Übersicht Filme über Flucht und Migration beim DOK Leipzig

Seit einigen Jahren wird in Deutschland und ganz Europa erneut über Identität, Einwanderung und Zugehörigkeit diskutiert. Diese Debatten bewegen auch Filmemacher und -macherinnen, die dieses Jahr zum DOK Leipzig eingeladen wurden. Sie beschäftigen sich mit den Widersprüchen einen dunkelhäutigen Jesus anzubeten, aber afrikanische Flüchtlinge abzulehnen. Oder fragen nach der Herausforderung, zwischen zwei Sprachen zu leben. Die interessantesten Filme zum Thema "Flucht und Migration" hat MDR KULTUR für Sie zusammengefasst.

Programmhefte des internationalen Dokumentar- und Animationsfilmfestivals (DOK) liegen auf einer Pressekonferenz in Leipzig.
Bildrechte: dpa

"Appropriation Takes You on a Weird Ride"

Menschen in Deutschland pflegen bereits seit Jahrhunderten eine Faszination für die Kultur und Klischees der amerikanischen Ureinwohner. Nina Fischer und Maroan al Sani untersuchen, welche Formen diese Begeisterung annehmen kann und fragen, wie die Fans selbst zu ihrer Begeisterung stehen.

Wann und Wo? 29. Oktober, 19.30 Uhr im Grassimuseum
31. Oktober, 17.45 Uhr im CineStar
1. November, 12 Uhr im CineStar
vom 30. Oktober bis zum 13. November online auf culturebase.org abrufbar

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Bildrechte: Dok Leipzig / Appropriation Takes You on a Weird Ride / Nina Fischer, Maroan el Sani

"A Black Jesus"

In der kleinen, sizilianischen Stadt Siculiana wird ein schwarzer Jesus verehrt, doch an die Geflüchteten in der zum Asylheim umfunktionierten Villa Sikania können sie sich nicht gewöhnen. Luca Lucchesi begleitet Stadtbewohner und Gestrandete, wie sie gemeinsam zur Kirche gehen, in der keine Gemeinschaft entsteht.

Wann und Wo? 27. Oktober, 15 Uhr in den Passage Kinos
29. Oktober, 11.30 Uhr im Cinestar
30. Oktober, 22 Uhr in der Cinémathèque
31. Oktober, 15 Uhr im Cinestar
vom 28. Oktober bis zum 11. November online auf culturebase.org abrufbar

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Bildrechte: Dok Leipzig / A Black Jesus / Luca Lucchesi

"City Paradise"

Die Japanerin Tomoko hat sich gut auf ihre Reise nach London vorbereitet und hat gegen die Einsamkeit ihre Goldfische mitgebracht. Doch kaum ist sie in der englischen Metropole, fühlt sie sich doch allein und bringt trotz Sprachkurs kein Wort heraus. Gaëlle Denis fängt die Schwierigkeiten ein, wenn man von der ganzen Welt angenommen werden möchte.

Wann und Wo? 28. Oktober, 17 Uhr im Grassimuseum
31. Oktober, 17.45 Uhr in den Passage Kinos
vom 29. Oktober bis zum 12. November online auf culturebase.org abrufbar

"Everything That Is Forgotten in an Instant"

Ein Mann sammelt für seine Töchter Erinnerungen und erzählt von seinem Leben zwischen Buenos Aires und New York, zwischen verschiedenen Sprachen und Lebensumständen. Ein Sohn wandert zu einer anderen Zeit auf den Spuren seines Vaters. Ebenso wie er 16mm-Filmaufnahmen mit Hi8-Bändern kombiniert, erzählt Richard Shpuntoff über kulturelle Identitäten, Stadtentwicklung und Sprachen. Dabei spielt er gleichzeitig mit den Mitteln des Films, die nur scheinbar immer kongruent sind.

Wann und Wo? 28. Oktober, 19.30 Uhr in der Cinémathèque
29. Oktober, 17.15 Uhr in den Passage Kinos
30. Oktober, 14 Uhr im Cinestar
vom 29. Oktober bis zum 12. November online auf culturebase.org abrufbar

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Bildrechte: Dok Leipzig / Everything That Is Forgotten in an Instant / Richard Shpuntoff

"Gimme One"

Die Ballroom-Szene entstand im New York Mitte des 20. Jahrhunderts. Nicht-weiße Trans-Personen schufen sich auf diese Weise Räume, um ihrer Individualität Ausdruck zu verleihen. Montague FitzGerald spricht mit fünf Menschen, die in dieser Subkultur aktiv sind, über die Bedeutung dieser Orte, in der weiße und heteronormative Strukturen nicht greifen.

Wann und Wo? Der Film ist Teil der Ausstellung "Extended Reality: DOK Neuland. Resonating Spaces" im Museum der bildenden Künste
zu sehen vom 27.-31. Oktober. Der Eintritt ist frei.

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Bildrechte: Dok Leipzig / Gimme One / Montague FitzGerald

"Grenzland"

Dort, wo die Oder nicht nur eine natürliche, sondern auch eine politische Grenze darstellt, war Heimat kein Begriff der Beständigkeit, sondern des Wandels. Andreas Voigt ist in der Grenzregion zwischen Deutschland und Polen unterwegs und spricht mit den Menschen über Heimat, Europa und Zughörigkeitsgefühle. "Als Kinofilm, dem es nicht an der Verabreichung politisch korrekter Trennkost gelegen ist, provoziert 'Grenzland' Erfahrungen und ermöglicht Begegnungen", schreibt Ralph Eue vom Dok-Filmfestival.

