seit dem 20. März digitales Programm aus Kabarett, Märchenerzählungen, DJ-Sets, Film- und Buchempfehlungen und Konzerten. Damit gibt das Format lokalen Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform und die Möglichkeit, virenfrei mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Und: Es werden Spenden für die freie Kulturszene gesammelt.


Kulturschaffende in Leipzig unterstützen

Der "Leipziger Kulturfallschirm" sammelt in einer Crowdfunding-Aktion Spenden für Kulturschaffende der freien Szene, die von Konzertabsagen betroffen sind. Dabei kann man ganz ohne Gegenleistung unterstützen oder sich bspw. sogar ein Hauskonzert kaufen.


Kreativen in Dresden helfen

Mit Spenden als Soforthilfemaßnahme können Sie die Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft unterstützen. Die Organisation "Wir gestalten Dresden" verteilt die gesammelten Gelder an Kulturschaffende, denen Aufträge weggebrochen sind sowie kleine Verlage, Galerien, Klubs und viele mehr.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. März 2020 | 17:10 Uhr

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