Markus Rindt
Markus Rindt Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Gespräch mit Intendant Markus Rindt 20 Jahre Dresdner Sinfoniker: Ein Orchester, das politische Zeichen setzt

Markus Rindt ist Intendant eines der ungewöhnlichsten deutschen Orchester. Die Dresdner Sinfoniker setzen immer wieder auch politische Zeichen. So spielten sie an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, um gegen den geplanten Mauerbau zu protestieren. Für dieses Engagement gibt es jetzt eine Auszeichnung, den Erich-Kästner-Preis, den zuvor schon Joachim Gauck, Richard von Weizsäcker oder Ignaz Bubis erhielten.

Markus Rindt
Markus Rindt Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Markus Rindt erhält in diesem Jahr den Erich-Kästner-Preis. Am 2. Dezember wird er die Auszeichnung des Dresdner Presseclubs für sein vielfältiges Engagement gegen Nationalismus, Fanatismus und Abschottung im Schloss Albrechtsberg in Dresden entgegennehmen. Im Gespräch mit MDR KULTUR bekannte der Mitbegründer und Intendant der Dresdner Sinfoniker, dass er zunächst ungläubig auf die Auszeichnung reagierte, die ihn in eine Reihe mit Preisträgern wie Joachim Gauck, Richard von Weizsäcker oder Ignaz Bubis stellt.

Ich freue mich riesig, das ist eine unglaubliche Ehre, ich konnte es fast nicht glauben.

Markus Rindt
Die Dresdner Sinfoniker spielen am 03.06.2017  unter der Leitung von Markus Rindt an der Grenze zwischen Mexiko und USA in Tijuana (Mexiko).
Die Dresdner Sinfoniker spielen am 03.06.2017 unter der Leitung von Markus Rindt an der Grenze zwischen Mexiko und USA in Tijuana (Mexiko). Bildrechte: dpa

Die Dresdner Sinfoniker erzielten internationale Aufmerksamkeit, als sie aus Protest gegen die u.a. von US-Präsident Donald Trump vorgesehene Mauer an der Grenze zwischen Mexiko und den USA ein Konzert spielten. Rindt erklärte dazu bei MDR KULTUR: "Mich hat das unglaublich geärgert, weil wir uns ja wahnsinnig gefreut haben, dass Mauern gefallen sind, auch in Europa damals." Die Jury begründete die Auszeichnung damit, dass das Orchester mit dem Konzert und Kunst-Happening ein deutliches Signal für Toleranz, Humanität und Völkerverständigung gesetzt habe.

Man kann mit Musik Türen öffnen und kann auch Menschen anders erreichen, als wenn man nur einen Vortrag hält oder darüber erzählt.

Markus Rindt

Feier zum 20. Orchesterjubiläum

Die Dresdner Sinfoniker stehen am Abend des 30.04.2016 auf der Bühne nach der Aufführung des Konzertprojektes Aghet im Schauspielhaus Hellerau in Dresden (Sachsen).
Die Dresdner Sinfoniker Bildrechte: dpa

Fast zeitgleich zur Auszeichnung feiern die Dresdner Sinfoniker ihr zwanzigjähriges Bestehen. Dafür soll es am am 1. November ein Konzert im Erlwein Capitol geben, das zugleich die Jazztage Dresden eröffnet. Auch in diesem Konzert zeigt sich die mittlerweile enge Verbindung, die zwischen dem Orchester und Mexiko besteht.

Bei dem Jubiläumskonzert soll die Rockoper "El Resplandor de los Disidentes" des mexikanischen Komponisten Enrico Chapela zu hören sein. Darin verarbeitet er eines der tragischsten Kapitel der 1968er-Jugendrevolte, das Massaker an Studenten, die in Mexiko für gesellschaftliche Reformen auf die Straße gingen. Die Besetzung der Aufführung ist recht ungewöhnlich, neben vier Sängern aus Mexiko City spielt eine Metal-Band mit dem Orchester. Für Rindt steht sie aber genau für den kreativen Geist der Dresdner Sinfoniker.

Wer kann sich schon vorstellen, wie eine Metal-Band mit Orchester klingt. Das ist auf jeden Fall sehr selten zu hören - und das ist genau das, was die Dresdner Sinfoniker ausmacht.

Markus Rindt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft | 27. Oktober 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2018, 18:05 Uhr