Darsteller in der Rolle der Olsenbande auf einer Bühne.
"Die Olsenbande hebt ab" im Theater Bildrechte: Uwe Soeder

Sommertheater Bautzener "Olsenbande" bietet perfektes Komödien-Handwerk

Benny, Björn und Egon sind derzeit im Sommertheater an der Ortenburg in Bautzen zu sehen. Schon eine Woche vor der Premiere waren 32.000 Tickets verkauft. Wie ist der Erfolg am Kassenhäuschen zu erklären? Eine Rezension.

von Wolfgang Schilling, MDR KULTUR-Theaterkritiker

Darsteller in der Rolle der Olsenbande auf einer Bühne.
"Die Olsenbande hebt ab" im Theater Bildrechte: Uwe Soeder

Da kommt einiges zusammen: Als erstes der Stoff, die Filme. Die sind natürlich einfach gut. Diese Grundkonstellation: Kleine kriminelle Kerntruppe, die den ganz großen Plan hat, ihn mit absurder Kreativität umsetzt, um dann doch immer wieder knapp zu scheitern. Die Truppe, die sich aber nie unterkriegen lässt, immer wieder aufrappelt und obwohl es viele Gründe gibt, sich zu trennen, doch immer zusammenbleibt – das hat natürlich etwas zutiefst Menschliches.

Die Witze unserer Jugend, Theater mit Liebe zum Detail

Dazu kommt diese Komik, der Sprachwitz, das Nostalgische auch. Das sind schließlich die Gags unserer Kindheit oder Jugend, damit sind wir groß geworden. Die Olsenbande ist einfach ein Stück Heimat. Das hat Lutz Hillmann, der Bautzener Intendant und Regisseur und eben auch Olsenbanden-Stückeschreiber erkannt - und in dieses Unternehmen investiert. Hier wird nicht am Ende der Saison noch mal etwas auf die Schnelle mitgenommen, nein, die Bautzener lassen es richtig krachen: Hier wird Theater mit Liebe zum Detail gespielt. Das ist so ein bisschen wie Weihnachten im Sommer. Einmal im Jahr wird die Modelleisenbahnanlage rausgeholt und da läuft Vati zu ganz großer Form auf. Weil er mit ganzem Herzen dabei ist. Und das spürt das Publikum. Auch eines, das sonst vielleicht nicht ins Theater geht.

Wie gut kann das Theater mit den Filmen mithalten?

Mit Kostüm und Maske kann man da ja schon mal viel machen - und tut es in diesem Fall auch. Aber entscheidend ist ja, was und wie gespielt wird. Lutz Hillmann setzt da auf die wirklich genialen DEFA-Synchrontexte. Das ist die halbe Miete. Den Rest zahlen die Darsteller drauf, die nicht mal in jedem Fall dem Original-Typ entsprechen. Olaf Hais, der den Egon gibt, ist eher ein kleiner bulliger Typ. Aber er beherrscht den Sprachgestus, die Körperlichkeit, ja und auch das Denken der Figur perfekt. Oder der Benny von Istvan Kobjela: Ein langer dünner Typ ist das, dem das leicht feiste des Originals völlig abgeht, der aber einen Benny spielt, der eigentlich viel besser ist als das Original. Die beiden sind eben keine Kopien, da ist untergründig was eigenes dabei. Bei Yvonne nicht, das soll aber überhaupt keine Kritik sein, denn Katja Reimann geht den anderen Weg. Sie setzt auf die perfekte Imitation. In Stimme, Gestik, Mimik und das hat sie drauf, 100 Prozent. Das macht einfach Spaß.

Ein Benny, der besser ist als das Original.

Wolfgang Schilling, MDR KULTUR-Kritiker

Darsteller in der Rolle der Olsenbande auf einer Bühne.
"Die Olsenbande hebt ab" in Bautzen Bildrechte: Uwe Soeder

Gelungenes 70er-Jahre Setting auf der Bühne

Beim Thema Setting nenne ich ganz deutlich einen Namen: Miroslaw Nowotny. Er firmiert im Programm ganz bescheiden unter Ausstattung. Was der Mann hier unter freiem Theaterhimmel leistet, ist unglaublich: Er hat einen originalen Filmfuhrpark angeschafft, vom kleinen grünen Polizei-Volvo, über den Gangster-Straßenkreuzer bis zur sechstürigen Mercedes-Limousine der dänischen Königin, kurvt hier alles über die Spielfläche. Selbst für die Flugzeuge, die ja eine wichtige Rolle spielen, hat man eine herrliche Lösung gefunden.

Und der Höhepunkt sowohl des Films als auch des gestrigen Abends, dieses Durchbrechen immer wieder neuer Mauern im dänischen Opernhaus. Auf die Partitur der Musik, die da vom Orchester gespielt wird, das haben sie mit einer Drehbühnenlösung hinbekommen. Ein kleines Orchester spielt pantomimisch zum Originalfilmsoundtrack, zu dem sich auch die Bautzener Bande durch das Bühnenbild hämmert, sägt und sprengt. Ich war gespannt, wie sie das hinkriegen – perfekt.

Die Olsenbande hebt an am deutsch-sorbischen Volkstheater
"Die Olsenbande hebt ab" im Theater Bildrechte: Uwe Soeder

Gesamt-Einschätzung: Punktabzug beim Timing der Gags

Der Abend hat mit drei Stunden Spieldauer, inklusive Versorgungs-Pause sozusagen doppelte Spielfilmlänge - und die muss ja irgendwo herkommen. Das Stück zeigt die eine oder andere wilde Autofahrt zu viel. Und auch wenn ich mich jetzt auf glattes Eis begebe: Die zur Kultfigur erklärte ältere Dame, die als Running-Gag durchs Stück geistert, ist nicht wirklich lustig, weil sie ihre Nummern nicht wirklich perfekt präsentiert. Wie manches, was im Bereich der Olsenbande Gegenspieler so ausgeheckt wird. Das stimmt oft das Timing nicht. Die Gags verpuffen.

Dass das besser geht, beweisen zwei Darsteller, die ich hier unbedingt noch nennen möchte: Mirko Brankatschk und Ralph Hensel. Die spielen die beiden Polizisten Holm und Jensen. Die Kommissare im übertriebenen Pepita-Look. Kleine Beamte, die an der Nahtstelle von Politik, Großkapital und dem wahren Verbrechen dem Wahnsinn nahe kommen. Sie haben von Lutz Hillmann erstens auch eigene, auf das hier und heute gemünzte kabarettistische Texte geschrieben bekommen. Und wie Mirko Brankatschk und Ralph Hensel das präsentieren, das ist hohes Komödien-Handwerk, perfekt beherrscht. Da kriegen zwei mehr oder weniger lustige Filmnebenfiguren plötzlich ein Bühnenformat, dass man in die Nähe shakespearschen Narren rücken kann.

Weitere Termine: Die Olsenbande hebt ab. Noch bis zum 22. Juli immer von Mittwoch bis Sonntag im Hof der Ortenburg in Bautzen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Juni 2018 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018, 12:10 Uhr