Handschlag zwischen Kim und Trump
Handschlag zwischen Kim und Trump Bildrechte: dpa

Werbeclip für Gipfeltreffen Trumps Video für Kim Jong Un - was hat es zu bedeuten?

So schmeichelt Trump Nordkorea: Das Weiße Haus produzierte ein offizielles Werbevideo für das Treffen der beiden in Singapur. Medienwissenschaftler Lorenz Engell aus Weimar analysiert den Film für MDR KULTUR.

von Mike Händler, MDR KULTUR

Handschlag zwischen Kim und Trump
Handschlag zwischen Kim und Trump Bildrechte: dpa

Ein Film, zwei Hauptrollen: Donald Trump und Kim Jong Un spielen sie in dem vierminütigen Streifen "Eine Geschichte der Gelegenheit". Das vom Weißen Haus produzierte offizielle Werbevideo, präsentierte US-Präsident dem nordkoreanischen Machthaber beim Gipfeltreffen in Singapur. Nun wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Film zeigt Bilder aus den USA und Nordkorea, in deren Mittelpunkt die beiden Staatsmänner stehen. Ein Sprecher preist darin die historische Chance auf eine gute Beziehung beider Länder an. Auffällig ist, dass die Schattenseiten von Nordkorea außen vor bleiben. Für MDR analysierte Medienwissenschaftler Lorenz Engell von der Bauhaus-Universität Weimar den Clip.

Das Video wurde gemacht, um Kim zu schmeicheln.

Lorenz Engell, Medienwissenschaftler von der Bauhaus-Universität Weimar

Nordkoreas Machthaber sei ein Filmexperte, so der Medienwissenschaftler. Schon sein Vater Kim Jong Il habe eine riesige Filmsammlung besessen und das Buch "On the Art of the Cinema" geschrieben. Das überrascht, hatten sich beide doch vor dem Treffen mit den Bezeichnungen "seniler Greis" und "Rocket Man" nicht gerade mit Nettigkeiten überhäuft.

Basketball-Bilder für den Diktator

Doch die amerikanischen Filmemacher wollten den Geschmack Kims treffen. Das beweise beispielsweise die Szene mit dem Basketballspieler, der in Zeitlupe zum Dunking aufsteigt, sagt Professor Engell. Der Nordkoreaner schwärme für Basketball. In Pjöngjang spielten bereits zahlreiche ehemalige NBA-Spieler bei Show-Veranstaltungen. Der ehemalige Chicago-Bulls-Profi Dennis Rodman zählt zu den Freunden von Kim Jong Un.

Hollywoodkitsch mit Pferden und Sonnenaufgängen

Der Medienexperte aus Weimar erkennt "Hollywood-Kitsch" in dem Machwerk. "Sonnenaufgänge, Wolken und Pferde sind zu sehen. 'Helden' reiten gerne auf Pferden. Man denke da beispielsweise an Russlands Präsident Putin." Und neben Kim seien auch wir die Adressaten des Videos, das uns die Sicht Trumps auf die Welt zeigen soll. "Politik ist in diesem Fall aus Bildern gemacht und gleichbedeutend mit einer Deutungsmacht."

Zwei Männer, zwei Anführer, ein Schicksal.

aus dem Videoclip des Weißen Hauses

Dass das politische Ergebnis des Treffens der Staatsmänner vorerst auf diesen Filmbeitrag reduziert sei, findet Engell "krass". Und überdies haben der Text und die Bilder wenig miteinander zu tun. Das "Sammelsurium" des Videos bestehe aus vielen Zusammenhängen und habe verschiedene Herkünfte.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Juni 2018 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 16:42 Uhr

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