Drei Goldene Reiter, die Auszeichnungen des Filmfestes Dresden
Die "Goldenen Reiter" sind die Auszeichnungen des Filmfestes Dresden Bildrechte: dpa

Preisverleihung beim 30. Dresdner Filmfest "Goldene Reiter" - erstmals auch für Geschlechtergerechtigkeit

Drei Goldene Reiter, die Auszeichnungen des Filmfestes Dresden
Die "Goldenen Reiter" sind die Auszeichnungen des Filmfestes Dresden Bildrechte: dpa

Mit der Verleihung der "Goldenen Reiter" endete das 30. Filmfest Dresden am Wochenende. Überreicht wurden am Samstagabend zehn "Goldene Reiter" sowie vier Sonderauszeichnungen. Auch der MDR stiftete einen Preis. Das Preisgeld beträgt insgesamt 67.000 Euro.

Preis für Geschlechterthema

Bilder hängen an Quelle: Pressebereich Filmfest Dresden Rechte: Filmfest Dresden, [jew. Regisseur]  Infos: Film: Attak, Regie: Ruben N. Meier  Film: Link, Regie: Robert_Löbel  Film: Neko No Hi, Regie: Jon Frickey  Danke :: Olaf 5580
"Neko no Hi - Cat Days" von Jon Frickey Bildrechte: Filmfest Dresden, Jon Frickey

Erstmals gab es einen "Goldenen Reiter" in der neuen Kategorie "Geschlechtergerechtigkeit im Kurzfilm". Sie ging an den deutsch-japanischen Kinder-Animationsfilm "Neko no Hi - Cat Days" und ist mit 1.000 Euro dotiert. Dargestellt werden darin medizinische Diagnosen, "die Trans- und Inter-Personen die Möglichkeit zur Selbstdefinition verwehren und somit die Entwicklung der geschlechtlichen Identität hemmen", so das sächsische Gleichstellungsministerium. Gestiftet wurde dieser Preis von der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit Sachsen, dem Genderkompetenzzentrum Sachsen und dem Queeren Netzwerk Sachsen. Für "Neko no Hi - Cat Days" bekam der in Hamburg lebende Regisseur Jon Frickey zudem den ARTE-Kurzfilmpreis.

Dieser Animationsfilm hat die ARTE-Jury durch seine Schlichtheit und sorgfältig bearbeiteten Details, wie auch seine leuchtenden Farben überzeugt. Diese starke Ästhetik ist mit einer fabelartigen Geschichte kombiniert, die mit dem Absurden flirtet, um die Thematik der Identität aufzugreifen.

Begründung der ARTE-Jury zum Film

Unterstützung für weitere Arbeit

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"Link" von Robert Löbel Bildrechte: Filmfest Dresden, Robert Löbel

Am höchsten dotiert ist mit 20.000 Euro der Filmförderpreis, der vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gestiftet und seit 2004 vergeben wird. Er ging in diesem Jahr an den in Dresden geborenen Filmemacher Robert Löbel für dessen achtminütigen Animationsfilm "Link". Die beiden Hauptfiguren sind darin über ihre Haare miteinander verbunden - und damit auch in ihren Bewegungsmöglichkeiten.

Mit der finanziell gut hinterlegten Auszeichnung sollen junge Regisseure in die Lage versetzt werden, nach dem preisgekrönten einen weiteren Film zu erarbeiten.

In weniger als acht Minuten tauchen wir in eine Welt voller Metaphern, die es schaffen, mit den einfachsten erzählerischen Mitteln die große Frage des Lebens zu stellen: Wie wollen wir leben?

Jury-Begründung für "Link" von Robert Löbel

Publikumspreis für "Attak"

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"Attak" von Ruben N. Meier Bildrechte: Filmfest Dresden, Ruben N. Meier

Der vom MDR mit 4.000 Euro dotierte "Goldene Reiter" als Publikumspreis im Nationalen Wettbewerb geht an den Kurzfilm "Attak" von Ruben N. Meier.

Gezeigt werden Menschen, die sich per App zum Kämpfen verabreden. Diese sind ausgesprochen unterschiedlich, es eint sie die Suche nach dem Adrenalinkick.

Ein Film, der den Mut hat, sich männlichen Klischees und archaischen Gewaltphantasien zu stellen und sie gleichzeitig auf humorvolle Weise dekonstruiert, ohne seine Protagonisten dabei bloßzustellen.

Die Jury zu "Attak"

Doppelte Freude

Gleich zwei "Goldene Reiter" erhielt der indische Regisseur Amar Kaushik für seinen Film "Aaba - Grandfather". Er wurde in den Kategorien "Kurzspielfilm International" und "Jugendjury International" ausgezeichnet. Hervorgehoben wurde der ausdrucksstarke visuelle Stil sowie der humorvolle Umgang mit dem ernsten Thema Tod. "Ruhig und liebevoll erzählt dieser Film eine Geschichte über das Leben und sein Ende und eröffnet dabei einen ungewöhnlichen Einblick in eine warmherzige und wortkarge Welt.", so die Jury.

The Theory of Sunset, Filmfest Dresden
"The Theory of Sunset" von Roman Sokolov Bildrechte: Filmfest Dresden

In der Rubrik "Animationsfilm International" ging der "Goldene Reiter" an den Kolumbianer Carlos Gómez Salamanca für dessen Film "Lupus". Die Jury begründete: "Ausgehend von realen Ereignissen in seiner Heimat und unter Verwendung verschiedener Animationstechniken, überwindet dieser Film die Begrenztheit einer lokalen Geschichte und wird zur Metapher für eine Krankheit, die sich in vielen Gesellschaften der Welt ausbreitet." Das Preisgeld beträgt 7.500 Euro.

Der "Goldener Reiter" des Publikums International ging an den Russen Roman Sokolov für "The Theory of Sunset".  Dotiert ist die Auszeichnung mit  3.000 Euro, gestiftet von der Sächsischen Zeitung.

Filmfest Dresden im Jubiläumsjahr

Das 1989 gegründete Filmfest Dresden ging in diesem Jahr in die 30. Ausgabe. Im Wettstreit um die "Goldenen Reiter" sind in diesem Jahr 69 Animations- und Kurzspielfilme aus 29 Ländern angetreten. Die besten Kurzfilme wurden von einer 19-köpfige Fachjury ausgewählt. Das Filmfest gehört zu den renommiertesten und höchstdotierten europäischen Kurzfilmfestivals.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 23. April 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2018, 17:17 Uhr