Mehr als ein Plädoyer Dokfilm: "Anders Essen" – Familie Richter unternimmt ein Experiment

Indonesische Palmöl-Plantagen, Sojamonokulturen in Lateinamerika, ein "Meer aus Plastik" für Tomaten in Spanien: Dass wir "Anders essen" sollten – und können, das zeigt dieser Dokfilm und lädt drei Familien zum Experiment. So bleiben die Filmemacher Kurt Langbein und Andrea Ernst nicht bei der Analyse der komplexen industriellen Nahrungsmittelproduktion mit ihren schlimmen Konsequenzen, sondern vermitteln, wie wir den Planeten und unsere Gesundheit schonen. Ein "Lehrfilm" im besten Sinne!

von Hartwig Tegeler, MDR KULTUR-Autor

Anders Essen, Film, Filmbild
Familie Kovacs probiert Frisches aus der Direktvermarktung Bildrechte: Langbein & Partner

Pünktlich zum Beginn der Fastenzeit startet mit "Anders essen - das Experiment" ein Dokumentarfilm in rund 100 Kinos in Deutschland, der sich dem nachhaltigen Essen widmet. Kurt Langbein und Andrea Ernst zeigen darin am Beispiel von drei europäischen Familien, was es bedeuten könnte, anders einzukaufen, zu kochen und zu essen, um den Planeten zu schonen.

Anders Essen, Film, Filmbild
Grafik aus dem Film: Die CO2-Last unserer Lebensmittel Bildrechte: Langbein & Partner

Der Film präsentiert Fakten und Zusammenhänge, die in vielen kritischen ökologischen Dokus der letzten Jahre immer wieder benannt wurden. Aber "Anders essen" führt sie mit einer klugen aufklärerischen Strategie und einem überzeugenden dramaturgischen Konzept sehr gut zusammen.

Um das abstrakte Problem einer Vorstellung von der "Ökobilanz unseres Essens" darzustellen, steht am Anfang von "Anders essen" ein Beispielacker von 4.400 Quadratmetern, der Größe eines kleineren Fußballfeldes. Denn ein Team von Wissenschaftlern der Universität für Bodenkultur Wien hat ausgerechnet; so viel Anbaufläche – 4.400 Quadratmeter – benötigt der Durchschnittsbürger in Österreich, Deutschland oder Frankreich für sein Essen.

Anders Essen, Film, Filmbild
Der Beispielacker: den größten Anteil der Fläche benötigen wir für Futtermittel, für unseren Fleisch- und Milchprodukte-Konsum Bildrechte: Langbein & Partner

Blick in die globalisierte Nahrungswirtschaft

Die Dokumentarfilmer reisen um die Welt und machen so im globalen Süden oder auf den Weltmeeren deutlich, was unsere Nahrungsgewohnheiten und die Lebensmittel, die wir verzehren, da, wo sie produziert werden, faktisch verursachen. Die Reise geht von den indonesischen Palmöl-Plantagen zu den Sojamonokulturen in Lateinamerika bis zu dem "Meer aus Plastik" in Spanien, wo afrikanische Sklavenarbeiter Gemüse anpflanzen.

Regional kaufen als Alternative

Und wir begegnen denen, die jetzt schon eine Alternative zur industriellen Nahrungsmittelproduktion suchen. Dem französische Koch und Restaurantberater François Pasteau beispielsweise, den wir in "Anders essen" um fünf Uhr morgens im größten Großmarkt Europas, in Rungis, sehen, wie er in der Halle, die ausschließlich den Landwirten der Region Paris vorbehalten ist, frisches Gemüse und Fisch begutachtet und ein Plädoyer für das regionale Einkaufen hält:

Anders Essen, Film, Filmbild
François Pasteau Bildrechte: Langbein & Partner

Es ist wichtig, die regionale Landwirtschaft zu unterstützen. In Bezug auf den CO2-Fußabdruck entstehen weniger Transportwege. Und das Gemüse aus der Nähe muss auch keinen Temperaturschock erleben. Der LKW braucht keine Kühlung, um bis zu uns zu kommen.

François Pasteau, Koch und Restaurantberater

Drei Familien als Lernmodelle

Parallel zu den vielfältigen Informationen über die Entstehung unserer Nahrung begleiten die Dokumentarfilmer Langbein und Ernst den Selbstversuch der drei Familien Richter, Kovacs und Allains. Gezeigt wird, wie sie ihren individuellen Nahrungsmittel-Flächenverbrauch und damit die Größe ihres individuellen Ackers zu verringern suchen und fairer und umweltverträglicher zu essen beginnen. Auch indem sie anders kochen, mit weniger Fleisch – in aller Widersprüchlichkeit zu dem, was ihre Gewohnheiten, auch Widerstände einzelner Familienmitglieder betrifft.

Ich finde das toll, weil man sieht eigentlich, dass es gar nicht viel bedarf und wir mit der relativen Kleinigkeit, die wir damit geleistet haben, also schon so weit unten sind.

Vater der Film-Familie Richter

Am Ende ist das Experiment gelungen. Die Mitglieder der Familie Richter brauchen beispielsweise nur noch 3.000 Quadratmeter Ackerfläche gegenüber den "normalen" 4.400 vom Anfang ihres Experiments. Was zu beweisen war bei diesem "Anders essen"-Experiment.

Anders Essen, Film, Filmbild 4 min
Bildrechte: Langbein & Partner

Über den Film "Anders essen - Das Experiment"
Dokumentation von Kurt Langbein und Andrea Ernst
88 Minuten, Österreich 2020

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Februar 2020 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2020, 18:13 Uhr

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