Olymp der Kammermusik Moritzburg Festival: Neuentdeckungen, Gitarrenklänge und Beethoven

Musik unter freiem Himmel und mit einer ganz neuen Kulisse: Wegen der Corona-Epidemie und den Hygiene-Auflagen findet das Moritzburg Festival dieses Jahr vom 2. bis zum 16. August beinahe komplett unter freiem Himmel statt. Trotz der etwas geänderten Umstände ist es damit das eins der ersten Festivals, das nach dem Lockdown veranstaltet wird. Im Zentrum steht in diesem Jahr die Kammermusik des Jubilars Beethoven, die Akademie wird wieder spielen und Gitarrenklänge eröffnen die zweiwöchige Konzertreihe.

Die Sonne scheint durch das bunte Herbstlaub auf das Schloss Moritzburg
Die Konzerte finden dieses Jahr auf der Nordterasse der Moritzburg statt. Bildrechte: imago/Johannes Koziol

Eine barocke Schlossfassade, ein herrlicher Park umgeben von Teichen – das diesjährige Moritzburgfestival verspricht eine Symbiose aus Musik und Landschaft. Laut Festivalleiter Jan Vogler wird es ein völlig anderes Erlebnis, "weil dieses Mal der Austausch zwischen den Künstlern, dem Publikum und der Natur sehr intensiv ist." Denn in diesem Jahr finden aufgrund der Corona-Epidemie und der Hygiene-Auflagen fast alle Konzerte unter freiem Himmel statt. "Wir brauchen ein bisschen gutes Wetter und nicht zu viel Wind, sonst fliegen die Notenblätter weg", erklärt Jan Vogler. Zumindest bei der Eröffnung stehen die Chancen schlecht, denn es wird stürmisch über Sachsen. Doch damit sollte man auf dem Kammermusik-Olymp problemlos fertig werden, denn die Musikerkollegen, die Jan Vogler eingeladen hat, sind meist auch zur Improvisation fähig: Die Geigerin Bomsori Kim aus Südkorea, der deutsche Hornist Tillmann Höfs und der schwedische Cellist Andreas Brantelid werden erwartet.

Schloss Moritzburg wirkt in der blauen Stunde leuchtend orange. 4 min
Bildrechte: dpa
Schloss Moritzburg wirkt in der blauen Stunde leuchtend orange. 4 min
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Der Reiz des Unbekannten

Im Eröffnungskonzert am Sonntagabend spielt die Gitarre eine führende Rolle: Ismo Eskelinen, der finnische Virtuose dieses Instruments, hat bereits vor zwei Jahren gemeinsam mit Jan Vogler eine CD aufgenommen. Zum Beginn des Festivals wird er mit zwei Gitarrenquintetten als Solist auftreten. Zum einen steht mit Luigi Boccherinis "Fandango-Quintett" ein virtuoses Werk auf dem Programm, das oft gespielt wird. Zum anderen kann das Publikum mit Gitarrenquintett, op. 143 von Mario Castelnuovo-Tedesco ein romantisches Stück entdecken. "Dafür ist Moritzburg bekannt: Dass man hier Stücke hören kann, die man noch nie gehört hat, aber bei denen man vielleicht sagt, dass es das Interessanteste am Abend war", hofft Jan Vogler.

Jan Vogler und Ismo Eskelinen
Intendant Jan Vogler und der Gitarrist Ismo Eskelinen Bildrechte: Oliver Killig/pr2classic/dpa

Weitere Informationen Eröffnungskonzert auf der Nordterasse der Moritzburg
am 2. August, 20 Uhr

Programm:
Mario Castelnuovo-Tedesco: Gitarrenquintett op. 143
Luigi Boccherini: Gitarrenquintett D-Dur G. 448 "Fandango-Quintett"
Antonín Dvořák: Klavierquintett Nr. 2 A-Dur op. 81

Im Mittelpunkt: Jubilar Beethoven

Selbstverständlich wird es im großen Jubiläumsjahr Musik von Ludwig van Beethoven geben: So steht neben dem berühmten Septett in Es-Dur, op. 20 das Streichtrio in G-Dur, op. 9 Nr. 1 mit Mira Wang, Ulrich Eichenauer und Christian-Pierre La Marca auf dem Programm.

Lise de la Salle im Festsaal auf der Wartburg
Die Pianisten Lise de la Salle bei einem Solokonzert Bildrechte: MDR

Besonders reizvoll dürfte ein Klaviernachmittag mit der französischen Meisterpianistin Lise de la Salle im Käthe-Kollwitz-Haus sein: Sie spielt Beethoven, während der Dresdener Schauspieler Friedrich Wilhelm Junge Texte von und über den Titanen lesen wird. Für Junge spielte die klingende Kunst immer eine wichtige Rolle: "Musik ist ein Hauptbestandteil meines Lebens geblieben. Es ist auch ganz wichtig für Musiker, dass es Dilettanten gibt und so betrachte ich mich."

Konzerte mit Werken von Beethoven Porträtkonzert auf der Nordterasse der Moritzburg
am 4 August, 19 Uhr
Es spielen Nathan Melzer und Lise de la Salles

Schlosskonzert auf der Nordterasse der Moritzburg
am 4. August, 20 Uhr
Programm:
Ludwig van Beethoven: Streichtrio G-Dur op. 9 Nr. 1
Bohuslav Martinů: Streichquartett Nr. 2
Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 2 A-Dur op. 26

Lesekonzert im Käthe-Kollwitz-Haus
am 8. August, 15 Uhr und 17 Uhr
Es spielen und lesen Friedrich Wilhelm Junge und Lise de la Salle

Schlosskonzert auf der Nordterasse der Moritzburg
am 11. August, 20 Uhr
Programm:
Ferdinand Ries: Klavierquintett h-Moll op. 74
Ludwig van Beethoven: Septett Es-Dur op. 20

Lichtblicke für den Nachwuchs

Menschen tragen Instrumente
Picknickkonzert im Jahr 2019 Bildrechte: Moritzburg Festival

Zum Programm gehört auch trotz Coronavirus die Festival-Akademie, in der ausgewählte Nachwuchsmusiker und -musikerinnen unter Leitung des katalanischen Dirigenten Josep Caballé Domenech ein Orchester formieren. "Die jungen Musiker leiden momentan am meisten", meint Vogler. Viele der Musikerinnen und Musiker studieren noch. Im vergangenen halben Jahr wurden sie beinahe ausschließlich online unterrichtet und hatten keine der sonst üblichen Konzerte oder Klassenabende. "Wir haben wirklich ganz rührende E-Mails bekommen von den Akademie-Teilnehmern, die nun zusammenkommen können. Sie schreiben, dass das für sie der einzige Lichtblick in diesem Sommer ist." Das junge Orchester kann im Schlosspark Proschwitz und auf der Nordterrasse von Schloss Moritzburg scheinen.

Konzerte der Moritzburgakademie Musik-Picknick im Proschwitzer Schlosspark
am 9. August, 11 Uhr

Lange Nacht der Kammermusik auf der Nordterasse der Moritzburg
am 10. August, 19 Uhr

Konzerte während Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. August 2020 | 14:45 Uhr