Yuval Adler, Diane Kruger und Martin Freeman
Diane Kruger zwischen "Die Agentin"-Regisseur Yuval Adler (links) und Schauspieler Martin Freeman (rechts). Bildrechte: imago/snapshot

Interview zu "Die Agentin" Diane Kruger: "Ich bin nie nach Hollywood gegangen"

In "Die Agentin" spielt Superstar Diane Kruger eine Geheimagentin des israelischen Geheimdienstes Mossad. Nach Fatih Akins "Aus dem Nichts" wurde auch diesmal wieder in Deutschland gedreht, in Leipzig. Weitere Schauplätze des Thrillers sind in Frankreich und Israel. Für die Rolle als Spionin kam Kruger ihre Mehrsprachigkeit zu Gute. Mit dem MDR FILMMAGAZIN sprach sie außerdem über ihre Identität als Deutschamerikanerin und ihre Schulzeit.

Yuval Adler, Diane Kruger und Martin Freeman
Diane Kruger zwischen "Die Agentin"-Regisseur Yuval Adler (links) und Schauspieler Martin Freeman (rechts). Bildrechte: imago/snapshot

Wie kamen Sie dazu, eine israelische Geheimagentin zu spielen?

Man hat mir das Drehbuch angeboten und ich habe gleich eine Basis gesehen, dass diese Rolle für mich passt und interessant ist. Durch die drei unterschiedlichen Sprachen, die ich in dem Film spreche und weil ich auch jemand bin, der sein ganzes Leben nicht irgendwo zugehört oder reingepasst hat. Ich mag dieses Genre total gerne, Spionage und so, was eigentlich ein Männer-Milieu und -Genre ist. Und ich fand interessant, dass es mal eine tolle Charakterrolle in diesem Genre gibt.

Es ist ja nicht nur ein Genre-Film, sondern auch politischer Film und Charakter-Film…

Diane Kruger als Ex-Mossad Agentin Rachel und Cas Anvar als Geschäftsmann Farhad in einer Szene des Films Die Agentin
Bildrechte: Kolja Brandt/Weltkino Filmverleih/dpa

Es ist kein Jason Bourne-Film, es ist kein James Bond. Es ist eine Charakter-Studie, von jemandem, der sich sucht. Ein "Drifter", sagt man auf Englisch, der durch sein Leben geht, irgendwo zugehören will – und irgendwie in diese Rolle der Spionin reinrutscht, sage ich mal fast. Und dabei irgendwie aufgeht. Das Leben macht dann, dass es doch alles ein bisschen "messy" wird, ein bisschen schmutzig.

Die Agentin hat verschiedene Identitäten.

Sie ist ja keine Israelin. Sie wird vom Mossad aufgenommen und rekrutiert, weil sie nicht dem typischen Profil einer Israelin entspricht. Sie ist halbdeutsch, die Mutter war deutsch und ihr Vater ist Engländer, in Kanada aufgewachsen. Und das sind Profile, die auch im wirklichen Leben den Mossad interessieren. Es gibt viele Ausländer, die für den Mossad arbeiten, weil sie nicht reinpassen, in was man sich eigentlich vorstellt.

Wie wichtig sind Ihre eigenen deutschen Wurzeln – gibt es da einen inneren Dialog?

Diane Kruger
Diane Kruger im Gespräch mit dem MDR FILMMAGAZIN. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Meine Freunde finden, dass ich sehr deutsch bin. Manchmal, wenn es ums Planen geht. Aber wenn ich in Deutschland bin, macht mich das Planen wahnsinnig hier! Also bei meiner eigenen Familie, wenn ich das so mitkriege, oder bei Freunden.

Wenn ich in Deutschland bin, fühle ich mich oft sehr fremd. Aber wenn ich im Ausland bin, fühle ich mich manchmal sehr deutsch. Aber es stimmt schon: Wenn ich irgendwas organisiere, Dinner oder was weiß ich, eine Reise – auch, wenn ich nicht eine Woche vorher plane, aber an dem Tag, wo ich dann plane, ist dann auch wirklich alles fertig. Und dann schmunzelt mein Partner immer.

Ist der Film "Aus dem Nichts" mit Fatih Akin eine Art Rückkehr nach Deutschland für Sie gewesen?

Das ist alles Mediengeschreibe. Ich bin nie weggegangen nach Hollywood. Ich bin mit fünzehneinhalb Jahren nach Paris gezogen, um Model zu sein und dann eigentlich nie wieder zurückgekommen. Ich bin zur Schauspielschule in Frankreich gegangen, ich habe in Frankreich angefangen zu drehen – eigentlich bin ich viel mehr französische Schauspielerin als Hollywood-Schauspielerin. Hollywood hat sich durch Zufall ergeben, weil die in Europa gecastet haben und dann gab es eine Rolle nach der anderen. Aber für mich selbst habe ich nie Deutschland verlassen, um nach Hollywood zu gehen. Das ist Unsinn.

Diane Kruger (L) und Fatih Akin
Diane Krueger mit "Aus dem Nichts"-Regisseur Fatih Akin bei den Golden Globes. Bildrechte: IMAGO

Aber ist das nicht ein unfreiwilliger Identitätssprung gewesen? Haben Sie eine Vielfach-Identität?

Nein, ich glaube nicht. In der Schulzeit habe ich mich nie gefühlt, als würde ich da reinpassen. Ich habe immer irgendwie angeeckt. Ich habe nie die Dinge gemocht, die meine Klassenkameraden spielen wollten oder machen wollten, ohne dass ich jetzt wusste, ich werde mal Schauspielerin oder so. Mich haben andere Dinge interessiert. Ich weiß nicht. Ich war unglücklich, zu viel in der Schule. Ich ich war ein bisschen verloren. Ich wusste nicht, was ich machen sollte mit meinem Leben. Nur wusste ich, das wollte ich nicht. Und das war immer schon so. Warum weiß ich nicht.

"Die Agentin" wurde auch in Leipzig gedreht. Wie haben Sie die Stadt erlebt?

Ich habe schon ein paarmal in Leipzig gedreht. Ich finde, es ist eine tolle Stadt. Sie ist auch so nicht so weit weg, von wo ich herkomme (aus der Nähe von Hildesheim, Anmerkung der Redaktion). Wir hatten viel Spaß, muss ich sagen.

Der Bahnhof ist so wunderschön, ich habe da bestimmt schon vier oder fünf Mal gedreht. Und ich muss sagen, es ist sowieso toll für mich in Deutschland zu drehen, weil ich die Sprache und die Leute kenne. Ich habe schon das Gefühl, das ich bei mir bin. Und ich sehe meine Familie, die ich sonst oft nur selten sehe. Und es ist immer irgendwie etwas anderes, zu sagen, dass ich in Deutschland bin.

Mehr Filmstars

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. März 2019 | 00:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 18:47 Uhr

Abonnieren