Gala Deutscher Filmmusikpreis bringt Hollywood-Flair nach Halle

Bei der Verleihung des Filmmusikpreises erhielt Oscar-Gewinner John Ottman die Auszeichnung International. Enjott Schneider bekam einen Ehrenpreis und David Reichelt wurde für die "Beste Musik im Film" ausgezeichnet. Insgesamt gab es sieben Preiskategorien, in zweien davon ging die Auszeichnung an Komponierendenteams. Erstmals wurde auch die "Beste Musik im Animationsfilm" gekürt. Der Deutsche Filmmusikpreis wird seit 2014 in Halle (Saale) vergeben.

David Reichelt hat am Freitag in Halle (Saale) den Deutschen Filmmusikpreis in der Kategorie "Beste Musik im Film" erhalten. Insgesamt wurden bei der Gala im Rahmen der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt in sieben Kategorien Auszeichnungen vergeben. Zwei davon gingen an Teams. Den Nachwuchspreis erhielt Anna Kühlein.

John Ottman 7 min
Bildrechte: imago images/PA Images

Bereits vor der Gala hatten die Veranstalter die beiden Hauptpreisträger bekannt gegeben: der Deutsche Filmmusikpreis "International" ging an Oscar-Gewinner John Ottman. Bei seiner Auszeichnung gab es einen prominenten Gratulanten: Queen-Leadgitarrist Brain May beglückwünschte den Filmkomponisten per Video. Obwohl Ottman die Musiken für Hollywood-Blockbuster wie "X-Men 2", "Die üblichen Verdächtigen", "Operation Walküre" oder "Gothika" komponierte, erhielt das Multitalent seinen Oscar in der Kategorie Filmschnitt für "Bohemian Rhapsody".

Enjott Schneider in Tonstudio
Bildrechte: Mathias Vietmeier, Enjott Schneider

Einen Ehrenpreis erhielt der Komponist Enjott Schneider. Er ist Präsident des Deutschen Komponistenverbandes und schuf Musiken für Filme wie "Schlafes Bruder", "Stalingrad" oder "Die Flucht". Neben zahlreichen Film- und Fernsehmusiken schuf er auch Ballettmusiken und Orchesterwerke. Der Multiinstrumentalist spielt unter anderem Violine, Klavier, Akkordeon, Trompete und Orgel.

Beste Filmmusik für Dystopie-Serie

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David Reichelt Bildrechte: David Reichelt, Emanuel A. Klempa

Die Auszeichnung für die "Beste Musik im Film" erhielt David Reichelt für seinen Score zur dystopischen Miniserie "8 Tage". Die für Sky produzierte Reihe von Stefan Ruzowitzky und Michael Krummenacher zeigt, wie Menschen mit einem drohenden Weltuntergang umgehen. Die Jury hob hervor, die Musik von Reichelt schaffe Intensität und Spannung durch eine "Sogkraft von Wiederholungen und meisterlich eingesetzten Pausen " und setze mit ihrer Sprache den Bildern der Brutalität und des Grauens etwas entgegen. Es ist bereits der zweite Deutsche Filmmusikpreis für Reichelt, der 1986 in München geborene Komponist wurde 2017 zusammen mit der Sängerin Caroline Adler in der Rubrik "Bester Song im Film" ausgezeichnet.

Die Musik bildet einen krassen Kontrapunkt zur visuellen Ebene, öffnet so den Raum für Tiefe und Schmerz und hilft, das Unerträgliche auszuhalten.

Jury-Begründung für die Auszeichnung von David Reichelt für "8 Tage"

Nachwuchspreis für Filmkomponistin

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Anna Kühlein Bildrechte: Anna Kühlein

Der "Nachwuchspreis" wurde in diesem Jahr an die Filmkomponistin Anna Kühlein verliehen. In ihrer Laudatio hoben Alexander Thies (IAMA, NFP) und Sebastian Mönch (Steinberg Musiksoftware) das außerordentliche Talent der jungen Komponistin hervor. Sie hat bereits in jungen Jahren eine eigene musikalische Sprache entwickelt, angereichert mit Witz und Originalität. Kühnlein wirkte bislang als Komponisten an Filmen wie "Ku'Damm 59", "Alyha LOVE" oder "Ausbruch" mit, sowie bei den Orchesteraufnahmen für "Pettersson & Findus 2". Kühnlein studiert an der Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf" in Potsdam.

Tanzschritte in Noten

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Marius Kirsten Bildrechte: Marius Kirsten

Marius Kirsten erhielt eine Auszeichnung für die "Beste Musik im Kurzfilm" für seinen Musik zu "Paris you got me" (Regie: Julie Böhm), einer phantasievollen Visualisierung von Tanz. Die Veranstalter loben die Schaffung einer "bezaubernden musikalischen Illustration zu einem parallelen filmischen Kosmos, die Tanzschritte und Bewegungen aufnimmt und der Choreographie eine eigene Realität verschafft." Kirsten hat Filmkomposition an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert und Musik für Filme wie "Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch!" oder "Offline - Das Leben ist kein Bonuslevel" komponiert.

Zwei Auszeichnungen für Teamarbeit

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Tamara Olorga Bildrechte: Tamara Olorga

In der Kategorie "Bester Song im Film" erhielt mit Michael Beckmann, Tom Stöwer, Anja Krabbe und Tamara Olorga gleich ein ganzes Team den Preis. Sie wurden für den Titelsong "Komm zurück" aus "Schneewittchen und der Zauber der Zwerge" (Regie Ngo The Chau) ausgezeichnet, einem abendfüllenden Film für die ZDF-Sendereihe "Märchenperlen".

Zum ersten Mal gab es auch eine Ehrung für die "Beste Musik im Animationsfilm" als eigenständige Preiskategorie. Die Auszeichnung ging ebenfalls an mehrere Tonkünstler: die Komponisten Frank Schreiber, Steffen Wick und Simon Detel wurden für ihre Musik zum animierten Abenteuer "Manou - Flieg Flink!" von Christian Haas und Andrea Block geehrt. In dem Kinderfilm geht es um den adoptierten Mauersegler Manou, der bei Möwen in Nizza aufwächst und von manchen Möwen aufgrund seiner vermeintlichen Fremdartigkeit nicht akzeptiert wird.

Sechster Filmmusikpreis

Der 6. Deutsche Filmmusikpreis wurde im Rahmen der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt im Steintor-Varieté in Halle (Saale) verliehen. Seit 2014 gibt es die Auszeichnung, mit der Filmkomponierende für ihr herausragendes musikalisches Schaffen gewürdigt werden. Veranstalter sind die International Academy of Media and Arts (IAMA) und die Deutsche Filmkomponistenunion (DEFKOM). Begleitend zu den Filmmusiktagen findet ein zweitägiger Kongress statt, eine Masterklasse erarbeitet Orchestermusik und ein Galakonzert präsentiert die Bandbreite der Filmmusik.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. November 2019 | 23:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2019, 12:13 Uhr

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