Verdienstausfälle Corona-Krise: Wer hilft Kunst- und Kulturschaffenden?

Abgesagte Konzerte und leere Theatersäle: Viele Kunst- und Kulturschaffende verdienen durch das Coronavirus momentan weniger oder gar nichts. Wer kann helfen? Zuletzt hatte sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters unterstützend zu Wort gemeldet, viele Fragen sind aber noch unklar.

von Ole Steffen, MDR KULTUR

Theatersaal Gera Innenansicht
Selbst wenn mancherorts Veranstaltungen stattfinden, sind viele Säle nicht voll besetzt. Bildrechte: Theater Altenburg-Gera/Frank Hülsbömer

Die Auswirkungen des Coronavirus sind in vielerlei Hinsicht spürbar. Auch der Kulturbetrieb kommt zunehmend zum Erliegen. Zahlreiche Bühnen haben ihren öffentlichen Betrieb eingestellt, so in Halle, Chemnitz, Dresden oder Rudolstadt.

"So etwas hatten wir noch nie", beschreibt der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, die Auswirkungen des Coronavirus auf den Kulturbetrieb. Natürlich seien die großen Häuser von leeren Rängen betroffen, wenn die Theater die Vorstellungen absagen müssen, besonders hart treffe die Krise jedoch auch freischaffende Künstlerinnen und Künstler und kleinere Betriebe, so Zimmermann. Die Krise wirke bei ihnen so einschneidend, weil sie bislang nicht auf Ausgleichszahlungen hoffen konnten. Zimmermann hatte daher einen Notfallfonds gefordert, der seiner Ansicht nach von Geldern der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder gespeist werden sollte.

Kulturstiftung des Bundes sieht sich nicht zuständig

Von der Kulturstiftung des Bundes heißt es, dass man zwar den eigenen Projektträgern die Förderung garantieren könne, für einzelne Künstlerinnen und Künstler sei man jedoch nicht zuständig. Die Sprecherin Friederike Tappe-Hornbostel sagte MDR KULTUR, dass der Deutsche Kulturrat mit der Idee vorgeprescht sei. "Allerdings scheint er da die Rechnung ohne den Wirt gemacht zu haben. Beispielsweise müsste die Kulturstiftung des Bundes einen solchen Fonds erst durch ihre Gremien passieren lassen", so Tappe-Hornbostel. Schnelle Hilfe sei so nicht möglich. Man erkenne aber an, dass wichtige Fragen zu Absagen und Ausfällen geklärt werden müssten.

Infektionsschutzgesetz greift auch für selbstständige Künstler

Zu den ungeklärten Fragen gehören auch die Kriterien, nach denen Hilfsgelder gezahlt werden. Gibt es eine offizielle Quarantäne-Anordnung, erhalten die Künstler einen Ausgleich vom Land. Bleiben aber die Besucher bei kleineren Aufführungen einfach weg, gibt es keinen Ausgleich.

"Generell fallen nämlich Freiberufler unter das Infektionsschutzgesetz. Sie werden mit den Selbstständigen 'gleichgesetzt'. Eine Erstattung nach dem Infektionsschutzgesetz kommt aber nur in Frage, wenn die Freiberufler selbst eine Quarantäneanordnung oder ein Tätigkeits-/Beschäftigungsverbot vom zuständigen Gesundheitsamt erhalten haben", heißt es von der Landesdirektion Sachsen. In diesem Fall würde die Berechnung des Erstattungsbetrages auf der Grundlage der letzten vom Finanzamt vorliegenden Steuererklärung erfolgen. Honorarausfälle aufgrund von abgesagten Veranstaltungen fallen laut Landesdirektion nicht unter das Infektionsschutzgesetz und sind somit nicht erstattungsfähig.

Kulturstaatsministerium sagt Unterstützung zu

Monika Grütters
Kulturstaatsministerin Monika Grütters Bildrechte: dpa

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich in einer Mitteilung hinter Kultureinrichtungen, Künstler und Künstlerinnen gestellt. Ihr Ministerium sieht eine nachhaltige Gefährdung, denn was im Kultur- und Medienbereich an gewachsenen Strukturen einmal wegbricht, lässt sich so schnell nicht wieder aufbauen.

Das Bundesministerium für Kultur und Medien prüft aktuell, ob es für eine Entlastung sorgen kann, beispielsweise im Förderbereich. So wäre eine Ausschöpfung von Ermessensspielräumen beim Umgang mit gewährten Zuwendungen und Zuschüssen denkbar, so das Kulturstaatsministerium auf Anfrage von MDR KULTUR. Konkrete Maßnahmen wurden jedoch noch nicht beschlossen.

Grütters sei bewusst, dass diese Situation eine große Belastung für die Kultur- und Kreativwirtschaft bedeute und insbesondere kleinere Einrichtungen und freie Künstlerinnen und Künstler in erhebliche Bedrängnis bringe. "Ich lasse sie nicht im Stich! Wir haben ihre Sorgen im Blick und werden uns dafür einsetzen, dass die speziellen Belange des Kulturbetriebs und der Kreativen miteinbezogen werden, wenn es um Unterstützungsmaßnahmen und Liquiditätshilfen geht", so Kulturstaatsministerin Grütters.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. März 2020 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2020, 12:50 Uhr

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