Cyrano de Bergerac
Oliver Baesler als Christian de Neuvillette (links) und Markus Seidensticker als Cyrano de Bergerac Bildrechte: Friederike Lüdde

Theaterkritik "Cyrano de Bergerac" in Rudolstadt – gelungenes Sommertheater

Auf der Heidecksburg in Rudolstadt setzt man beim Sommertheater mit "Cyrano de Bergerac" auf ein altbekanntes Stück. Das ist nicht zuletzt wegen des hervorragenden Hauptdarstellers gelungen, eine Paraderolle für Markus Seidensticker. Auch die eigenen Schauspielerfahrungen des Regisseurs Herbert Olschok kamen der Inszenierung zugute. Jedoch schmälerten die mobilen Mikrofone unnötig den Genuss.

von Wolfgang Schilling, MDR KULTUR-Theaterkritiker

Cyrano de Bergerac
Oliver Baesler als Christian de Neuvillette (links) und Markus Seidensticker als Cyrano de Bergerac Bildrechte: Friederike Lüdde

Die Inszenierung des Sommertheaterstücks "Cyrano de Bergerac" in Rudolstadt ist zum großen Teil gelungen, weil man sich auf die Tugenden des Theaters konzentriert hat. Im Mittelpunkt stehen die Darsteller, die dem Stück dienen, mit ihrem Handwerk, das sie beherrschen.

Und sie haben einen Regisseur, der dem historischen Stück und seiner – nennen wir es mal 'ewigen Wahrheit' – vertraut. Dem es nicht um Mätzchen, oder Selbstverwirklichung im Innercircle des Theaters geht, sondern darum, dass die Zuschauer für gut zwei Stunden den Schauspielern da oben an den Lippen hängen.

Regisseur mit Schauspielerfahrung

Das gelingt schon mal, weil der Regisseur Herbert Olschok zugleich auch selber Schauspieler ist. Von Anfang seiner langen, erfolgreichen Karriere an, die übrigens in Rudolstadt begann und ihn an die großen Berliner Bühnen führte. Aber auch in Chemnitz, Weimar und in Dessau hat er später als Schauspieldirektor Ensembles geprägt. Das kann er. Er weiß, was zu tun ist, damit sich die Darsteller wohl fühlen in ihren Rollen. Das hat nichts mit Wohlfühltheater zu tun, ist aber die beste Vorrausetzung, dass sie bereit sind, alles aus sich rauszuholen und den berühmten Funken überspringen zu lassen.

Mobile Mikrofone stören Theatererlebnis

Mit dem Cyrano-Stoff geht Olschok werktreu und im guten Sinne traditionell um. Nur in einer Sache setzt er aufs scheinbar Innovative. Es kommen Mikroports zum Einsatz, mobile Mikrofone, die direkt am Kopf getragen werden. In Rudolstadt zeigen sie fast wie in einem Lehrfilm, wie überflüssig und behindernd, diese scheinbaren Hilfsmittel wirken. Gerade dann, wenn man sich näher kommt, es intimer, intensiver wird, kommt es immer wieder zu Interferenzen und die schönste Liebesszenerie, klingt plötzlich wie ein Telefonmitschnitt oder Trickfilmsoundtrack.

Cyrano de Bergerac
Die Heidecksburg als Aufführungsort ist dem Ambiente des Stückes zuträglich Bildrechte: Friederike Lüdde

Oder der Kunstton fällt phasenweise mal ganz aus, mit dem überraschenden Ergebnis, dass man Roxanne plötzlich nicht mehr bequem laut, dafür aber mit ihrer ganz normalen Stimme hört – und sie uns sofort sehr viel näher ist. Mensch statt Maschine. Man sollte einfach mutig sein und die Dinger weglassen. Die Bühnenbildner und Theaterraumgestalter könnten garantiert auch im Freien einen dem Verstehen dienenden Klangraum schaffen. Unplugged ist einfach besser.

