Auszeichnung Deutscher Buchpreis 2020 geht an Anne Weber

Schriftstellerin Anne Weber erhält den Deutschen Buchpreis 2020 für ihren Roman "Annette, ein Heldinnenepos". Darin erzählt sie die Lebensgeschichte der Französin Anne Beaumanoir, die im Zweiten Weltkrieg als Widerstandskämpferin aktiv war. Hinter der Auszeichnung steht die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Die Verleihung des Deutschen Buchpreises markiert in jedem Jahr auch den Auftakt der Frankfurter Buchmesse.

Anne Weber
Schriftstellerin Anne Weber erhält den Deutschen Buchpreis 2020 Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Für "Annette, ein Heldinnenepos" erhält Anne Weber den Deutschen Buchpreis 2020. Die Auszeichnung wurde am Montagabend in Frankfurt am Main verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Der Roman ist im Verlag Matthes & Seitz Berlin erschienen und erzählt vom realen Leben der Résistance-Kämpferin Anne(tte) Beaumanoir, die 1944 jüdische Kinder vor den Nazis rettete.

Lebensgeschichte einer Widerstandkämpferin

Auf einem roten Buchcover ist der Umriss einer Frau zu erkennen.
Anne Webers Roman ist im Verlag Matthes & Seitz Berlin erschienen. Bildrechte: Matthes & Seitz Berlin

Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der Kraft von Anne Webers Erzählung: "Es ist atemberaubend, wie frisch hier die alte Form des Epos klingt und mit welcher Leichtigkeit Weber die Lebensgeschichte der französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir zu einem Roman über Mut, Widerstandskraft und den Kampf um Freiheit verdichtet."

Wir sind dankbar, dass Anne Weber Annette für uns entdeckt hat und von ihr erzählt.

Begründung der Jury

Der Roman sei laut der Jury eine Geschichte voller Härten, die Weber aber mit souveräner Dezenz und feiner Ironie erzähle. Dabei gehe es um nichts weniger als die deutsch-französische Geschichte als eine der Grundlagen des heutigen Europas.

Literarisches Experiment

MDR KULTUR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher erklärt, Anne Weber habe ein Experiment gewagt, indem sie das Leben der Widerstandskämpferin in die Form eines Heldinnenepos packte. Sehr zu Recht habe die Autorin den Buchpreis gewonnen:

Man kommt rein in diese Versdichtung, man hat nach ganz wenigen Seiten eigentlich vergessen, in welcher ungewohnten literarischen Form man sich da befindet – das Leben und das Denken dieser Anne Beaumanoir ist so rasant, so spannend erzählt, so tiefsinnig und lustig zugleich. Man fällt einfach in Ihre Geschichte rein.

Katrin Schumacher, MDR KULTUR-Literaturredakteurin
Katrin Schumacher posiert für ein Foto. Im Hintergrund Regale mit Büchern. 7 min
Bildrechte: MDR Kultur/Hagen Wolf

Autorin und Übersetzerin in Paris

Anne Weber wurde 1964 in Offenbach geboren. Sie lebt in Paris, ist als Autorin sowie Übersetzerin tätig und schreibt sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache. Bei der Preisverleihung erzählte sie, aus Aberglauben keine Dankesrede vorbereitet zu haben und bedankte sich bei Anne Beaumanoir. Diese sei nicht nur die Heldin ihres Buches, "sondern eine wirkliche Heldin".

Mehr zu Anne Beaumanoir

Anne Beaumanoir wurde 1923 in der Bretagne geboren. Schon als Jugendliche trat sie der kommunistischen Résistance bei und rettete später zwei jüdische Jugendliche. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie Neurophysiologin in Marseille. Wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung wurde Beaumanoir 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Noch im Alter von 96 Jahren engagiert sie sich, vornehmlich mit Vorträgen an Schulen, gegen Nationalismus, Rassismus und religiösen Fanatismus.

Renommierte literarische Auszeichnung

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den Roman des Jahres in deutscher Sprache aus. Der Preis gilt dabei als vielleicht wirkmächtigste Auszeichnung für deutschsprachige Autorinnen und Autoren. Preisträgerin Anne Weber erhält 25.000 Euro Preisgeld, die weiteren Nominierten auf der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro, unter ihnen auch die Leipzigerin Deniz Ohde.

Die Mitnominierten für den Deutschen Buchpreis

Bisher mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet:
Jahr Autorin/Autor Roman
2019 Saša Stanišić "Herkunft"
2018 Inger-Maria Mahlke "Archipel"
2017 Robert Menasse "Die Hauptstadt"
2016 Bodo Kirchhoff "Widerfahrnis
2015 Frank Witzel "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969"
2014 Lutz Seiler "Kruso"
2013 Terèzia Mora "Das Ungeheuer"
2012 Ursula Krechel "Landgericht"
2011 Eugen Ruge "In Zeiten des abnehmenden Lichts"
2010 Melinda Nadj Abonji "Tauben fliegen auf"
2009 Kathrin Schmidt "Du stirbst nicht"
2008 Uwe Tellkamp "Der Turm"
2007 Julia Franck "Die Mittagsfrau"
2006 Katharina Hacker "Die Habenichtse"
2005 Arno Geiger "Es geht uns gut"

Eröffnung der Frankfurter Buchmesse

Die Vergabe des Deutschen Buchpreises markiert in jedem Jahr auch den Auftakt der Frankfurter Buchmesse. Diese muss im Corona-Jahr 2020 ohne Publikum auskommen und wird in den digitalen Raum verlegt.

Mehr zur Frankfurter Buchmesse

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Oktober 2020 | 06:30 Uhr