Silhouetten von Personen mit Binärzahlencode
Seit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung vor einem Jahr, dürfen personenbezogene Daten nicht mehr ohne ausdrückliche Zustimmung des Nutzers gespeichert oder weiterverarbeitet werden. Bildrechte: IMAGO

Ein Jahr nach Inkrafttreten Kultureinrichtungen haben kaum Probleme mit DSGVO

Vor einem Jahr trat die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft – begleitet von intensiven Diskussionen. Kultureinrichtungen befürchteten mehr Bürokratie und Strafen. Wie sieht heute die Realität aus? MDR KULTUR hat nachgefragt.

Silhouetten von Personen mit Binärzahlencode
Seit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung vor einem Jahr, dürfen personenbezogene Daten nicht mehr ohne ausdrückliche Zustimmung des Nutzers gespeichert oder weiterverarbeitet werden. Bildrechte: IMAGO

Ein Jahr nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung haben sich die Kultureinrichtungen in Deutschland gut auf die neuen Regeln eingestellt. Das sagte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, MDR KULTUR. Die Umstellung habe für die Theater, Museen, Vereine und Initiativen zwar viel Arbeit bedeutet, große Probleme seien jedoch ausgeblieben. Zimmermann sagte, er wisse weder von privaten Abmahnungen noch von staatlichen Verfahren wegen Datenschutzverstößen. "Das liegt aber auch daran, dass die meisten Kultureinrichtungen sehr gesetzestreu sind und die Vorgaben in einem Kraftakt umgesetzt haben."

Olaf Zimmermann, 2016
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats Bildrechte: dpa

Auch wir im Kulturbereich haben Datenbanken – wenn auch viel kleinere [als Google oder Facebook; Anm. d. Red.]. Trotzdem haben auch unsere Nutzer das Recht, dass ihre sensiblen Daten nicht weitergegeben werden.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats

Zusätzliche Personalkosten durch Datenschutzbeauftragte

Für Museen bedeutete die Einführung der DSGVO das beispielsweise, dass nun ausdrücklich darauf hingewiesen werden muss, wenn in Ausstellungsräumen eine Überwachung mit Videokameras stattfindet. Auch Ausstellungseinladungen dürfen nicht mehr ohne Weiteres verschickt werden – die Adressaten müssen gefragt werden, ob sie Mails vom Museum erhalten wollen. Außerdem musste jedes Museum einen Datenschutzbeauftragten benennen. "Das kostet uns viel Geld", so der Vorsitzende des sächsischen Museumsbundes, Joachim Breuninger. Grundsätzlich begrüßt er die Grundverordnung aber: "Denn es geht darum, dass Daten geschützt werden. Auch wenn es im einzelnen vielleicht mühsam ist, sie zu erfüllen. Das sind Routinen, die sich einfach erst einspielen müssen."

Ein Mann blickt in die Kamera
Joachim Breuninger, Vorsitzender des sächsischen Museumsbundes Bildrechte: Verkehrsmuseum Dresden

Grundsätzlich begrüßen wir die Grundverordnung, denn es geht darum, dass Daten geschützt werden. Auch wenn es im einzelnen vielleicht mühsam ist, sie zu erfüllen. Das sind Routinen, die sich einfach erst einspielen müssen.

Joachim Breuninger, Vorsitzender des sächsischen Museumsbundes

Den erhöhten Administrationsaufwand spüren auch Konzertveranstalter: "Andere Industrieunternehmen haben als Kunden vor allem GmbHs und Aktiengesellschaften, die keine personenbezogenen Daten besitzen – als Kulturveranstalter hat man als Geschäftspartner Künstler und damit Individuen, die sich auf den Schutz ihrer persönlichen Daten berufen, genauso wie das Publikum. Das ist ein größerer Administrationsaufwand", erklärt Johannes Ulbricht, Justiziar des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft.

Die großen Konzertveranstalter hätten mehrere neue Arbeitsplätze geschaffen – die Hauptkosten entstünden allerdings dadurch, dass die gesammelten Künstler- und Kundenadressen nicht mehr genutzt werden konnten. "Allerdings sehen die meisten Veranstalter auch den Nutzen von Datenschutz, denn er führt auch dazu, dass nicht mehr so viel gespamt wird und nur der angesprochen wird, der die Sachen haben will." Auch er hat den Eindruck, dass die Umstellung auf die neue Datenschutzgrundverordnung bislang gut läuft – Abmahnungen oder ähnliches waren ihm auf Nachfrage von MDR KULTUR bekannt.

Weniger Newsletter-Abonnenten

Im Bereich der Öffentlichkeitarbeit hat die DSGVO vorübergehend Einschnitte gebracht. Viele Einrichtungen hätten Newsletter-Abonnenten verloren, so der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Zimmermann Die Abonnenten mussten nach Inkrafttreten der DSGVO erneut zustimmen, weiterhin Info-Mails erhalten zu wollen. Der Deutsche Kulturrat hat dadurch seinem Geschäftsführer zufolge 50 Prozent der Newsletter-Empfänger eingebüßt. "Das heißt: Durch die Datenschutzgrundverordnung ist letztlich das Reservoir derjenigen, die wir mit unseren Informationen versorgen konnten, erst einmal um die Hälfte geschrumpft", erläuterte Zimmermann, "das ist der wirkliche Schaden gewesen."

Datenschutz wird grundsätzlich positiv wahrgenommen

Die neuen Datenschutz-Bestimmungen haben nach Ansicht des Kulturrates auch positive Effekte. Durch die aufgeregte Diskussion im vergangenen Jahr seien viele Kultureinrichtungen für das Thema sensibilisiert worden. Zimmermann sagte, man schaue häufig nur auf große Konzerne wie Facebook oder Google und fordere, dass die ihre User besser schützen sollten. "Aber auch wir im Kulturbereich haben Datenbanken – wenn auch viel kleinere. Trotzdem haben auch unsere Nutzer das Recht, dass ihre sensiblen Daten nicht weitergegeben werden." Das hätte man durch die DSGVO gelernt.

DSGVO-Einführung von vielen Debatten begleitet

Die Datenschutzgrundverordnung trat am 25. Mai 2018 in Kraft. Sie sollte den Datenschutz EU-weit vereinheitlichen und die persönlichen Daten der EU-Bürger besser schützen. Das heißt, Daten, die Personen identifizierbar machen, wie Telefonnummern, Email- Adressen, Bilder oder Standorte dürfen nicht ohne ausdrückliche Zustimmung gespeichert und weiterverarbeitet werden. Verstöße werden mit hohen Geldstrafen von bis zu 20 Millionen Euro geahndet. Der Gesetzgebungsprozess war von intensiven Diskussionen begleitet worden. Kritiker hielten die Verordnung für unübersichtlich und kompliziert. Kleinere Unternehmen, Kultureinrichtungen, Vereine oder Blogger befürchteten mehr Bürokratie und Strafen bei Verstößen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 15. Mai 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2019, 04:00 Uhr

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