Eine marode Kapelle
Blick in die marode Kapelle von Schloss Reinhardsbrunn Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Enteignung von Schloss Reinhardsbrunn Keine weiteren Denkmalenteignungen in Mitteldeutschland geplant

Eine marode Kapelle
Blick in die marode Kapelle von Schloss Reinhardsbrunn Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nachdem das Land Thüringen die Besitzer von Schloss Reinhardsbrunn enteignet hat, plant das Land vorerst keine weiteren Enteignungen. Das teilte der Landeskonservator Holger Reinhardt auf Anfrage von MDR KULTUR mit. Es gebe kein Objekt mehr von der Bedeutung wie Reinhardsbrunn, das sich nicht bereits oder bald in öffentlicher Hand befinde.

Auch in Sachsen-Anhalt sieht man von einem solchen Schritt ab - auch wenn es einige Sorgenkinder unter den denkmalgeschützten Gebäuden gebe, wie Landeskonservatorin Ulrike Wendland erklärte. Ihre sächsische Kollegin, Rosemarie Pohlack, sagte, im Freistaat habe man nur einmal vom Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht - beim Zinzendorfschloss Berthelsdorf. Das werde jetzt von einem Verein betreut. Sie halte das auch für die bessere Variante als eine Enteignung.

Gerade bei den Schlössern, die ja sehr prägend sind und einen hohen identitätsstiftenden Charakter haben, merken wir zunehmend, dass eine Öffentlichkeit wütend wird, dass sich auch Bürger sagen, wir wollen nicht, dass vor unseren Augen dieses Schloss verfällt, weil jemand nicht mehr handlungsfähig ist. Da müssen wir natürlich [...] entsprechend als Behörden möglichst reagieren.

Ulrike Wendland, Landeskonservatorin Sachsen-Anhalt

Denkmalgeschützte Sorgenkinder auch in Sachsen-Anhalt

Auch in Sachsen-Anhalt gibt es Sorgenkinder bei den denkmalgeschützten Gebäuden, zum Beispiel Schloss Vitzenburg im Saalekreis oder die Rammelburg bei Mansfeld. Das teilte die Landeskonservatorin Ulrike Wendland auf Nachfrage von MDR KULTUR mit. Eine Enteigung der Eigentümer, wie kürzlich in Thüringen, sei aber nicht geplant. Trotzdem sei der Vorgang im Nachbarbundesland beispielhaft, weil die Behörden in Thüringen planvoll und schrittweise vorgegangen seien, so Ulrike Wendland. Dennoch solle man mit so schweren Eingriffen in das Eigentumsrecht auch vorsichtig sein, sagt sie: "Das sollte man auch immer nur soweit tun, wie es für den Erhalt des Denkmals wirklich notwendig ist. Insofern muss das immer wieder ein neuer und fairer Abwegungsprozess im Einzelfall sein."

So sieht es in und rund um Schloss Reinhardsbrunn aus

Mit Brettern an Fenstern und Türen will man Schloss Reinhardsbrunn vor dem Verfall und Vandalismus schützen
Schloss Reinhardsbrunn im Landkreis Gotha. Bretter sollen Vandalen abhalten. Bildrechte: MDR/Björn Pollok
Mit Brettern an Fenstern und Türen will man Schloss Reinhardsbrunn vor dem Verfall und Vandalismus schützen
Schloss Reinhardsbrunn im Landkreis Gotha. Bretter sollen Vandalen abhalten. Bildrechte: MDR/Björn Pollok
Schloss Reinhardsbrunn
Ein guter Rapunzel-Turm. Doch hier lässt schon lange niemand sein Haar herunter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Korridor mit fehlenden Bodendielen
Denn im Inneren sieht es wüst aus. Im Gang im Haupthaus fehlen zum Beispiel die Dielen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Farbe blättert von einer Wand und einem Treppengeländer
Frischer Anstrich allein reicht hier nicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Farbe blättert von einer Wand
Im Haupthaus blättert Farbe überall von Geländern und Wänden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Raum mit fehlenden Bodendielen
Die Tapete schält sich von den Wänden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Raum mit fehlenden Bodendielen
Im Boden klaffen große Löcher. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Farbe blättert von der Decke eines unverputzten Raumes
Im Haupthaus war einst der Speisesaal eines Hotels untergebracht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein gelbes Schild mit der Aufschrift "Reisebüro DDR"
Von den Luxus-Bädern im gutgehenden Hotel ist nicht mehr viel übrig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick durch ein Fenster auf einen Flügel von Schloss Reinhardsbrunn
Die Aussichten aus und für Schloss Reinhardsbrunn sind trübe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein dunkler Korridor auf Schloss Reinhardsbrunn
Tapete ab, Türen beschädigt - aber der Kronleuchter zeigt, dass es mal bessere Zeiten gab. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Decke eines Saales auf Schloss Reinhardsbrunn
Letzter Glanz: Sieht schöner aus, als es in Wirklichkeit ist. Zeugnisse von einstigem Prunk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Saal auf Schloss Reinhardsbrunn
Hier etwa muss es einmal unheimlich gemütlich gewesen sein, davon zeugt der Kamin im Haupthaus. Er war für die Vandalen wohl zu schwer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein maroder Saal
Die Reste der Wand- und Deckenmalerei zeugen von hoher Handwerkskunst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Decke in der Ecke eines Zimmers zeigt Schäden
Doch die kunstvolle Decke droht einzubrechen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Schild mit der Aufschrift "Einsturzgefahr Betreten verboten" an einem Bauzaun
Auch deshalb gilt seit Herbst 2014: Abstand halten. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. August 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2018, 08:59 Uhr

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