Ausgewählt Die Alben des Jahres 2019

Unsere Musikredakteure haben die Neuveröffentlichungen des Jahres 2019 begutachtet und die ihrer Meinung nach besten Alben ausgewählt. Es hat sich gelohnt, ihre Tipps reichen von Jazz über anspruchsvollen Teenagerpop, Indiesound, bis hin zu Singer/Songwriter- und Hiphop-Songs. Unter den Künstlerinnen und Künstlern sind unter anderem Catt, Elbow, Billie Eilish, Jade Bird und Deichkind.


Sarah McCoy: "Blood Siren"

Moonshine Whiskey, die dunklen Gassen eines Rotlichtviertels , Voodoosounds. Man scheint die Hühnerknochen in den Mojobeuteln der Deltahexen klappern zuhören, wenn Sarah McCoy auf ihrem Album "Blood Siren" – mit der Unterstützung von Chilly Gonzales – den Geist des untergegangen New Orleans, der Zuhälter, Jazzbars und Opiumhöhlen heraufbeschwört. Theatralisch, groß, gewaltig. (JK)


Yann Tiersen: "All"

Vielleicht das versunkenste Alben des Klanggenies. Alleine der Eröffnungssong "Tempelhof" ist Kopfkinomusik allerhöchster Qualität. Streng verdichtete Atmosphäre, die viel Platz für universelle Gedanken lässt. (JK)


Elbow: "Giants Of All Sizes"

Die nicht mehr ganz so anschmeichelnde Umarmung eines Freundes. Elbow sind erwachsen geworden und musikalisch gewachsen an den Brüchen unserer Zeit. "Weightless" – mein persönlicher Triumphmusikmoment der Kunst über die Kratzbürstigkeit unserer Zeit. (JK)


Brittany Howard: "Jaime"

Achtung Mädels, hier kommt ein echtes Role Model! Brittany Howard aus den amerikanischen Südstaaten hat ihre Erfahrungen mit Rassismus, Angst und Schuldgefühlen in einem umwerfenden Opus der Befreiung verarbeitet. Auf ihrem Debutalbum "Jaime" beschäftigt sich die Frontfrau der "Alabama Shakes" nicht nur mit Politik und Religion ihrer Heimat, sondern wagt mit dem Lovesong "Georgia" auch noch ein ganz persönliches "Outing". In ihrer Musik kulminiert das Beste, was die amerikanische Musikgeschichte von Gospel bis Hiphop hervorgebracht hat auf kreativ-unperfekte Weise im Kraftpaket. Für alle, die eine Seelenstärkung gut gebrauchen können. (HE)


Vincent Peirani & Serena Fisseau: "So Quiet"

Das ist das Poetischste, was man zu zweit auf ein Album bringen kann. Pure Inspiration, Meditation, Schönheit. Der sonst als barfüßiger Derwisch in der Jazzwelt auffällig gewordene Super-Akkordeonist Vincent Peirani hat in einem stillen Moment all seine Jazz-Echo-Preise vergessen und zusammen mit seiner Frau Serena Fisseau vierzehn Lieblingslieder aus der Kategorie berühmte Werke des popmusikalischen Weltliederbuchs eingespielt. Ein Balg, Tasten und eine Stimme, mehr braucht es manchmal nicht. So Quiet. So betörend. (HE)


Taxi Wars: "Artificial Horizon"

Wer hätte das gedacht? Jazz kann auch Spaß machen. Und entgegen anders lautenden Vorurteilen umso mehr, wenn er intelligent gemacht ist. dEUS-Mastermind Tom Barman und seine drei belgischen Kollegen nehmen den Hörer mit Gesang, Klavier, Saxophon und Kontrabass mit auf einen Trip in die innere Horizonterweiterung ohne drohenden Letdown. Ob anregend auf langen Autofahrten oder kontemplativ in der Sofalandschaft – es groovt. Doch nicht eindeutig Jazz? Dazu sagte ein schlauer Kritiker kürzlich Folgendes: "Schubladen sind eher was für Schreiner als für Musikliebhaber." So ist es. (HE)


Catt: "Moon"

Katharina Schorling, Anfang 20, zugereiste Berlinerin mit Wurzeln in der Provinz, ist ein bemerkenswertes Talent. Mit ihrem Debut wagt sie sich im Sommer aus dem Schatten. Bisher hat sie geduldig abgewartet, beobachtet, ausprobiert, gelernt und für andere geschrieben und musiziert. Und nun: "Moon"! Songs mit klarer, weicher, schöner Struktur. Sehr sparsam instrumentiert, pointiert, bemerkenswert organisch. Da ist nix kantiges – und doch wirkt Catt in ihrer Art zu singen und zu spielen nie verschwommen oder konturlos. Songs, zu gut, um sie nur bei Mondschein zu hören. (HP)


Billie Eilish: "When We All Fall Asleep, Where Do We Go?"

Vielleicht war es ein bisschen viel Hype um die 18-jährige aus Kalifornien. Das wichtigste Album seit Nirvanas "Nevermind" – so prophezeite es der ehemalige Nirvana-Drummer Dave Grohl! Der muss es wissen. Egal, ob nun Bedroom-Pop-Trap-Cloud-Whatever – Billie Eilish hangelt sich mit bemerkenswerter Sicherheit durch beeindruckend ausdifferenzierte Songideen. Dabei biedert sie sich eben gerade nicht beim Massengeschmack an – dafür ist das alles zu unberechenbar, zu wierd, zu schräg, zu spooky. Definitiv mehr als nur well done! (HP)


Deichkind: "Wer sagt denn das?"

Diese Band muss eigentlich nicht extra gewürdigt werden. Oder gerade doch! Seit Jahren spielen Deichkind in Sachen Witz, sprachlicher Treffsicherheit und gekonnter Lust am Balancieren zwischen albernem Trash und klarer Botschaft in einer eigenen Liga. Da macht ihr siebtes Album keine Ausnahme. Doch allein für den Titeltrack, in dem sie mal eben in unfassbarer Leichtigkeit all den Wahnsinn unserer Zeit zwischen digitalem Mob, Fakenewsgeschrei und PC-Hysterie auf die Schippe nehmen, verdienen sie einen Preis! Deichkind sind nur Party-Prolls? Wer sagt denn das?! (HP)


Jade Bird: "Jade Bird"

ENDLICH! Mehr als zwei Jahre ist das her, dass diese energiegeladene Sängerin bei diversen Festivals vom amerikanischen SXSW bis zum Hamburger Reeperbahnfestival für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Und dann musste man sich noch gut zwei Jahre mit Youtube-Videos und einer EP begnügen. Nun das selbstbetitelte Debut. Jade Bird ist LIVE eine Urgewalt. Mit einer Stimme, die an Dusty Springfield oder Janis Joplin erinnert. Gepaart mit Witz und Charme. Davon gibt es auf dem Album eine Menge. Bei Songs wie "Lottery", "I Get No Joy" oder dem großartig, rotzig-zynisch-bösem "Uh Hah" ist all das da. Es gibt die sanften Momente ebenso wie den Witz (dieses herrlich freche "Going Gone" zum Beispiel, das fast schon in einen Country-Gassenhauer abkippt) Da darf gern mehr kommen. (HP)

Jade Bird, Studiosession 20 min
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Sie ist jung, wild und unglaublich talentiert: Jade Bird ist mit ihrem Debüt-Album zu Gast in der MDR KULTUR-Studiosession.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 23.02.2019 16:05Uhr 20:09 min

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Jahresrückschau 2019

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Dezember 2019 | 18:05 Uhr

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