Kulturpalast des VEB Maxhütte Unterwellenborn
Der Kulturpalast des VEB Maxhütte im thüringischen Unterwellenborn. Bildrechte: Verein Kulturpalast Unterwellenborn, R. Ensenbach

Architektur trifft Kultur Was wurde aus den Kulturhäusern der DDR?

Ob Leuna, Unterwellenborn oder Rabenstein – in der DDR wurden rund 2.000 Kulturhäuser und sogenannte Arbeiterclubs erbaut oder in bestehenden Villen und Saalbauten eingerichtet. Sie galten als kultureller Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger. In den oft pompösen Gebäuden waren Theatersäle, Restaurants oder Bibliotheken untergebracht. Viele dieser Kulturpaläste werden noch heute genutzt, anderen droht der Verfall. Hier eine Übersicht über Kulturpaläste in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Kulturpalast des VEB Maxhütte Unterwellenborn
Der Kulturpalast des VEB Maxhütte im thüringischen Unterwellenborn. Bildrechte: Verein Kulturpalast Unterwellenborn, R. Ensenbach

Kulturhäuser in Thüringen

Kulturhaus Suhl

Außenansicht des Suhler Kulturhauses
Das Suhler Kulturhaus wurde zwischen 1955 und 1957 erbaut. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Das Kulturhaus "7. Oktober" in Suhl wurde von dem Architekten Hermann Räder gebaut. Durch den Neubau der Suhler Stadthalle im Jahr 1972 verlor das Kulturhaus über die Jahre immer mehr an Bedeutung. Vor einigen Jahren wurden große Teile des Gebäudes abgerissen und umgebaut. Heute ist nur noch das Portalgebäude erhalten. Dort soll in Zukunft das Stadtarchiv untergebracht werden.

Kulturpalast Unterwellenborn

Kulturpalast des VEB Maxhütte Unterwellenborn
Der Kulturpalast des VEB Maxhütte im thüringischen Unterwellenborn. Bildrechte: Verein Kulturpalast Unterwellenborn, R. Ensenbach

Der Kulturpalast Unterwellenborn wurde in den 50er-Jahren für den kulturellen Zeitvertreib der Beschäftigten des ehemaligen Stahl- und Walzwerks "Maxhütte" gebaut. In der Hochzeit fanden in dem neoklassizistischen Gebäude regelmäßig Konzerte und Theateraufführungen statt. Nach der Wende wurde der Kulturpalast an einen privaten Käufer veräußert. Seit 2013 setzt sich der Verein Kulturpalast Unterwellenborn e. V. für die kulturelle Wiederbelebung des Kulturhauses ein.

Volkshaus Jena

Volkshaus Jena
Das Volkshaus Jena ist seit 1993 Sitz der Philharmonie. Bildrechte: imago images / Schöning

Das Volkshaus Jena wurde 1903 im Jugendstil gebaut. In der DDR wurde das Volkshaus vor allem als Kulturhaus des VEB Carl Zeiss Jena genutzt. Heute sind in dem Gebäude unter anderem die Jenaer Philharmoniker untergebracht. Seit 1992 haben die Stadt Jena und das Land Thüringen mehrere Millionen Euro in die Sanierung investiert.

Festhalle Ilmenau

Festhalle Ilmenau
Festhalle Ilmenau Bildrechte: imago images / imagebroker

Die Festhalle in Ilmenau hat eine bewegte Geschichte: Der Bau aus den späten 30er-Jahren wurde während des Zweiten Weltkriegs an die Wehrmachtsverwaltung übergeben und war bis 1945 ein Lazarett. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Haus der US-Armee als Speiseraum und Casino. Nach einem Brand wurde die Halle 1995 aufwendig saniert. Heute finden in der Festhalle Konzerte, Vorträge und Messen statt.

Kulturhaus Geisa

Kulturhaus in Geisa
Kulturhaus in Geisa Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder

Das Kulturhaus in Geisa im Südwesten Thüringens wurde in den Jahren 1953/54 erbaut. Kernstück des Gebäudes ist der große Saal mit über 500 Sitzplätzen und einer Bühne. Das Kulturhaus wird heute immer noch regelmäßig genutzt, vor allem zur Karnevalszeit finden hier zahlreiche Veranstaltungen statt.


