Symbolbild Rasterfahndung
Wir produzieren digital täglich neue Daten, oftmals ohne es bewusst mitzubekommen. Bildrechte: IMAGO

Datenschutzgrundverordnung Was bedeutet die DSGVO für Blogger?

Mit der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) soll der Datenschutz endlich auch fit fürs Internet gemacht werden. Am 25. Mai tritt sie in Kraft. Die Verordnung umzusetzen ist allerdings ein Haufen Arbeit, auch für die Betreiber von kleinen Webseiten wie Blogger. Was das bedeutet, hat Kais Harrabi für MDR KULTUR herausgefunden.

Symbolbild Rasterfahndung
Wir produzieren digital täglich neue Daten, oftmals ohne es bewusst mitzubekommen. Bildrechte: IMAGO

Die neue "Datenschutzgrundverordnung" (DSGVO) soll den Nutzerschutz in Europa stärken. Am 25. Mai tritt sie in Kraft. Sie ist 88 Seiten lang und enthält zahlreiche EU-Verordnungen zum konkreten Schutz von Personen und ihren Daten, ebenso zum freien Datenverkehr.

Komplexe Anforderungen

Die neuen Regelungen sollen vor allem für mehr Transparenz sorgen. Momentan sorgen sie vor allem für einen Berg Arbeit, nicht nur bei den großen Unternehmen, wie Facebook oder Amazon. Auch Blogger müssen sich damit auseinandersetzen.

Datenschutz-Grundverordnung, Symbolaufnahme
Einer der Kernpunkte der DSGVO ist die Schaffung von Transparenz bei der Datenverarbeitung. Bildrechte: IMAGO

Eine dieser Bloggerinnen ist Anne-Katrin Hutschenreuter aus Leipzig. Sie bloggt auf ihrer Website annabelle-sagt.de über Lifestyle aus Leipzig. Da fallen nicht viele Daten an, könnte man meinen. Doch auch Anne investiert viel Arbeit in die Umsetzung der neuen Verordnung. Schon mehrere Tage kümmert sie sich um die Umsetzung, immer wenn sie Zeit dafür hat. Sie hat sich Checklisten besorgt, die sie abarbeitet, da ist hier eine Kleinigkeit und dort eine Einstellung zu korrigieren, dann noch einen Text für die Cookie-Abfrage einarbeiten.

Als ich zum ersten Mal die ganze Checkliste gesehen habe, da dachte ich wirklich so … ich hab’s geöffnet und sofort wieder geschlossen und gedacht … ich guck da morgen noch mal rein, weil es einfach viel zu viel war.

Anne-Katrin Hutschenreuter, Bloggerin von annabelle-sagt.de

Anne muss für ihren Blog zum Beispiel genau nachvollziehen können, wo die Daten der Nutzer hingehen, die erhoben werden. Wenn sie zum Beispiel von Google mit dem Dienst Analytics die Seitenbesucher zählen lässt, dann muss sie wissen, welche Daten Google da erhebt, wohin sie geschickt werden und vor allem: Wie man sie im Zweifel auch löschen lassen kann. Ein Datenschutzbeauftragter muss benannt werden, Verträge über die Verarbeitung von Daten müssen geschlossen werden und vieles mehr.

So wie Anne geht es gerade vielen Selbstständigen, Kleinunternehmern und Mittelständlern. Sie arbeiten unter Hochdruck an der Umsetzung der neuen Richtlinien.

Schwierige Umsetzung im Dienst der Nutzer

Umfragen von Technik- und Handelsverbänden ergaben, dass sich viele Unternehmer mit der neuen Verordnung überfordert fühlen. Im April waren es gerade mal 13 Prozent der Kleinfirmen und Mittelständler, die sich technisch und juristisch auf der sicheren Seite wähnten.

Für die Nutzer bedeutet das hingegen mehr Rechte, mehr Transparenz, was mit den Daten geschieht. Und endlich das Recht, große, internationale Plattformen auch vor deutsche Gerichte zu bringen.

Es gibt natürlich auch viele Blogger, die bisher eigentlich ganz glücklich waren, dass sie sich damit nicht beschäftigen mussten, die einfach mal von amerikanischen Diensten die Services eingebunden haben, die sich keine Gedanken darüber gemacht haben, wo jetzt eigentlich die Daten der Leser hingehen.

Netzpolitik-Aktivist Markus Beckedahl
Nach Einbruch der Dunkelheit sitzt ein Angestellter in seinem Büro am Schreibtisch
Die DSGVO soll einen besseren Schutz für Bürgerinnen und Bürger bringen. Bildrechte: IMAGO

Transparenz ist vielleicht sogar die größte Errungenschaft der neuen Datenschutzgrundverordnung. Denn bisher - das haben zahlreiche Skandale gezeigt - war oft undurchsichtig, wer wie an welche Daten kommt.

Für Nutzer ist die neue Datenschutzgrundverordnung ein Triumph. Für jeden, der eine Website hat allerdings einer mit einem leichten Nachgeschmack. Vieles ist rechtlich einfach noch nicht abschließend geklärt.

Nur ein Beispiel: Was passiert, wenn man ein Foto von einer Menschenmenge schießt? Muss man die Einwilligung eines jeden einzelnen einholen, oder nicht? Viele Seitenbetreiber fürchten deswegen eine neue Abmahnwelle. Ein Ansporn, die neue DSGVO auch wirklich umzusetzen:

Also ich finde es gut, dass wir endlich mal unser Datenschutzrecht reformieren. Das bestehende Recht ist über 20 Jahre alt, kommt noch teilweise aus der Zeit bevor das Internet populär wurde.

Netzpolitik-Aktivist Markus Beckedahl

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Mai 2018 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2018, 12:24 Uhr