Der Schauspieler Horst Tappert als Oberinspektor Stephan Derrick.
Horst Tappert war Oberinspektor Stephan Derrick Bildrechte: dpa

Erste Folge vor 45 Jahren Wie die Serie "Derrick" die ganze Welt eroberte

Obwohl – oder auch weil – der ZDF-Serie "Derrick" oft Mittelmäßigkeit vorgeworfen wurde, war sie nicht nur in Deutschland ein großer Erfolg. Gezeigt wird sie hier nicht mehr. Das habe aber nichts mit Horst Tappert Waffen-SS-Vergangenheit zu tun, hieß es beim ZDF. Am 20. Oktober 1974, vor 45 Jahren, lief die erste Folge der Krimi-Serie.

Der Schauspieler Horst Tappert als Oberinspektor Stephan Derrick.
Horst Tappert war Oberinspektor Stephan Derrick Bildrechte: dpa

Derrick gebe allen ein gutes Gefühl, lasse er doch "in jedem von uns die Mittelmäßigkeit wieder aufblühen“, hat Umberto Eco einmal gesagt. Man muss nicht mit ihm übereinstimmen, aber Fakt ist: die Serie war ein riesiger Erfolg. In über 281 Folgen haben Oberinspektor Stephan Derrick und sein Partner Harry Klein ermittelt,  ausgestrahlt von 1974 bis 1998. Und was ging in "Derrick"-Darsteller Horst Tappert nach dem letzten Dreh vor? "Endlich. Endlich ist´s vorbei. Gott sei Dank", sagte er.

Originalität des Wetterberichts

In der ersten Episode wird einem Lehrer das Handwerk gelegt, der junge Frauen tötet. Sehr überzeugend dargestellt von Wolfgang Kieling. Auch wenn der Spiegel alsbald die neue ZDF-Krimiserie geradezu vernichtet, den Plots die "Raffinesse einer Lotto-Ausspielung" und den Dialogen die Originalität des Wetterberichts zubilligt, das Publikum fühlt sich angesprochen.

Szene mit Horst Tappert und Fritz Wepper
Horst Tappert und Fritz Wepper als Derrick und Harry Bildrechte: imago images / United Archives

Horst Tappert muss den Erfolg seiner durchaus mit einem sarkastischen Zug ausgestatteten und wahrlich nicht extrovertierten Figur dann häufig erklären. "Nun, ich hab diesen Zustand des ruhigen, psychologischen Beamten eingeführt und einen Polizisten, der nie triumphiert, wenn er den Täter nun wirklich ermittelt hat, der eigentlich immer so ein bisschen Depressionen hat, dem wieder ein Stück von einer positiven Illusion verloren gegangen ist", sagt Tappert. "Der denkt doch die Welt könnte besser sein, sie müsste besser sein."

Keine vorbestimmten Mödertypen

Die Serie ist eine Schöpfung von Herbert Reinecker. Er hat 1969 schon den "Kommissar" ins Rennen geschickt. Gern wirft er in seinen Fällen einen Blick hinter die bürgerlichen Fassaden. "Das normale Verbrechen, der Berufsverbrecher, der interessiert mich eigentlich viel weniger", sagt Reinecker. "Mich interessieren die Fälle, wo der Täter fast nicht zu den vorbestimmten Mördertypen gehört."

Aushängeschild der Bundesrepublik

Dietrich Haugk, Fritz Wepper, Hans Burners, Horst Tappert, Herbert Bötticher und Frank Hoffmann.
Hat Harry schon mal den Wagen geholt? Bildrechte: imago/United Archives

Nicht nur in Deutschland fasziniert die Serie. Sie erobert tatsächlich den Erdball. Indien, Australien, Frankreich, die Sowjetunion – überall ermittelt Derrick. Italienerinnen küren Tappert hinter Marcello Mastroianni einmal zum Mann mit dem größten Sex-Appeal, in China dient die Serie Polizisten als Anschauungsmaterial. Gerne wird Derrick als Aushängeschild der Bundesrepublik bezeichnet. Davon hält Tappert wenig: "Nationale Geschichten spielen keine Rolle", sagt der Schauspieler. "Und ich denke nicht, dass ich für Deutschland stehe. Ich stehe für eine anständige Grundhaltung im Menschen."  

2016 wurde in den Medien noch einmal vehement rund um die Serie diskutiert: 2013 war Tapperts einstige Mitgliedschaft in der Waffen-SS bekannt geworden, darum sei "Derrick" beim ZDF nun für immer verbannt, hieß es. Das ZDF bestritt diesen Schritt, es seien schlicht keine Wiederholungen geplant gewesen. Bis heute ist "Derrick" im "Zweiten" nicht wieder aufgetaucht.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Oktober 2019 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2019, 04:00 Uhr

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