verschiedene Salate und Weingläser auf einem Tisch
"Unsere Esskultur verschiebt sich wieder mehr in Richtung Gemüse", sagt Hanni Rützler. Bildrechte: IMAGO

Esskultur Das sind die Food-Trends 2018

Smoothies? Street-Food? Esskultur ist für die Marketingindustrie ein ideales Fressen geworden. Die Ernährungswissenschaftlerin und Trendforscherin Hanni Rützler verrät, welche kulinarischen Trends uns 2018 erwarten.

verschiedene Salate und Weingläser auf einem Tisch
"Unsere Esskultur verschiebt sich wieder mehr in Richtung Gemüse", sagt Hanni Rützler. Bildrechte: IMAGO

Die Lebensmittel, die wir in unseren Einkaufswagen geben, sind nicht immer nur dazu da, unseren Kalorienbedarf zu decken - so die österreichische Ernährungswissenschaftlerin und Trendforscherin Hanni Rützler. Sie bringen auch einen Lebensstil zum Ausdruck: nachhaltig, regional, weltoffen, vegan, tierethisch korrekt. Und werden damit immer mehr zum Mittel der Selbstdarstellung und Individualisierung. In ihrem "Foodreport" veröffentlich Hanni Rützler jährlich ihre Vorhersagen der kulinarischen Trends. Wir stellen drei vor.

Trend eins: Gemüse ist das neue Fleisch

Schüssel mit Salat
Gemüse: "Es sollte schmecken und keine Strafe sein", so Hanni Rützler Bildrechte: IMAGO

Für Generationen war Fleisch als Produkt rar, edel und vor allem: teuer. Doch mittlerweile - nicht zuletzt durch Massentierhaltung und Globalisierung - ist es so billig geworden, dass manche Teile der Gesellschaft glatt den Appetit daran verlieren. Für die Ernährungswissenschaftlerin Rützler ist das ein Grund, Gemüse weiterhin im Trend zu sehen. Das zeigt sich auch in den Küchen internationaler Spitzenköche. Sie erweitern ihr Repertoire und bieten kulinarische Variationen ganz ohne Fleisch an. Laut Rützler sorgt das für mehr Inspiration abseits der Fleischgerichte und im Endeffekt: mehr Lust auf Gemüse beim Verbraucher.

Ich glaube nicht, dass wir Vegetarier werden. Aber ich glaube, dass wir kritischere Fleischesser werden und bewusster wählen.

Hanni Rützler

Trend zwei: Arabisch-Israelische Gerichte

Falafel in Pita-Brot
Falafel-Wrap Bildrechte: IMAGO

Die Küche der "Levante", also der Länder der östlichen Mittelmeerküste (wie Syrien, Libanon, Israel, Jordanien sowie palästinensische Regionen) sieht Rützler hoch im Trend für 2018. Zum einen, weil sie durchaus gut und vielfältig mit Gemüse umgehen. Da gibt es Hummus, Falafel (frittierte Bällchen aus Kichererbsen Bohnen und Koriander) oder Schakschuka - pochierte Eier in einer Sauce aus Tomaten und Chilischoten und Zwiebeln.

Aber die Trendforscherin hat sich auch für diese Küche entschieden, "weil wir natürlich in den letzten Jahren natürlich auch sehr viele Migrationsströme aus diesem Kulturraum erleben." Und es eine Küche sei, die es uns sehr leicht mache. Seit wenigen Jahren erhalten diese "neuen" Geschmackswelten so auch Einzug in unseren Supermärkten.

Trend drei: Weniger Akzeptanz für hochverarbeitete, industriell erzeugte Lebensmittel

In den letzten Jahren ploppten auf vielen Produkten im Supermarkt Kennzeichnungen und Siegel auf, die Frische und Naturnähe versprachen. "Das Marketing war oft schneller als die Rezeptur", merkt Rützler an. Aber ihrer Meinung nach habe sich doch etwas bewegt in dieser Industrie. Die Branche verspüre einen enormen Druck, so die Ernährungswissenschaftlerin, von Seiten der Gesundheitslobby und auch von den Medien, dass Rezepturen gesünder werden, dass weniger Zusatzstoffe, Zucker oder Salz verwendet werden.

Viel würde sich zudem bei den kleinen Produzenten und den Start-Ups tun, die sehr auf das Naturbewusstsein der Verbraucher setzen. "Das gibt es noch nicht in jedem Supermarkt", sagt Rützler, "Aber tendenziell nimmt das zu und auch im Internet wird es leichter, Alternativen zu finden".

Trendforscherin Hanni Rützler testet einen Burger
Hanni Rützler bei der Verkostung des ersten Burgers mit Fleisch, das im Labor gezüchtet wurde. Bildrechte: dpa

Zu Person: Hanni Rützler ...ist eine österreichische Trendforscherin und Ernährungswissenschaftlerin.
In ihren Büchern schreibt sie über Esskultur, Nahrungstrends und die Zukunft unserer Ernährung.
Seit 2014 veröffentlicht die Trendforscherin jährlich den "Foodreport".

Über dieses Thema berichtet MDR Kultur auch im Radio : Kultur am Morgen | 05.07.2017 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2017, 18:03 Uhr

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