"Roman des Jahres" Deutscher Buchpreis 2018: Das ist die Longlist

Die Liste der Nominierten für den Deutschen Buchpreis steht fest. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. am Dienstag bekannt. In einer ersten Runde hat die Jury in Frankfurt 20 Bücher nominiert.

Arno Geiger
Arno Geiger war der erste, der den Deutschen Buchpreis erhalten hat. Jetzt ist er für den Buchpreis 2018 nominiert. Bildrechte: dpa

Bekannte Autoren wie Arno Geiger oder Angelika Klüssendorf haben Chancen auf die renommierte Auszeichnung. Auch Anja Kampmann und Matthias Senkel haben es in die Vorauswahl geschafft - sie waren mit ihren Büchern bereits für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 nominiert. Auf der Longlist steht zudem die aktuelle Stadtschreiberin von Magdeburg, Inger-Maria Mahlke. Unter den Nominierten für den Deutschen Buchpreis finden sich insgesamt zwölf Autorinnen (2017: sieben) und acht Autoren (2018: dreizehn). Für die Auswahl wurden 199 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2017 und dem 11. September 2018 erschienen sind oder noch erscheinen.

Das sind die Nominierten

  • Carmen-Francesca Banciu: Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! (PalmArtPress, März 2018)
  • María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten (S. Fischer, August 2018)
  • Maxim Biller: Sechs Koffer (Kiepenheuer & Witsch, September 2018)
  • Susanne Fritz: Wie kommt der Krieg ins Kind (Wallstein, März 2018)
  • Arno Geiger: Unter der Drachenwand (Carl Hanser, Januar 2018)
  • Nino Haratischwili: Die Katze und der General (Frankfurter Verlagsanstalt, August 2018)
  • Franziska Hauser: Die Gewitterschwimmerin (Eichborn, Februar 2018)
  • Helene Hegemann: Bungalow (Hanser Berlin, August 2018)
  • Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser steigen (Carl Hanser, Januar 2018)
  • Angelika Klüssendorf: Jahre später (Kiepenheuer & Witsch, Januar 2018)
  • Gert Loschütz: Ein schönes Paar (Schöffling & Co., Februar 2018)
  • Inger-Maria Mahlke: Archipel (Rowohlt, August 2018)
  • Gianna Molinari: Hier ist noch alles möglich (Aufbau, Juli 2018)
  • Adolf Muschg: Heimkehr nach Fukushima (C.H.Beck, Juli 2018)
  • Eckhart Nickel: Hysteria (Piper, September 2018)
  • Josef Oberhollenzer: Sültzrather (Folio, März 2018)
  • Susanne Röckel: Der Vogelgott (Jung und Jung, Februar 2018)
  • Matthias Senkel: Dunkle Zahlen (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2018)
  • Stephan Thome: Gott der Barbaren (Suhrkamp, September 2018)
  • Christina Viragh: Eine dieser Nächte (Dörlemann, Februar 2018)

Mehrstufiger Auswahlprozess

Christine Lötscher, Paul Jandl, Marianne Sax, Christoph Bartmann, Tanja Graf, Uwe Kalkowski und Luzia Braun
Jury des Deutschen Buchpreis 2018, v.l.n.r.: Christine Lötscher (Jurysprecherin/freie Kritikerin), Paul Jandl (freier Literaturkritiker), Marianne Sax (ehemalige Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes), Christoph Bartmann (Goethe-Institut Warschau), Tanja Graf (Literaturhaus München), Uwe Kalkowski (Literaturblog "Kaffeehaussitzer"), Luzia Braun (ZDF, Redakteurin "Das literarische Quartett") Bildrechte: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V./Monique Wüstenhagen

Im nächsten Schritt wählt die Jury aus den Titeln der Longlist sechs Romane für die Shortlist aus, die am 11. September 2018 bekannt gegeben wird. Die Preisverleihung findet zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 8. Oktober 2018 statt.

Jurysprecherin und freie Literaturkritikerin Christine Lötscher sagte zur Bekanntgabe der Namen: "Die Lage der Welt scheint den deutschsprachigen Autorinnen und Autoren auf den Nägeln zu brennen: Wie ist die Welt zu dem geworden, was sie heute ist? Wie hängt alles zusammen, und welche Geschichten lassen sich darüber erzählen? Ihre Romane versuchen diese Fragen in der ganzen poetischen Tiefe auszuloten, indem sie ihre Figuren als Reisende, Suchende oder Vertriebene ihre Vergangenheit und Gegenwart erkunden lassen. Die Vielfalt der literarischen Formen hat die Jury begeistert: Es gibt große historische, aber auch verspielt fantastische Weltentwürfe, ebenso wie Texte, die eine radikale Reduktion der Perspektive suchen, bis auf den Nullpunkt des Erzählens."

