Das Cover des Albums -Still On My Mind- der Sängerin Dido ist zu sehen.
Das Cover des Albums "Still On My Mind" der Sängerin Dido Bildrechte: dpa

Albumkritik Didos neues Album "Still On My Mind" – ein Ort der Ruhe in einer verrückten Welt

Eigentlich heißt sie Dido Florian Cloud de Bounevaille O'Malley Armstrong und ist ein echtes Phantom: Alle fünf bis sechs Jahre veröffentlicht die Engländerin ein neues Album, gibt ein paar Interviews und verschwindet wieder in der Versenkung. MDR KULTUR-Musikjournalist Marcel Anders hat sie gefragt, warum sie so lange Auszeiten braucht und worum es auf ihrem neuen Werk "Still On My Mind" geht.

Das Cover des Albums -Still On My Mind- der Sängerin Dido ist zu sehen.
Das Cover des Albums "Still On My Mind" der Sängerin Dido Bildrechte: dpa

Ich schreibe über die Momente zwischen Licht und Schatten. Momente, die einen Konflikt in sich bergen. Doch seit ich Mutter geworden bin, habe ich die kaum noch gespürt. Ich fühlte nur noch Liebe und hatte nichts zu sagen.

Dido, Sängerin

"Sämtliche Versuche, einfach Songs über Kinder zu schreiben, sind im Papierkorb gelandet", führt Dido weiter aus: "Es hat ewig gedauert, 'Have To Stay' zustande zu bringen, das eines meiner Lieblingsstücke auf dem neuen Album ist. Es hat dafür gesorgt, dass ich erkannt habe: Selbst in der Liebe gibt es Spannungen. Da habe ich plötzlich wieder überall Songs gesehen und musste sie nur noch aufschreiben."

"Still On My Mind" als Ort der Ruhe

Seit sieben Jahren ist Dido Mutter eines kleinen Jungen namens Stanley, seitdem spielt die Musikerkarriere in ihrem Leben nur noch eine untergeordnete Rolle. Ein Luxus, den sie sich nach 40 Millionen verkauften Alben leisten kann. Aber: Wenn sie einen neuen Tonträger veröffentlicht, dann mit Anspruch und Botschaft. "Still On My Mind" versteht sie als musikalische Zuflucht. Als Ort der Ruhe und Harmonie in einer verrückten Welt.

Musik war für mich schon immer ein Mittel, um ein Gefühl von Behaglichkeit zu erzielen. Worüber ich schreibe, worauf ich mich konzentriere und die Art, wie ich das Leben sehe, sind eher kleine Momente. Ich könnte zum Beispiel nie Songs über große Kausalzusammenhänge schreiben. Das wäre mir viel zu kompliziert.

Dido

Songs als Parabeln für sozio-politische Missstände

Musikalische Wellness für Körper, Geist und Seele heißt nicht, dass Dido die Realität komplett ausblendet. "Still On My Mind" birgt etliche Stücke, die auf den ersten Blick rein Zwischenmenschliches thematisieren, sich bei genauerer Betrachtung jedoch als Parabeln für sozio-politische Missstände erweisen. Wie das Stück "Hurricanes", das praktische Lebenshilfe in Zeiten von Klimawandel, Donald Trump und anderen Katastrophen erteilt.

Der Song 'Hurricanes' funktioniert auf vielen unterschiedlichen Ebenen. Für mich handelt er zum Beispiel von der Kraft einer bedingungslosen Liebe, mit der sich allem anderen die Stirn bieten lässt. Und manchmal braucht man das. Wobei ich das Stück übrigens am liebsten richtig laut höre. Also superlaut.

Dido
Dido
Dido Bildrechte: Sony Music

"Hurricanes" mag ungewohnt düster und bedrohlich klingen – doch das ist repräsentativ für das fünfte Album der Dame aus London. Denn neben ihrem bewährten Stilmix aus akustischem Folk und elektronischen Beats, überrascht Dido auch mit sphärischen Industrial-Klängen und opulenten Streichern. Produziert hat das Album ihr Bruder, der Faithless-Mastermind Rollo Armstrong. Im Mai geht die 47-Jährige auf ihre erste Tournee seit 2003:

"Der Grund, warum ich wieder ein paar Konzerte gebe, ist der, dass ich die Leute vermisse. Also diesen Moment, da du auf der Bühne stehst und die Menschen, die deine Musik mögen, direkt vor dir stehen. Es ist schwer zu beschreiben, wie sich das anfühlt, aber es ist toll, eine direkte Bestätigung von ihnen zu erhalten. Als Songwriter brauchst du das. Es gab einen Punkt, an dem ich mir eingestehen musste, wie sehr ich die Fans vermisse."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. März 2019 | 14:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 04:00 Uhr

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