Animationsserie, Szene aus 'Disenchantment'.
Prinzessin Bean mit Elf und Teufel in der neuen Serie "Disenchantment" Bildrechte: The ULULU Company

Neue Serie von Matt Groening Wie viel Simpsons in "Disenchantment" steckt

Nach "Die Simpsons" und "Futurama" veröffentlicht Matt Groening seine dritte Zeichentrickserie "Disenchantment". Die Handlung spielt in einem mittelalterlichen, brutalen Königreich à la "Game of Thrones" und erzählt von einer rebellischen Prinzessin namens Bean. Optisch erinnert die Serie stark an "Die Simpsons", an deren gesellschaftskritischen Humor kommt "Disenchantment" aber nicht heran.

von Anna Wollner, MDR KULTUR-Serienkritikerin

Animationsserie, Szene aus 'Disenchantment'.
Prinzessin Bean mit Elf und Teufel in der neuen Serie "Disenchantment" Bildrechte: The ULULU Company

Die ersten zehn Folgen von "Disenchantment" gibt es jetzt beim Streaming-Anbieter Netflix. Sie stammt von Matt Groening, der 1989 mit seiner etwas anderen Fernsehfamilie "Die Simpsons" einen absoluten Kult erschuf. Rein optisch steckt eine ganze Menge von den "Simpsons" in der neuen Serie. Die Hauptfigur Bean zum Beispiel, eine Prinzessin auf Abwegen, hat sehr viel von Lisa Simpson. Sie ist eine Prinzessin mit schneeweißen Haaren, eine Anspielung auf Kaleesie aus "Game of Thrones". Nach einer unbeschwerten Kindheit hat sie Probleme mit der bösen Stiefmutter und rebelliert weit über die Pubertät hinhaus. Am liebsten treibt sie sich in zwielichtigen Kaschemen herum, trinkt, spielt und will Männer verführen.

Animationsserie, Szene aus 'Disenchantment'.
Unterwegs im mittelalterlichen Königreich Dreamland Bildrechte: The ULULU Company

Ihr Vater, der König, versucht dem Ganzen mit einer Zwangsheirat Einhalt zu gebieten. Eine Eheschließung, die gehörig schiefläuft, denn Ehemann Nummer Eins hängt noch vor Abschluss der Zeremonie mit dem Kopf in einem Schwert. Der Ersatz, sein Bruder, ist auch keine wirkliche Alternative und so flieht Bean mit einem kleinen grünen Elf und einem Teufel namens Luci in ein vermeintlich besseres Leben: die Freiheit ausserhalb der elterlichen Burgmauern. Die Hauptfigur ist klug, emanzipiert, vorlaut, nur eben mit dem Hang zu viel zu trinken, so ganz unladylike.

Stil und Charme der Simpsons

Der ganze Stil und Charme von "Disenchantment" ist ähnlich wie bei Groenings erster Serie. Signifikanter Unterschied allerdings: Die Simpsons haben nur vier Finger, die Menschen hier fünf. Wobei der ein oder andere Finger dran glauben muss, denn es fließt in dieser brutalen Welt eben auch sehr viel Zeichentrickblut.

Während "Die Simpsons" in der Gegenwart spielt und die Groening-Serie "Futurama" einen Blick in die Zukunft wirft, hat "Disenchantment" eine Handlung in der Vergangenheit - genauer gesagt im Mittelalter. Es ist ein Fantasy-Märchen, das aber kein klassisches Disney-Märchen ist, sondern eher eine Parodie von "Game of Thrones". Die Serie spielt in Westeros bzw. Dreamland, so heißt die Fantasiewelt hier.

Nicht alle Gags zünden

Animationsserie, Szene aus 'Disenchantment'.
Kaleesie aus "Game of Thrones" trifft Lisa Simpson: Prinzessin Bean Bildrechte: The ULULU Company

Die Simpsons zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass sie gesellschaftlich relevante Themen ansprechen, manchmal sogar eine versteckt politische Botschaft haben. Das gibt es in "Disenchantment" entweder so subtil, dass es nicht erkennbar ist oder eben mit dem Holzhammer und damit leider verschenkt. Der König zum Beispiel, Vater von Bean hat orangene Haare, ist ein ziemlicher Trampel und erinnert an ein bockiges Kind im Kindergarten. Die Parallelen zu Trump liegen auf der Hand, aber das ist zu wenig. Wortwitz findet viel zu selten statt und leider zünden nicht alle Gags.

Ich meine jeder kommt doch irgendwann an einen Punkt in seinem Leben, wo er rausfinden muss, wer er ist. Ich bin echt ein guter Schlachter. - Dies ist eine Tierhandlung.

Dialog aus Disenchantment

Die Serie verschenkt jeden Ansatz von Zeitgeist, orientiert sich vom Humor an Monthy Python und Co, wirkt also fast schon wieder nostalgisch, was das Leben und Sterben im Mittelalter angeht mit der Welt voller Elfen, Kobolden, Dämonen und Antihelden. Interessant ist da schon eher, dass es eben eine weibliche Hauptfigur ist, die sich nichts sagen lässt und die ganz emanzipiert ihren eigenen Weg gehen will - quasi eine Antiheldin in einem sehr rauen Umfeld.

"Disenchantement" heißt Ernüchterung

Animationsserie, Szene aus 'Disenchantment'.
Animationsepos mit Luft nach oben: "Disenchantment" Bildrechte: The ULULU Company

Der Serientitel bedeutet übersetzt so viel wie Ernüchterung oder Entzauberung. Tatsächlich ist man ein bisschen enttäuscht, denn an "Die Simpsons" oder "Futurama" reicht "Disenchantment" bei Weitem nicht heran. Wobei man fairerweise sagen muss, dass die Simpsons auch erst nach ein paar Staffeln ihre Stimme gefunden haben und sich von Folge zu Folge mit Höhen und Tiefen weiterentwickelt haben. Aber was Matt Groening abliefert ist im direkten Vergleich zu zahm, mit sehr viel Luft nach oben. Bleibt zu hoffen, dass sich die Serie noch ein wenig entwickeln wird, denn Staffel Zwei wurde von Netflix schon bestellt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. August 2018 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2018, 07:18 Uhr

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