Bedeutendste Auszeichnung der Branche

Der Deutsche Buchpreis gilt als wichtigste Auszeichnung in der Branche und wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 vergeben. Mit dem Preis wird der beste deutschsprachige "Roman des Jahres" ausgezeichnet.

Neben einem Preisgeld von 25.000 Euro winkt dem Gewinner in der Regel ein Platz auf der Bestsellerliste. Die fünf anderen Nominierten, die es bis auf die Shortlist schaffen, erhalten je 2.500 Euro. Im vergangenen Jahr gewann Robert Menasse den Preis für seinen Roman "Die Hauptstadt". Zu den bisherigen Preisträgern gehören auch Bodo Kirchhoff (2016, "Widerfahrnis), Frank Witzel (2015, "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969"), Lutz Seiler (2014, "Kruso"), Terèzia Mora (2013, "Das Ungeheuer"), Ursula Krechel (2012, "Landgericht"), Eugen Ruge (2011, "In Zeiten des abnehmenden Lichts"), Melinda Nadj Abonji (2010, "Tauben fliegen auf"), Kathrin Schmidt (2009, "Du stirbst nicht"), Uwe Tellkamp (2008, "Der Turm"), Julia Franck (2007, "Die Mittagsfrau"), Katharina Hacker (2006, "Die Habenichtse"), Arno Geiger (2005, "Es geht uns gut").

Mehr zu den nominierten Büchern

Anlässlich der Nominierung der Longlist-Titel erscheint das Taschenbuch "Deutscher Buchpreis 2018. Die Nominierten". Es beinhaltet Auszüge aus den ausgewählten Romanen und bietet Informationen zu den Autoren und ist in vielen Buchhandlungen kostenlos erhältlich.

Deutscher Buchpreis 2018 - Worum geht es in den besten 20 Romanen des Jahres?