Kulturhäuser in Sachsen

Kulturpalast Chemnitz-Rabenstein

Kulturpalast in Chemnitz
Der Kulturpalast in Chemnitz-Rabenstein wird seit der Jahrtausendwende nicht mehr genutzt. Bildrechte: Udo Egelkraut

1950 wurde der Kulturpalast nach dem Vorbild des Moskauer Bolschoi-Theaters errichtet. Das Gebäude beherbergte einen großen Theatersaal mit über 900 Plätzen und einen zweiten großen Saal für Tanzveranstaltungen. Außerdem ein Café, ein Restaurant und eine Bar. Schnell entwickelte sich der Kulturpalast zum kulturellen Treffpunkt vieler Chemnitzer. Träger des Kulturpalastes war das Bergbauunternehmen SAG Wismut. Heute steht das denkmalgeschützte Haus leer.

Kulturhaus "Neue Welt" Zwickau

Der große und prachtvolle Saal des Konzert- und Ballhauses mit umlaufenden Galerien hat Platz für 3.000 Gäste. Der Saal mit seinen fünf Terrassen ist mit zahlreichen Jugendstilornamenten und Kristallspiegeln verziert. Mitte der 80er-Jahre wurde der 1903 erbaute Veranstaltungsort restauriert. Der Festsaal wird heute regelmäßig für Konzerte genutzt.

Festspielhaus Dresden-Hellerau

Festspielhaus Hellerau
Festspielhaus Hellerau Bildrechte: imago/Hanke

Das Festspielhaus wurde 1911 als Bildungsanstalt für Rhythmik nach Plänen des Architekten Heinrich Tessenow gebaut. Während des Nazi-Regimes wurde das Festspielhaus als Polizeischule und Kaserne genutzt. In der DDR geriet das Haus beinahe in Vergessenheit. Heute ist das vollständig sanierte Festspielhaus ein wichtiges Zentrum für zeitgenössischen Tanz und Musik. Seit 2009 finden hier ganzjährig Vorführungen statt.

Kulturhaus Bischofswerda

Kulturhaus in Bischofswerda
Das Kulturhaus in Bischofswerda hatte Platz für 800 Personen. Bildrechte: imago/Torsten Becker

Das Kulturhaus in Bischofswerda wurde 1837 ursprünglich als Schützenhaus erbaut. Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude immer wieder saniert und umgebaut. In der DDR war es Treffpunkt und Veranstaltungsort. Seit mehreren Jahren steht der Komplex leer und verfällt. Aktuell wird über zukünftige Nutzungsmöglichkeiten des Bischofswerdaer Kulturhauses nachgedacht.

Lausitzhalle in Hoyerswerda

Lausitzhalle in Hoyerswerda
Lausitzhalle in Hoyerswerda Bildrechte: dpa

Das Gebäude wurde 1984 als Betriebskulturhaus des VEB Gaskombinat "Schwarze Pumpe" eröffnet. Heute sind unter anderem die Musikschule und die Volkshochschule in der Lausitzhalle untergebracht. Das Orchester Lausitzer Braunkohle, das Ballett und verschiedene Chöre proben regelmäßig in den Räumen des ehemaligen Kulturhauses. Pro Jahr finden über 200 Veranstaltungen in der Lausitzhalle statt.


Kulturhäuser in Sachsen-Anhalt

Kulturhaus Leuna

Kulturhaus Leuna
Kulturhaus Leuna Bildrechte: IMAGO

Das Kulturhaus Leuna wurde als Gesellschaftshaus der BASF-Werke errichtet. In der DDR erlebte es seine große Zeit. Als "Klubhaus der Werktätigen" bot es der Belegschaft des VEB Leuna-Werke viele Möglichkeiten für kulturelle Aktivitäten. Nach der Wende wurde das Gebäude als "cCe Kulturhaus Leuna" wiederbelebt und beherbergt heute unter anderem ein Restaurant, eine Kunstgalerie und wird für die unterschiedlichsten Veranstaltungen genutzt.