Schauspieler überzeugen

Die Schauspieler hingegen sind bei der Aufführung von der ersten Sekunde an da und auf Betriebstemperatur. Das beweist sich bei ihrem abrupt synchronen Knalleffekt-Auftritt durch die sechs Schwingtüren im Bühnenhintergrund. Die Bühnenbildnerin Sabine Pommering hat ihnen einen variablen Kunstspielraum hingestellt. Die originale Heidecksburg dient sozusagen nur als Hinter-Hintergrund.

Paraderolle als Cyrano

Der Einstieg ist augenzwinkernd. Das ganze nimmt Fahrt auf, wenn Cyrano ins Spielen und rasant-durchdachte Sprechen kommt, eine Paraderolle für Markus Seidensticker, der vom frech-provozierenden Haudegen, der nahezu nahtlos ins verzweifelt Verschüchterte verfällt und am Ende einen sensiblen Tod zu sterben versteht. Da ist er schon ziemlich vollkommen und seinen Kollegen, naja, eine "Nasenlänge" voraus. Auch gesanglich.

Es wird überhaupt viel gesungen. Volkslied, Musical, Schnulze und Tom Waits, meist solistisch aber auch zu zweit. Auch hier ernten Cyrano und Roxanne mit einer sehr intensiven Ballade zu Recht sehr viel Szenenapplaus.

Cyrano de Bergerac
Wie soll das Herz der Holden erobert werden? Bildrechte: Friederike Lüdde

Sehr gut gefallen hat auch Johannes Arpe, der dem Grafen De Guiche als Bösewicht gibt, was ihm gebührt. Aber in kleinen feinen Nuancen auch andeutet, dass ein Mensch in ihm steckt. Und der junge und wirklich verdammt gutaussehende Oliver Basler, weiß mit diesem Klischee spielerisch gut umzugehen.

Ja und die Roxanne von Laura Bettinger – sie ist gut, aber nicht ganz gut genug, um die schon erwähnte technisierte Abschottung so zu überspielen, wie es ihr immer dann gelingt, wenn sie wirklich mal leise und ganz bei sich ist. So wie im erwähnten gemeinsamen Song mit Cyrano oder, wenn sie ihn am Schluss mit einer ganz eignen Version von "Wo sind die Clowns" betrauert. Und genau in dem Moment, wo es zu tränenrührend wird, schnipst sie mit dem Finger und die Kollegen kommen, wie zu Beginn, wieder durch die sechs Schwingtüren gestürzt, um sich ihren verdienten Applaus abzuholen. Für diesen Sommertheaterspaß, dem man sozusagen mit lockerem Degen den Staub aus dem Mantel geklopft hat.

Die Aufführung "Cyrano de Bergerac"
Romantische Komödie von Edmond Rostand
Deutsch von Frank Günther

Cyrano de Bergerac: Markus Seidensticker
Roxane: Laura Bettinger
Christian de Neuvillette: Oliver Baesler
Regie: Herbert Olschok

Termine:
So, 23.06.2019, 15:00 Uhr | Rudolstadt, Heidecksburg
Fr, 28.06.2019, 19:30 Uhr | Rudolstadt, Heidecksburg
Sa, 29.06.2019, 19:30 Uhr | Rudolstadt, Heidecksburg
So, 30.06.2019, 15:00 Uhr | Rudolstadt, Heidecksburg
So, 30.06.2019, 19:30 Uhr | Rudolstadt, Heidecksburg
So, 07.07.2019, 19:00 Uhr | Bad Lobenstein, Kurpark
Fr, 12.07.2019, 19:30 Uhr | Rudolstadt, Heidecksburg
Sa, 13.07.2019, 15:00 Uhr | Rudolstadt, Heidecksburg
Sa, 13.07.2019, 19:30 Uhr | Rudolstadt, Heidecksburg

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Juni 2019 | 07:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2019, 15:38 Uhr

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