Wann und Wo? 29. Oktober, 20.30 Uhr im Cinestar
30. Oktober, 20 Uhr Uhr im Leipziger Hauptbahnhof (Freier Eintritt)
31. Oktober, 17.15 Uhr in der Schauburg
vom 30. Oktober bis zum 13. November online auf culturebase.org abrufbar

Filmszene "Grenzland"
Bildrechte: DOK Leipzig 2020 / Grenzland / Andreas Voigt

"Hide and Seek"

Laut der UNO waren 2019 ungefähr 26 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Einige Familien kamen auch nach Deutschland, wo ihre Kinder nun zur Schule gehen. Felix Golenko und Matthias Wölbing haben mit drei Kindern über ihre Träume und Wünsche gesprochen. Bebildert wurden diese Interviews mit Kinderzeichnungen.

Wann und Wo? 31. Oktober, 15 Uhr in der Schaubühne Lindenfels
1. November, 15 Uhr in der Schauburg
vom 1. November bis zum 15. November online auf culturebase.org abrufbar

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Bildrechte: Dok Leipzig / Hide and Seek / Felix Golenko, Matthias Wölbing

"Operation Moonbird"

Immer wieder wird in Deutschland über Seenotrettung diskutiert. Die heftigsten Reaktionen löste dabei ein Artikel aus, in dem es darum ging, ob Menschen, die auf der Flucht nach Europa zu ertrinken drohen, gerettet werden müssen oder nicht. Dustin Lose zeigt, wie sich ein Kapitän von einem Ertrinkenden abwendet, obwohl der Pilot eines Aufklärungsflugzeugs ihn auffordert ,einzugreifen. "Dies ist kein Film über die vermeintliche Flüchtlingsproblematik, sondern einer über das Problem namens Europa", erklärt Borjana Gaković vom DOK Leipzig.

Wann und Wo? 27. Oktober, 21.45 Uhr in der Cinémathèque
28. Oktober, 20.45 Uhr in der Schaubühne Lindenfels
29. Oktober, 12 Uhr im Cinestar
vom 28. Oktober bis zum 11. November online auf culturebase.org abrufbar

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Bildrechte: Dok Leipzig / Operation Moonbird / Dustin Lose

"Seepferdchen"

Hanan ist mir ihrer Familie über das Meer nach Europa gekommen, das Meer in dem schon so viele Menschen auf der Flucht gestorben sind. Nun hat sie selbst Schwimmen gelernt und begleitet ihren kleinen Bruder zum Schwimmunterricht.

Wann und Wo? 30. Oktober, 15 Uhr in der Schaubühne
31. Oktober, 14 Uhr in den Passage Kinos
vom 31. Oktober bis zum 14. November online auf culturebase.org abrufbar

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Bildrechte: Dok Leipzig / Seepferdchen / Nele Dehnenkamp

"Slaves"

In Schweden berichten Abuk und Machiek, wie sie als Kinder im Südsudan von Milizen gefangen genommen und versklavt wurden. David Aronowitsch und Hanna Heilborn verbinden Originalaufnahmen mit Animationen, die die Schrecken aus Kinderaugen einfangen versuchen.

Wann und Wo? 29. Oktober, 17 Uhr im Grassimuseum
30. Oktober, 17.45 Uhr in den Passage Kinos
vom 30. Oktober bis zum 13. November online auf culturebase.org abrufbar

"Their Algeria"

Lina Soualem wandelt auf den Spuren ihrer Großeltern. Die haben sich zwar getrennt, doch Aïcha versorgt ihren Mann weiter. Diese Beziehung scheint sie zu faszinieren. Doch die Spurensuche reicht weiter bis in die Stadt Laaouamer und der französischen Kolonialherrschaft über Algerien. "Ihre Ermittlung ist eine liebevolle: nachdrücklich, nie bohrend", erklärt Carolin Weidner vom DOK Leipzig.

Wann und Wo? 30. Oktober, 17 Uhr im Cinestar und online
31. Oktober, 14 Uhr im Cinestar
1. November, 22 Uhr in der Cinémathèque
vom 31. Oktober bis zum 14. November online auf culturebase.org abrufbar

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Bildrechte: Dok Leipzig / Their Algeria / Lina Soualem

"Die Wächterin"

Die syrisch-orthodoxe Nonne Daryato ist die Hüterin einer Kirche im Südosten der Türkei. Nur selten finden Gläubige auf der Durchreise zu ihr. Meistens kümmert sie sich um ihre Tiere und hält das Gotteshaus instand. Aus der muslimisch geprägten Nachbarschaft wird sie angefeindet, doch Daryato bleibt. Martina Priessner begleitet die Nonne durch ihren Alltag, der von Argwohn und Furchtlosigkeit geprägt ist.

Wann und Wo? 27. Oktober, 15 Uhr in der Schaubühne Lindenfels
29. Oktober, 17.45 Uhr im Cinestar
31. Oktober, 20.30 Uhr in den Passage Kinos
vom 28. Oktober bis zum 11. November online auf culturebase.org abrufbar

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Bildrechte: Dok Leipzig / Die Wächterin / Martina Priessner

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Oktober 2020 | 07:10 Uhr