Dieter Jaßlauk in der Inszenierung "Peer Gynt"
Dieter Jaßlauk in seiner letzten Rolle in "Peer Gynt" Bildrechte: Schauspiel Leipzig

Trauer Leipziger Schauspieler Dieter Jaßlauk gestorben

Dieter Jaßlauk in der Inszenierung "Peer Gynt"
Dieter Jaßlauk in seiner letzten Rolle in "Peer Gynt" Bildrechte: Schauspiel Leipzig

Der Schauspieler Dieter Jaßlauk ist tot. Wie das Schauspiel Leipzig am Dienstag mitteilte, starb er bereits vergangene Woche im Alter von 85 Jahren. Über 40 Jahre stand der Schauspieler in Leipzig auf der Bühne, hier gehörte er zur "alten Garde".

Das ist eine sehr traurige Nachricht für uns alle. Ich bin unendlich traurig, dass Dieter nicht mehr unter uns weilt – aber auch unendlich dankbar, so einen tollen, besonderen, herzensguten Menschen kennengelernt zu haben.

Enrico Lübbe, Intendant Schauspiel Leipzig

Von 1978 bis 2007 gehörte Jaßlauk zum festen Ensemble des Schauspiels Leipzig, doch auch darüber hinaus blieb er dem Haus als Gast verbunden. Seine letzte Rolle war die von Peer Gynts Mutter, Aase, in der Inszenierung des gleichnamigen Ibsen-Stückes "Peer Gynt" 2017/18. Mit dieser Rolle nahm Dieter Jaßlauk auch seinen Bühnenabschied: in seiner Heimatstadt, beim Gastspiel der Inszenierung im Rahmen der Sächsischen Theatertage 2018 am Staatsschauspiel Dresden. Diese besondere Aufführung bleibe sicherlich unvergessen, betonte das Schauspiel Leipzig in seinem Nachruf. Jaßlauk habe diesen Bühnen-Abschied gestaltet, wie er stets auf der Bühne und im Leben war: in aller Kollegialität – und in aller Bescheidenheit.

Fürsprecher einer Figur zu sein, ebenso wie auch der jeweiligen Aufführung und sich stets als Teil des Ensembles zu sehen, ist die Berufsauffassung gewesen, mit der Dieter Jaßlauk – leise, aber nachdrücklich, berührend und besonders – das Theater geprägt hat.

Aus dem Nachruf des Schauspiel Leipzig

Theaterlaufbahn begann in Meiningen

Jaßlauk wurde in Dresden geboren und begann seine Theaterlaufbahn 1958 am Theater Meiningen. Er wechselte dann nach Stralsund und startete 1978 sein Engagement am Schauspiel Leipzig als Kent in Shakespeares "König Lear". Einem breiteren Fernsehpublikum wurde er zwischen 2001 und 2013 in zwölf Tatort-Folgen bekannt. So spielte er zum Beispiel den Inhaber der Pension, in der der Leipziger Kommissar Keppler, gespielt von Martin Wuttke, sein Zimmer hatte.

Dieter Jaßlauk überzeugte wie wenige durch Sparsamkeit. Jede Wendung, jede Geste entwickelte er aus einem sicheren Wissen um Wahrhaftigkeit. Kurz bevor er dann sprach und spielte, gab er seinem Auftritt eine Winzigkeit Übermut hinzu, unmerklich fast und doch hoch artistisch. Ein großer Mime.

Stefan Kanis, Produktionsleiter MDR Hörspiel

Unzählige Leipziger Rollen

Jaßlauk verkörperte unzählige Rollen in Leipzig. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit der Regisseurin Konstanze Lauterbach in den 90er-Jahren. In den 2000er-Jahren spielte er unter anderem den Pater Lorenzo in Shakespeares "Romeo und Julia" oder den George in David Mamets "Enten Variationen". Mit der ihm eigenen Präsenz brachte er vor allem stumme Rollen zum stillen Leuchten, wie in Schwabs "Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos".

In zahlreichen Produktionen des Mitteldeutschen Rundfunks wirkte er als Sprecher mit, u. a. im Jahr 2000 in der Hörfunkbearbeitung des Romans "Die Päpstin".

Die letzten Male, die ich Dieter Jaßlauk auf der Bühne gesehen hatte, war ich beeindruckt von seiner Präsenz und genauen Spielweise, die auf allen Firlefanz und Beiwerk verzichtet hatte. Den dargestellten Figuren verlieh er dadurch Würde. Er nahm sie ernst und stellte auch die Sprache in den Vordergrund. Ich mochte auch seinen Sinn für seinen Witz, der oft trocken, fast norddeutsch rüberkam.

Stefan Petraschewski, Theaterredakteur MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 15. Oktober 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 16:00 Uhr

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