Cover: Arno Geiger: Unter der Drachenwand
Arno Geiger: "Unter der Drachenwand" (Hanser) Mondsee, 1944 – Leben und Lieben im Schatten der großen Geschichte.
Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom "Brasilianer", der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.
Bildrechte: Hanser Verlag
Cover: Arno Geiger: Unter der Drachenwand
Arno Geiger: "Unter der Drachenwand" (Hanser) Mondsee, 1944 – Leben und Lieben im Schatten der großen Geschichte.
Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom "Brasilianer", der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.
Bildrechte: Hanser Verlag
Susanne Fritz: Wie kommt der Krieg ins Kind
Susanne Fritz: "Wie kommt der Krieg ins Kind" (Wallstein) Vierzehn Jahre alt ist die Mutter, als sie 1945 verhaftet und für Jahre ins polnische Arbeitslager Potulice gebracht wird. Der Grund: Sie hatte mit neun ein Formular unterschrieben, das sie in einem von Hitler überfallenen Gebiet als Deutsche auswies. Susanne Fritz erzählt ergreifend und ohne jede vorschnelle Schuldzuweisung von dem Schicksal ihrer Mutter und der ganzen Familie über mehrere Generationen. Sie fragt nach Menschlichkeit und Verrat, nach Identität und Sprache und zieht immer wieder historische Dokumente zu Rate. So leuchtet sie nicht nur die eigene Familiengeschichte aus, sondern das deutsch-polnische Verhältnis über zwei Weltkriege hinweg. Bildrechte: Wallstein Verlag
María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten
María Cecilia Barbetta: "Nachtleuchten" (S. Fischer) María Cecilia Barbetta erzählt von der gespenstischen Atmosphäre am Vorabend eines politischen Umsturzes. Sie sind aus der ganzen Welt gekommen und haben sich in Buenos Aires eine Existenz aufgebaut. In dem Viertel Ballester kämpfen sie jeder auf seine Art für den Aufbruch, die Revolution und eine bessere Zukunft – Teresa und ihre Klassenkameradinnen in der katholischen Mädchenschule ebenso wie Celio, der Friseur in der "Ewigen Schönheit", oder die Mechaniker der Autowerkstatt "Autopia". Doch politische Spannungen zerreißen das Land, Aberglaube und Gewalt schleichen sich in die Normalität. Mit einem feinen Gespür für die Poesie des Alltags erzählt die in Argentinien geborene María Cecilia Barbetta von der Liebe zum Leben in Zeiten des Umbruchs. Bildrechte: S. Fischer
Carmen-Francesca Banciu - Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten!
Carmen-Francesca Banciu: "Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten!" (PalmArtPress) Maria-Maria reist nach Rumänien, um ihren verunglückten Vater zu besuchen und ihn, trotz seiner besitzergreifenden Geliebten, zusammen mit ihnen zu betreuen. In seinen Augen hat sie, die Tochter, die reale Utopie der kommunistischen Gesellschaft verraten. Sie wiederum erkennt in ihm ausschließlich den festgefahrenen Parteirhetoriker, der sich als moralische Instanz aufspielte, anderen Opfer abverlangte, aber selbst ein bigottes Leben führte.
Der neue Roman von Carmen-Francesca Banciu handelt vom Tod eines vermeintlichen Patrioten, für den Vaterland, Partei und der Aufbau einer neuen Gesellschaft stets den wichtigsten Platz in seinem Leben einnahmen und von der Liebe, die man sich von den Eltern erhofft, die einem versagt bleibt, und die man selbst zu geben vielleicht nicht imstande ist. Sie spürt der Frage nach, wie man Abschied von den Eltern nehmen, wie man mit ihren Lebenslügen umgehen kann, und welche persönliche Veränderung man dabei erfährt.
Bildrechte: PalmArtPress
Maxim Biller - Sechs Koffer
Maxim Biller: "Sechs Koffer" (Kiepenheuer & Witsch) In jeder Familie gibt es Geheimnisse und Gerüchte, die von Generation zu Generation weiterleben. Manchmal geht es dabei um Leben und Tod. In seinem neuen Roman erzählt Maxim Biller von einem solchen Gerücht, dessen böse Kraft bis in die Gegenwart reicht. "Sechs Koffer" ist die Geschichte einer russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West, von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich. Auch sechs Perspektiven erzählt der Roman von einem großen Verrat, einer Denunziation. Das Opfer: der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers, der 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. Eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks. Zugleich ist es aber auch eine Geschichte über das Leben hier und heute, über unsere moderne, zerrissene Welt, in der fast niemand mehr dort zu Hause ist, wo er geboren wurde und aufwuchs. Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch
Buch - Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser steigen
