Filmszene: Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihren Bikes
Szene aus Easy Rider: Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihren Bikes Bildrechte: imago/United Archives

Kinostart vor 50 Jahren "Easy Rider" und der Traum von Freiheit – Wie aktuell ist der Film heute?

"Easy Rider" ist ein Monument der Gegenkultur der 68er. Der Film erzählt von zwei Freaks (gespielt von Dennis Hopper und Peter Fonda), die mit dem Geld aus einem Drogendeal zwei Harley Davidsons kaufen, quer durch die USA fahren und am Ende auf einem Highway erschossen werden. 50 Jahre ist es her, dass "Easy Rider" im Juli 1969 in den USA startete – im Dezember 1969 kam er in die deutschen Kinos. Hat dieser Klassiker mit seinem Blick auf Amerika heute noch Relevanz?

von Hartwig Tegeler, MDR KULTUR-Filmkritiker

Filmszene: Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihren Bikes
Szene aus Easy Rider: Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihren Bikes Bildrechte: imago/United Archives

Gespaltene Gesellschaft: In den letzten Monaten gab es immer wieder Stimmen aus den USA, die warnten: Wenn Präsident Trump seines Amtes enthoben würde, gäbe es in den USA einen zweiten Bürgerkrieg. Düstere Prophezeiung oder nur die Analyse eines zerrissenen, brodelnden Landes? Es wirkt jedenfalls 50 Jahre nach "Easy Rider" wie ein Déjà-vu.

Der Traum von der Freiheit

Zwei fahren mit dem Motorrad durchs Land, von Los Angeles nach New Orleans zum Mardi Gras, um die Essenz von Amerika zu erleben. Doch kurz vor Ende des Films fällt ein kryptischer Satz am Lagerfeuer:

Geschafft, geschafft, wir haben es geschafft. Wir sind reich, Wyatt. Jetzt können wir uns in Florida in die Sonne legen, Mister. Darum dreht sich doch alles, du weißt doch. Man sieht zu, dass man ans große Geld kommt, und dann ist man frei.

Aus dem Film "Easy Rider"

Wyatt (Peter Fonda) antwortet Billy (Dennis Hopper) nur mit: "We blew it!" ("Wir haben's vermasselt"). Das war 1969. Kein Mensch verstand damals, was das bedeuten sollte. Denn der Film "Easy Rider" war doch gerade Hymne der rebellischen Gegenkultur, stand für den Aufbruch, wunderbar zusammengehalten vom Rock 'n' Roll-Soundtrack der Zeit: Steppenwolf, Jimi Hendrix, den Byrds, Roger McGuinn, The Band.

"We blew it!" – Eine dunkle Vorahnung

Aber Vorahnung wovon? In diesem Satz "We blew it!" implodiert alle Leichtigkeit der Rebellen auf ihren Harleys, die schon bei ihrem ersten Versuch, ein Motelzimmer zu bekommen, scheitern. So wie der Fremde von einem Redneck (bzw. vom amtierenden US-Präsidenten) unter generellen Terrorverdacht gestellt wird, so war der kiffende Hippie Ende der 60er-Jahre Symbol für Unordnung und Chaos, die das alte System erschüttern, vielleicht sogar aus den Angeln heben würden. So die Angst.

Jack Nicholson und Peter Fonda
Jack Nicholson (li) und Peter Fonda (re) in "Easy Rider" Bildrechte: imago/United Archives

"Easy Rider" stand auch als Film für eine ganz neue Zeit. 1967, 1968 – finanziell waren die alten Hollywood-Studios angeschlagen. Eine neue Generation von Filmemachern wartete. Das Startzeichen gab Warren Beatty mit "Bonnie und Clyde". Peter Fonda hatte die Idee zu einem Road-Movie, ach was: zu dem Road-Movie schlechthin, in dem zwei Freaks auf Motorrädern durchs Land fahren, die Kohle von einem Drogendeal im Tank. Irgendwie schafften Dennis Hopper als Regisseur und Peter Fonda als Produzent es, "Easy Rider" zu drehen. Später versuchte der durchgeknallte Dennis Hopper, Peter Fonda die Co-Autorenschaft per Gerichtsbeschluss zu entziehen. Das lernt man auch bei "Easy Rider": Gute Filme sind das eine, gute Menschen das andere, beides hat nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.

Startschuss für ein "New Hollywood"

"Bonnie und Clyde" und "Easy Rider" waren also Startschuss für das "New Hollywood", in dem der Regisseur, und nicht allein der Produzent, etwas galt. Doch die großen und auch größenwahnsinnigen Filmemacher wie Coppola, Cimino oder Scorsese wurden eine Dekade später von den Statthaltern der alten Studios entmachtet. Diese entdeckten und feierten mit dem Riesenerfolg von Spielbergs "Der weiße Hai" das Blockbusterprinzip.

Bezog sich das "We blew it!" auf die Ahnung, dass das Kassenprinzip die Kunst wieder besiegen würde? Oder dürfen, können, müssen wir dieses "Wir haben's vermasselt!" als düsteres Statement lesen, dass es keine Chance auf einen gesellschaftlichen Wandel gibt, der ja Ziel der 68er-Gegenkultur war?

Billy und Wyatt werden am Ende von ihren Harleys geschossen. Und natürlich stellt sich die Frage, ob sich am gesellschaftlichen Klima irgendetwas verändert hat, wenn heute ein Rassist – im gleichen Geiste wie die schießenden und lachenden Rednecks in "Easy Rider" – mit dem Auto in Charlottesville in eine Gruppe von Menschen fährt, die gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten demonstrieren? "Easy Rider" bleibt auch nach einem halben Jahrhundert schmerzhaft aktuell.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. August 2019 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 11:00 Uhr

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