Auszeichnung Deutscher Buchpreis 2019 für Saša Stanišić

Der Deutsche Buchpreis 2019 geht an Saša Stanišić. Der 1978 in Višegrad geborene deutsch-bosnische Autor bekommt die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für seinen Roman "Herkunft". Das gab die Jury am Montagabend bei der Preisverleihung im Kaisersaal des Frankfurter Römer bekannt. Ein "Selbstporträt mit Ahnen" werde zum Roman eines "Europas der Lebenswege", betonte die Jury in ihrer Begründung. In seinem autobiografisch angelehnten Roman erzählt Stanišić teils augenzwinkernd und auch mit Ernst seine Familiengeschichte.

Mit viel Witz setzt er den Narrativen der Geschichtsklitterer eine eigene Geschichte entgegen.

Aus der Jurybegründung

In seiner Dankesrede sagte Stanišić, dass er sich zwar "immens über diesen Preis" freue, diese Freude jedoch geschmälert werde durch die Auszeichnung Peter Handkes mit dem Literaturnobelpreis. Einen Großteil seiner Redezeit nutzte Stanišić für eine Erläuterung seiner Ablehnung des österreichischen Schriftstellers.

Handke ist wegen seiner kontroversen politischen Haltung zu den Jugoslawienkriegen umstritten. Schon seit der Bekanntgabe von Handkes Auszeichnung brachte der aus Bosnien und Herzegowina stammende Schriftsteller Stanišić seinen Unmut darüber auf Twitter zum Ausdruck.

Über den Autor Saša Stanišić

Stanišić wurde 1978 in Višegrad, Ex-Jugoslawien, geboren und musste im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie vor dem bosnischen Bürgerkrieg nach Deutschland fliehen. Er hat in Heidelberg und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studiert. Sein teilweise autobiografischer Debütroman "Wie der Soldat das Grammofon reparierte" erschien 2006, sein zweiter Roman "Vor dem Fest" wurde 2014 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Stanišić hat diverse Literaturpreise und Stipendien erhalten, unter anderem den Adelbert-von-Chamisso-Preis und den Alfred-Döblin-Preis.

Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2019

  • Raphaela Edelbauer, "Das flüssige Land" (Klett-Cotta, August 2019)
  • Miku Sophie Kühmel, "Kintsugi" (S. Fischer, August 2019)
  • Tonio Schachinger, "Nicht wie ihr" (Kremayr & Scheriau, September 2019)
  • Norbert Scheuer, "Winterbienen" (C.H.Beck, Juli 2019)
  • Saša Stanišić, "Herkunft" (Luchterhand, März 2019)
  • Jackie Thomae, "Brüder" (Hanser Berlin, August 2019)

Wichtige Auszeichnung

Mit dem Deutschen Buchpreis wird seit 2005 der beste deutschsprachige "Roman des Jahres" ausgezeichnet. Der Preis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Branche. Neben einem Preisgeld von 25.000 Euro winkt dem Gewinner in der Regel ein Platz auf der Bestsellerliste. Die fünf neben dem Gewinner nominierten Autoren der Shortlist erhalten je 2.500 Euro. Der Deutsche Buchpreis wird zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verliehen.

In diesem Jahr haben 105 deutschsprachige Verlage (77 davon mit Sitz in Deutschland, 15 in Österreich und 13 in der Schweiz) insgesamt 173 Titel für die Auszeichnung vorgeschlagen. Die Jury bestand 2019 aus Petra Hartlieb, Hauke Hückstädt, Björn Lauer, Jörg Magenau, Alf Mentzer, Daniela Strigl und Margarete von Schwarzkopf.

Bisherige Preisträger des Deutschen Buchpreises
Jahr Autor Roman
2018 Inger-Maria Mahlke "Archipel"
2017 Robert Menasse "Die Hauptstadt"
2016 Bodo Kirchhoff "Widerfahrnis
2015 Frank Witzel "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969"
2014 Lutz Seiler "Kruso"
2013 Terèzia Mora "Das Ungeheuer"
2012 Ursula Krechel "Landgericht"
2011 Eugen Ruge "In Zeiten des abnehmenden Lichts"
2010 Melinda Nadj Abonji "Tauben fliegen auf"
2009 Kathrin Schmidt "Du stirbst nicht"
2008 Uwe Tellkamp "Der Turm"
2007 Julia Franck "Die Mittagsfrau"
2006 Katharina Hacker "Die Habenichtse"
2005 Arno Geiger "Es geht uns gut"

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Oktober 2019 | 20:00 Uhr

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