Anja Kampmann: "Wie hoch die Wasser steigen" (Hanser) Wenzel Groszak, Ölbohrarbeiter auf einer Plattform mitten im Meer, verliert in einer stürmischen Nacht seinen einzigen Freund. Nach dessen Tod reist Wenzel nach Ungarn, bringt dessen Sachen zur Familie. Und jetzt? Soll er zurück auf eine Plattform? Vor der westafrikanischen Küste wird er seine Arbeitskleider wegwerfen, wird über Malta und Italien aufbrechen nach Norden, in ein erloschenes Ruhrgebiet, seine frühere Heimat. Und je näher er seiner großen Liebe Milena kommt, desto offener scheint ihm, ob er noch zurückfinden kann. Anja Kampmanns Roman erzählt von der Rückkehr aus der Fremde, vom Versuch, aus einer bodenlosen Arbeitswelt zurückzufinden ins eigene Leben. Bildrechte: Hanser Verlag
Cover: Angelika Klüssendorf - Jahre später
Angelika Klüssendorf: "Jahre später" (KIepenheuer & Witsch) Mit "Das Mädchen" und "April" – beide auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis – schrieb Angelika Klüssendorf die Geschichte einer starken jungen Frau, die ihren Weg geht unter widrigen Umständen. "Jahre später" erzählt nun von der intensivsten, aber auch zerstörerischsten Beziehung des erwachsenen Mädchens April – ihrer Ehe. Angelika Klüssendorf erzählt, wie eine Liebe zwischen zwei radikalen Einzelgängern entsteht, die beide mit ihren eigenen Mitteln versuchen, ins Soziale zu finden und zu sich selbst. Es ist eine Geschichte von der Bereitschaft, sich zu öffnen, von glühender Gemeinsamkeit, aber auch den unaufhaltsamen Fliehkräften, die das Paar auseinandertreiben. Ein Buch über die Anatomie einer toxischen Partnerschaft. Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch
Buchcover Gert Lobschütz "Ein schönes Paar"
Gert Lobschütz "Ein schönes Paar" (Schöffling & Co.) Beim Ausräumen seines Elternhauses stößt der Fotograf Philipp auf einen Gegenstand, der in der Geschichte seiner Eltern eine entscheidende Rolle gespielt hat. Die beiden, Herta und Georg, waren ein schönes Paar. Philipp erinnert sich an ihr junges Liebesglück, ihre Hoffnungen und Gefährdungen, an die überstürzte Flucht seines Vaters aus der DDR in den Westen. Das hätte, da ihm die Mutter und der Junge ein paar Tage später folgten, der Beginn eines erfüllten Lebens sein können, tatsächlich aber trug die Flucht den Keim des Unglücks in sich. Nach und nach geht Philipp das Paradoxe der elterlichen Beziehung auf: Dass es die Liebe war, die ihre Liebe zerstörte. Damit aber ist die Geschichte, die auch sein Leben überschattet hat, nicht vorbei. Am Ende stellt er fest, dass Herta und Georg all die Jahre über miteinander verbunden waren, auf eine Weise, die sie niemandem, nicht einmal sich selbst, eingestehen konnten. Ein Roman über Liebe und Vergänglichkeit vor dem Hintergrund der deutschen Teilung. Bildrechte: Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH
Buch - Matthias Senkel: Dunkle Zahlen
Matthias Senkel: "Dunkle Zahlen" (Matthes & Seitz Berlin) Moskau 1985: Die internationale Programmierer-Spartakiade hält die akademischen Eliten des Landes in Atem. Hier messen sich aufstrebende Mathematiker in den Techniken der Zukunft, die nur noch einen Tastendruck entfernt scheint. Doch die kubanische Nationalmannschaft ist kurz vor der Eröffnung des Wettbewerbs spurlos verschwunden – und ihre resolute Übersetzerin Mireya begibt sich auf eine atemlose Suche durch die fremde Hauptstadt, die wie elektrostatisch aufgeladen surrt und flimmert. Architekten und Agenten, dichtende Maschinen und sogar Stalins leibhaftiger Schatten treffen in dieser wilden und manchmal fantastischen Erzählung aufeinander: ein schillerndes Mosaik der Sowjetunion kurz vor der folgenreichen Vernetzung der Welt. Ein Roman so unberechenbar wie die Geschichte selbst. Bildrechte: Verlag Matthes & Seitz Berlin
Inger-Maria Mahlke: Archipel
Inger-Maria Mahlke: "Archipel" (Rowohlt) "Archipel" führt rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege: Es ist Julios Jahrhundert, das der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González' – Familiennamen aus ganz Europa. Aber da sind auch die, die keine Namen haben: Die Frau etwa, die für alle nur 'die Katze' war: unverheiratete Mutter, Köchin, Tomatenpackerin - und irgendwann verschwunden. Denn manchmal bestimmen Willkür, Laune, Zufall oder schlicht: mitreißende Erzählkunst über das, was geht, und das, was kommt. Bildrechte: Rowohlt
 Gianna Molinari - Hier ist noch alles möglich
Gianna Molinari: "Hier ist noch alles möglich" (aufbau Verlag) Eine junge Frau wird als Nachtwächterin in einer Verpackungsfabrik eingestellt. Abend für Abend macht sie ihren Rundgang, kontrolliert die Zäune. Ein Wolf soll in das Gelände eingedrungen sein. Mit jeder Nachtschicht wird die Suche nach dem Wolf mehr zu einer Suche nach sich selbst und zur Frage nach den Grenzen, die wir ziehen, um das zu schützen, woran wir glauben. Bildrechte: aufbau Verlag
Adolf Muschg - Heimkehr nach Fukushima
