Diana Ross
Diana Ross bei einem Auftritt 2002 im Londoner Hyde Park Bildrechte: dpa

75. Geburtstag Diana Ross – vom Girlgroup-Star zur Soul-Legende

Diana Ross war Mitglied der erfolgreichsten Girlgroup aller Zeiten: The Supremes. Mit ihrer Solokarriere setzte sie noch eins drauf und stürmte mit Songs wie "Ain't No Mountain High Enough", "Upside Down" und "Endless Love" die Charts weltweit. Das lag an ihrem Talent – aber auch an ihrer Durchsetzungsfähigkeit. Am 26. März feiert die Soul-Diva ihren 75. Geburtstag.

von Sky Nonhoff, MDR KULTUR-Musikkritiker

Diana Ross
Diana Ross bei einem Auftritt 2002 im Londoner Hyde Park Bildrechte: dpa

Die amerikanische Soul-Diva Diana Ross hat Musikgeschichte geschrieben, zuerst als Leadsängerin der legendären Girlgroup The Supremes, dann als ebenso erfolgreiche Solokünstlerin. Das Billboard Magazine bezeichnete sie als "schwarze Entertainerin des Jahrhunderts".

Ich bin eine Zweitgeborene und wohl deshalb so ehrgeizig. Ich habe immer um Anerkennung gekämpft.

Diana Ross, Sängerin

"Sie sang, als ginge es um ihr nacktes Leben"

Die Mädchen waren zum Probesingen angetreten, und plötzlich stand er vor ihnen: Berry Gordy, der ebenso allmächtige wie gefürchtete Boss des Labels Motown in Detroit. "Die Leadstimme fiel mir gleich auf", erinnerte er sich später. "Die Kleine war spindeldürr, hatte riesengroße Augen und jede Menge Selbstbewusstsein. Und sie sang, als ginge es um ihr nacktes Leben."

Die 16-jährige Schönheit hieß Diana Ross und passte perfekt in Berry Gordys Masterplan. Der ehemalige Boxer träumte Anfang der 60er-Jahre von nicht weniger als einer Revolution: davon, den weißen Pop-Markt mit schwarzer Musik zu erobern. Und nun wusste er auch, wie: mit den Supremes, einer dunkelhäutigen Girlgroup, in deren Mittelpunkt stets sein Geschöpf, die blutjunge Ross stand.

Im Juli 1964 hielt sich "Where Did Our Love Go" wochenlang an der Spitze der Billboard-Charts, gefolgt von einem Nummer-Eins-Hit nach dem anderen. Der Musiker Marvin Gaye erinnerte sich später:

Gordy flippte komplett aus. Es war, als stünde er an einem Spielautomaten in Las Vegas, der ohne Unterlass Geld ausspuckte.

Musiker Marvin Gaye über Motown-Boss Berry Gordy

Michael Jackson schrieb Songs für Diana Ross

Diana Ross
The Supremes im Mai 1976 Bildrechte: dpa

Mit zwanzig Top-Ten-Hits waren die Supremes die erfolgreichste Girlgroup aller Zeiten. Durch sie wurde das Label Motown zu einem Imperium, in dem Ross als Königin neben Berry Gordy thronte.

Spätestens Mitte der 60er versetzte sie auch das weiße Amerika in ungläubiges Staunen. Der Kritiker Greil Marcus hat es so formuliert: "1966 war ich entsetzt, als ein Kollege von mir den Supremes-Song 'You Keep Me Hangin' On’ über Bob Dylans 'Like a Rolling Stone' stellte – aber heute glaube ich, er hatte recht."

Ross war gerade 25 Jahre alt, als sie die Supremes verließ und eine Solokarriere startete, wobei sie stets ein untrügliches Gespür für die richtigen Songs, die richtige Performance und die richtigen Songschreiber bewies, darunter etwa der junge Michael Jackson oder das Disco-Genie Nile Rodgers, der für sie den Millionenseller "Upside Down" produzierte.

Diva mit Biss

Diana Ross
Diana Ross weiß, was sie will Bildrechte: imago images/MediaPunch

Wenige Künstlerinnen haben so viel für die Emanzipation schwarzer Popmusik getan; ihr unstillbarer Hunger nach Erfolg hat ihr andererseits den Ruf einer tyrannischen Diva eingetragen, hinter deren Profi-Lächeln sich ein unersättlicher Krokodilsrachen verbirgt. Ross hat dazu bemerkt: "Ich versuche immer, mit gutem Beispiel voranzugehen, aber glauben Sie mir, ich bin nicht der Weihnachtsmann."

Im August 1965 hatte die Popularität der Supremes ihren einsamen Höhepunkt erreicht, als das NASA-Kontrollzentrum in Houston für die Astronauten des Raumschiffs Gemini 5 den Nummer-1-Hit "Where Did Our Love Go?" ins All hinaufschickte. Für die Supremes war es eine unermessliche Ehre, und für alle schwarzen Amerikaner ein höchst symbolträchtiger Akt. Nur Ross hatte mit den Schultern gezuckt. Für sie war es ganz normal, nach den Sternen zu greifen.

Diana Ross
Diana Ross inmitten anderer Promis: den Muppets Bildrechte: imago/United Archives

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. März 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 04:00 Uhr

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