Musikfestival Jazztage Dresden: Debatte um Einladung von Daniele Ganser

Der geplante Auftritt des Schweizer Historikers Daniele Ganser bei den Jazztagen Dresden sorgt für Kritik. Ihm werden Verschwörungstheorien vorgeworfen. Der Intendant der Jazztage, Kilian Forster, verteidigt die Einladung. Der neugegründete Jazzverband Sachsen sieht keine Verbindung Gansers zum Jazz und findet dessen Haltung, gerade in Verbindung mit dem weltoffenen Jazz, problematisch.

Daniele Ganser
Der umstrittene Historiker und Publizist Daniele Ganser. Bildrechte: imago images / Schreyer

Ein Auftritt des Historikers und Publizisten Daniele Ganser sorgt für Debatten rund um die Dresdner Jazztage. Dem Schweizer werden Verschwörungstheorien vorgeworfen, etwa über den Anschlag auf das World Trade Center. Bereits 2019 ist Ganser bei den Jazztagen aufgetreten. Auch das wurde kritisiert, jetzt aber nimmt die Kritik deutlich zu: Es gibt Boykottaufrufe und Rückzüge von Künstlerinnen und Künstlern.

Intendant verteidigt Einladung

Der Intendant der Jazztage Dresden und Bassist der Klazz Brothers Kilian Forster vor dem Plakat der Jazztage Dresden 2020.
Kilian Forster ist Intendant und Begründer der Jazztage Dresden. Bildrechte: imago images/Andreas Weihs

Der Intendant und Begründer der Jazztage, Kilian Forster, begründete bei MDR KULTUR die erneute Einladung auch mit dem Erfolg im Vorjahr: "Wir haben im letzten Jahr gemerkt, wie viel Publikum das gebracht hat und wie die Leute dankbar waren, dass wir ihn eingeladen haben." Aus seiner Sicht wird Daniele Ganser diskriminiert. So sei ihm in der Vergangenheit verboten worden, einen Saal zu mieten. Dies könne nicht sein, "egal ob jetzt jemand von links oder von rechts oder sonst wo kommt". Forster spricht sich dagegen aus, "dass man einfach eine Partei oder Personen dermaßen diskreditiert – entgegen dem, was ich persönlich wahrnehme".

Daniele Ganser steht für mich für Freiheit, für Frieden, für Weltoffenheit, ist ein sehr ruhiger Redner – fast schon Künstler auf der Bühne.

Kilian Forster, Indendant und Begründer der Jazztage

Nicht alle könnten Gansers Themen verkraften oder wollten diese hören, "weil das natürlich auch brutale Themen sind, wie wir in Kriege hineingezogen werden", so Forster weiter. Und Forster folgert: "Da denke ich, es ist wichtig, dass man sowas macht, und es ist ein Beitrag für die Freiheit, die wir eigentlich als Musiker auch leben." Dies passe auch zu den Zielen der Jazztage.

Der Intendant der Jazztage Dresden und Bassist der Klazz Brothers Kilian Forster vor dem Plakat der Jazztage Dresden 2020. 7 min
Bildrechte: imago images/Andreas Weihs

Der Auftritt des Historikers Daniele Ganser bei den Jazztagen sorgt für Unmut. Er gilt als Verschwörungstheoretiker. Kilian Forster, Intendant der Jazztage, verteidigt den Auftritt im Gespräch mit Moderator Thomas Bille.

MDR KULTUR - Das Radio Di 13.10.2020 15:30Uhr 07:20 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Intendant der Jazztage Dresden und Bassist der Klazz Brothers Kilian Forster vor dem Plakat der Jazztage Dresden 2020. 7 min
Bildrechte: imago images/Andreas Weihs

Der Auftritt des Historikers Daniele Ganser bei den Jazztagen sorgt für Unmut. Er gilt als Verschwörungstheoretiker. Kilian Forster, Intendant der Jazztage, verteidigt den Auftritt im Gespräch mit Moderator Thomas Bille.

MDR KULTUR - Das Radio Di 13.10.2020 15:30Uhr 07:20 min

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Der Festival-Intendant lädt die Kritiker dazu ein, nach Dresden zu kommen. Gerne könnten sie Wissenschaftler mitbringen, die Ganser widerlegen: "Dann können wir respektvoll miteinander diskutieren und schauen, was dabei rauskommt." In seiner Vorstellung können auch Ganser-Befürworter und -Kritiker zum gemeinsamen Musizieren zusammengebracht werden.

Kritik vom Jazzverband Sachsen

Der erst im Sommer 2020 gegründete Jazzverband Sachsen kann die Einladung Gansers nicht nachvollziehen. Der Verband wendet sich in einem offenen Brief an Kilian Forster und fordert eine Stellungnahme des Intendanten.  

Vorstandsmitglied Robert Lucaciu sagte MDR KULTUR: "Es ist zunächst generell irritierend, dass Herr Ganser bei den Jazztagen auftritt, da er selbst unseres Wissens nach gar keine Verbindung zur Jazz-Musik pflegt oder hat." Dass ein Historiker mit Nähe zu neurechten und antisemitischen Kreisen bei dem Festival unwidersprochen Vorträge halte, sei sehr problematisch.

Lucaciu: Weltoffener Jazz nicht mit Ganser vereinbar

Zwar stünden Jazz und auch die zum Festival eingeladenen Künstlerinnen und Künstler unter der Narrenfreiheit der Kunst. Bei Ganser handele es sich aber eben nicht um einen Künstler, so Lucaciu, sondern um einen "Verschwörungstheoretikern nahestehender und Quellen aus dem neorechten Spektrum zitierender Mensch, der Vorträge hält". Das sei im Gestus des Jazz, der für Weltoffenheit, Toleranz und Antirassismus stehe, problematisch zu beobachten.

Der Verband hoffe in der Angelegenheit auf einen Dialog. Man wolle eine Spaltung der Jazzlandschaft in Sachsen vermeiden und setze auf ein Miteinander und kein Gegeneinander.

Daniele Ganser 6 min
Bildrechte: imago images / Schreyer

MDR KULTUR - Das Radio Di 13.10.2020 15:30Uhr 05:45 min

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Daniele Ganser 6 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Oktober 2020 | 17:10 Uhr