DOK Leipzig "Atomkraft Forever" - Der Aufwand vom Rückbau eines Atomkraftwerks

Deutschland hat den Atomaussteig bereits beschlossen, doch es gibt wenig Nachahmer. Immer noch halten viele an der Sicherheit und Sauberkeit von Atomenergie fest. "Atomkraft Forever", der Film von Carsten Rau, zeigt Dimensionen von der Gefährlichkeit der Atomenergie, von dem Aufwand des Rückbaus von Atomkraftwerken, z. B. in Greifswald und von der Endlagersuche. Bei DOK Leipzig hatte der Film nun Weltpremiere, im Frühjahr 2021 kommt er in die Kinos – wenn die Katastrophe in Fukushima genau zehn Jahre zurückliegt.

Mann und Frau schneiden Rosen vor einem Kernkraftwerk/Filmszene aus "Atomkraft Forever"
Filmszene aus "Atomkraft forever" Bildrechte: Carsten Rau

"Das Atom sei Arbeiter und nicht Krieger"  – so lautet ein sozialistischer Slogan aus den 70er-Jahren. Damals wurde das Kernkraftwerk Greifswald in Betrieb genommen. Regierung, Arbeiter und Forscher träumten im Einklang von der friedlichen Nutzung der Atomkraft, für den Wohlstand und die Gleichheit der Völker.

Carsten Rau, Regisseur, schaut direkt, leicht lächelnd in die Kamera. 7 min
Bildrechte: PIER53

Von der Utopie bis zur Katastrophe

Die Kernenergie war von Anfang an ein utopisches Projekt. Und das ist sie, Tschernobyl, Fukushima und einen deutschen Atomausstieg später, immer noch. Carsten Raus neuer Film "Atomkraft Forever" macht es sonnenklar. Da mag man sich noch so oft vor Augen halten, was mit dem Bau eines Kraftwerkes verbunden ist: Dass es durchschnittlich nur 40 Jahre läuft, aber fast genau so lange demontiert werden muss. Was für einen Kraftakt es bedeutet, auch in finanzieller Hinsicht, ein gesamtes Werk Stein für Stein und Kabel für Kabel zu dekontaminieren und sicher in Kisten zu verpacken, zeigen große Leinwandbilder am Beispiel Greifswald.

Das war ja ein Menschheitstraum, der Traum vom billigen sicheren Strom, die Sonne in der Kontrolle des Menschen. Doch sicher und billig ist so eine Sache bestimmt nicht mehr.

Regisseur Carsten Rau im Gespräch mit MDR KULTUR

Ein Atomkraftwerk für das Heimatgefühl

Saubere Energie für wenig Geld? So wird heute immer noch argumentiert und die Atomkraft als Garant gegen den Klimawandel aufgestellt. Aber auch Heimat ist ein Begriff, der den Anwohnern beim Anblick ihres lokalen Atomkraftwerkes über die Lippen kommt. Ein französischer Nachwuchs-Kernforscher schwärmt in poetischen Worten von der Schönheit und Kraft des Atoms, als sei er eben in der Sowjetunion ausgebildet worden.

Der Aufwand dieses Rückbaus ist absurd. Es kommen allein in Greifswald 600.000 Tonnen an Beton, Stahl, Eisen, Aluminium oder was immer zusammen, das rückgebaut und dekontaminiert werden muss. Das dauert Jahrzehnte.

Regisseur Carsten Rau im Gespräch mit MDR KULTUR
Filmszene "Atomkraft Forever"
Filmszene "Atomkraft Forever" Bildrechte: DOK Leipzig 2020 / Atomkraft Forever / Carsten Rau

Die Utopie lebt, der Atommüll auch, und zwar für ungefähr eine Million Jahre. Die Suche nach dem Endlager hat gerade erst begonnen. Und dass es komplizierter wird, als es sich aus Nachrichtenmeldungen heraushören lässt, zeigt im Film ein Blick hinter die Kulissen. Atomausstieg schön und gut, aber Deutschland ist in diesem Fall das gallische Dorf. "Atomkraft Forever" vermittelt einen Eindruck von der enormen Dimension der Kernkraft-Debatte, damals wie heute. Aktueller könnte er kaum sein.

Wenn Sie exemplarisch am Beispiel des Kernkraftwerks bei Greifswald sehen, das war, ich glaube, 14 Jahre am Netz, wird seit 1995 zurück gebaut, 2028 sollen die fertig sein. Dann steht das in keinem wirtschaftlichen Verhältnis, da muss ich über die Gefahren der Atomenergie nicht lange diskutieren.

Regisseur Carsten Rau im Gespräch mit MDR KULTUR

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Oktober 2020 | 07:15 Uhr