"Die Känguru-Chroniken"-Regisseur Dani Levy: "Die Enthemmung rechtsradikalen Denkens ist gefährlich"

Die Zunahme rechtsradikaler, rassistischer und antisemitischer Auffassungen in Deutschland sorgt den Regisseur Dani Levy ("Alles auf Zucker"). Er will der Lage mit Humor begegnen – einer "wunderbaren Waffe". Aktuell startet in den Kinos sein Film "Die Känguru-Chroniken" nach dem Roman von Marc-Uwe Kling.

Dani Levy registriert besorgt die Zunahme rechtsradikaler, rassistischer und antisemitischer Auffassungen in Deutschland. Das sagte der Regisseur im MDR KULTUR-Gespräch mit Knut Elstermann.

Es findet eine Enthemmung statt, die ist gefährlich. Auch eine Enthemmung rassistische Worte und Aktionen. Eine Enthemmung, die  los zu werden, im Netz, aber auch auf der Straße.

Dani Levy, Regisseur und Schauspieler

Für Levy sei "das Thüringer Debakel" ein Einschnitt im eigenen Denken gewesen. Bisher hätte er sich immer damit beruhigt, dass in anderen europäischen Ländern etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung rechtsradikale Einstellungen hätten – und das in Deutschland bei weitem nicht der Fall sei. Er hätte das Ganze wohl ein wenig auf die leichte Schulter genommen, meinte Levy. Jetzt würde es ihm schon mulmig und er habe das Gefühl, derzeit sei es nicht mehr ungefährlich.

Eine gute Komödie muss Türen für den Dialog öffnen.

Dani Levy

Levy will auf die Situation in Deutschland als Künstler reagieren. Humor sei dabei eine wunderbare Waffe, aber auch ein Mittel für Intelligenz sagte der in Berlin lebende jüdisch-schweizerische Regisseur, der vor allem durch seine Komödien bekannt wurde. Eine gute Komödie gibt zu denken, beflügelt Erkenntnisse und öffnet Türen zum Dialog, so Levy. Sein bisher größter Erfolg  "Alles auf Zucker" kam 2004 ins Kino.

Filmemacher Dani Levy spricht bei einem Pressetermin im Jüdischen Museum.
Dani Levy Bildrechte: dpa

Humor war immer schon – auch im jüdischen Witz natürlich – ein wichtiges Transportmittel, um Beziehungen, die komplex und schwierig und belastet und eingefahren sind, zu lockern und zu verstehen. Und da ist Humor auf jeden Fall ein Mittel, mit dem wir auf die jetzige Zeit reagieren müssen.

Dani Levy

Mit Humor die Auseinandersetzung zu befördern versucht Levy auch in seinem neuesten Film "Die Känguru-Chroniken" nach dem Roman von Marc-Uwe Kling. Der Film ist eine Kombination aus Realfilm und Computeranimation. Er kommt am 5. März 2020 ins Kino.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Februar 2020 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2020, 04:00 Uhr

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