Adolf Muschg: "Heimkehr nach Fukushima" (C.H. Beck) Der Architekt Paul Neuhaus, frisch verlassen, erhält eine Einladung von seinen alten Freunden Ken-Ichi und Mitsuko. Der Bürgermeister eines Dorfes nahe beim Unglücksmeiler von Fukushima, Mitsukos Onkel, bittet Neuhaus, ihn zu besuchen. Die Gegend ist verstrahlt, die Dörfer sind verlassen, die kontaminierte Erde ist abgetragen. Die Regierung wünscht die Rückbesiedlung, aber die Menschen haben Angst. Der Bürgermeister will Neuhaus für eine Künstlerkolonie gewinnen – in der verstrahlten Zone –, um neue Hoffnung zu wecken. Neuhaus reist mit Mitsuko an und sie geraten in eine unentrinnbar intensive Nähe zueinander. Ist in der schönen, verseuchten Landschaft Fukushimas eine Zukunft möglich wie auch in der Liebe zwischen Paul und Mitsuko? Sie beide begleitet die Lektüre Adalbert Stifters. So wie dort die geheimnisvolle Kette von Ursache und Wirkung die Bereiche des Lebens gleichermaßen verknüpft, so stellt die unheilvolle Kettenreaktion im Atommeiler in Fukushima nicht nur die Japaner vor die Frage, was diese Katastrophe über uns alle sagt. Sind wir im Zentrum der Gefahr nicht näher an unserer Wahrheit und an der unserer Gegenwart?    Bildrechte: C.H.Beck
 Nino Haratischwili: Die Katze und der General
Nino Haratischwili: "Die Katze und der General" (FVA) Alexander Orlow, ein russischer Oligarch und von allen »Der General« genannt, hat ein neues Leben in Berlin begonnen. Doch die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg lassen ihn nicht los. Die dunkelste ist jene an die grausamste aller Nächte, nach der von der jungen Tschetschenin Nura nichts blieb als eine große ungesühnte Schuld. Der Zeitpunkt der Abrechnung ist gekommen.
Nino Haratischwili spürt in ihrem neuen Roman den Abgründen nach, die sich zwischen den Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs aufgetan haben. "Die Katze und der General" ist ein Schuld-und-Sühne-Roman über den Krieg in den Ländern und in den Köpfen, über die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung. Wie in einem Zauberwürfel drehen sich die Schicksale der Figuren ineinander, um eine verborgene Achse aus Liebe und Schuld. Sie alle sind Teil eines tödlichen Spiels, in dem sie mit der Wucht einer klassischen Tragödie aufeinanderprallen.
Bildrechte: Frankfurter Verlagsanstalt
 Franziska Hauser: Die Gewitterschwimmerin
Franziska Hauser: "Die Gewitterschwimmerin" (Eichborn) Die Hirschs waren Verfolgte, Widerstandskämpfer, Opportunisten, Künstler. Ein Jahrhundert deutsche Geschichte hat sie geprägt, haben sie mitgeprägt. Da durfte man nicht empfindlich sein, es galt, die eigene Haut zu retten. Empfindlich war Tamara zum Glück nie. Stattdessen suchte sie das Abenteuer, die Herausforderung, das Risiko. Doch andere hat die Familie zugrunde gerichtet; eine Schuld, die Tamara nicht verzeihen kann. Franziska Hauser erzählt die Lebensgeschichte der bezaubernd eigensinnigen Tamara Hirsch – erzählt damit die Geschichte ihrer eigenen Familie, eine Geschichte aus politischen und persönlichen Fallstricken. Bildrechte: Eichborn
 Helene Hegemann: Bungalow
Helene Hegemann: "Bungalow" (Hanser) Helene Hegemann erzählt von der radikalen Selbstfindung eines jungen Mädchens in einer zunehmend apokalyptischen Welt. Während ihre Mutter das letzte Einkaufsgeld versäuft, beobachtet Charlie vom Balkon ihrer Betonmietskaserne die benachbarten Bungalows und deren Bewohner: Sie lernt, dass es mehrere soziale Klassen gibt und sie selbst zur untersten gehört. Dann, kurz nach ihrem zwölften Geburtstag, zieht ein neues Ehepaar ins Viertel. Die beiden sind Schauspieler, unberechenbar, chaotisch, luxuriös, schlauer als alle anderen – und für Charlie das, was der Rest der Welt als ihre "erste große Liebe" bezeichnen würde: Spielkameraden und Lover, größter Einfluss und größte Gefährdung. Klar und radikal erzählt Helene Hegemann vom Überleben in einer zunehmend apokalyptischen Welt und der vitalen Kraft des freien Willens. Bildrechte: Hanser Berlin
Susanne Röckel: Der Vogelgott
Susanne Röckel: "Der Vogelgott" (Jung und Jung) Die Mitglieder einer wissenschaftlich orientierten Familie werden durch eine zufällige Entdeckung auf einem Kirchenbild in den schwer durchschaubaren Mythos eines Vogelgottes hineingezogen – mit einem Sog, dem sie so wenig widerstehen konnen wie der Leser dieser Geschichte. Spätestens als sich herausstellt, dass dieser Mythos eben nicht nur ein Mythos ist. Es ist eine sagenhafte, aber elende Gegend dieser Erde, wo die Verehrer des Vogelgotts leben, die ihm allerdings weniger ergeben als vielmehr ausgeliefert zu sein scheinen.
In diesem unwiderstehlichen Roman entpuppt sich eine geheime Welt als die unsere, in der die Natur ihre Freundschaft aufkündigt und wir ihrer Aggression und Düsternis gegenüberstehen.
Bildrechte: Jung und Jung
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Mehr über die Buchpreis-nominierten Autoren 2018

Susanne Fritz 56 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. August 2018 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2018, 10:40 Uhr

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