Sechste MDR KULTUR-Zukunftswerstatt Schulen sollen eigenverantwortlich über Corona-Schutz entscheiden

Schon bald nach den ersten Infektionsfällen in Sachsen und Thüringen wurden Schulen und andere Bildungseinrichtungen geschlossen. Nun sind die Sommerferien vorbei und die Schulen versuchen, mit dem neuen Normal umzugehen: Auf den Gängen und manchmal auf dem Schulhof gilt Maskenpflicht – vielerorts ist das den Schulen selbst überlassen. Darüber, wie Bildung während einer Epidemie funktionieren kann oder sollte, diskutierten Vertreter aus Politik und Schule in der MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt.

Sachsens Kultusminister will sich dafür einsetzen, dass Schulen in den kommenden Monaten regional und eigenverantwortlich über Hygienekonzepte entscheiden können. Christian Piwarz sagte bei der MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt, dass es zwar einen bundesweiten Rahmen geben soll, die eigentlichen Entscheidungen jedoch vor Ort getroffen werden müssten.

Christian Piwarz
Sachsens Bildungsminister Christian Piwarz Bildrechte: dpa

Man habe das bereits vor den Sommerferien in Sachsen ausprobiert, so der Kultusminister: "Es hat gut funktioniert, dass die Schüler und Schulen entsprechend ihrer konkreten Situation vor Ort die Entscheidungen treffen, wo eine Maske zu tragen ist. Dafür werbe ich auch. Denn wenn eine Entscheidung vor Ort getroffen wird, trifft sie im Regelfall auf eine höhere Akzeptanz, als wenn ich in meinem Dresdner Ministerbüro Entscheidungen treffe, die dann möglicherweise nicht nachvollzogen werden können." In Sachsen muss laut Piwarz im Schulgebäude und auf dem Schulgelände eine Maske mitgeführt werden. Allerdings entscheiden die Schulen selbst, in welchen Situationen eine Maskentragepflicht herrscht. "Ausnahme ist der Unterricht, weil wir es nicht für vertretbar halten, dass Kinder über mehrere Stunden hinweg Masken tragen", versprach der Minister.

Mehr Unterstützung für Krisensituationen

Unterstützung bekam Piwarz bei der MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt von dem Pädagogik-Professor der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Ralf Koerrenz. Er nannte eine bundeseinheitliche Regelung "absolut irrational und wirklichkeitsfremd" und hält die verschiedenen Stufenpläne (wie es sie in Thüringen, Sachsen und auch Sachsen-Anhalt gibt) für "hochrational, weil sie notwendige Differenzierungen zulassen". Koerrenz sagte, ein einheitlicher Wille sei lediglich nötig, wenn es um die Balance zwischen Kindeswohl, Interessen der Lernenden und Infektionsschutz gehe.

Prof. Ralf Koerrenz
Pädagogik-Professor Ralf Koerrenz in der MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Pädagoge hat bei der regionalen Lösung allerdings auch eine klare Forderung an die Politik: "Entscheidend ist dann, dass Schulen, die in Krisensituation oder in einem 'alternativen Normalbetrieb' sind, entsprechende Unterstützung bekommen - mit einem flexiblen Personalpool zum Beispiel," so Koerrenz.

Diejenigen, die auf der regionalen Ebene handeln, müssen Unterstützung durch das Ministerium bekommen.

Ralf Koerrenz, Professor für Pädagogik

Bei der sechsten MDR KULTUR Zukunftswerkstatt zum Thema Bildung ging es um die Frage, welche Bedingungen Kinder jetzt brauchen, wie der Schulalltag mit dem Virus gelingt und ob die Zukunft der Bildung neu gedacht werden muss. Außerdem wurde diskutiert, welche Themen im Falle eines verringerten Unterrichts Vorrang haben sollten. Darüber sprachen Vertreter aller Seiten. Neben Piwarz und Koerrenz diskutierten die Magdeburger Lehrerin Cornelia Sorger, der thüringische Landesschülersprecher Leon Schwalbe aus Saalfeld und Claudia Koch aus der thüringischen Landeselternvertretung.

MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. September 2020 | 20:00 Uhr