Kulturhaus "AMO" Magdeburg

AMO Kultur- und Kongresshaus in Magdeburg
AMO Kultur- und Kongresshaus in Magdeburg Bildrechte: dpa

Das AMO im Namen steht für "Allgemeine Militär Organisation", eine Verwaltung großer, unter sowjetischer Verwaltung stehender Betriebe. Früher war das Schwermaschinenbaukombinat "Ernst Thälmann" Träger des Kulturhauses, das 1951 fertiggestellt wurde. Heute befinden sich im Inneren ein großer Saal mit über 900 Sitzplätzen, ein kleinerer Ballett- und ein Musiksaal.

Kulturpalast Bitterfeld

Bitterfelder Kulturpalast
Der Kulturpalast in Bitterfeld hat seine Blütezeit lange hinter sich. Bildrechte: imago images / Scherf

Der Kulturpalast "Wilhelm Pieck" ist ein neoklassizistischer Bau aus den 50er-Jahren. Das Gebäude diente den Mitarbeitern des Chemiekombinats Bitterfeld als kulturelles Zentrum. Sogar Udo Jürgens kam nach Bitterfeld und sang im Kulturpalast. Seit 2015 ist das Gebäude geschlossen. Immer wieder wird über den Abriss nachgedacht.

Kulturhaus Kalbe/Milde

Kulturhaus Kalbe
Kulturhaus Kalbe Bildrechte: Touristinformation Kalbe (Milde)

Das Kulturhaus in Kalbe wurde 1956 eröffnet. Einem Gerücht zufolge sollte das Kulturhaus damals in Calbe an der Saale und nicht in Kalbe an der Milde gebaut werden. Wegen der Namensverwechslung soll die kleinere Stadt Kalbe zu dem großen Kulturhaus gekommen sein. Heute ist in dem Gebäude die Stadtbibliothek untergebracht, außerdem finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Bestehornhaus Aschersleben

Bestehornhaus in Aschersleben
Bestehornhaus in Aschersleben Bildrechte: dpa

Im Jahr 1908 wurde die Kultur- und Tagungsstätte Bestehornhaus Aschersleben erbaut. Richard und Otto Bestehorn waren reiche Fabrikantenbrüder und finanzierten zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Bau des Kulturhauses. 1991 wurde das Gebäude umfangreich saniert.

Audios

Kulturpalast des VEB Maxhütte Unterwellenborn  Bitte aus dem Tagesordner/Denkmal das Bild  Kulturpalast Unberwellenborn 4 min
Bildrechte: Verein Kulturpalast Unterwellenborn, R. Ensenbach

Jörg Sobiella über ein DDR-Prestigeobjekt in Thüringen, das 1955 eingeweiht und noch heute bespielt wird, und vor allem auch mit seiner architektonischen Prachtentfaltung glänzt.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 04.10.2019 18:05Uhr 04:23 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Das Kulturhaus Leuna 5 min
Bildrechte: IMAGO

Vor 90 Jahren als Gesellschaftshaus der BASF-Werke errichtet, erlebte das Haus in der DDR seine große Zeit und wurde nach der Wende als CC Kulturhaus Leuna wiederbelebt. Wolfgang Schilling war vor Ort.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 04.10.2019 18:05Uhr 04:32 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Kulturpalast Dresden 4 min
Bildrechte: IMAGO
Burg Rabenstein in Chemnitz 5 min
Bildrechte: IMAGO

Am Stadtrand von Chemnitz wurde 1950 einer der ersten Kulturpaläste der DDR eröffnet, doch heute bietet sich rund um den ehemaligen "Kulturpark der Werktätigen" ein Bild des Grauens. Ulrike Thielmann war dort.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 04.10.2019 18:05Uhr 05:23 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

AUCH INTERESSANT

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR Kultur Spezial | 04. Oktober 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2019, 04:00 Uhr