Helga Weyhe
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Auszeichnung für Helga Weyhe aus Salzwedel Deutschlands älteste Buchhändlerin: Buchhandlungspreis für Lebenswerk

Helga Weyhe, 95, ist die älteste noch aktive Buchhändlerin Deutschlands. Nun wird sie mit dem Deutschen Buchhandlungspreis geehrt, der damit in diesem Jahr erstmals auch als Sonderpreis für langjährige und herausragende Verdienste um den deutschen Buchhandel verliehen wird.

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Ein Hauch von Zeitgeschichte

Helga Weyhe hat eine Lebensgeschichte, die selbst fast wie ein Roman anmutet. Eines hat sie dabei stets bewiesen: Haltung. In Salzwedel betreibt sie ihr Geschäft, das seit 1871 in Familienbesitz ist. Schon Vater und Großvater hatten sich der Literatur verschrieben - zunächst in Halle, später in der altmärkischen Hansestadt, wo die Familie das Fachwerkhaus erwarb, in dem der Laden mit seinen mehr als hundert Jahre alten Regalen noch immer existiert.

In Zeiten, da Großbuchhandlungen mit grenzenlosem Angebot locken und die nächste Lektüre sowieso nur einen Mausklick entfernt ist, wirkt der schummrige Laden von Helga Weyhe mit seinen 100 Jahre alten Regalen wie ein Fossil, ein Spitzweg-Gemälde. Bis heute steht die resolute Inhaberin des Jahrgangs 1922 selbst hinter der Ladenkasse.

Wenn ich mal die Faxen dicke hatte, dann musste ich nur in den Fontane kucken, und dann wusste ich wieder, wo ich lebte. Das ist eine eiserne Ration. Fontane immer.

Helga Weyhe

Bücher als Überlebens-Mittel

Als junges Mädchen träumte Weyhe davon, bei ihrem Onkel in Amerika zu arbeiten, der in New York eine berühmte Kunstbuchhandlung betrieb. Doch dann kamen die Nazis und der Krieg, später der Kalte Krieg und der Mauerbau.

Die Buchhändlerin litt unter der verordneten Enge im "Leseland" - aber sie fühlte sich nie gebunden. Bis 1961 reiste sie viel und auf oft abenteuerlichen Wegen. Als Rentnerin besuchte sie endlich auch die Tochter ihres inzwischen verstorbenen Onkels. 1991 musste dessen Geschäft in der Lexington Avenue einer Bäckereikette weichen.

Auszeichnung für engagierten Literaturhandel

Der insgesamt mit über 800.000 Euro dotierte Deutsche Buchhandlungspreis wird seit 2015 an inhabergeführte deutsche Buchhandlungen verliehen, die ein anspruchsvolles und vielseitiges literarisches Sortiment und ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, innovative Geschäftsmodelle verfolgen und sich für die Lese- und Literaturförderung engagieren. Es gibt drei Kategorien mit Preisgeldern zu 25.000 Euro (drei Buchhandlungen), 15.000 Euro (fünf Buchhandlungen) und 7.000 Euro (insgesamt an 100 Buchhandlungen). Die Auszeichnung für das Lebenswerk erfolgt in erstmals in diesem Jahr.

Ausgelobt wird die Auszeichnung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters, in Partnerschaft mit der Kurt-Wolff-Stiftung und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. Die Preisverleihung findet am 31. August in Hannover statt.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Feature: "Eigentlich bin ich in der Lexington Avenue aufgewachsen"
Ein Besuch bei Helga Weyhe, Deutschlands ältester Buchhändlerin
26.08.2017 | 19:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2017, 13:19 Uhr