Der Kurator und Autor Okwui Enwezor verstarb im Alter von 55 Jahren. Bildrechte: dpa

Trauer Ehemaliger Documenta-Chef Okwui Enwezor ist tot

Der Kurator und Autor Okwui Enwezor verstarb im Alter von 55 Jahren. Bildrechte: dpa

Der ehemalige künstlerische Leiter des Hauses der Kunst in München, Okwui Enwezor, ist tot. Der Nigerianer starb im Alter von 55 Jahren an einer Krebserkrankung in einem Münchener Krankenhaus. Dies bestätigte das Museum am Freitag.

Enwezor verantwortete verschiedene große Ausstellungen. Als erster Nicht-Europäer leitete er 2002 die Documenta 11 in Kassel. Zudem leitete er 2015 die Bienalennale in Venedig. Weiterhin war er als außerordentlicher Kurator am International Center of Photography in New York tätig. Von 2011 bis 2018 leitete er das Haus der Kunst in München. Am 1. Juni 2018 legte er sein Amt in München aufgrund seiner Erkrankung nieder.

Der Sohn eines Bauunrternehmers verließ mit 19 Jahren seine Heimat Nigeria, um in New York Literatur und Politikwissenschaft zu studieren. Bekannt wurde er zunächst als Literaturkritiker und Essayist. 1993 gründete Enwezor die Zeitschrift "Nka: Journal of Contemporary Art" , mit dem Ziel eine Plattform für afroamerikanische Kunst zu schaffen.

Internationales Aufsehen erregte die von Enwezor kuratierte Ausstellung "Postwar" im Münchener Haus der Kunst. Darin wurden die ersten 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg anhand von Kunstwerken dargestellt. 2014 erhielt der Kurator das Bundesverdienstkreuz. Der damalige Bundespräsident Joachim Gauck würdigte ihn als einen der "herausragenden Kuratoren in der Bundesrepublik Deutschland".

In seiner Zeit in München gab es jedoch auch Kritik an seiner Arbeit. Das Haus hatte Geldprobleme, Angestellten wurde die Nähe zu Scientology attestiert und Fälle sexueller Belästigung sorgten für Schlagzeilen. Der Aufsichtsrat stellte Enwezor einen kaufmännischen Geschäftsführer an die Seite. Enwezor fühlte sich zum Ende seiner Tätigkeit "nicht mehr erwünscht", wie er dem Spiegel in einem Interview mitteilte.

Wir verlieren einen brillanten Intellektuellen, einen nicht nur in der Kunst enzyklopädisch gebildeten Weltmann und einen einfühlsamen Kunstförderer.

Bayerns Kunstminister Bernd Sibler

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2019, 09:27 Uhr