Doris Fischer
Doris Fischer, Direktorin der Stiftung "Thüringer Schlösser und Gärten" Bildrechte: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Gespräch mit Stiftungsdirektorin Doris Fischer "Die Menschen berühren": Thüringer Schlösser und ihre Geschichte

Doris Fischer ist seit einem Jahr Direktorin der Stiftung "Thüringer Schlösser und Gärten". Die Kunsthistorikerin und Denkmalspflegerin entscheidet über mehr als 30 Schlösser, Burgen, Klosterareale und Ruinen in Thüringen, darunter Hochkaräter wie Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach. Im Gespräch mit MDR KULTUR erzählt sie von den besonderen Begegnungen mit der Geschichte.

Doris Fischer
Doris Fischer, Direktorin der Stiftung "Thüringer Schlösser und Gärten" Bildrechte: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Der Arbeitsplatz von Doris Fischer, Direktorin der Stiftung "Thüringer Schlösser und Gärten", befindet sich in der Heidecksburg in Rudolstadt, mit Blick auf die historische Altstadt. Reichlich ein Jahr ist Doris Fischer in ihrem neuen Amt. Die Kunsthistorikerin, Denkmalspflegerin und zuletzt stellvertretende Landeskonservatorin in Rheinland-Pfalz hatte sich gegen 30 Mitbewerber durchgesetzt. Bei MDR KULTUR sagt sie, die an Denkmalen und kulturhistorisch bedeutsame Thüringer Landschaft habe sie fasziniert. Die 31 Liegenschaften ihrer Stiftung besuchte Fischer im ersten Jahr fast alle persönlich.

Undenkbar für mich, das vom Schreibtisch zu entscheiden. [...] Ich muss das Original gesehen haben, eine Entscheidungsgrundlage zu haben.

Doris Fischer

Der Umgang mit den Hochkarätern

Über ein Kulturgut zu entscheiden, heißt auch zu überlegen, ob es in den richtigen Händen ist: So gelangte beispielsweise Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach aus einer gescheiterten Privatisierung in die Zuständigkeit der Stiftung. Für Doris Fischer sei dieses Schloss ein Beispiel dafür, was passiert, wenn man zu lange wartet, bis eine Entscheidung getroffen wird. Der Jagd- und Sommersitz der Herzöge von Sachsen-Weimar habe eine einmalig erhaltene Anlage mit Einzelpavillions und Gärten, die sich in die Landschaft des Thüringer Waldes einfügen. Dieses hochkarätige Kulturgut könne jetzt für Thüringen erhalten werden, aber bei den Sanierungsvorhaben merke man eben, dass die Jahre der Untätigkeit der Bausubstanz nicht gut getan haben.

Außenansicht Schloss Wilhelmsthal
Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach Bildrechte: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Hochkarätig heißt für Doris Fischer, "dass es für die Geschichte des Landes Thüringen von großer Bedeutung ist". Wobei die Regelungen der Denkmalpflege in Deutschland "feinteiliger" seien, als anderswo in Europa. Das habe seine Ursache in der starken Kriegszerstörung, so Fischer weiter. In Frankreich oder Italien lebe man viel selbst verständlicher mit dem Bestand.

Geschichte unmittelbar erleben

Als Direktorin der Stiftung hat Doris Fischer auch die Möglichkeit, ganz nah an den Inhalten zu sein. Ein Vorteil einer Stiftung, die nicht so groß ist, wie sie sagt. So habe sie neulich einen großartigen Moment erlebt, als ihre Mitarbeiter auf der Vorburg in Ranis hinter einer Verkleidung auf die ursprüngliche Raumgestaltung aus dem 17. Jahrhundert stießen. Natürlich könne nicht jeder mit auf eine solche Baustelle - aber es sei eben diese Unmittelbarkeit, mit der man Geschichte in solchen Räumen erlebe. Das Thema Vermittlung sei immer wesentlich gewesen für sie. Ein "ganzer Kosmos an Themen" müsse der Öffentlichkeit veranschaulicht werden. Das ginge eben am besten durch etwas, das einen direkt berührt. Da setzt laut Fischer die Vermittlung ein: "wenn sich der Mensch berühren lässt".

Als Doris Fischer durchs Land Thüringen reiste, um ihre Schlösser, Burgen, Klosterareale und Ruinen in Augenschein zu nehmen, hat sie das alles "zwischen Begeisterung und Schrecken" gesehen. Zum einen sei sie natürlich begeistert von dem, was da ist. Zum anderen müsse sie oftmals "tief durchatmen" angesichts der vielen Aufgaben und dem Sanierungsstau. In vielen Fällen ginge es um die bloße Grundsicherung der Bauten. Doch Doris Fischer denkt in großen Zeiträumen: "Es wäre vermessen zu denken, dass man das alles innerhalb der eigenen Arbeitszeit erledigen kann."

Über Doris Fischer In Bittenfeld, in Baden-Württemberg, wurde Doris Fischer 1962 geboren. An der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg studierte sie Europäische Kunstgeschichte, Archäologie und Romanistik. 1993 wurde sie mit einer Dissertation über die St. Paulinuskirche in Trier promoviert. Anschließend arbeitete Doris Fischer als Gebietsreferentin in der praktischen Denkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz. 2001 wurde sie Konservatorin auf Lebenszeit und 2012 Oberkonservatorin. Zur Leiterin des Fachbereichs Inventarisation und stellvertretende Landeskonservatorin wurde Doris Fischer 2015 berufen und im Mai 2016 zur Hauptkonservatorin. Im Mai 2017 trat sie ihr Amt als Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und damit die Nachfolge von Helmut-Eberhard Paulus an.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft ... | 22. September 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2018, 17:02 Uhr