Shortlist des Deutschen Buchpreises Leipziger Autorin Deniz Ohde im Buchpreis-Finale

Deniz Ohde
Deniz Ohde steht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Bildrechte: Heike Steinweg

Die Finalisten des Deutschen Buchpreises stehen fest. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gab am Dienstag in Frankfurt die sogenannte Shortlist bekannt. Aus den 20 Nominierten der Longlist hat die Jury nun sechs Autorinnen ausgewählt, die vor allem "durch ihre sprachliche Ausdruckskraft und formale Innovation" überzeugten, so die Literaturkritikerin und Jury-Sprecherin Hanna Engelmeier.

Auch die in Leipzig lebende Autorin Deniz Ohde ist mit "Streulicht" unter den Finalisten. In ihrem Debütroman erzählt sie von einer Frau, die nach Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, wo sie sich mit den Eltern und deren Erinnerungen auseinandersetzen muss. Die Leipziger Autorin beschreibt die soziale Scham einer jungen Frau in starken Bildern mit klaren Stimmungen. Deniz Ohde übersetzt den Druck der Verhältnisse in den Druck der Dinge und schafft so eine Art soziale Analyse.

So etwas hat man in den vergangenen Jahren vor allem in der französischen Literatur gefunden. Dieses Debüt einer deutschen Autorin hat nun gute Chancen auf den Deutschen Buchpreis.

Jörg Schieke, MDR KULTUR-Literaturkritiker

Über Deniz Ohde Deniz Ohde wurde 1988 in Frankfurt am Main geboren. Später zog sie nach Leipzig, wo sie Germanistik studierte. 2016 war sie – wie viele jüngere, erfolgreiche Autorinnen und Autoren – Finalistin des Lese-Wettbewerbs "open mike". 2017 nahm sie als Stipendiatin am Literaturkurs im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt teil. "Streulicht" ist Deniz Ohdes erster Roman, für den sie bereits mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet wurde.

Das sind die Nominierten

Ohde ist eine von vier Frauen, die auf der Shortlist stehen. Während das Geschlechterverhältnis auf der Longlist noch gleichmäßig verteilt war, haben es nun mehr Autorinnen auf die Shortlist geschafft. Die Sichtbarkeit von Autorinnen wird immer Rahmen des Buchpreises immer wieder diskutiert.

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Sechs Bücher sind noch für den Deutschen Buchpreis nominiert. Bildrechte: vntr.media
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Die Preisverleihung soll am 12. Oktober stattfinden. Traditionell bildet die Vergabe den Auftakt zur Buchmesse in Frankfurt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde ein Großteil der Bücherschau jedoch abgesagt und ins Internet verlegt. Auch die Verleihung des Buchpreises soll gestreamt werden.

Bedeutendste Auszeichnung in der Literatur

Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Branche und wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 vergeben. Mit dem Preis wird der beste deutschsprachige "Roman des Jahres" ausgezeichnet.

Neben einem Preisgeld von 25.000 Euro winkt in der Regel ein Platz auf der Bestsellerliste. Die fünf anderen Nominierten, die es bis auf die Shortlist schaffen, erhalten je 2.500 Euro. Im vergangenen Jahr gewann Saša Stanišić die Auszeichnung für seinen Roman "Herkunft".

Bisher mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet
Jahr Autor Roman
2019 Saša Stanišić "Herkunft"
2018 Inger-Maria Mahlke "Archipel"
2017 Robert Menasse "Die Hauptstadt"
2016 Bodo Kirchhoff "Widerfahrnis
2015 Frank Witzel "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969"
2014 Lutz Seiler "Kruso"
2013 Terèzia Mora "Das Ungeheuer"
2012 Ursula Krechel "Landgericht"
2011 Eugen Ruge "In Zeiten des abnehmenden Lichts"
2010 Melinda Nadj Abonji "Tauben fliegen auf"
2009 Kathrin Schmidt "Du stirbst nicht"
2008 Uwe Tellkamp "Der Turm"
2007 Julia Franck "Die Mittagsfrau"
2006 Katharina Hacker "Die Habenichtse"
2005 Arno Geiger "Es geht uns gut"

Literaturthemen bei MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. September 2020 | 12:15 Uhr